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Games World
  • Windows wird 30 Jahre alt: Rückblick ab OS/360 bis Windows 10

    Das erste Windows von Microsoft kam 1985 in den Handel. Quelle: microsoft.com

    Die Geschichte der Betriebssysteme von den Anfängen bis Windows 10: Hatte in den jungen Jahren des Computerzeitalters jeder Rechnertyp sein eigenes Betriebssystem, gibt es heute Windows- oder Linux-Varianten für nahezu alle PCs. PC Games Hardware gibt einen aktualisierten Überblick über die Geschichte der Systemsoftware mit einem Schwerpunkt auf Windows.

    Wikipedia beschreibt den Begriff Betriebssystem so: "Ein Betriebssystem ist die Software, die die Verwendung (den Betrieb) eines Computers ermöglicht. Es verwaltet Betriebsmittel wie Speicher, Ein- und Ausgabegeräte und steuert die Ausführung von Programmen." Tatsächlich war das Betriebssystem zu Beginn nicht mehr als ein Steuerprogramm, das bestimmte Abläufe der Maschine befehligen sollte. Doch inzwischen ist die Systemsoftware weitaus mehr geworden als eine bloße Verwaltungsinstanz, moderne Betriebssysteme bieten neuartige Eingabemöglichkeiten, bringen eine Vielzahl einsatzbereiter Anwendungen mit oder trumpfen mit ausgefeiltem Design auf.

    Betriebssysteme: Die Anfänge

    Vor der Erfindung des Transistors (1947) benötigten die großen Rechenmaschinen keine Software im heutigen Sinne. Operationen waren meist als Hardware fest vorgegeben. Eine Programmierung, wie wir sie heute kennen, war nur sehr eingeschränkt möglich, etwa über Lochkarten. Erst 1964 führte IBM mit /360 eine Software ein, die auf einer ganzen Modellreihe genutzt werden konnte. 1969 schließlich begann die Entwicklung des Betriebssystems Unix (hauptsächlich für Server-Systeme). Allerdings war erst CP/M von 1974 die erste Systemsoftware, die auch für Heimrechner entwickelte wurde und tatsächlich weitgehend plattformunabhängig war.

    MS-DOS 1.0 erschien im August 1981. MS-DOS 1.0 erschien im August 1981. Quelle: winhistory.de

    Betriebssysteme: Aufbruch in den Achtzigern

    Mit dem Aufkommen der Heimcomputer Anfang der Achtzigerjahre wurde der Markt der Betriebssysteme deutlich belebt. Allerdings waren nach wie vor die meisten Systemprogramme auf das jeweilige Produkt zugeschnitten und - mit Ausnahme von CP/M - nicht plattformunabhängig. 1981 kam es zum wohl größten Coup der Softwaregeschichte: Microsoft kaufte der kleinen Firma Seattle Computer Products für 50.000 US-Dollar sämtliche Rechte am Betriebssystem 86-DOS ab, auch QDOS genannt - einen CP/M-Klon. Zuvor hatte Microsoft dem Computerriesen IBM versprochen, ein Betriebssystem für deren kommenden Personal Computer zu liefern, aber selbst keines im Angebot. Mit minimalen Änderungen lieferte Microsoft das Betriebssystem später an IBM, wo es als PC-DOS verkauft und bald zu einem gigantischen Erfolg wurde. Doch Microsoft durfte das System als MS-DOS auch selbst anbieten und verkaufte es bald an die zahllosen Hersteller von PC-Nachbauten. DOS begründete auf diese Weise Microsofts Position als größten Anbieter für Betriebssysteme. Zwar wurde bald auch Digital Researchs CP/M auf dem IBM-PC angeboten - doch zu einem Vielfachen des Preises, der für DOS fällig war, weshalb es bald in der Versenkung verschwand.

    Betriebssysteme: Es wird bunt

    Dabei war DOS mit seiner schmucklosen Kommandozeile schon nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Apple erkannte schnell (vor allem inspiriert durch Xerox), dass Anwender keine Befehle auswendig lernen wollten und entwickelte eine grafische Benutzeroberfläche zur Steuerung des Computers. Dabei war es nicht der Mac, der dieses moderne Interface marktfähig machte: Schon 1983 brachte Apple den (oder die?) Lisa auf den Markt, nach dem eher unbekannten Xerox Star der zweite kaufbare Computer mit Maussteuerung und grafischer Oberfläche. Doch Lisa, Gerüchten zufolge benannt nach der Tochter des Apple-Mitgründers Steve Jobs, erwies sich als Flop, ebenso wie das leicht verbesserte Modell Lisa 2. Erst mit dem Macintosh, eingeführt 1984, wurde die grafische Oberfläche samt Mausbedienung zum Erfolg, der durch GEM auf dem Atari ST und die Workbench des Amigas auch auf die unteren Preisklassen durchschlug.

    Schon vor der offiziellen Vorstellung des Macs wusste Microsoft von Apples Plänen, schließlich lieferte Microsoft Software für den geplanten Rechner. Bill Gates erkannte, dass bald alle Rechner auf diese Weise gesteuert würden, der grafischen Benutzeroberfläche und der Computermaus gehörten die Zukunft. Microsoft, dank DOS führender Anbieter von Betriebssystemen, musste sicherstellen, dass die altmodische Kommandozeile nicht von Apples Fenstersystem verdrängt wurde - also kündigte Bill Gates am 10. November 1983, kurz vor dem Start des Macs, eine eigene grafische Oberfläche für DOS an: Windows. Noch existierte kaum Code, erst zwei Jahre später war Windows 1.0 marktreif - und hinkte dem längst etablierten Mac-System weit hinterher. Zudem sah sich Microsoft bald mit einer Klage von Apple konfrontiert; Windows, hieß es darin, sei nichts als eine Kopie von Mac OS. Dennoch erwies sich Gates' Strategie als richtig: Windows gehörte die Zukunft.

    Betriebssysteme: OS X

    Auf dem Macintosh und seinen Nachfolgern jedoch blieb Mac OS das System der Wahl. Im Laufe der Jahre wurde es mehrfach überarbeitet oder sogar komplett erneuert: Ende der Neunziger übernahm Apple die Firma Next des Apple-Mitgründers Steve Jobs (der kurz darauf wieder die Führung seiner alten Firma Apple übernahm) - und machte später das Unix-basierte Next-System Nextstep zur Basis für sein neues Betriebssystem OS X, die zehnte Mac-OS-Generation mit einer runderneuerten Oberfläche, die vielen als Vorbild für Windows Vista gilt. OS X wiederum musste Jahre später weitgehend umgebaut werden, als der Mac von der PowerPC-Plattform auf Intels x86-Architektur umstieg. Trotz gleicher Hardware-Basis kam es aber auch danach nicht zum direkten Wettbewerb zwischen Windows und Mac OS, denn Letzteres lief nach wie vor nur auf Apple-Rechnern. Immerhin ließ sich dank Apples Bootcamp-Software Windows auch auf Macs einsetzen.

    Betriebssysteme: Microsoft festigt seine Vormachtstellung

    Windows 1 und 2 blieben weitgehend erfolglos, auch Version 3.0 schaffte den Durchbruch nicht. Noch immer wurden die meisten PCs über die altertümliche DOS-Kommandozeile bedient, während Apples Macintosh-Linie längst per Maus und grafischer Oberfläche gesteuert wurde. Das sollte sich ändern am 6. April 1992: An diesem Tag lieferte Microsoft die neue Windows-Version 3.1 aus, erstmals auch als Update-Version. Auch wenn der Versionssprung gegenüber Windows 3.0 nicht sonderlich groß ausfiel, waren die Änderungen folgenreich: Erstmals enthielt Windows skalierbare True-Type-Schriftarten, die Windows schlagartig tauglich fürs Desktop-Publishing machten - bislang eine Apple-Domäne. "Drag and Drop" mit der Maus wurde eingeführt, was den Komfort erhöhte; außerdem verstand sich Windows nun auf schnellere Modems und höhere Bildschirmauflösungen. 3.1 wurde die erste wirklich erfolgreiche Windows-Version und legt den Grundstein für die spätere Dominanz dieses Systems.

    Betriebssysteme: Windows 95 kommt

    Windows 1 blieb eine Kuriosität, Windows 2 war eine Seltenheit - und erst Windows 3.1 wurde zum Erfolg. Dieser blieb jedoch weitgehend beschränkt auf die Geschäftswelt, private Schreibtische eroberte Microsoft damit noch nicht. Ganz anders Windows 95: Innerhalb weniger Tage nach Einführung des neuen Betriebssystems am 24. August 1995 wurde weltweit eine Million Exemplare verkauft - und zwar nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Menschen, die damit ihre ersten Heim-PCs ausstatteten. Windows 95 war ein riesiger Erfolg, der den Aufstieg Microsofts beschleunigte und zugleich - gemeinsam mit stark fallenden Hardware-Preisen und dem Boom des Spielemarktes - den Computer zum Massenprodukt machte.

    Windows 95 versteckte erstmals seine DOS-Wurzeln, sollte nicht mehr wie ein bunter Aufsatz, sondern wie ein eigenes Betriebssystem wirken. Außerdem wurde kurz nach dem Start des neuen Systems der erste Internet Explorer ausgeliefert, Microsofts folgenschwerer Einstieg in den Browsermarkt. Doch auch unter der runderneuerten Oberfläche, die etwa den Start-Button und die Taskleiste sowie den Windows Explorer einführte, und den modernen Anwendungen steckte nach wie vor der 16-Bit-Kernel des alten DOS.

    Von Windows 98 über Me zu 2000

    Windows 95 war also noch immer DOS-basiert, obwohl mit Windows NT längst eine moderne 32-Bit-Plattform zur Verfügung stand. Doch den endgültigen Wechsel zu dieser Technik sollte Microsoft erst mit Windows XP wagen - zuvor stand mit Windows 98 von 1998 noch eine weitere Neuauflage der alten Codebasis an. Windows 98 - Codename: Memphis - basierte weitgehend auf Windows 95 C, verlangte aber nach etwas mehr Festplattenplatz und schnellerer Hardware; ein 486DX mit 66 MHz und 16 MiByte RAM waren die Voraussetzungen. Dafür brachte Windows 98 einige neue Funktionen mit, etwa die endlich einigermaßen funktionierende Unterstützung von USB samt Plug & Play, den Internet Explorer 5, Active Desktop und ein neues Treibermodell. Die Zuverlässigkeit eines NT-Systems war damit jedoch nicht zu erreichen - das bewies auch eine "Plug & Play"-Demonstration durch Bill Gates auf der Computermesse Comdex im April vor dem Launch, die zur hämischen Freude des Publikums in einem Bluescreen endete.

    Windows 98 (samt der "Second Edition") sollte das letzte DOS-basierte System sein, danach der Umstieg auf die NT-Basis folgen. Doch kurzfristig entschied sich Microsoft um - und schob Windows Me nach, auch bekannt als Millennium Edition, das unter anderem einige zusätzliche Multimedia-Funktionen und verbessertes Plug & Play mitbrachte. Seinen Ruf als halbgare Zwischenlösung wurde das ungeliebte Windows Me jedoch nie los, mit dem Aufkommen von XP geriet "Millennium" schnell in Vergessenheit.

    Windows 2000 kam am 17. Februar 2000 auf den Markt. Das System mit der internen Bezeichnung NT 5.0 richtete sich eigentlich an professionelle Anwender, für den Heimgebrauch war Windows Me gedacht - dennoch fand 2000 wegen seines modernen Kernels auch unter Heimanwendern viele Freunde. Neu in Windows 2000 waren etwa volle USB-Unterstützung, NTFS 3 und das WDM-Treibermodell.

    Der fast unglaubliche Erfolg von Windows XP

    Die ersten Windows-Generationen trugen einfache Nummern, wie sie in der Softwarewelt üblich sind, vom 1985er Windows 1.0 bis hin zur erfolgreichen Version 3.11. Dann waren Jahreszahlen en vogue, den Beginn machte Windows 95, es folgten 98 und 2000. Nach Windows 2000 jedoch brachte Microsoft die Version "Millennium Edition" alias "Me" heraus - und ein Buchstabenkürzel zierte nun auch die nächste Windows-Inkarnation mit Codenamen Whistler, deren Verkaufsnamen Microsoft im Februar 2001 offiziell bekanntgab: Windows XP. Das sollte die Kurzform sein von "Experience", was sich mit "Erfahrung" oder "Erlebnis" übersetzen lässt. Windows XP brachte die NT-Architektur im Oktober 2001 endlich auf den Endkundenmarkt. Windows XP setzte sich langsam durch und war spätestens seit Service Pack 2 (Mitte 2004) das meistverbreitete Betriebssystem Microsofts - daran änderte auch der Nachfolger nichts.

    Der Erfolg von Windows Vista bleibt aus

    Im Januar 2007 lieferte Microsoft ein neues Betriebssystem an Endkunden aus - mehr als fünf Jahre nach der letzten Version: Windows Vista sollte das alternde XP ablösen und bot neben einer aufgehübschten Oberfläche samt 3D-Effekten ein geändertes Treibermodell, Direct X 10, eine Benutzerkontensteuerung und diverse interne Verbesserungen. Allerdings steckte Microsoft auch viel Kritik ein: Das neue System verschlang viel Platz auf der Festplatte, brauchte große Mengen Arbeitsspeicher und bereitete vielen Anwendungen Probleme. Die geplante Einstellung von Windows XP wurde auf vielfachen Kundenwunsch daher gleich mehrfach verschoben. Immerhin war die 64-Bit-Variante deutlich brauchbarer als jene von Windows XP, Windows Vista x64 wurde daher von vielen Spielern als Betriebssystem eingesetzt.

    Windows 7 macht es besser

    Am 22. Oktober 2009 wurde Vista von Windows 7 abgelöst. Microsoft vermied die Fehler, die bei Vista gemacht wurden und präsentierte ein ausgereiftes und schnelles Betriebssystem. Dabei ist Windows 7 eigentlich nur eine Weiterentwicklung von Windows Vista SP2. Unter anderem wurde der Kernel massiv überarbeitet, wobei vor allem der Scheduler interessant war, da er zwar keine optimale, aber doch eine deutlich bessere Unterstützung von Multicore-Systemen integrierte.

    Für Spieler brachte Windows 7 aber auch die neue Schnittstelle Direct X 11 mit, die von Spieleentwicklern auch relativ zügig angenommen und genutzt wurde. Eine der wichtigsten Verbesserungen betrafen aber die UAC: Diese trat unter Windows 7 deutlich seltener zum Vorschein als unter Windows Vista.

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    Windows 10 beschleunigen und optimieren im Video

    Betriebssysteme: Windows 8 mit radikalem Umbruch

    Im September 2011 veröffentlichte Microsoft einigermaßen überraschend eine Preview-Version von Windows 8. Die wesentliche Neuerung war die "Metro"-Oberfläche, die an das mobile OS Windows Phone erinnert und eine einheitliche Menüführung für Tablet- und Desktop-PCs ermöglichen soll. Statt eines Desktops präsentiert Windows 8 traditionell nur noch eine Icon-Wand, die Verknüpfungen zu verschiedenen Diensten und Programmen bietet. Es gibt später aber auch eine alternative Ansicht.

    Weil die Icons rechteckig sind, dabei aber in Größe und Form variieren, spricht man auch von Kacheln. Über eine solche Kachel ("Tile") können dann Apps, aber auch der "normale" Desktop geladen werden. Auf Tablet-PCs lässt sich die Metro-Oberfläche komplett mit den Fingern und bestimmten Gesten bedienen, bei Desktop-PCs sollen entsprechende Mausbewegungen die Gesten ersetzen.

    Final erscheint Windows 8 dann am 26. Oktober 2012. Für das vereinheitlichte Design kassierte Microsoft viel Kritik, man nahm sich dieser unter anderem durch das Windows Update 8.1 an, das knapp ein Jahr später am 18. Oktober 2013 erschien und beispielsweise das Booten in den Desktop-Modus und weitere Zugeständnisse an Windows-7-User ermöglichte. Kritiker wurden damit aber nicht überzeugt.

    Betriebssysteme: Windows 10 macht einiges anders

    Back to the roots irgendwie, aber auch doch nicht. Windows 10 erscheint am 29. Juli 2015 und zwar als kostenloses Upgrade für alle, die einen gültigen Key für Windows 7 und Windows 8(.1) besitzen - und das dürften die meisten sein. Damit verschenkt Microsoft Windows 10 quasi an alle Endkunden bis zum 29. Juli 2016. Dem Release voraus ging ein umfangreiches und langedauerndes Insider-Programm, das Millionen Betatester nutzten, um Microsoft Impulse für die Entwicklung zu geben. Auch das gab es in dieser Form nicht. Und das Insider-Programm läuft auch weiter, denn Microsoft sieht Windows 10 quasi als finale Versionsnummer von Windows und betrachtet das Betriebssystem als Service, der ständig um neue Features erweitert wird - ähnlich wie Apple. In der Folge erscheinen größere Windows-Updates auch alle paar Monate, zuletzt Threshold 2 am 12.11.

    Warum dann back to the roots? Weil Microsoft doch eingesehen hat, dass das reine Kachelkonzept bei Windows 8 mit daran schuld ist, dass sich dieses Betriebssystem nie auf Desktops durchsetzen konnte. Windows 10 bietet folgerichtig mehr Wahlfreiheiten für Anwender, damit sich diese "ihr" Windows zusammenstellen können. Windows 10 wird aber auch zur Oberfläche der Xbox One (und durch Universal Apps gibt es weitere Verbindungen) und Windows 10 Mobile wird parallel für die neuesten Windows-Smartphones entwickelt. Windows 10 genehmigt sich aber auch umfangreiche Mithör-Möglichkeiten, was für den Datenschutz sensibilisierte Anwender stört. Dafür liefert man Spielern mit dem Windows-10-exklusiven DirectX 12 gleich ein gutes Argument zum Aufrüsten mit - vorerst bleibt das mangels Spiele aber ein Papiertiger.

    04:15
    Video: Wie Windows 10 das Spielerlebnis am PC verbessern soll

    Betriebssysteme: Linux - die Alternative

    Es geht aber auch ohne Microsoft. Am 5. Oktober 1991 kündigte der Finne Linus Torvalds in einer Internet-Newsgroup ein freies Betriebssystem an, das sich stark an UNIX anlehnte: Linux. Später stellte er sein Werk unter die freie Lizenz GNU General Public License, die einen kostenlosen Einsatz des Systems ohne jede Einschränkung erlaubte, auch die kommerzielle Nutzung. Der Quellcode steht daher jedermann offen, jeder Programmierer darf eigene Änderungen vornehmen und die Software für seine eigenen Zwecke anpassen. Linux steht damit im starken Kontrast zu den geschlossenen Systemen anderer Anbieter wie Microsoft. Eine weltweite Entwicklergemeinde unter der Leitung von Linus Torvalds und der Linux-Stiftung arbeitet am Code, der in unzähligen Varianten (Distributionen) mit verschiedenen Software-Paketen verteilt und verkauft wird, bald auch mit grafischen Oberflächen wie KDE und Gnome. Mit Support und Dienstleistungen rund um die Software schaffen es viele Unternehmen sogar, Geld mit dem an sich kostenlosen System zu verdienen.

    Schon früh erkennt Microsoft Linux als größten, wenn nicht gar einzigen Konkurrenten auf dem Markt der PC-Betriebssysteme, doch nennenswerte Marktanteile gewinnt Linux erst mit der Verbreitung von Netbooks: Der erste Eee-PC von Asus, der Ende 2007 erscheint, setzt auf eine Linux-Variante. Später findet Linux seinen Weg auch in andere Geräte, etwa PDAs und Smartphones oder Router, und wird zur Basis für Googles Betriebssysteme Android und Chrome OS. Auf Desktop-PCs bleibt der Marktanteil von Linux klein, was auch an der mangelnden Treiberversorgung für dieses System und dem kleinen Angebot an Linux-kompatiblen Spielen liegt. Dennoch setzt auch hier eine wachsende Fangemeinde auf das als sehr sicher geltende freie System, zumal sich für jeden Einsatzzweck die optimale Distribution findet: von Damn Small Linux, das nur 50 Megabyte groß ist und sogar auf 486ern läuft, bis hin zu ausgewachsenen Desktop-Systemen mit voller Software-Ausstattung wie Ubuntu.

    Betriebssysteme: Der Fall von OS/2

    Am 4. Dezember 1987 begann die Zukunft der PC-Betriebssysteme - zumindest laut der Planung von IBM und Microsoft: Die erste Version des neuen Systems OS/2, das beide Unternehmen gemeinsam entwickelten, kam auf den Markt. Langfristig sollte damit das längst veraltete DOS ebenso abgelöst werden wie das noch recht erfolglose Windows. OS/2 1.0, gedacht für Intels 16-Bit-Prozessoren der 286er-Reihe, bot allerdings noch keine grafische Oberfläche und ist daher nur im Textmodus zu bedienen, bunt wurde es erst im Jahr darauf mit Version 1.1.

    Technisch war das System sonst auf der Höhe der Zeit: Es bot einen modernen Kernel mit präemptivem Multitasking und Multithreading, Speicherschutz, Unterstützung für 16 MiByte RAM sowie virtuellen Speicher von bis zu einem GiByte - das wichtigste Feature war jedoch die DOS-Kompatibilität. Durch die Popularität des alten Systems musste auch das neue mit DOS-Software umgehen können, Abwärtskompatibilität warist auf dem PC-Markt oberstes Gebot.

    Auf der Comdex 1989 demonstrierten IBM und Microsoft ihre enge Partnerschaft, priesen gemeinsam OS/2 als High-End-System der Zukunft. Doch es half nichts, OS/2 setzte sich nicht richtig durch; schon im Jahre 1990 stieg Microsoft aus dem Projekt aus. Windows 3 hatte sich als unerwartet erfolgreich erwiesen, fortan wollte man sich auf diese Plattform konzentrieren - und nun kümmerte sich IBM allein um OS/2, veröffentlichte 1996 OS/2 Warp 4. Das System, das mit Funktionen wie eingebauter Spracherkennung und Java durchaus fortschrittlich war, blieb IBMs letzter Versuch, dem dominanten Windows Konkurrenz zu machen - nach OS/2 4 erschienen nur noch eine Server-Version und Update-Pakete, die Zukunft gehörte Microsofts Windows. In gewisser Weise blieb OS/2 damit aber dem Markt erhalten: Die Windows-NT-Plattform, die Jahre später in Form von Windows XP den Markt beherrschte, wurde ursprünglich unter anderem Namen entwickelt: als OS/2 3.

    Welches wichtige Betriebssystem fehlt? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion. Weitere Informationen und Bilder zu Windows und DOS finden Sie auf Winhistory.de.

    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    Wie installiere ich Windows 10? Anleitung für Upgrades und Clean Install [neues Update]
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    Es gibt 45 Kommentare zum Artikel
    Von Bumblebee
    Ach ja - die guten alten Zeitenbtw. ich war auch so ein Vater der andauernd (je nach Spiel) an autoexec.bat und config…
    Von Lorin
    Absolut legendär: Amiga Workbench in den verschiedenen Versionen. Da habe ich schon Fenster hin und her geschoben und…
    Von Xate
    Netter Text. Könnte man gut in eine powerpoint Präsentation übernehmen und mal den Informatikunterricht aufpeppen
    Von roadrippe
    also den abgefahrensten fehler den ich mal hatte war bei dem spiel donald duck, das bild dazu find ich leider nicht…
    Von derP4computer
    Das Bild aus dem VW Werk ist ja wohl nur geil.
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Die Entwicklung der Betriebssysteme
Die Geschichte der Betriebssysteme von den Anfängen bis Windows 10: Hatte in den jungen Jahren des Computerzeitalters jeder Rechnertyp sein eigenes Betriebssystem, gibt es heute Windows- oder Linux-Varianten für nahezu alle PCs. PC Games Hardware gibt einen aktualisierten Überblick über die Geschichte der Systemsoftware mit einem Schwerpunkt auf Windows.
http://www.pcgameshardware.de/Windows-Software-122001/Specials/Windows-Geschichte-691127/
20.11.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2009/07/Win1.0_packshot_b2teaser_169.jpg
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