Fractal Design Kelvin S24: Erweiterbare Kompaktwasserkühlung im Test
Mit der Kelvin-Baureihe versucht der schwedische Hersteller Fractal Design zugleich im Kühlungsmarkt Fuß zu fassen und die bestehende Lücke zwischen All-in-One-Kompaktwasserkühlungen und größeren Eigenzusammenstellungen zu schließen. Wir testen, ob die Zusammenarbeit mit Alphacool dieses Ziel erreicht.
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Kompaktwasserkühlungen ähneln einander oft stark. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der überwiegende Teil aller Produkte am Markt von Asetek und Cool-IT gefertigt wird. Die Vertriebsfirmen wählen zwar zum Teil spezielle Bodenplatten und entscheiden über die verwendeten Lüfter, aber oft sind weite Teile der Technik identisch. Nicht so bei der Kelvin S24, die ihre Wurzeln im Bereich der herkömmlichen, "erwachsenen" Wasserkühlungen hat. Zu diesem Zweck hat Fractal Design den erfahrenen deutschen Wasserkühlungs-Spezialisten Alphacool mit ins Boot geholt.
Fractal Design Kelvin S24: Grundaufbau und Radiator
Quelle: PC Games Hardware
Fractal Design Kelvin S24: Der Radiator erinnert stark an den Nexxxos ST30 240mm, einschließlich dessen guter Leistung bei niedrigen Drehzahlen - und einschließlich der einseitig (zu) dünn lackierten Lamellen.
Der grundsätzliche Aufbau wurde zunächst von klassischen Kompaktwasserkühlungen übernommen. Pumpe und CPU-Kühler sind zu einer Einheit verschmolzen, einzige weitere Komponente im Kreislauf ist der Dual-120-mm-Radiator. Letzterer besteht nicht wie bei den meisten Kompaktwasserkühlungen aus Aluminium, sondern nahezu vollständig aus Kupfer. Auch Design und Abmessungen passen zu den "Full Copper"-Radiatoren von Alphacool; offensichtlich hat sich Fractal Design bei der Kelvin S24 für einen Nexxxos ST30 240mm entschieden. Diese Wahl ist durchaus zu begrüßen, denn in der PCGH-Marktübersicht für 3×140-mm-Radiatoren konnte die Nexxxos-ST30-Baureihe nicht nur mit einem der günstigen Preise überzeugen, sondern sicherte sich mit gut guter Leistung bei niedrigen Drehzahlen und kompakten Abmessungen auch gleich den Testsieg.
Fractal Design Kelvin S24: CPU-Kühler und Pumpe
Quelle: PC Games Hardware
Fractal Design Kelvin S24: Der CPU-Kühler ist vom Nexxxos XP³ abgeleitet.
Weitere Spuren von Alphacool finden sich unter dem Pumpenmodul. Die Bodenplatte erinnert nicht nur von außen frappierend an den aktuellen Nexxxos XP³, der Explosionszeichnung im Kelvin-Handbuch zu Folge wird auch die gleiche Struktur und Wasserkühlung genutzt. Im PCGH-CPU-Wasserkühler-Test (08/2014) platzierte sich diese Technik eher im hinteren Mittelfeld, was bei der allgemein hohen Qualität von CPU-Wasserkühlkörpern aber einen Rückstand von nicht einmal 1,5 K auf die Spitzenklasse bedeutet. In der Kelvin S24 geht der CPU-Kühler eine Verbindung mit einem dritten Alphacool-Produkt ein, denn auch die integrierte Pumpe scheint aus gleichem Hause zu stammen. Design und Leistungsspezifikationen entsprechen denen der Alphacool DC-LT in der "low Noise"-Ausführung mit 2400 U/min. Die niedrige Lautstärke ist hierbei relativ zu betrachten. Gegenüber der ursprünglichen Version der DC-LT wurde die maximale Förderhöhe zwar von 2,2 m auf 1 m mehr als halbiert, aber ausgehend von einer der lautesten Wasserkühlungspumpen am Markt (siehe PCGH 06/2014) bleibt eine gewisse Grundlautheit.
Fractal Design Kelvin S24: Lautstärke
Quelle: PC Games Hardware
Fractal Design Kelvin S24: Ein Y-Kabel liegt bei und erlaubt den Betrieb an Mainboards mit nur einem 4-Pin-Anschluss. (Die Pumpe nutzt einen 3-Pin-Stecker)
Bei 12 V messen wir 0,7 Sone, bei der minimal spezifizierten Betriebsspannung von 7 Volt sind es 0,3 Sone. Da ein CPU-Kühler nicht Vibrations-entkoppelt verbaut werden kann, kommen im praktischen Einsatz zwangsläufig noch ein paar Resonanzen hinzu. Wir messen 0,9 beziehungsweise 0,4 Sone, wenn die CPU-Kühler-Pumpen-Einheit auf einem Mainboard verbaut ist. Das helle Sirren ist hierbei auffälliger, als die reinen Messwerte vermuten lassen und leicht aus tieferfrequenten Lüfterrauschen herauszuhören. Die von Fractal beigelegten Lüfter sind an diese Geräuschcharkteristik angepasst und nur bedingt für den Silent-Betrieb gedacht. Ihre minimale Drehzahl liegt bei 620 U/min, maximal erreichen wir in unserem Testsystem 1700 U/min. Bereits bei halber Drehzahl (840 U/min) messen wir 0,8 Sone einschließlich leichter Lagergeräusche. In Kombination mit der Pumpe bringt es die gesamte Kühlung hier auf noch alltagstaugliche 1,0 bis 1,2 Sone (Pumpe bei 7 V beziehungsweise 12 V). Bei voller Leistung erzeugen dagegen die Lüfter für sich bereits 4,4 Sone.
Fractal Design Kelvin S24: Kühlleistung
Demgegenüber stehen gute bis sehr gute CPU-Temperaturen. Zwar wird unser Sandy-Bridge-Test-Achtkerner unter Core Damage mit 49,3 °C etwas wärmer, als mit einigen anderen Kompaktwasserkühlungen. Doch diese sind zum Teil auch mehr als doppelt so laut. Mit halbierter Drehzahl schafft die Kelvin S24 immerhin noch 53,3 °C. Dieser Wert liegt bereits im Leistungsspektrum guter Luftkühler, geht aber auch dort mit einer gewissen Geräuschentwicklung einher. So erreicht Noctuas NH-U14S 52,1 °C bei einer Lautheit von 1,1 Sone. Berücksichtigt man neben den Lüftern (0,8 Sone) auch die Pumpe der der Kelvin S24, schneidet das Gesamtpaket zwar etwas schlechter ab. Aber zum einen kann man die Pumpenleistung nahezu ohne Leistungsverlust drosseln; mit 7 V verzeichnen wir gerade einmal einen Temperaturanstieg auf 54,0 °C. Zum anderen weist auch der Kelvin-Radiator die von den Nexxxos ST30 bekannte Abstimmung auf niedrige Drehzahlen auf. Im Gegensatz zu anderen Kompaktwasserkühlungen, die meist sehr eng stehende Lamellen nutzen und starke Lüfter erfordern, skaliert die Kelvin auch mit unseren Be-Quiet-Referenz-Lüftern und erreicht so die gleiche Temperatur mit um 0,2 Sone leiserer Luftzufuhr. Keinen Einfluss auf die Kühlleistung hat unseren Messungen zu Folge übrigens die beiliegende Wärmeleitpaste. Obwohl Fractal Design nachdrücklich darauf verweist, dass diese besonders gut auf die Bodenplatte der Kelvin abgestimmt ist, messen wir mit unserer Standard-Wärmeleitpaste aus der gehobenen Mittelklasse (EKL Permafrost) sogar um 0,1 bis 0,5 K niedrigere Temperaturen.
Fractal Design Kelvin S24: Erweiterbarkeit
Quelle: PC Games Hardware
Fractal Design Kelvin S24: Standard-Wasserkühlungsschläuche (mit zusätzlichen Knickschutzfedern) und -Anschlüsse machen Erweiterungen möglich.
Wem das alles nicht gefällt, der hat bei der Kelvin-Baureihe noch weitere Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Die Verbindung zwischen den Komponenten erfolgt nämlich nicht, wie bei Kompaktwasserkühlungen üblich, über fest installierte steife Hartplastik- oder überdicke Gummischläuche, sondern mit schwarzen PVC-Schläuchen von 11 mm Außen- und 8 mm Innendurchmesser. Genau das gleiche Format also, dass in vielen Wasserkühlungsforen empfohlen wird und das auch PCGH für Tests von Wasserkühlungskomponenten nutzt. Ebenso von nicht-kompakten Wasserkühlungen übernommen sind die zugehörigen Schnellverschraub-Anschlüsse, die in ebenso gebräuchliche G1/4"-Gewinde sitzen. Damit sind die einzelnen Bestandteile der Kelvin S24 voll kompatibel zu allen etablierten Wasserkühlungs-Standards. Einer Erweiterung steht somit nichts im Wege, sie wird im Handbuch sogar ausdrücklich vorgeschlagen. Zusätzliche Radiatoren? Einbindung der Grafikkarte? Alles kein Problem, allerdings sollte man möglichst in dieser Reihenfolge vorgehen: Eine High-End-GPU erzeugt ein Vielfaches der Abwärme einer CPU. Wer das gesamte System kühlen möchte, ohne dem 2×120-mm-Radiator etwas Verstärkung zur Seite zu stellen, der wird hohe Lüfterdrehzahlen und/oder Temperaturen in Kauf nehmen müssen. Ebenfalls berücksichtigen sollten Bastlernaturen die geringe Größe der enthaltenen Pumpe. Zwar kann die DC LT bei Bedarf auch größere Kreisläufe versorgen, eine Drosselung auf 7 Volt geht dann aber gegebenenfalls mit größeren Leistungs-Einbußen einher.
Fractal Design Kelvin S24: Fazit und Preis
Zusammenfassend lässt sich das Kind von Fractal Design und Alphacool gut als Summe seiner Bestandteile beschreiben. Ein guter, noch kompakter und für eine reine CPU-Kühlung groß dimensionierter Radiator trifft auf einen Mittelklasse-CPU-Kühler und eine Pumpe, die ihre geringe Größe zum Teil durch ein entsprechend lautes Auftreten kompensiert. Das Ergebnis ist eine der wenigen vorgefüllten Wasserkühlungen, die auch im alltagstauglichen 1-Sone-Bereich noch mit Luftkühlern konkurrieren kann. Nach unten hin bietet sie zwar nicht mehr nennenswertes Silent-Potential, dafür kann sie aber bei Bedarf deutlich mehr Leistung liefern, als die "trockene" Konkurrenz. Lob gebührt Fractal hierbei für die gewählten Lüfter, die zwar nicht frei von Lagergeräuschen sind, aber insgesamt gut zum Leistungsspektrum passen.
Der bastelfreudige Käufer profitiert zudem vom Griff ins Alphacool-Teileregel, der eine hohe Kompatibilität zu anderen Wasserkühlungsprodukten garantiert. Fair ist unter diesen Gesichtspunkt auch der Preis. Für 120 Euro bekäme man CPU-Kühler, Pumpe und Radiator nicht einzeln gekauft, hier gibt es noch Lüfter und Anschlüsse dazu. Silent-orientierte Anwender sollten sich allerdings weiterhin an Luftkühler halten oder ein paar Euro mehr in eine Wasserkühlung mit separater, leiserer Pumpe investieren.
| Produkt | Kelvin S24 |
|---|---|
| Hersteller | Fractal Design (www.fractal-design.com) |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 120,-/ausreichend |
| Link zum PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/1127755 |
| Ausstattungs-Note | 1,03 |
| Enthaltene Lüfter/Anschluss/Entkopplung | 2 × 120 mm /4 Pin/keine |
| Montierbare Lüfter* | 2 × 120 mm |
| Lüfterdrehzahl min. – max.(PWM) | 617 – 1740 U/min |
| Wärmeleitmittel/Lüftersteuerung/Extras | Spritze/keine/keine |
| Eigenschaften-Note | 2,72 |
| Sockelunterstütztung AMD | AM2(+)/AM3(+)/FM1/FM2(+) |
| Sockelunterstütztung Intel | 1150/1155/1156/2011/2011-v3/1366/775 |
| Maße (L × B × D Radiator) und Gewicht mit Standardlüfter(n) | 276 × 124 × 58 mm, 1499 g |
| Montageaufwand (AMD/115X/2011) | Hoch/hoch/mittel |
| Platinenausbau nötig (AMD/115X/2011) | Ja/ja/nein |
| Gedrehte Montage möglich (AMD/115X/2011) | Ja/ja/ja |
| Leistungs-Note | 2,82 |
| CPU-Temp., Standardlüfter (100/75/50% | 49,3/50,5/53,3 °C |
| Lautheit Standardlüfter (100/75/50%) | 4,4/2,2/0,8 Sone |
| Schalldruck Standardlüfter (100/75/50%) | 43,2/35,9/27,5 dB(A) |
| CPU-Temp., Standardlüfter bei 1.0 Sone | 52,7 °C (900 U/min) |
| CPU-Temp., Referenzlüfter (100/75/50%) | 1,7/0,6/0,1 Sone (2 × 120 mm) |
| Lautheit Referenzlüfter (100/75/50%) | 1,7/0,6/0,1 Sone (2 × 120 mm) |
| Schalldruck Referenzlüfter (100/75/50%) | 33,6/25,6/17,4 dB(A) (2 × 120 mm) |
| Fazit | + Akzeptable Lautstärke |
| + Erweiterbar | |
| - Deutlich teurer als Luftkühler | |
| Wertung: 2,44 |
Warum schafft es keiner der Hersteller eine leise Pumpe zu verbauen ?
Und wie der Name Kompaktwasserkühlung andeutet, sollte das Ding auch kompakt sein. Offensichtlich lohnt es sich aus wirtschaftlicher Sicht halt nicht solch eine Lösung zu entwickeln die sich für unter 150-160€ verkaufen lässt.
Die Alphacool Eisberg 240 (11190) für 80€ hat diesselbe Pumpe, CPU-Bodenplatte, Radiator und Schläuche wie die Fractal Kelvin. Mit einem 5V Adapter für die Pumpe und 7V Adaptern für die beiden Lüfter für insgesamt 85€ kommst du auf die im Test genannten Ergebnisse: ca. 54°C bei einer Gesamtlaustärke von 1 Sone, verursacht durch die Lüfter und die Pumpe, auf einer CPU mit 8 Kernen die mit Core Damage ausgelastet wird.
Interessant wäre ein Vergleich mit einem Noctua NH15 der dasselbe kostet. Ein FX 9590 oder ein Xeon E5-2687W/i7-5960X mit einer erhöhten Spannung wird mit Core Damage ausgelastet und die Alphacool Eisberg 240 (11190) mit einem 5V Adapter für die Pumpe und 7V Adaptern für die beiden Lüfter mit dem aktuell besten Luftkühler Noctua NH15 verglichen. Ein Szenario bei dem beide auch wirklich gefordert sind.
Da läufts mir immer kalt den Rücken runter bei so lauten Komponenten, da kann die Kühlleistung noch so gut sein.
Warum schafft es keiner der Hersteller eine leise Pumpe zu verbauen ?
Der Testartikel ist insgesamt sehr gut geworden. Es wurden z.B. auch die eingesetzten Einzelteile der Wasserkühlung genannt oder auch die Kühlleistung bei verringerter Pumpendrehzahl getestet.
Besonders gefallen hat mir auch das Video wo versucht wurde den Lautstärkeunterschied der Pumpe bei 12V und 7V zu verdeutlichen.
Vielleicht noch ein Hinweis an alle die sich für so eine Wasserkühlung interessieren und nach einer günstigeren Lösung suchen: Alphacool selbst hat sehr ähnliche Produkte im Angebot, bei denen derselbe Radiator und dieselbe Pumpe zum Einsatz kommen. Bin vor kurzem erst selbst auf diese beiden Produkte gestoßen, aber sie scheinen der Cooler Master Eisberg sehr ähnlich zu sein.
Die Alphacool Eisberg 240 (11190) kostet aktuelle mit ca. 80€ weniger, hat aber auch Nachteile. Es kommt die stärkere Version der Alphacool DC-LT zum Einsatz die damit mit 12V noch lauter agiert. Selbst mit dem mitgelieferten 7V Adapter liegt die Drehzahl nur kanpp unterhalb der Pumpendrehzahl der Fractal Kelvin S24 mit 12V. Außerdem haben die beiden 120mm Lüfter keine PWM-Funktion und laufen daher immer mit 1300 U/min. Ohne eine Lüftersteuerung oder Spannungsadapter mit denen die Drehzahl verringert werden kann wird die höhere Laustärke zum Problem.
Viel zu teuer für die gebotene Leistung, da reicht ein guter Luftkühler und dieser ist dann auch noch leiser und kostet nur einen Bruchteil.
Da ist selbst ein Noctua Kühler ein Schnäppchen im Vergleich zu der "Wasserkühlung".
Ihr solltet mal die Swiftech H220X/H240X testen und am besten im Vergleich zur Kelvin.