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  • Xbox One S: Interview mit dem Chef-Designer - "Wie macht man ein hochwertiges Premiumprodukt zu diesem Preis?"
    Quelle: Microsoft

    Xbox One S: Interview mit dem Chef-Designer - "Wie macht man ein hochwertiges Premiumprodukt zu diesem Preis?"

    PC Games Hardware hatte die Möglichkeit mit Carl Ledbetter zu sprechen. Er ist Executive Creative Director bei Microsofts Xbox-Abteilung und damit auch für das Design der Xbox One S mitverantwortlich. Im Interview gab er einige interessante Einblicke in die Designphase des neuen Slim-Modells, dass dieser Tage startet.

    Wir wollten natürlich zuerst wissen, warum Microsoft sich nun beim neuen Modell für die Farbe Weiß, genauer Robot White, entschieden hat, denn schließlich war Weiß bisher eine exklusive Farbgebung; ursprünglich für das Modell der Entwickler, später für diverse Bundles wie das zu Quantum Break. Diese Sondermodelle waren stets sehr beliebt, was nun letztlich zusammen mit der Tatsache, dass die Xbox 360 auch weiß war, zu dieser Entscheidung geführt hat. Zudem wollte man der Xbox One ein neues, modernes Design verpassen. Bis es letztlich zu diesem sehr kräftigen Weiß gekommen ist, unternahm man mehrere Anläufe und entschied sich dazu, es mit Schwarz in Kontrast zu setzen. Diesen unteren Teil des Gehäuses kann man nun in Szene setzen, in dem man die Xbox One S hochkant aufstellt. Erste Ideen dazu wurden bereits kurz nach der dem Abschluss der Arbeiten an der Xbox One gesammelt. Dazu kam dann über die Zeit das Feedback der Kunden.

    01:43
    Xbox One S: Neue Slim-Konsole im E3-Trailer

    Das führt automatisch zu zwei weiteren Fragen. Zum einen: Was hat Microsoft dafür getan, dass das Weiß auch über einen langen Zeitraum ansehnlich bleibt? Schließlich neigen weiße Geräte aufgrund des Brandschutzes und UV-Strahlung dazu, zu altern. Und zum anderen: Warum war das erste Modell schwarz und klobig?

    Alterungsprozess in der Design-Phase aktiv angegangen

    Zur ersten Frage sagt und Carl Ledbetter, dass man sich durchaus Gedanken gemacht hat und den Kunststoff des Gehäuses mit einem UV-Stabilisator so zusammengesetzt hat, dass es möglichst lange seine Optik wahrt. Dazu wurden während der Designphase auch UV-Tests gemacht, in der das große Team über 100 Prototypen erstellt hat. Gleiches gilt auch für den Controller, der einem noch höheren Alterungsprozess ausgesetzt ist, weil man den für gewöhnlich lange Zeit in der Hand hält. Dazu wurden ebenfalls zahlreiche Prototypen erstellt, die Praxistests unterzogen wurden. Wobei sich herausstellte, dass der weiße Controller dem schwarzen Modell nahezu ebenbürtig ist.

    Das neue Design der Xbox One S im Detail Xbox One S - Das Design des Slim-Modells (2) Quelle: Microsoft Xbox One S - Das Design des Slim-Modells (5) Quelle: Microsoft Xbox One S - Das Design des Slim-Modells (6) Quelle: Microsoft


    Wer die Xbox 360 über Jahre benutzt hat weiß, dass deren Alterungsprozess je nach Umgebung früher oder später einsetzte. Carl Ledbetter erklärt dazu, dass man dieses Problem bei der Xbox One S nicht so ausgeprägt sein wird. Bei der Xbox 360 waren es unter anderem die die dezent eingesetzten Grün-Pigmente im Weiß des Gehäuses und im Grau der Kabel, die sich langfristig nicht ganz so gut gehalten haben, wie man sich erhoffte. Daraus hat man aber auch gelernt. Bei der Xbox One S geht das weiß eher in einen bläulichen Stich, was sie kühler, moderner und kräftiger wirken lässt. Dennoch gilt auch der Xbox One S: Viel Sonne führt zu schnellerem Altern, dagegen kann auch Microsoft keine Wunder wirken.

    Warum war die Xbox One schwarz und groß?

    Zur zweiten Frage führt Carl Ledbetter aus, dass der Design-Ansatz beim ersten Modell von ästhetischer Seite her mehr zur ursprünglich eingeschlagenen Philosophie als Gaming- und Entertainment-System passen sollte. Das schwarze Design mit mattem und glänzendem Finish fügt sich da natürlich sehr angenehm in die vorherrschende Landschaft an elektronischen Geräten im Wohnzimmer ein, ebenso wie die kapazitiven Knöpfe. Es ergänzt quasi das vorhandene Portfolio, während die Xbox One S nun mehr heraussticht. Das, so zeigte die Erfahrung nach der Veröffentlichung, wünschen Spieler - nach wie vor die Kernzielgruppe - mehr. Spieler neigen eher dazu, ihre Hardware auch zur Schau stellen zu wollen und sie Teil ihres Lebens werden zu lassen. Dem, so hofft man, trägt man mit dem neuen Design Rechnung, dass aber trotzdem auch noch dem Vorgänger verbunden bleibt, etwa beim Design der Belüftung. Durch das kleinere Gehäuse bleibt es dem Besitzer aber selbst überlassen, ob er seine Konsole lieber versteckt oder präsentiert, so Ledbetter. "Es geht viel um Flexibilität", erklärt er uns.
    Die Akustik ist meistens nahezu identisch zur Xbox One.
    Da wir bei PC Games Hardware sind, musste Carl Ledbetter dann auch die Frage beantworten, wie man die Thermik im nun 40 Prozent kleineren Gehäuse in den Griff bekommen hat, in dem nun auch das Netzteil sitzt, dass für zusätzliche Wärmeabgabe sorgt. Er erklärt uns dazu, dass man beim Start der Xbox One mit einer neuen Architektur zu tun hatte, bei der man sehr bemüht darum war, dass sie gute Leistungen erzielt. Heute wissen wir zwar, dass die Playstation 4 etwas schneller ist, aber das ist mittlerweile Geschichte. Oberstes Ziel war es beim Ursprungsmodell, dass für die Spieler alles reibungslos funktioniert. Microsoft hatte da sicher auch die Thermik-Probleme mit der Xbox 360 im Hinterkopf. Nachdem also die Xbox One im Handel war und die ersten Erfahrungen gemacht, überlegte man sich, wie man das ganze System bei gleicher Leistung kompakter gestalten kann. Mit dieser Erfahrung konnte man dann die Hardware und das Kühlungskonzept soweit optimieren, dass man nun beim Ergebnis der Xbox One S ist, die in etwa die gleiche Lautstärke wie die Xbox One haben soll. Dass man dabei auch das Netzteil unterbringen konnte, war laut Ledbetter das Ergebnis von harter Arbeit des Teams.

    Anhand dessen kann man wohl auch darauf schließen, dass Microsoft keinen neuen SoC in feinerer 14-nm-Fertigung bei AMD geordert hat - auch wenn dies nur eine Vermutung ist. Realistisch gesehen wäre das angesichts der benötigten Mengen und den gegenüberstehenden Yield-Rates derzeit noch zu teuer. Die UHD-Möglichkeiten kommen entweder durch eine Anpassung des SoC oder, und das vermuten wir derzeit, durch einen Zusatzchip. Mittlerweile ist bestätigt, dass der SoC in 16 nm Finfet gefertigt wird.
    Unser Ziel ist es, dieses Produkt so hochwertig wie möglich zu machen und dabei trotzdem erschwinglich für eine große Zahl von Spielern weltweit.
    Erfahrung führte letztlich auch dazu, dass man sich von den kapazitiven Knöpfen getrennt hat. Die Xbox One S hat nun wieder mechanische Schalter, die Feedback geben. Es wird wohl wenige geben, die das als Rückschritt empfinden. Haptisches Feedback, so war sich Carl Ledbetter mit uns einig, ist am Ende doch mehr wert wie eine glatte Oberfläche.

    Auf die Frage hin, was denn die größte Herausforderung in der Designphase der Xbox One S war, gab uns Carl Ledbetter eine angenehm offene Antwort. Seiner Ansicht nach war das als Designer, den Kunden ein hochwertiges Produkt anzubieten - in Zeiten, in denen Metallgehäuse etwa bei Smartphones immer wichtiger werden. Gleichzeitig hat man aber einen Zielpreis für das fertige Produkt, der auch bewusst so gewählt wurde, damit eine Großzahl von Leuten sich eine Konsole leisten kann. Im Falle der Xbox One S sind das 400 Euro, womit schicke, aber teure Metallgehäuse schwierig zu realisieren sind. "Wie macht man ein hochwertiges Premiumprodukt zu diesem Preis?", fragt Carl Ledbetter - seine größte Herausforderung. Angesichts der Tatsache, dass man für 400 Euro derzeit keinen UHD-Blu-ray-Player bekommt, kann man sich das sicher vorstellen.

    Xbox One S - Das Design des Slim-Modells (11) Xbox One S - Das Design des Slim-Modells (11) Quelle: Microsoft Zum Schluss sprachen wir auch noch einmal kurz über den Controller. Der zählt ja auch am PC zum unumstritten Besten, was der Markt zu bieten hat und kann nun auch via Bluetooth kommunizieren. Das erhöht nicht nur die Reichweite, sondern erspart einem auch das Kabel oder den Dongle, der für den PC doch etwas Verspätung hatte. Drückt man den Verbinden-Knopf sendet der Controller nun das alte Xbox-Signal und das Bluetooth-Signal. Ob die Xbox Design Labs auch nach Deutschland kommen werden, ist aber derzeit noch ungewiss. Das Projekt wurde in den USA gestartet (Auslieferung ab September) und wird bei Erfolg ausgeweitet. Konkrete Pläne hat man aber noch nicht, weder für Controller noch - etwas weiter gedacht - für farblich gestaltbare Konsolen.

    Noch cooles Zeug in der Hinterhand

    Natürlich haben wir auch nach der Zukunft gefragt, speziell der Xbox One S, aber dazu war erwartungsgemäß nichts heraus zu kitzeln. Für die nähere Zukunft jedenfalls will Microsoft am eingeschlagenen Kurs festhalten, Spiele nicht mehr an eine Plattform zu ketten, sondern die Mauern zwischen Xbox und PC als getrennte Systeme abzutragen - Stichwort etwa: Play Anywhere. Man hat noch ein paar coole Sachen auf Lager, sagt Carl Ledbetter, auf die er aber noch nicht eingehen kann.

    Die Xbox One S erscheint am heutigen 02. August mit 2 Terabyte großer Festplatte für 400 Euro und am 23. August in den USA mit 500 bzw. 1.000 Gigabyte zu 300 USD respektive 350 USD inklusive der neuen Controller, die ihren bisherigen Einzelpreis von 60 Euro behalten. Die US-Preise werden für gewöhnlich 1:1 übernommen. Wann genau die kleineren Modelle nach Europa kommen, soll noch im August verraten werden. Zumindest in den USA soll die 1-TB-Version aber nur in "sehr eingeschränkten Mengen" verfügbar sein.

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1203220
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Xbox One S: Interview mit dem Chef-Designer - "Wie macht man ein hochwertiges Premiumprodukt zu diesem Preis?"
PC Games Hardware hatte die Möglichkeit mit Carl Ledbetter zu sprechen. Er ist Executive Creative Director bei Microsofts Xbox-Abteilung und damit auch für das Design der Xbox One S mitverantwortlich. Im Interview gab er einige interessante Einblicke in die Designphase des neuen Slim-Modells, dass dieser Tage startet.
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02.08.2016
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