PCGH-Exklusiv-Interview

AMD im PCGH-Interview: Ati-Übernahme, Barcelona-Start, Plattformstrategie (Teil 1)

Die Cebit wurde von PCGH für verschiedene Interviews genutzt. Neben Intel musste uns auch AMD Rede und Antwort stehen. Wir sprachen mit Jochen Polster, Vize-Präsident Vertrieb und Marketing bei AMD über die aktuelle Situtation und kommende Produkte wie Fusion. (Christian Gögelein, 14.03.2008)
 
PCGH sprach mit Jochen Polster von AMD.
 
PCGH sprach mit Jochen Polster von AMD. [Quelle: siehe Bildergalerie]
PCGH: Herr Polster, 18 Monate sind seit der Ati-Übernahme vergangen. Können Sie kurz zusammenfassen, wie beide Firmen zusammengewachsen sind? Wo gab es die größten Fortschritte, wo die größten Probleme?

Jochen Polster: Die größten Fortschritte sehen Sie bei den Produkten. Denken Sie an die Spider-Plattform, die neuen Chipsätze und die neuen Grafikkarten. Das ist natürlich schon ein Resultat der Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen nach dem Zusammenschluss. Wir sind in der Lage, das Zusammenspiel der Komponenten zu optimieren. Der nächste Schritt ist das Update auf die Mobil-Plattform Puma. Ich bin sicher, da werden wir sehr gute Tests sehen.
Wir haben uns gewandelt von einer reinen Halbleiterfirma zu einem Unternehmen, das zumindest Plattformen anbietet - ich möchte noch nicht sagen, dass wir ganze Lösungen anbieten, denn dazu braucht es noch etwas mehr, vor allem Software-Entwickler. Aber wir bieten ganze Hardware-Plattformen an, die optimiert sind für jene Anwendungen, für die wir sie entwickelt haben. Das nimmt den OEM-Herstellern viel Arbeit ab und letztlich haben diese damit eine Lösung, die besser ist.

PCGH: Bezieht sich die "bessere Lösung" eher auf den Energieverbrauch, auf die Leistung, auf ...

Jochen Polster: ... eigentlich auf alles...

PCGH: ...Stabilität?

Jochen Polster: Stabilität vorwiegend dadurch, dass wir die Treiber selber schreiben und dabei sehr viel Erfahrung einbringen können. Alles zusammengenommen bieten wir OEM-Herstellern jetzt eine erhebliche Verbesserung. Nehmen Sie als Beispiel Crossfire und die Crossfire-Treiber in der Hybrid-Version. Damit kann man im Akkubetrieb nur die interne Grafikkarte laufen lassen und im Netzbetrieb die externe zuschalten und dann sogar beide verwenden. Das sind Möglichkeiten, die gab es vorher nicht. Natürlich steigt auch insgesamt die Leistung, wobei man aber sagen muss, dass reine CPU-Leistung wichtig, aber bei Weitem nicht mehr alles ist. Das ganze System muss eine gewisse Leistung haben, und da gehört die Optimierung aller Komponenten dazu.

PCGH: Wird CPU-Leistung alleine also immer weniger wichtig?

Jochen Polster: Das ist eine sehr gute Frage, die wir uns übrigens auch stellen. Natürlich: Mehr Leistung ist immer enorm wichtig, nur zu welchen Kosten? Auf Kosten eines hohen Stromverbrauchs? Bringt‘s dann überhaupt noch was? Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man noch etwas mehr Leistung hat, aber das bisschen, was man zusätzlich an Produktivität rauskriegt, macht‘s einfach nicht mehr aus. Gleichzeitig kann man mit Dingen wie Grafik- oder der I/O-Leistung, welche wir immer etwas stiefmütterlich behandelt haben, das ganze System schneller machen und gleichzeitig die Kosten im Rahmen halten.

PCGH: Nun schlägt sich die Ati-Übernahme regelmäßig heftig im Quartalsergebnis nieder, im letzten Quartal haben wir einen Verlust von 1,7 Milliarden US-Dollar gesehen. Wann sind denn die finanziellen Belastungen abgegolten?

Jochen Polster: Ich denke, da ist jetzt alles erledigt. Das Ergebnis, besser gesagt: die Abschreibung hatte ja nichts damit zu tun, dass die Übernahme nicht abgeschlossen war. Es ging einfach um eine Neubewertung der Firma nach der Übernahme, was nach amerikanischem Aktienrecht erforderlich ist. Das hatte nichts damit zu tun, dass die Übernahme abgeschlossen werden musste, es war eine Neubewertung und deswegen auch nur eine buchhalterische Aktion. Wir hatten im Q4 tatsächlich ein gar nicht so schlechtes Quartal. Im operativen Geschäft hatten wir ein annähernd ausgeglichenes Ergebnis.

PCGH: ... und das obwohl kaum Vierkern-Prozessoren verkauft wurden.

Jochen Polster: Ja, das ist richtig. Wir haben schon ein bisschen was ausgeliefert, aber nicht besonders viel. Zum Ergebnis hat das wenig beigetragen.

PCGH: Sie sprechen den Opteron-Start bereits an. Sind Sie rückblickend zufrieden?

Jochen Polster: Der Start des Opteron ist natürlich nicht befriedigend. Wir haben dort noch Probleme, das ist bekannt, und aus diesem Grunde haben wir den Opteron für den allgemeinen Markt zurückgehalten. Es gab einige Kunden, die ihn gekauft haben, weil das Problem bei ihnen überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist oder besser gesagt, weil der BIOS-Workaround und die damit verbundene Leistungseinbuße bei den Kunden keine Rolle gespielt hat. Aber den generellen Markt konnten wir so nicht beliefern. Das wird sich noch im März ändern: Wir haben das neue Silizium, es sieht gut aus, und wir werden noch in diesem Monat große Mengen vom Phenom und dem Barcelona in der neuen Version liefern.

PCGH: Wie geht es denn nun weiter, was ist zum Beispiel mit einem B4- oder C0-Stepping zu erwarten?

Jochen Polster: Die nächsten Schritte sind jetzt Leistungssteigerungen in Bezug auf die Frequenz, das hat oberste Priorität. Und natürlich der Umstieg auf die 45-Nanometer-Version, die wir gestern erst vorgestellt haben.

PCGH: Aber die soll erst Ende des Jahres kommen.

Jochen Polster: Die wird im zweiten Halbjahr kommen, das ist richtig. Und in der Zwischenzeit werden wir sicherlich am gegenwärtigen Silizium arbeiten.

Teil 2 des Interviews wir am Sonntag folgen!
 
 
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