Intel Sandy Bridge E und Sockel 2011: Ein (problematischer) Überblick
Mit der auf dem Sockel 2011 basierende Plattform Waimea Bay samt dem Patsburg-Chipsatz will Intel Ende des Jahres die monströsen CPUs aus der Core-i7-3000-Reihe, Codename Sandy Bridge E, in den Desktop-Markt schicken. Derzeit zeichnen sich aber einige Probleme ab, die den Start zu verzögern scheinen - ein (problematischer) Überblick.
Intels derzeitige High-End-Plattform im Desktop-Bereich ist der Sockel 1366 mit Bloomfield- und Gulftown-CPUs, welche als Core i7-900 im Handel erhältlich sind. Das derzeitige Flaggschiff ist der Core i7-990X, welcher vor allem in Anwendungen deutlich flotter ist alle anderen Chips - auch schneller als das Topmodell für die Mittelklasse-Plattform Sugar Bay, der Core i7-2600K auf Basis von Sandy Bridge für den Sockel 1155. Mit Waimea Bay soll im November 2011 der Nachfolger für die 1366-Plattform erscheinen: Der Sockel 2011 mit eben dieser Anzahl an Kontakten für die Prozessoren der Serie Core-i7-3000, besser bekannt als Sandy Bridge E.
Intel Sandy Bridge E und Sockel 2011: Ein Riese
Die 2011 Kontakte sind nicht ohne Grund vorhanden, denn in den riesigen Sockel kommen entsprechend große CPUs. Die Sandy Bridge E werden zwar im 32-Nanometer-Prozess gefertigt, sind aber aufgrund von bis zu acht Kernen, 20 MiByte L3-Cache, einem Quadchannel-Speicherinterface oder auch dem PCI-Express-3.0-Controller im Chip äußerst wuchtig. Damit die CPU an ihrem Platz bleibt, verfügt der Sockel sogar über zwei Hebel - ein Novum im Desktop-Segment. Auch die TDP von bis zu 150 Watt und die Kompatibilität zu Kühlern für den Sockel 1366 machen deutlich, welch monströse Chips Intel hier in den Markt schicken will.
Intel Sandy Bridge E und Sockel 2011: Für den Desktop kastriert
Sie haben richtig gelesen, acht Kerne sollen es sein - aber nicht für den Desktop. Ob es eine Frage der Yields ist oder sich Intel die ganz dicken Brocken aufheben möchte, ist nicht bekannt. Laut Roadmaps gesichert gilt, dass im vierten Quartal 2011 der Core i7-3960X mit "nur" sechs Kernen als Flaggschiff vom Stapel läuft, für die üblichen 999 US-Dollar (bei Abnahme von 1.000 CPUs). Die Achtkerner werden eventuell als Xeons für die E7-Reihe zurück gehalten; die E5-Palette umfasst nach aktuellem Stand auch nur Modelle mit maximal sechs Kernen. Der Patsburg-Chipsatz sollte ursprünglich auf der D-Ausbaustufe basieren und als X79 im Desktop-Markt antreten. Stattdessen speckt Intel den Chip ab und bringt nur einen X79 auf Basis der B-Version. Dieser fehlt vor allem das DMI-3.0-Interface zwischen CPU und Chipsatz, denn dieses besteht aus vier gekoppelten PCI-E-3.0-Lanes. Offenbar konnte Intel dieses mangels verfügbaren Geräten nicht testen und hat es kurzerhand aus dem Chip geworfen - deswegen wurde Waimea Bay möglicherweise auf der vierte Quartal verschoben, statt wie anscheinend ursprünglich geplant im August. Der einst thematisierte Sockel 1356 ist zudem seit Monaten nicht mehr Teil der News gewesen.
| Modell | Basistakt | Turbo | Kerne | L3-Cache | TDP |
|---|---|---|---|---|---|
| Core i7-3960X | 3,3 GHz | 3,9 GHz | 6 | 15 MiByte | 130 Watt |
| Core i7-3930K | 3,2 GHz | 3,8 GHz | 6 | 12 MiByte | 130 Watt |
| Core i7-3820 | 3,6 GHz | 3,9 GHz | 4 | 10 MiByte | 130 Watt |
| Modell | SATA | SAS-6GB/s | DMI 3.0 |
|---|---|---|---|
| Patsburg-A | 4x (6GB/s) | nein | nein |
| Patsburg-B (X79) | 6x (6GB/s), 4x (3GB/s) | 4x | nein |
| Patsburg-D/-X | 10x (6GB/s), 4x (3GB/s) | bis zu 8x | ja |
| Patsburg-T | 10x (6GB/s), 4x (3GB/s) | bis zu 8x | ja |
Intel Sandy Bridge E und Sockel 2011: Ein teures Vergnügen
Schon beim Sockel 1366 kosten die Mainboards vergleichsweise viel Geld, die Preise reichen von 125 über 200 bis hin zu satten 400 Euro. Einer der Faktoren hierfür ist das Triplechannel-Speicherinterface, Waimea Bay liefert dank Sandy Bridge E noch einen Kanal mehr. Dies erhöht den Aufwand bei der Herstellung der Platinen, vor allem aber die Anzahl der Layer - und ein weiteres RAM-Modul des Typs DDR3-1333 sollte es natürlich auch sein. Abgesehen von der 1.000-Euro-CPU Core i7-3960X treten noch der sechskernige Core i7-3930K und das Quadcore-Modell Core i7-3820 an. Letzterer ist auf dem Papier etwas flotter als der Core i7-2600K und wird von Intel ins gleiche Preis-Segment einsortiert, wir gehen daher von einem Kostenpunkt grob Richtung 300 aus. Der Core i7-3930K dürfte irgendwo in der Gegend von 500 Euro landen.
Intel Sandy Bridge E und Sockel 2011: Und wer braucht's?
Alleine für die Kombo aus "günstigem" Board, 8 GiByte RAM und einem Core i7-3820 sind damit schon im Bereich von circa 500 Euro fällig - mit 16 GiByte, einer Luxus-Platine und einem Core i7-3960X stehen dagegen schon mal über 1.500 Euro auf der Einkaufsliste. Damit ist Waimea Bay eigentlich nur für Enthusiasten interessant, die bereit sind, einen saftigen Aufpreis für die gebotenen Leistung hinzublättern - allerdings war das schon immer so. Das volle Potenzial der Plattform wird ohnehin erst Ivy Bridge abrufen, wenn CPUs im 22-Nanometer-Verfahren für den Sockel 2011 erscheinen. Inwiefern AMDs im August oder SeptermberBulldozer einem Sandy Bridge E mit sechs Kernen das Wasser reichen kann, ist unbekannt - den bisherigen Einschätzungen nach dürfte sich das Topmodell FX-8150(P) mit dem Core i7-3820 duellieren. Und das zu einem besseren Plattformpreis sowie schon einige Wochen früher.

mfg
und der kleinste wirklich 300, soll aber nur ein etwas aufgepeppter Sandy sein, also nur mehr Cache und kein echter Sandy E
Intel ist nicht so blöd und verkauft den einen für 900€ und den fast gleichen 6 kerner mit offenen Multy für 580€ ... das wäre schön, aber wir sind nicht im Märchenland
Wenn das Flagschiff 999$ kostet , dann kostet der 3930K 900$ ... warum ??? Weil sonst der 3960X keine Existenzberechtigung hätte, da der 3930K 6 Kerne + offenen Multy hat
und der kleinste wirklich 300, soll aber nur ein etwas aufgepeppter Sandy sein, also nur mehr Cache und kein echter Sandy E
Na Ich meinte ja, dass die 1155 Plattform mit einer Grafikkarte zum Zocken völlig reicht. Daher hast du ja auch recht was Multi-GPU und Zocken angeht.
Naja, man kann die Plattform natürlich auch mit nur einer Karte betreiben. Ich meine aber, dass die Zielgruppe eher Enthusiasten sind die Benchen wollen (mit zwei oder mehr GFX-Karten) oder eben professionelle Anwender, die von einer Hexa bzw. Octacore CPU und einem Quad-Channel Speicherinferface profitieren, sprich für Anwendungen.
Die Sandy Bridge-E bieten ja 40 PCIe 3.0 Lanes, weshalb mehrere Grafikkarten da schon Sinn machen, selbst wenn man sie nichts fürs Zocken oder Benchen nutzt, sondern um mittels CUDA oder OpenCL Anwendungen zu beschleunigen. Dafür ist die Plattform ja schon prädestiniert.
@quantenslipstream: Was den i7 970 angeht, hast du schon recht. Da war der Startpreis schon lächerlich. Für nen Hunni mehr bekam man schon den 980X mit freiem Multi, mehr Cache und etwas mehr Takt. Da wäre man schon leicht doof gewesen, zum 970er zu greifen.
Ich hab für meine CPUs immer genug Arbeit, auch gänzlich ohne ein Game zu spielen.
@Topic: Für mich kommt nur ein 8-Kerner (oder >8) in Frage. Aber einen Xeon werd ich mir sicher nicht (mehr) kaufen, selbst wenn er problemlos in ein Desktop-Mobo paßt. Jetzt hab ich so lange mit meinem QX6700 (4er) ausgehalten, da werd ich auch noch bis zum nem "gescheiten" 8er warten können. Hoffe ich zumindest, denn mir juckt es mittlerweile xtrem in den Fingern mir endlich mal wieder n schönes / schnelles / aktuelles System zusammen zu stellen... PCIe-SSD (System), normale SSDs (Programme/Games), ein paar 2,5" 600GB 10kpm Raptoren (Storage), ne aktuellere CPU, 16GB-RAM... ich hab diesbezüglich _reichlich_ nachholbedarf...
@Marc: Thx.