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  • Wasteland 2 angespielt: Mit Old-School-Gaming erfolgreich gegen den Mainstream?

    Wasteland 2 ist eine durch Kickstarter finanzierte Fortsetzung des Klassikers aus dem Jahre 1988. Wir haben uns die inzwischen verfügbare Early-Access-Version angesehen und gehen der Frage nach, ob das Old-School-Rollenspiel überhaupt mit Multimillionen-Dollar-Produktionen mithalten kann - oder sie womöglich sogar allesamt in der Pfeife raucht.

    Brian Fargo hegte viele Jahre lang einen Wunsch: Während sich die Fallout-Reihe außerhalb seines Einflussbereiches weiterentwickelte, wollte er den geistigen Vorgänger Wasteland aus dem Jahre 1988 wiederbeleben. Das blieb ihm jedoch lange Zeit verwehrt. Die Rechte am Namen hatte er sich zwar schon 2003 gesichert, einen Publisher, der sich auf eine Fortsetzung einlassen wollte, fand er allerdings nicht. Erst im März 2012 sollte sein Wunsch in Erfüllung gehen. Mit dem ambitionierten Ziel, ein Oldschool-Rollenspiel ohne den Einfluss eines Publishers zu entwickeln, ging er auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter auf Brautschau. Dort sammelten Fargo und sein Team binnen eines Monats die stolze Summe von drei Millionen US-Dollar.

    Ein dreiviertel Jahre später hat sein Studio InXile eine frühe Beta-Version von Wasteland 2 unter anderem via Steam veröffentlicht. Darin schlüpft der Spieler in die Rolle einer Gruppe Desert Ranger, die im nuklear verunstalteten Südwesten der ehemaligen USA für Recht und Ordnung sorgen. Die Handlung setzt 15 Jahre nach dem Vorgänger an, der im Jahr 2087 ansiedelt. Wir haben uns die aktuell verfügbare Version angesehen. Was wir dabei erlebt haben, beschreiben wir im folgenden Text und im Video am Ende der Meldung.

    Vom ersten Mausklick an vollgestopft mit Nostalgie

          

    Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080.  (7) Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080. (7) Quelle: PC Games Hardware Schon bei der Charaktererstellung zeigt sich Wasteland 2 von einer unorthodoxen Seite. Anstatt Charakteren ein vorgefertigtes Klassenkorsett aufzuzwängen, dürfen Spieler die Attribute ganz nach Belieben verteilen. Das Fundament dafür bildet das C.L.A.S.S.I.C.-System, aus denen sich insgesamt sieben unterschiedliche Attribute ableiten. Namentlich sind das Charisma, Luck, Awareness, Strength, Speed, Intelligence und Coordination. Oder zu Deutsch: Charisma, Glück, Wahrnehmung, Stärke, Geschwindigkeit, Intelligenz und Koordination. Auf diesen Basiswerten basieren rund 30 weitere Skills. Sie wachsen mit den im Spiel gewonnen und eingesetzten Erfahrungspunkten. Mit einem Charakter allein kommt man aber nicht weit. Wasteland 2 wurde grundsätzlich für Einsatzteams entwickelt. Keine über einen Multiplayer vernetzten wohlgemerkt, sondern Viererteams, die der Spieler im Alleingang steuert. Die Gruppenmitglieder kann man entweder selbst erstellen - oder wählt sie aus einem vorgefertigten Figurenpool aus.

    Oldschool-Feeling kommt bereits im Menü auf, das mit seinen semifuturistischen Tönen und der dazu passenden musikalischen Untermalungen auf den Charme der 80er und frühen 90er Jahre anspielt. Jenes Gefühl steigert sich beinahe ins Unermessliche, wenn man die Kampagne startet. Die beginnt nämlich nicht mit der effektreichen Präsentation eines First-Person-Gemetzels. Vielmehr findet man sich in der dialoglastigen Einführung seines ersten Einsatzes wieder. Der Spieler nimmt das alles aus der leicht angewinkelten Vogelperspektive mit. Fast wie ein kleiner Gott, der seine Nase in die Belange der Sterblichen steckt.

    Die Missionseinführung ist rollenspieltypisch als Dialog gestaltet. Das bedeutet, dass man das Thema durch Nachfragen vertiefen oder auch in eine bestimmte Richtung lenken kann. Welche Antworten der Spieler darauf erhält und inwieweit er gewisse, etwa provokante Fragen überhaupt stellen darf, hängt vom Hintergrund der Figuren und den gewonnenen Fertigkeiten ab. Auf neumodische Spielereien verzichtet Wasteland 2 dabei selbstredend. Unten rechts im Bild ist ein Nadeldrucker permanent mit dem Zusammenfassen beschäftigt, sodass man die jüngsten Ereignisse nicht aus den Augen verliert.

    Steuerung und Kämpfe wie in der guten alten Zeit

          

    Die Kamera samt Figuren reagiert auf einfach Maus- und Tastaturkommandos. Erstere darf der Spieler wahlweise per WASD- beziehungsweise die Pfeiltasten steuern. Alternativ entsperrt man die Kamera im Menü, sodass man sie wie in einem Strategiespiel mit dem Mauszeiger an den Rändern bewegt. Die Ein- und -Ausgänge der jeweiligen Gebiete zieren animierte Globen. Klickt man diese an, landet man in einer globalen, aber nach wie vor dreidimensionalen Ansicht. Von dort aus lassen sich die verschiedenen Orte ansteuern. Dabei erscheint das Team als Markierung, die der Spieler über die Landkarte bewegen kann.

    Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080.  (8) Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080. (8) Quelle: PC Games Hardware Jene Ansicht ist jedoch keineswegs so trist oder gar ungefährlich, wie es scheint. Beim Ritt durch die Wüste kostet jeder Meter kostbares Wasser. Will man sein Ziel unbeschadet erreichen, sollte man die Vorräte auf der Reise auffüllen. Wasserquellen säumen zwar nicht gerade den Weg - doch wenn man sich die Umgebung genauer anschaut, entdeckt man hier und da ein paar kurze Halme im Wüstensand. Steuert man diese an, entpuppen sie sich als verstecken Oasen voller nützlichem Trinkwasser. Unterwegs lauern jedoch auch andere Gefahren. So kreuzen etwa Schurken unseren Weg und wollen erst bezwungen werden. Zurück in der übergeordneten Wüstensicht gilt es ebenso nicht menschliche Bedrohungen zu meiden. Radioaktiv verstrahlte Gebiete zwingen einen immer wieder zu Umwegen.

    Sobald man sein Zielgebiet erreicht, folgt schon das nächste kurze Briefing. Dieses Mal über Funk. Entsprechend vorgewarnt untersucht man die Blutspuren und Leichen im Umfeld. Dabei findet man in einem Trupp Punks den Urheber des Verbrechens. Freundlich begrüßen diese den Spieler nicht. Sie stellen die Ranger vor die Wahl, entweder eine Gebühr fürs Weitergehen zu entrichten oder die Konsequenzen zu tragen. Sparfüchse erleben spätesten jetzt ihren ersten Kampfeinsatz. Und in diesem finden sich Retrofans vermutlich direkt zuhause. Die Kämpfe in Wasteland 2 sind nämlich rundenbasiert aufgebaut. Pro Figur lässt sich nur eine begrenzte Anzahl an Aktionspunkten einsetzen, bevor der Gegner am Zuge ist. Dabei sollte man so einiges beachten, wenn man als Sieger aus der Schlacht hervorzugehen gedenkt.

    Kann man in einem First- oder auch Third-Person-Spiel noch mit Nahkampfwaffen aus der relativen Ferne treffsicher feuern - alternativ mit dem Scharfschützengewehr aus kurzer Distanz -, ist das bei Wasteland 2 anders. Befindet sich die Figur nicht in einer den Fähigkeiten und der Waffe angemessen Distanz zum Gegner, gehen die Patronen mit hoher Wahrscheinlichkeit daneben. Im schlimmsten Fall trifft die dann ein Crewmitglied in der näheren Umgebung. Das verhält sich ähnlich, wenn sich ein Kamerad direkt in der Schussbahn aufhält. Den Feuerbefehl sollte man sich ergo zweimal überlegen. Wer gegnerische Treffer vermeiden will, begibt sich am besten in eine günstige Position. Etwa hinter Felsen oder anderen Vorsprüngen. Im Gegensatz zu Third-Person-RPGs à la Mass Effect sind unsere Teammitglieder nämlich keine Stehauf-Männchen. Fallen diese im Gefecht, bleiben sie danach liegen. Wasteland 2 verzichtet somit auf Autoheilung und ähnlich neumodischen Schnickschnack. Stattdessen müssen Spieler Verbände, Pillen und Blutkonserven einsetzen, wollen sie verwundete Kameraden heilen. Diese erhält man zum Beispiel von verstorbenen Gegnern oder beim nächstbesten Händler.

    Grafikeinstellungen
     wasteland 2 test grafik einstellungen details  1 -pcgh

    Wasteland 2: Zweckmäßige Technik mit viel Charme

          

    In puncto Technik muss sich Wasteland 2 nicht verstecken. Eine modifizierte Version der Direct-X-11-fähigen Unity-Engine erfüllt ihren Zweck und zaubert dank integrierter Kantenglättung in der Regel ein flimmerfreies Bild auf den Bildschirm. So dürfte das Spiel zwar niemandes Kinnlade herunterziehen - der Retrocharme ist jedoch gesichert. Daran hat auch das stimmige Leveldesign seinen Anteil, das optische Schwächen gekonnt übertüncht. Für einen PC-exklusiven Titel fällt die Vielfalt in den Grafikeinstellungen etwas dünn aus. Schalter für Schatten, Umgebungsverdeckung, Texturauflösung und andere Details fehlen. Stattdessen bietet Wasteland 2 sechs globale Qualitätsstufen, die von "Fastest" bis "Fantastic" reichen. Möglicherweise werden in Zukunft noch verschiedene Grafikeinstellungen vom Entwickler freigeschaltet.

    Obwohl der Titel während unseres Tests sehr rund lief und keine Abstürze produzierte, merkt man ihm stellenweise an, dass Brian Fargo und Team noch viel vor haben. Es fehlen zum Beispiel nach wie vor Storyelemente, Karten, bestimmte Fähigkeiten und einige Sprachaufnahmen. Auch eine deutsche Übersetzung gibt es momentan nicht. Eingefleischten Retrofans dürfe das wenig ausmachen. Insbesondere weil Wasteland 2 in der Beta-Fassung schon runder als mancher Release-Titel läuft.

    Wasteland 2 kaufen oder nicht kaufen? Das ist die Generationsfrage

          

    Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080.  (11) Wasteland 2 : Downsampling-Screenshots in 2.880 x 1.620 @ 1.920 x 1.080. (11) Quelle: PC Games Hardware Wasteland 2 ist außerordentlich detailliert ausgearbeitet und dürfte Retrofans von der ersten Minute an fesseln. Es ist tief, atmosphärisch und es verneint mit voller Absicht Elemente, die zeitgenössische Publisher für unabdingbar halten. Der schwarze, teilweise trashige Humor schafft es nach unserem Dafürhalten sogar, jüngere Generationen einzufangen. Die Frage ist nur: Gilt das auch für die grundlegenden Gameplay-Elemente? Ältere Semester mögen sich in die isometrischen Ansicht und das rundenbasierte Kampfsystem verlieben. Spieler jüngeren Jahrgangs könnten das Gameplay jedoch als nicht direkt genug empfinden.

    Und tatsächlich kann durch die übergeordnete Kamera der Eindruck entstehen, nie richtig involviert zu sein. Während der Spieler von oben seine Mannen dirigiert, versuchen die da unten irgendwie den Befehlen nachzukommen. Manchmal möchte man sich schon an den Kopf fassen, wenn einer der Helden den Gegner auf freier Schussbahn verfehlt. Wenn man doch nur mittendrin wäre, so der Gedanke, hätte man den Sack bestimmt getroffen. Und dass sich die eigenen Leute keinen Deut bewegen, wenn sie der Feind mit dem Messer beackert, mag manchem noch viel befremdlicher vorkommen. Wasteland 2 ist nun mal kein Mass Effect.

    Und genau das ist die Stärke des durch Kickstarter finanzierten Titels. Brian Fargo sitzen kein Publisher, kein Aktionär und kein BWL-Schlipsträger im Nacken. Es gibt niemanden, der vier Blasen stellvertretend für Zielgruppen und ihre Bedürfnisse an ein Videospiel an die Tafel malt und das winzige Feld, im dem sich alle schneiden, zum Ziel erklärt. Wasteland 2 muss nicht jedem gefallen und das sollte es auch nicht. Andere werden es umso mehr mögen. So sehr, dass es sie vielleicht sogar überwältigt.

    Wasteland 2 im Video: Neun Minuten kommentiertes Gameplay aus der Early-Access-Fassung

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    08:56
    Wasteland 2: Neun Minuten kommentiertes Gameplay aus der Early-Access-Fassung
    Spielecover zu Wasteland 2
    Wasteland 2
  • Wasteland 2
    Wasteland 2
    Developer
    inXile Entertainment (US)
    Release
    19.09.2014

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    Es gibt 17 Kommentare zum Artikel
    Von M4xw0lf
    Wasteland 2 ist ja kein Remake, sondern ein neues Spiel.
    Von OriginalOrigin
    Ich weiß nicht...ich habe die alten Spiele zwar auch gespielt, aber ich finde man sollte sie ruhen lassen. Alte Spiele…
    Von XD-User
    Wieso kann der Grafik Unterschied nicht bei jedem Spiel so positiv sein Das Spiel sieht defnitiv interessant aus, mal…
    Von bofferbrauer
    *Granatwerfer auspack, ein dutzend Schuss über die Deckung hinwegfeuer* Yay, CoD gekillt Vermisst eh keiner mehr 2…
    Von RedDragon20
    Doch, CoD. *in Deckung geh*
      • Von M4xw0lf Lötkolbengott/-göttin
        Wasteland 2 ist ja kein Remake, sondern ein neues Spiel.
      • Von OriginalOrigin Software-Overclocker(in)
        Ich weiß nicht...ich habe die alten Spiele zwar auch gespielt, aber ich finde man sollte sie ruhen lassen. Alte Spiele jetzt zwanghaft nur etwas schöner wieder zu bringen, das kann vieles zerstören. Damals waren viele noch jung und haben auch die ersten Erfahrungen bei solchen Spielen gesammelt. War bei mir bei einen Genre nicht anders: WoW war mein ersten MMORPG was ich intensiv gezockt habe. Also ist es für mich nach wie vor das beste MMORPG, egal welche Schwächen es hat. Würde ein "neuer" ( jemand mit 0 Erfahrung in den Genre) heute das Spiel zocken, würde er sich fragen wie man so dämlich sein kann, das gut zu finden. Dazu kommt halt der berühmte verklärte Nostalgie Blick auf "damals" wo ja alles besser war. Wenn wir jetzt ein Spiel wie vor 20 oder 30 Jahren vorgesetzt bekommen, kann es sein das vielen der Traum von damals zerstört wird. Man ist im Jahr 2014 einfach neuere und auch bessere Standards gewohnt, auf die man nicht mehr verzichten will.
      • Von XD-User Software-Overclocker(in)
        Wieso kann der Grafik Unterschied nicht bei jedem Spiel so positiv sein
        Das Spiel sieht defnitiv interessant aus, mal gucken was noch aus ihm wird.
      • Von bofferbrauer BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von RedDragon20
        Doch, CoD. *in Deckung geh*

        *Granatwerfer auspack, ein dutzend Schuss über die Deckung hinwegfeuer* Yay, CoD gekillt Vermisst eh keiner mehr 2 Wochen später. CoD? Wasn das?
      • Von RedDragon20 Software-Overclocker(in)
        Zitat von Nightslaver
        Und es geht einfach nichts über isometrische Ansicht und tiefgründige Charakterentwicklungsmöglichkeiten, sowie rundenbasierte Kämpfe.

        Doch, CoD. *in Deckung geh*
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Wasteland 2
Wasteland 2 angespielt: Mit Old-School-Gaming erfolgreich gegen den Mainstream?
Wasteland 2 ist eine durch Kickstarter finanzierte Fortsetzung des Klassikers aus dem Jahre 1988. Wir haben uns die inzwischen verfügbare Early-Access-Version angesehen und gehen der Frage nach, ob das Old-School-Rollenspiel überhaupt mit Multimillionen-Dollar-Produktionen mithalten kann - oder sie womöglich sogar allesamt in der Pfeife raucht.
http://www.pcgameshardware.de/Wasteland-2-Spiel-41935/Specials/Wasteland-2-angespielt-test-video-gameplay-early-access-1103155/
04.01.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2013/12/WL2_2013-12-25_23-02-35-52-pcgh.jpg
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