S3 Chrome 400 Series

PCGH-Test: S3 Chrome 430 GT vs. Radeon HD und Geforce 8

Über zwei Jahre hat es gedauert, doch jetzt meldet sich mit S3 Graphics ein 3D-Urgestein zurück, um dem AMD-Nvidia-Duopol den Kampf anzusagen. Wir verraten, ob dieser Angriff von Erfolg gekrönt sein könnte. (Raffael Vötter, 16.04.2008)
 
Chrome 430 GT  im PCGH-Test
 
Chrome 430 GT im PCGH-Test [Quelle: siehe Bildergalerie]

Falls Sie den Namen dieser GPU-Schmiede gerade zum ersten Mal lesen, dann ist das wenig verwunderlich. S3 Graphics blickt zwar auf langjährige Erfahrung im GPU-Bereich zurück, hatte seine Hochzeiten jedoch bereits, als die Grafikkarten noch das Laufen lernten. Nach dem Grafik-"Entschleuniger" Virge folgten mit der Savage-Serie bis zum Jahr 2000 leidlich konkurrenzfähige Produkte. Dann wurde es relativ still um S3, bis sich die Fremonter 2003 mit dem Deltachrome zurückmeldeten. Später folgte der Gammachrome und Ende 2005 schließlich die Chrome-S20-Serie, welcher wir auch in der aktuellen PCGH Extreme ein Kapitel widmen.

Die Chrome-400-Serie
Nach diversen Verzögerungen ist nun die Chrome-400-Serie (Codename Destination Films) erhältlich. Genauer gesagt handelt es sich beim ersten Spross der Familie um das Low-Cost-Modell: Die nachfolgend betrachtete Chrome 430 GT wird in S3s G-Store mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 60 US-Dollar (etwa 38 Euro) angegeben. Dafür erhalten Sie neben der zierlichen Karte im Low-Profile-Format lediglich eine Treiber-CD, einen DVI-VGA- und einen DVI-HDMI-Adapter. Die Deutschland-Distribution übernimmt Memorysolution. Laut deren Aussagen ist die Massenfertigung in vollem Gange; die Karten sollen binnen der nächsten zwei Wochen erhältlich sein - für etwa 30 Euro.

Aus technologischer Sicht hat S3 seine Hausaufgaben gründlich gemacht. Die Checkliste umfasst eine Unified-Shader-Architektur, die Unterstützung von Open GL 2.1, PCI-Express 2.0, HDMI und Hardware-Videobeschleunigung für H.264, VC-1, MPEG-2 und AVS. Beim Shader-Modell zieht S3 mit AMD gleich und bietet schon Version 4.1 an. Das in 65-Nanometer-Technologie gefertigte Paket bringt es laut inoffiziellen Aussagen auf etwa 200 Millionen Transistoren, was Radeon HD 3450 und Geforce 8400 GS gleichkommt. Die 256 MiByte GDDR2-Speicher der Chrome 430 GT finden Anschluss an ein 64-Bit-Interface, das bei 500 MHz Standardtakt für eine Bandbreite von 8 GiByte pro Sekunde sorgt. Das erklärte Ziel von S3: die beste Leistung pro Wattstunde.
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Der Leistung auf der Spur
Mangels offizieller Aussagen machen wir uns manuell auf die Suche nach der Anzahl an Textureinheiten. Der Multitexturing-Füllratentest des 3DMark06 spricht von 2.500 Megatexeln pro Sekunde. Das passt mit 625 MHz GPU-Takt exakt zu vier TMUs - gleich viele wie eine HD 3450 und die neue Revision der 8400 GS. Laut S3 verfügt die 430 GT über 32 skalare Shader-ALUs, die dank eigener Domain mit 900 MHz takten. Das entspricht einem Verhältnis von 1:1,44 zur TMU/ROP-Domain. Im Pixel-Shader-Test des 3DMark06 berechnet sie rund 40 Fps, eine HD 3450 erreicht 48 und eine 8400 GS 42 Fps.

Die meisten Tests werden offensichtlich durch das schmale Speicherinterface limitiert, denn selbst eine 39-prozentige Übertaktung der GPU führt zu kaum wahrnehmbaren Leistungssteigerungen. Über den gesamten Testzeitraum legte die Karte durch 870 MHz GPU-Takt um maximal 15 Prozent an Leistung zu (HL2, kein FSAA, 16:1 AF). Die ALUs arbeiten dann immerhin mit 1250 MHz. Nur Powerstrip ist momentan in der Lage, eine Chrome-Grafikkarte zu übertakten. Das funktioniert jedoch nur bei der GPU - der hier wichtigere VRAM ignoriert Taktänderungen.

FSAA und Texturfilter
Die Chrome 430 GT ist die erste S3-Karte, welche Multi-Sampling-FSAA (MSAA) beherrscht. Die uns zur Verfügung gestellten Treiber listen die Modi 2x, 4x und nur unter Windows Vista sogar 8x. Doch egal was wir im Panel wählen, die Karte appliziert stets 4x MSAA. Dieses glättet dank des rotierten Abtastmusters genauso gut wie die Modi von AMD und Nvidia. Die GPU ist übrigens definitiv zu 8x SGMSAA fähig, S3 gedenkt diesen Modus - ebenso wie Transparenz-AA - mit einem kommenden Treiber zu aktivieren. Die Chrome-S2x-Serie bot noch hochwertiges Super-Sampling (SSAA), welches zwar sehr rechenintensiv ist, aber zusätzlich die Texturen glättet.

Der anisotrope Filter erfuhr gegenüber der Chrome-S20-Serie etwas Feintuning. Neigte das AF des Vorgängers noch zum Flimmern, filtert die Chrome 430 GT etwa auf Augenhöhe mit aktuellen Geforce- und Radeon-Karten. Der theoretische Blick mit dem AF-Tester offenbart einige Unzulänglichkeiten. Erstens weist jede Stufe inklusive 8:1 AF eine dezente Winkelabhängigkeit auf - um 45 Grad geneigte Texturen bekommen weniger Samples ab als die anderen. Erkennbar ist dies an den Einkerbungen der Farben, welche die einzelnen MIP-Maps verkörpern. In der Spielepraxis ist es jedoch fast ausgeschlossen, dass dies ins Auge sticht. Schlimmer ist es beim 16x-Modus, welcher ähnlich wie bei aktuellen Radeon-GPUs an Genauigkeit verliert. Des Weiteren sind bei der Chrome deutlich Farbabstufungen zu erkennen, welche bei der Konkurrenz nicht auftreten. Hier der Vergleich des 16x-Modus zwischen Chrome, Geforce und Radeon:





Wir testen die AF-Qualität praktisch mit eine bewährten Speicherstand aus Half-Life 2 (dt.). Die dort eingesetzte Kiesel-Textur ist wegen der feinen Hell-Dunkel-Kontraste sehr hochfrequent. Spart ein Texturfilter Samples, ist es hier deutlich sichtbar. Doch die Chrome liefert eine überzeugende Vorstellung: Es flimmert nur leicht, MIP-Map-Banding ist angedeutet sichtbar. Die Qualität ist einer Radeon 3xx0 mindestens ebenbürtig, nur eine Geforce 8 filtert bei "hoher Qualität" im Treiber einen Tick sauberer. Damit Sie sich selbst einen Eindruck verschaffen können, liefern wir Ihnen ein unkomprimiertes Fraps-Video der Stelle.

Auch das für einige kritische Texturen bekannte World of Warcraft bescheinigt dem AF der neuen Chrome ein Ergebnis, das sich nicht vor AMDs Filter verstecken muss. Von der exzellenten, flimmerfreien Texturqualität einer aktuellen Geforce mit HQ-Treibereinstellung sind beide ein Stück entfernt.



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Die Spielepraxis
Auch wenn Auslegung und Leistungsklasse auf den HTPC-Bereich abzielen, testen wir den Neuling in aktuellen Spielen. Dort liefert die Karte in ihrer Gewichtsklasse eine bemerkenswerte Vorstellung ab. Crysis läuft mit minimalen Details schneller als auf der Konkurrenz, bei den anderen Spielen waren nahezu keine Geschwindigkeitsvorteile auszumachen. An FSAA und AF sollten Sie bei aktueller Software jedoch nicht denken; gerade 16:1 AF ist sehr teuer:

Treiberqualität
Auf dem Papier verfügt die GPU über DX10.1-Features, praktisch fehlt die Software zum Testen. Unsere Bewährungsprobe besteht aus einem DX10(.0)-Parcours unter Vista x64, denn bei dieser Kombination schwächelten die Treiber von AMD und Nvidia noch lange nach dem Erscheinen des Betriebssystems. World in Conflict läuft fehlerfrei (aber langsam), Bioshock ist problemlos spielbar. Selbst Crysis ist kooperativ - bis inklusive mittlerer Shader-Qualität. "Hoch" und "Sehr Hoch" führen im Spiel zu schwarzen Bildern, alle anderen Details lassen sich maximieren. Die DX9-Qualität lässt sich aber über die system.cfg anheben. Das sieht folgendermaßen aus (mehr Bilder in der Galerie):


Daneben zeigen sich für Grafikkartenlaunches typische Treiberfehler: Uns war es nicht möglich, AF über S3s Screen Toys zu forcieren, nur die Applikationen sind dazu in der Lage. Außerdem stand Multichrome noch nicht zur Verfügung. S3 versicherte uns, dass die nächsten Treiber mit den Problemen aufräumen.



Video, Lautstärke und Stromverbrauch
Unser Testsystem verbraucht inklusive der 430 GT unter 3D-Last 140 Watt. Mit einer Radeon HD 3450 oder Geforce 8500 GT sind es 141 Watt, der Unterschied ist also marginal. Warum die Chrome 430 GT bei diesem Verbrauch mit rund einem Sone (30 dBA) aktiv gekühlt wird, bleibt ein Rätsel. Wir empfehlen den Kauf eines passiven Chipsatzkühlers, etwa den Zalman NBF 47 (ab 6 Euro) in Kombination mit einem leise belüfteten Gehäuse. Hier ist aber noch nicht aller Tage Abend, man denkt bei S3 momentan über andere Kühllösungen nach.

Die aktuelle Version von Power DVD kommentiert das Abspielen einer Blu-ray-Disk mit einer "inkompatiblen Treiberversion", diverse HD-Trailer funktionieren einwandfrei. Im Falle eines AVS-kodierten Exemplars aber noch ohne Videobeschleunigung . Laut S3 ist auch eine neue Version von Win DVD (build 8.011.068) in der Mache, die die "Chromotion Engine" der Chrome 430 GT voll ausnutzt. Diese soll in Kürze verfügbar sein.

Fazit und Verfügbarkeit
Die Chrome 430 GT erlaubt sich im Spielebereich keine gravierenden Schnitzer und ist damit eine Alternative zu den Low-Cost-Karten von AMD und Nvidia. Die Treiber sind erfreulich fortgeschritten und die Kinderkrankheiten vermutlich in den nächsten Wochen beseitigt. Dann soll auch Multichrome funktionieren, welches nicht nur die Koppelung von zwei, sondern sogar drei und vier Karten ermöglichen soll. Multichrome-Tests, Analysen der Treiberentwicklung und mit gepatchten Video-Playern liefern wir selbstverständlich nach.

Wenn Sie Interesse an den Karten haben, müssen Sie sich noch ein klein wenig gedulden. Noch im April wird es die Chrome 430 GT bei Memorysolution zu kaufen geben. Das ist ein deutlicher Fortschritt zu früher, denn die S20-Serie gab es nur bei Ebay oder als Import.

Quo vadis, S3?
Laut unserer S3-Kontakte wird die Chrome 430 GT nicht das Ende des Portfolios bleiben. Die Treiber erkennen schon jetzt eine Chrome 440. Auf Nachfrage teilte man uns mit, dass es noch dieses Jahr eine "Chrome 440 GTX" geben wird - ein Schelm, wer bei der Namensgebung ein Déjà-vu erlebt. Das kommende Flaggschiff wird vermutlich über ein 128-Bit-Speicherinterface und 512 MiByte GDDR3-RAM verfügen. Genaue Takte und GPU-Verbreiterungen bleiben geheim - Letztere deutete man uns jedoch unmissverständlich an.


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Seit kurzem ist der 3DMark Vantage verfügbar. Das der Chrome 430 GT Direct-X-10-Kompatibel ist, haben wir auch diesen Chip mit dem neuen Benchmark getestet.




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Bildergalerie zum Artikel
 
 
 
 
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