Bericht: Wie auf Youtube mit Copyrightverstoßmeldungen die Zensur umgesetzt wird
Auf Youtube weht ein immer rauerer Wind, weil das Geschäft mit monetarisierten Kanälen durchaus erfolgreich sein kann. Das führt zu Problemen wie diesem hier, das ganz gut zeigt, wie man mit einfachen Mitteln eine Zensur auf Youtube durchsetzen kann. Mit Copyrightverstoßmeldungen lassen sich unliebsame Videos binnen kürzester Zeit entfernen. Vor allem aber ist es eine schöne Geschichte, um Youtube als Angebotsplattform besser zu verstehen - schließlich nutzen fast alle das Angebot täglich.
Sein Name ist John Bain und er fand ein Spiel schlecht. Die Geschichte, die nun folgt, kann einem zum Lachen bringen, aber das Thema ist leider ernst. Auf Youtube beginnt ein Trend der Zensur, in den jüngst Bains Kanal "TotalBiscuit", das Spiel "Day One: Garry's Incident" und der Entwickler Wildgames geraten sind. Die Vorgehensweise ist nicht neu, aber Bain illustriert nun im Detail, was ihm widerfahren sein soll, sodass jedem klar wird, was sich eigentlich auf Youtube abspielt.
Was war passiert? Bain testet auf seinem Kanal Indie-Games. Darunter auch das Produkt von Wildgames, das es über Steam Greenlight ans Licht der Welt schaffte. Doch Day One: Garry's Incident, so der Name des Titels, war gewiss nicht das beste Spiel der Welt und Bane hielt in seinem Video-Test fest, dass er es nicht so prickelnd findet. Das ist auch Wildgames aufgefallen, weil das Video in den Suchergebnissen sehr weit vorne gelistet wurde. Da man aber eigentlich keine Handhabe gegen öffentliche Meinungsäußerung hat, wäre die Geschichte hier zu Ende.
Youtube, Copyright, Zensur: Jetzt nimmt die Story fahrt auf
Nicht aber auf Youtube, denn dort kann jeder Nutzer mit einem Account eine Copyright-Verletzung melden. Egal, ob das der Wahrheit entspricht oder nicht. Hinzu kommt das System von Youtube, das jede Verletzung dieser Art erst einmal für bare Münze nimmt und das gemeldete Video sperrt. Zwar lässt sich Widerspruch einlegen, aber das kann bis zu mehreren Wochen in Anspruch nehmen. Für kleine Kanäle ein sinnloses Unterfangen, weshalb sich viele in großen Netzwerken organisieren. Aber zurück zum Punkt: Bane fand das Spiel mies und gegen die schlechte Meinungsmache ging Wildgames in der Art vor, dass man einen Copyrightverstoß meldete. Damit war das lästige Video weg. Offiziell heißt es, dass man dem Kanal "TotalBiscuit" kein Recht eingeräumt habe, mit einer Wildgames-Lizenz Werbeeinnahmen zu erzielen. Dabei liegt aber gar kein Copyrightverstoß vor, denn Wildgames hatte ausdrücklich erlaubt, dass man das Spiel auf Youtube verwenden darf. Es wäre die Bankrott-Erklärung für alle Let's Plays und Spieletests, die auf Youtube sind, wenn sich alle Publisher und Entwickler so aufführen würden. Zum Glück ist das nicht so, auch wenn es hier und da erste Ansätze eines solchen Trends gibt.
Kurzum: Die Entwickler verwendeten laut Bain ein zugegeben von Youtube mäßig umgesetztes Hilfsmittel für Copyrightverstöße, um ein Video zu zensieren. Bane berichtet in einem Video zur Aktion von zahlreichen anderen Beispielen, die ihm widerfahren seien. So produzierten sie etwa einen 2,5-Stunden-Clip, in dem es nur ganz kurz um ein Spiel ging, auf den dann der Publisher Anspruch erhob und die Gelder aus der Werbung einstrich. Bekannt ist auch die Geschichte, dass ein Publisher Videos von Youtube-Kanälen sperren ließ, um seine eigenen Inhalte in den Suchergebnissen besser zu platzieren.
Youtube, Copyright, Zensur: Alltag für viele Kanalbetreiber
Man kann Bain die Nummer durchaus abkaufen. Solche Vorgänge sind Alltag auf Youtube, nicht nur bei Banes Kanal und Wildgames, nicht nur bei Spielen. Aufgrund der Möglichkeit, mit guten Inhalten auf Youtube Geld zu machen, wird der Umgangston rauer. Das ist vom Betreiber Google auch gewünscht, denn nur mit guten Inhalten lässt sich Geld verdienen, für Youtube und auch für den Betreiber des Kanals und das monetarisierte Netzwerk. Für Kanalbetreiber kann es allerdings gefährlich werden, wenn Gegenseiten die Copyright-Meldungen missbrauchen. Youtube erlaubt nämlich jedem Kanal nur drei sogenannte Strikes, bevor dieser einfach gesperrt wird. Einen unberechtigten Strike wieder loszuwerden, ist mühsam und wenn es ungünstig läuft, fängt man sich von unberechtigten Dritten schnell drei Strikes ein, bevor man überhaupt reagieren kann.
Daher geht die Kritik nicht nur an die Art und Weise, wie manche sich lästiger Videos entledigen wollen, sondern auch Youtube, dessen Copyright-System zweifelhaft ist. Seine Entstehungsgeschichte ist ein Tribut an tatsächliche Copyright-Inhaber, die von Youtube umgehende Maßnahmen fordern, wenn sie keine Regressansprüche geltend machen sollen. Dass sich die Mechanik auch missbrauchen lässt, war absehbar. Dass es so kommt, eigentlich auch. Das Problem ist letztendlich, dass die Ersteller von Inhalten kaum geschützt sind. Jeder kann einen legitimen Beitrag torpedieren. Auch der Grundsatz "Unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist" gilt auf Youtube nicht. In der Praxis ist es sogar so, dass die Regel genau andersherum angewandt wird. Wer nicht viel Mühe in den Gegenbeweis investiert, hat es auf Youtube schwer, da die Videoplattform tendenziell auf der Seite der Meldenden steht. Daher wird seit Langem gefordert, dass die Ersteller von Inhalten besser geschützt werden. Schließlich sind sie die, die Google das Geld auf Youtube bringen.
Bain erzählt seine Story im folgenden Video. Das ist in Englisch, aber Bain ist Brite, spricht sauber und deutliches Oxford-Englisch und sollte somit für viele gut zu verstehen sein, auch wenn er recht zügig spricht. Was halten Sie von der Geschichte, die schon einen sehr interessanten Einblick in den Alltag von Kanalbetreibern auf Youtube gibt?


Reden wir in dem Beitrag eigentlich nur ueber John "TotalBiscuit" Bain oder auch ueber Bane von The Dark Knight Rises? Irgendwie tauchen beide Namen sehr oft auf.
Aber back to topic: Es ist schon irgendwie traurig, wie leicht Leute das System missbrauchen koennen... Gut fuer TB, dass er beim Netzwerk Polaris ist und diese so auch diesen verdammten, unnoetigen Copyright-Strike von seinem Konto loeschen koennen.
In ein Netzwerk rein und dann ist auch meist alles binnen 24 Stunden geklärt. (Fair Use Prinzip berufen, so einfach ist das)
Dazu legt dein Netzwerk wo man unter Vertrag steht auch noch ein gutes Wort beim Conten ID Anfechter ein (durch direkte Kontakte wo man als" YT Laie" sonst nie heran kämme)
Zusätzlich hat man dann auch noch die Gelegenheit eine Gegendarstellung abzugeben. Wenn dann innerhalb von 2 Wochen nichts von der anderen Seite kommt, ist der Strike bzw. die Sperrung aufgehoben. Man muss sich nur schlau machen, was geht.
Wenn man nicht irgendwie, irgendwo verpartnert ist, dann stimmt´s leider...dann ist man auf YT wirklich ausgeliefert.
Mit dem Geld verdienen ist das wieder eine andere Sache. Es wird strikt gesagt das man von ALLEN Inhalten Rechteinhaber sein muss (Ausnahme Fair Use Prinzip (z.B Produktvorstellung, Journalismus, Parodie etc.)
Finde es daher dreist wenn jemand meinetwegen trailer hoch lädt und damit Geld verdient. Bei Let´s plays ist das auch immer so ne Sache. Wenn einer einfach nur spielt und Kommentare ohne Sinn und Verstand bei abgibt und damit auch noch Geld verdient, finde ich es genauso ungerechtfertigt.
YT kann seine Videos absolut frei Nase sperren. Dabei müssen sie nicht berücksichtigen, ob tatsächlich ein Copyrightverstoß vorliegt oder ob der Antragssteller sich damit ein PR-Eigentor schießt. Anders herum scheint es die Nutzer auch nicht so sehr zu kümmern, da ja immer noch JEDER seine Videos da parkt. Und das alles wird sich so schnell auch nicht ändern.
Selbstdarstellerengagierte Menschen darum betreiben. Somit habe ich auch keine Ahnung, wer die von dir benannten Leute sind. Dennoch lese ich mit Interesse einen Artikel wie diesen in der PCGH und bin froh über zusätzliche Informationen wie z.B. um wen es überhaupt geht. Und von der Red. zu fordern (!), eine Information zurückzuhalten, die dir nicht schadet und mir nützt, ist.... hmja. Find ich nicht gut. Das "die meisten hier" zweifle ich übrigens so lange an, bis mir jemand den Nachweis erbringt.@PCGH-Redaktion: Die meisten hier dürften TotalBiscuit, Angry Joe, und andere bekannte (die bekanntesten) spielebezogenen Youtuber kennen, spart euch daher das nächste Mal die Einleitung, wer das ist.
Und was hier abgelaufen ist, ist echt krass - bzw. strunzdämlich. Was erwarten die Entwickler eigentlich, wenn sie DEM bekanntesten Youtuber in Sachen Spiele derart ans Bein pinkeln, wo sie eh schon mit Kickstarter eine unschöne Sache an der Backe hatten? Das ist aus PR-Sicht derart dämlich, das hat schon nichts mehr mit gegen den Wind strullern zu tun, das ist eher, wie im Handstand Stuhlgang zu betreiben. xD
Ich wollte schon fast eine User-News zum Video verfassen. Finde ich klasse, dass PCGH darüber schreibt