Stromsparen nun auch mit Spieleleistung vereinbar

Nvidias Hybrid-SLI im PCGH-Praxistest

Die frühe Ankündigung brachte eine lange Wartezeit mit sich, doch heute ist es endlich soweit: Nvidias Hybrid-SLI erblickt offiziell das Licht der Welt und ermöglicht spielefähige Systeme mit niedriger Leistungsaufnahme. Wir werfen einen ersten Blick auf die Technologie. (Carsten Spille, 06.05.2008)
 
Nvidia Hybrid-SLI im PCGH-Praxistest
 
Nvidia Hybrid-SLI im PCGH-Praxistest [Quelle: siehe Bildergalerie]


Hybrid-SLI ist seit letztem Jahr bereits ein sogenanntes Buzzword - ein herumschwirrender, immer wieder gern aufgenommener Begriff für eine Technologie, die es bis dato nur hinter verschlossenen Türen oder auf dem Papier gab. Mithilfe dieser Technik, welche es seit heute auch offiziell gibt, möchte Nvidia die in den Nforce-Chipsätzen der 700a-Reihe, also Nforce 720a, 730a, 750a, 780a und die als Geforce 8100, 8200 und 8300 bezeichneten Chipsätze, für AMD-Prozessoren integrierte Grafikeinheit nutzbringend einsetzen. Und zwar nicht nur in Systemen, die allerhöchstens mal ein Flash-Spiel im Internetbrowser oder Die Sims bewältigen müssen.

Hybrid-SLI verfügt über zwei Betriebsmodi: Geforce Boost und Hybrid Power. Der erste Modus aktiviert die SLI-Technologie zwischen Onboard-GPU (im Nvidia-Jargon mGPU genannt) und einer gesteckten PCI-Express-Karte. Während dies in der Praxis interessant klingt, dürfte es für den typischen PCGH-Leser eher wenig spannend sein, die Grafikleistung eines Mainboard-Chipsatzes und einer Low-End-Karte zu kombinieren. Wir werden uns daher auf das wesentlich spannendere Thema Hybrid-Power konzentrieren.

Selbst die PCs von Spielern laufen einen großen Teil der Zeit im Windows-Betrieb, im 2D-Modus oder zur Videowiedergabe nur im Teilllastbereich. Eine besonders hohe 3D-Leistung ist hier nicht vonnöten. Umso mehr belastet es Umwelt und Stromrechnung, wenn die teure 3D-Karte hier unnütz Leistung verbrät. Das Problem wird durch die zunehmende Verbreitung von SLI- und Crossfire-Systemen noch potenziert, da hier komplette Grafikkarten in der Regel brachliegen.

Während AMD das Problem bereits seit November 2006 mittels Integration der Notebook-Technologie Powerplay angeht, ist besonders der Idle-Verbrauch der Nvidia-Karten aktuell in der Kritik. Hier setzt Hybrid-SLI an.

[index]



Voraussetzungen für Hybrid-SLI
Hybrid- oder auch H-SLI funktioniert derzeit nur unter Windows Vista - eventuelle Pläne, die Technik auch für Windows XP verfügbar zu machen, sind uns nicht bekannt. Wie auf der letzten Seite erwähnt, bietet Nvidia Hybrid-SLI derzeit nur für die AMD-Prozessorreihe an. Hier brauchen Sie einen der folgenden Chipsätze samt passender Treiber, damit Hybrid-SLI funktioniert.

• Nforce 720a
• Nforce
730a
• Nforce
750a
• Nforce
780a
oder
• Geforce 8100
• Geforce
8200
• Geforce
8300

Um Hybrid-Power zu nutzen, ist aktuell eine Geforce 9800 GTX oder eine Geforce 9800 GX2 nötig. Kommende Grafikkarten können diese Technik ebenfalls unterstützen, sofern Sie über einen PIC16F690-Controller verfügen. Dieser Chip ist nötig, um die Grafikkarte in den Winterschlaf zu versetzen und wieder daraus aufzuwecken.

Das ist auch der Grund, warum Hybrid-Power nicht per Treiberupdate für ältere Karten nachgeliefert werden kann - unserem aktuellen Kenntnisstand zufolge sind weder PCI-Express 2.0 noch G9x-Chips zwingende Voraussetzungen für Hybrid-Power - es hängt alles an dem kleinen Controller-Chip.

Die Umschaltung zwischen den verschiedenen Modi erfolgt im laufenden Windows-Betrieb und nimmt im Normalfall zwei bis drei Sekunden in Anspruch. Im derzeitigen Stadium von Hybrid-SLI müssen Sie dazu manuell das Taskleisten-Icon anklicken und den gewünschten Modus auswählen:
• Energie sparen (Energy Save)
• Leistung steigern (Boost Performance)
• Zusätzliche Displays (Additional Displays)
Die Planung geht momentan dahin, diese Umschaltung in einer späteren Software-Version automatisch und in Abhängigkeit vom Lastzustand geschehen zu lassen.

[index]



Der PCGH-Praxistest
Vista installieren und updaten, Nforce-Treiber v18.11 und schließlich die passenden Geforce-Treiber 175.14 einbinden, neu Starten und fertig. Ganz so reibunglos funktionierte die neue Technik im Praxiseinsatz dann leider noch nicht. Trotz frischer Vista-x64-Installation auf unserer wie folgt konfigurierten AMD-Stromspar-Plattform kam es neben sporadischen Abstürzen des Taskleisten-Tools noch zu Problemen beim Umschalten zwischen den verschiedenen Betriebsmodi.

• Prozessor: AMD Athlon 64 X2 BE2400 (2,3 GHz, 2x512 KiByte L2-Cache)
• Mainboard: Asus M3N-HT Deluxe (Nforce 780a SLI)
• Speicher: Mushkin Enhanced HP2-8500 (Timings 5-5-5-18)
• Netzteil: Enermax Liberty (550 Watt Nennleistung)
• Display: Fujitsu-Siemens Q26W-1 (via HDMI direkt am Board angeschlossen)

Lief dann aber alles wie geplant, war die "Leistung" von Hybrid-SLI beeindruckend. Im Idle-Betrieb ohne gesteckte Grafikkarte maßen wir eine Leistungsaufnahme für den gesamten PC von 76,4 Watt. Im regulären "Leistung steigern"-Modus, welcher nach dem Starten automatisch eingestellt wird, stieg diese mit einer Zotac Geforce 9800 GTX in der übertakteten AMP-Edition auf rund 127 Watt. Sobald jedoch der Energiesparmodus mittels Taskleistensymbol aktiviert wurde, sank die Leistungsaufnahme im Idle-Modus auf etwa 77,6 Watt - also nur minimal über dem Betrieb ohne externe Grafikkarte. Der Lüfter der Zotac-Karte wurde dabei komplett angehalten.
[index]



Fazit Nvidias Hybrid-SLI ist eine sinnvolle Option vor allem, um auch mit Geforce-Karten bestückten High-End-Systemen endlich das Stromsparen beizubringen. Besonders sinnvoll ist Hybrid-SLI bei Multi-GPU-Systemen - zumal hier für SLI-Betrieb sowieso ein Nforce-Chipsatz nötig ist. Etwas problematisch stößt hier jedoch die Tatsache auf, dass aktuelle Hybrid-SLI-fähige Chipsätze auf Single-Link-DVI und damit auf 1.920x1.200 Pixel beschränkt sind - die wenigen echten Enthusiast-Maschinen mit 30-Zoll-Displays bleiben somit außen vor, wenn die Besitzer sie im 2D-Modus in der nativen Auflösung betreiben wollen.

Bleibt zu hoffen, dass Hybrid-SLI in Zukunft verlässlicher funktioniert und nach Möglichkeit automatisch zwischen Idle- und Lastbetrieb hin- und herschaltet.

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick auf die Zukunft - sieht so die nächste Nvidia-Karte aus? 4 GiByte GDDR4-RAM auf einer Geforce-Karte...
Die Auflösung: Vermutlich bringt die Umschaltung zwischen den verschiedenen Hybrid-SLI-Modi das Tool GPU-z durcheinander. :-)
[index]


Bildergalerie zum Artikel
 
 
 
 
 
  1. Palit GeForce GTX 670
    € 349.80
  2. Gigabyte GeForce GTX 670 OC
    € 378.39
  3. ASUS GTX670-DC2T-2GD5
    € 409.80
  4. Palit GeForce GTX 670 JetStream
    € 377.90
  5. ASUS GTX670-DC2-2GD5
    € 394.80
  6. Sapphire Radeon HD 7850 OC
    € 218.99
  7. Sapphire Radeon HD 7850
    € 209.80
  8. Sapphire Radeon HD 7870
    € 284.30
  9. Gainward GeForce GTX 670 Phantom
    € 390.89
  10. EVGA GeForce GTX 670
    € 358.00
 
 
2679 User online
Anmelden & mitmachen
Benutzername:
Kennwort:
Angemeldet bleiben
Jetzt mitdiskutieren!
Jetzt bestellbar!
Alles zu Crysis 3
Die besten Deals
Komplett-PCs von PCGH
Komplett-PCs von PCGH
So unterstützen Sie PCGH
Folgen Sie PCGH
Aktuelle Heft-Ausgabe
Print: Welche Heft-DVD-Inhalte der Ausgabe 06/2012 haben euch gefallen?
Opensource-Spiele-DVD: 125 Spiele (13.16%)
Vollversion: PCGH-Testdatenbank 1.4 (17.11%)
Special: Geforce GTX 680 (34.21%)
Special: Ivy Bridge (34.21%)
Video: Redakteure im Kreuzfeuer mit Stephan Wilke (24.12%)
Video: Geforce 680 GTX in der Praxis (31.14%)
Video: PCGH experimentiert: alternative Wärmeleitmittel (22.37%)
Video: Praxisguide Ivy Bridge (23.68%)
Video: Mainboard optimal aufrüsten (23.25%)
Begleitmaterial zu Artikeln (8.33%)
Standard: Tools (7.02%)
Standard: Treiber (7.46%)
Bin Magazin-Leser, keine DVD (21.49%)
Bin Online-Leser (26.32%)
228 Teilnehmer
PCGH-Webshops