Whatsapp-Übernahme durch Facebook: "Die haben wohl ein Komma nach der Eins vergessen"
Selbst im Silicon Valley ist man von der WhatsApp-Übernahme durch Facebook beeindruckt und erstaunt: 19 Milliarden US-Dollar wechseln den Besitzer. Bei dieser gigantischen Summe konnte Gründer Jan Koum wohl doch nicht mehr Nein sagen. Es war schließlich nicht das erste Angebot. Im Nachhinein wirft der Deal aber viele Fragen auf - vor allem des Geldes wegen.
Die User-News heute Morgen hat bereits das Wichtigste vermittelt: Facebook zahlt 19 Milliarden US-Dollar für die Übernahme von Whatsapp. Gezahlt wird in 4 Milliarden US-Dollar Bargeld und 183.865.778 Facebook-Aktien, die auf einen Wert von rund 12 Milliarden US-Dollar kommen. Dazu kommen vier Milliarden in Aktien für die Belegschaft von Whatsapp in den nächsten vier Jahren. Betroffen sind 450 Millionen Whatsapp-Nutzer, die nun wie schon zuvor die Instagram-Nutzer beim großen, blauen sozialen Netzwerk zuhause sind. Damit ist manch einer nicht einverstanden, aber es gibt ja zahlreiche Alternativen zu WhatsApp.
Die Übernahme an und für sich ist durchaus logisch zu begründen. Facebook und Whatsapp passen gut zueinander – wie schon Instagram. Das finanzielle Volumen der Übernahme sorgt aber in sehr vielen Fällen für sprachlose Gesichter. 19 Milliarden – da hört man den sprichwörtlichen Knall nicht. So rutschen sogar manch einem Silicon-Valley-Manager ungewohnte Worte über die Lippen, die man sonst eher nicht hört. "Die haben wohl ein Komma nach der Eins vergessen", kommentiert ein Google-Mann und bezeichnet den Deal als "durchgeknallt". Google wollte selbst mehrfach einsteigen, blitzte aber immer an WhatsApp-Gründer Jan Koum ab. Bei Facebooks Milliarden wird wohl der der standhafteste Idealist schwach. Damit war der größte Deal für Facebook seit Bestehen und die größte Übernahme eines Startups bis heute besiegelt.
Facebook-CEO Mark Zuckerberg hält den Preis für angemessen und versucht nach der Bekanntgabe, die entgleisten Gesichtszüge der versammelten Investoren, Journalisten und Angestellten neu zu sortieren. Facebook sei so auf dem besten Wege, über eine Milliarden Menschen zu erreichen. Wie Instagram soll Whatsapp eigenständig bleiben und im Laufe der Zeit den Facebook-Messenger sowie Facebook selbst um sinnvolle Merkmale ergänzen. Facebook will zudem dazu beitragen, dass das rasante Wachstum bei Whatsapp anhält.
Whatsapp-Gründer Jan Koum dürfte sich derweil die Hände reiben. Er verliert zwar ein profitables Unternehmen mit einem etablierten Geschäftsmodell, wird aber zu einem enorm reichen Mann und bekommt Einfluss auf das größte Social Network weltweit, denn er wird Mitglied des Aufsichtsrates. Auch bei Sequoia werden die Sektkorken knallen, denn der Venture-Capital-Unternehmen investierte in den letzten Jahren 60 Millionen US-Dollar in Whatsapp und dürfte nun ein Vielfaches zurückbekommen. Dort wird der Kaufpreis gerechtfertigt. Maßgeblich seien dabei die Unternehmenszahlen: 450 Millionen Nutzer (42 USD pro Nutzer), 32 Mitarbeiter (14 Millionen Nutzer pro Angestellten), keine Werbung, keine Spiele und keine Gimmicks sowie Null Marketingkosten. Täglich werden alleine 19 Milliarden Nachrichten verschickt. 70 Prozent der Nutzer verwenden den Dienst tagein tagaus. Rechenspiele lassen sich bei diesen enormen Zahlen viele anstellen. Bei vielen fragt man sich: Was läuft da falsch?
Eigentlich dachte man, dass Facebook bereits einen Mondpreis für Instagram gezahlt hat – knapp eine Milliarde US-Dollar. Microsoft legte für Skype rund 8 Milliarden US-Dollar auf den Tisch – schon damals schnaufte man tief durch. Google stieg vor wenigen Tagen bei Nest für 3,5 Milliarden US-Dollar ein und gliederte ihn ins Unternehmen ein. Aufgrund des Trends gehen Experten davon aus, dass Internet-Startups auch weiterhin zu astronomischen Summen übernommen werden. Das sieht man in Deutschland am geplanten Börsengang von Zalando, das mit bis zu 6 Milliarden Euro bewertet wird. Angesichts solcher Verhältnisse war es im Nachhinein betrachtet klug, dass Snapchat ein 3-Milliarden-Dollar-Angebot von Facebook ausgeschlagen hat. Jetzt kann man die Hand noch weiter aufhalten, wenn einer der Großen anklopft – etwa Google, die nun unter Zugzwang stehen.
Am Rande wurde bekannt, dass Facebook und Whatsapp den Deal sehr schnell eingefädelt haben. Erst 11 Tage vor Bekanntgabe habe man mit Gesprächen begonnen, bei einem Teller schokoladenüberzogener Erdbeeren in Zuckerbergs Haus. Der Venture-Capital-Unternehmen Sequoia war zudem auch in Instagram investiert. Zudem sollen die Besitzverhältnisse von Whatsapp zu 45 Prozent auf Jan Koum und zu 20 Prozent auf Partner Brian Acton entfallen. Koum soll den Vertrag an einer alten Bürotür unterschrieben haben.
Die enormen Übernahmesummen machen auch deutlich, wie sehr die auf Werbung ausgelegten Geschäftsmodelle von Internetunternehmen auf Wachstum ausgelegt sind. Das erreicht man nur mit steigenden Nutzerzahlen und entsprechend hoch werden diese bewertet. Twitters Aktienkurs etwa leidet derzeit unter schwachem Wachstum. Die Dauerbaustelle Yahoo ließ sich Tumblr 1,1 Milliarden US-Dollar kosten. Pinterest dürfte bestimmt auch schon auf dem einen oder anderen Wunschzettel stehen und ähnlich hoch bewertet werden.
Ob sich solche überdimensionalen Übernahmen für das Wachstum auszahlen, kann nur die Zeit zeigen. 19 Milliarden US-Dollar sind schon enorm viel Geld – selbst für die lässigen Manager des Silicon Valley. Für Google hatte sich die Übernahme von Youtube beispielsweise ausgezahlt, aber man zahlte "auch nur" (damals durchaus umstritten bewertete) 1,6 Milliarden US-Dollar. Ein Treffer, aber nicht immer ist das der Fall. Wir erinnern uns beispielhaft an Myspace, dass von News Corp. für 580 Millionen US-Dollar gekauft und zum Massengrab für das Investment wurde. Specific Media zahlte 2011 nur noch 35 Millionen US-Dollar. Gewinner gibt es aber auch jetzt schon: Die 32 Whatsapp-Mitarbeiter bekommen Facebook-Aktien im Gesamtwert von 3 Milliarden US-Dollar.

hab es gestern schon auf iszene gelesen. dann muss ich mir wohl nen neuen abieter suchen oder doch wieder die gute alte sms nutzen.
Komma vergessen