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  • Ausprobiert: Intels Project Alloy - Salsa, Pool-Partys und Shooter durch Realsense und Merged Reality

    Zwei Infrarot-Sensoren, zwei Fisheye-Kameras, einige Realsense-Sensoren sowie ein Skylake der Core-Reihe: That's it, Project Alloy braucht keine externe Hardware, Kabel oder Tracking-Devices. Quelle: PC Games Hardware

    Zwei Infrarot-Sensoren, zwei Fisheye-Kameras, einige Realsense-Sensoren sowie ein Skylake der Core-Reihe: Mehr soll Project Alloy nicht brauchen, um in Zukunft nicht nur komplette virtuelle Welten in die reale hineinzurendern, sondern auch voll interagierbar zu machen. Wir sprechen von Salsatänzen mit wilden Hüftbewegungen, Sprüngen in Pools oder auch Multiplayer-Shootern, völlig ohne Lightboxen oder Tracking-Devices im Raum. Zeit für einen ersten Reality-Check.

    Gerade noch haben wir die Hand am Lenkrad eines Mercedes SL 300 Roadster, einem dieser Männerträume aus den 60ern, da wird auch schon unsere Tür geöffnet - zumindest in einem Merged-Reality-Infovideo von Intel vom August 2016. Der Car-Boy nimmt die Schlüssel, Champagner wird gereicht, eine attraktive Brünette im knallroten Chanel-Dress zwinkert uns zu. In dieser Augmented-Reality-Welt laufen wir gerade durch eine prachtvolle Villa in den Hollywood Hills - jeder scheint uns zu kennen, wir fühlen uns wie ein Promi auf einer Party. Es ist Silvester, die Raketen knallen, die in das Headmounted-Display integrierten Sensoren und Tiefenkameras erkennen Objekte in der Umgebung, mit denen wir interagieren können: Ein Champagner-Glas hier nehmen, dort zur Lady beugen, um Hallo-Küsschen zu verteilen oder die Hand heben, um einem Bro ein sattes High-Five zu geben. "Was, wenn Virtual Reality sich weniger virtuell, sondern realer anfühlen würde?", fragt eine geheimnisvolle Stimme aus dem Off. "Was wäre, wenn Sie Ihre Hände benutzen könnten, einfach so wie in der Realität?" Klingt halbwegs machbar, dann wird es jedoch wild: Wir tanzen mit einer Dame Salsa und lassen dabei die Arme wild kreisen - und das völlig ohne Tracking-Devices im Raum. Denn anders als Vive oder Oculus und eher angelehnt an Holo Lens arbeitet der Prototyp von Intels Project Alloy mit einem integrierten Skylake-Prozessor der Core-U-Reihe (genaue Typenbezeichnungen bleibt Intel noch schuldig) sowie einem doppelten Realsense-Tiefenkamera-Modul. Doch wie viel ist bereits technische Realität und was bleibt purer Marketing-Zauber beziehungsweise ungelebter AR-Traum? Zeit für den Reality-Check.

    Wie viel ist technische Realität, was noch ein AR-Traum?

    Intels Realsense-Technologie wird nicht umsonst für die meisten Drohnen verwendet, weil die Tiefenkamera-Module zu den besten auf dem Markt gehören. Realsense ist sehr gut in der Navigation und im Erkennen von Hindernissen - entsprechende Drohnen finden sich selbst auf den prall gefüllten Convention-Floors der Consumer Electronics Show zurecht. Allerdings sprechen wir hier in der Regel über große Objekte in geringer Anzahl - ganz anders als im Vision-Trailer von Intel. Dort muss die Kamera permanent gut 10 bis 15 Personen pro Raum tracken, hinzu kommen Objekte wie Gläser und das mit dem Tanz-Tracking sollten Sie sich in der technischen Umsetzung auch nicht so einfach vorstellen, auch wenn Alloy jeden einzelnen Finger tracken kann. Intel hat das bereits mit Röntgenbildern gezeigt. Die Kalifornier machen im Übrigen selbst keinen großen Hehl daraus, dass Project Alloy sich noch in einem frühen Stadium befindet. Man plant, alle Projektdaten online zu veröffentlichen, ganz ähnlich wie das Razer mit OSVR gemacht hat, damit nicht nur Powerplayer der Branche daran mitarbeiten können, sondern auch talentierte Hobby-Bastler. Auch ein direkter Verkauf ist laut CEO Brian Krzanich nicht geplant, das sollen ab Jahresende Partner übernehmen. Es geht hier offensichtlich mehr darum, herauszufinden, was die Zukunft bringen kann und weniger darum, den nächsten Verkaufsschlager zu platzieren. Krzanich erwähnt sogar eine Kooperation mit Microsoft, die mit Holo Lens das größte Konkurrenzprodukt entwickeln.

    Doch schauen wir uns doch einfach mal an, was bereits geht und auf welche Augmented-Reality-Features wir noch länger warten müssen. Alloy ist deutlich schwerer und unkomfortabler als Holo Lens. Es ist recht offensichtlich, dass bei Intel aktuell eher Programmierer sowie Technikexperten und weniger Industriedesigner an den Prototypen sitzen. Die sind aktuell recht klobig und nicht besonders hübsch. Die Gewichtsverlagerung funktioniert allerdings gut, da die Batterie am hinteren Kopfende installiert ist. Der spezielle Vision-Prozessor, der quasi als AR-GPU fungiert sowie der nicht näher genannte Core-Prozessor sind vor der Linse angebracht, deren Auflösung ebenfalls noch unbekannt ist. Der größte Vorteil von Alloy gegenüber Holo Lens ist die virtuelle Darstellung ohne größere Einschränkungen. Bei Holo Lens sehen Sie sehr viel "Reality" und nur einen recht schmalen Spalt an "Virtuality". Sprich: Eine Figur wie der Master Chief würde in einem Holo-Lens-Halo nicht in voller Größe vor Ihnen in Ihrem Wohnzimmer stehen, sondern Sie würden Ihn nur vom Torso bis zum Kopf sehen. Eine Einschränkung, die bereits den ein oder anderen AR-Traum platzen ließ: Ob sich beispielsweise die Minecraft-Demo aus der Premiere je so umsetzen lassen wird, ist fraglich. Dort ließen sich in einem speziellen Viewer-Modus etwa Türme nur per Absenken und Anheben der Hand herunterfahren respektive ausblenden. Alloy ist hier dank Realsense etwas weiter, weil es bereits einen deutlich größeren Bereich trackt und mehr virtuelle Objekte darstellt. In der Demo wird beispielsweise eine Couch am Boden zur Deckung in einem Multiplayer-Shooter verwendet. Zudem gibt einem das System das Gefühl, der Raum bewege sich, weil sich der Präsentationsraum plötzlich als Fahrstuhl herausstellt. Die Idee hinter Alloy: Die eigene Couch wird zur Stahlkiste, um Deckung vor angreifenden Alienraumschiffen zu nehmen, ein Bücherregal hingegen zum Energiegenerator, mit dem wir interagieren müssen. So stellt sich Intel Merged Reality in Gaming vor.

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    Windows Holographic: Mixed Reality im Video

    Könnte Geforce Now die Lösung für das Streamen großer Datenmengen werden?

    Alloy soll bereits jetzt besser als beispielsweise Leap Motion im Erkennen von auch kleineren Handbewegungen sein. Ein Problem von AR ist aktuell, dass die Systeme sehr ausladende Bewegungen fürs Tracking brauchen, was sich unnatürlich anfühlt. Visuell gesehen liegen die Demos Welten hinter dem, was der Vision-Trailer zeigt. Wir reden hier aktuell von sehr einfach gestalteten Szenarien, die eher an die Qualität von GearVR erinnern und nichts mit der ausgesprochen real wirkenden Umgebung des Vision-Trailers zu tun haben. Wer weiß, vielleicht kann hier Nvidia weiterhelfen, denn es wäre ja durchaus möglich, statt einer schwachen integrierten Hardware auf dem Kopf auf eine Streaming-Lösung via Desktop-PC zuzugreifen. Zumindest optional für alle, die eine visuell hochwertige Erfahrung erleben möchten. Denn Intels Masterplan beinhaltet gigantische Mengen an Daten, schließlich will man nicht nur eine virtuelle in die reale Welt "hineinrendern", sondern auch Merged-Reality-Multiplayer anbieten. Wenn also ein Freund oder Freundin in den realen Raum kommt, den Sie gerade nutzen, so soll diese auch in der virtuellen Abbildung vorkommen. Wie genau dieses Echtzeit-3D-Scanning eines kompletten Körpers oder zumindest Gesicht funktionieren soll, bleibt ein Rätsel, dessen Lösung vermutlich auch Intel noch nicht selbst kennt. 3D-Scans von Gesichtern für Spiele etwa erfordern minutiöse Planung und stundenlange Aufnahmen eines Schauspielers. In Echtzeit werden wir wohl auch in Zukunft nur Silhouetten hinbekommen, keine kompletten menschlichen Gesichter in der Qualität eines Videospiels wie etwa Uncharted 4.

    CES-Fazit: Project Alloy

    Die Idee von Merged Reality ist faszinierend: Im Grunde nimmt das System Ihre eigene Umgebung, also Couch, Tisch, Stuhl, Bücherregal, Laptop etc. mit in eine virtuelle Umgebung und baut Sie dann vor Ihrem virtuellen Auge in einen Energiegenerator, eine Abschussrampe für Raketen etc. um. Das funktioniert bereits halbwegs, das Tracking ist aber noch nicht so genau, wie man sich das wünschen würde. Aktuell sind externe Tracker wie etwa bei Vive für 360-Grad-Erfahrungen deutlich präziser als die interne Alloy-Lösung, die nur aus Fisheye-Kameras, Infrarot-Sensoren und Intels Realsense-Technologie besteht. Von der Qualität der Vision-Demo mit der Villa in den Hollywood Hills und der Darstellung von real aussehenden Gesichtern in Videospiel-Qualität, projiziert in die reale Welt, sind wir aber noch weit entfernt. Durchaus machbar wäre das aber, wenn man Hollywood an Bord holt und einen interaktiven Spielfilm anbietet mit entsprechend vorberechneten Szenen, die je nach Interaktion vor unserem Auge abgespult werden. Gerade diese Multiplayer-Idee, die einen Echtzeit-3D-Scan von Freunden benötigen würde, scheint aber eher eine Vision der Zukunft, denn aktuell technisch machbare Realität zu sein. Was allerdings bereits funktioniert, ist die eigene Uhr in der virtuellen Gaming-Umgebung zu sehen oder sein Smartphone, was für interessante Konzepte sorgen dürfte.

  • Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
    Von elpuesto
    das ist eine corvette c1
    Von KingofKingzZ
    Bin irgendwie verwirrt, wie ich mir das im Zusammenhang mit Spielen vorzustellen habe?Die reale Umgebung wird dann zu…
    Von masterofcars
    Kleine Korrektur. Dies ist kein 300SL. Dem Tacho nach und der Siluette die man kurz sieht, würde ich sagen ein Mustang.
      • Von elpuesto Schraubenverwechsler(in)
        Zitat von masterofcars
        Kleine Korrektur. Dies ist kein 300SL.
        Dem Tacho nach und der Siluette die man kurz sieht, würde ich sagen ein Mustang.
        das ist eine corvette c1
      • Von KingofKingzZ Software-Overclocker(in)
        Bin irgendwie verwirrt, wie ich mir das im Zusammenhang mit Spielen vorzustellen habe?
        Die reale Umgebung wird dann zu dem Energiegenerator, Abschussrampe für Raketen etc., aber wie soll ein richtiges Spiel rein prinzipiell überhaupt funktionieren? Wenn ich spiele will ich ja wenigstens im gleichen Raum bleiben und nicht Kilometerweise durch meinen Wohnort o.ä. rennen.

        Wobei ich aber glaube, dass ich mir das irgendwie total falsch vorstelle^^
      • Von masterofcars PC-Selbstbauer(in)
        Kleine Korrektur. Dies ist kein 300SL.
        Dem Tacho nach und der Siluette die man kurz sieht, würde ich sagen ein Mustang.
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Ausprobiert: Intels Project Alloy - Salsa, Pool-Partys und Shooter durch Realsense und Merged Reality
Zwei Infrarot-Sensoren, zwei Fisheye-Kameras, einige Realsense-Sensoren sowie ein Skylake der Core-Reihe: Mehr soll Project Alloy nicht brauchen, um in Zukunft nicht nur komplette virtuelle Welten in die reale hineinzurendern, sondern auch voll interagierbar zu machen. Wir sprechen von Salsatänzen mit wilden Hüftbewegungen, Sprüngen in Pools oder auch Multiplayer-Shootern, völlig ohne Lightboxen oder Tracking-Devices im Raum. Zeit für einen ersten Reality-Check.
http://www.pcgameshardware.de/Virtual-Reality-Hardware-258542/Specials/Project-Alloy-1217785/
10.01.2017
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2017/01/ProjectAlloy_01_Aufmacher-pcgh_b2teaser_169.jpg
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