Anspruchsvolle Strategiespiele für Oculus Rift und Vive: Geht das? Brass Tactics und Blade & Soul ausprobiert
Auch die Macher von Age of Empires und des MMOs Blade & Soul setzen auf VR: Sie wollen beweisen, das Virtual Reality auch für Strategiespiele funktioniert. Wir haben uns Brass Tactics und Blade & Soul angeschaut.
Strategiespiele in VR, ganz ohne Maus und Tastatur? Das funktioniert, nicht zuletzt dank der famosen Touch-Controller von Oculus, die neben Lagesensoren auch zahlreiche Knöpfe und Ministicks mitbringen. Zwei brandneue Strategiespiele stellte der Hersteller auf der Game Developers Conference 2017 in San Francisco vor - wir wagten uns in mittelalterliche Schlachten und asiatisch angehauchte Sammelfigurkämpfe.
Brass Tactics
Hinter dem Echtzeit-Strategiespiel Brass Tactics steckt Hidden Path Entertainment. Bei dem Team in der Nähe von Seattle arbeiten Designer, die schon an Age of Empires mitgewirkt haben. Ihr Titel gehört zu den ausgereiftesten VR-Spielen, die wir bisher spielen konnten. Studiogründer Mark Terrano, Lead Designer von Age of Empires 2: Age of Kings nimmt uns mit auf ein mittelalterliches Schlachtfeld, in dem wir gegen seinen Kollegen und Lead Designer Patrick Lipo antreten. Wir sehen Lipo ganz am Ende des gefühlt fünf Meter großen und drei Meter breiten Spielfelds - besser: sein Oculus-Headset und seine zwei Controller. Das ist nicht nur ein cooler Effekt, wir können, wenn wir denn Zeit hätten, beobachten, was unser Gegner gerade wo plant. Wir sind jedoch damit beschäftigt, mit den beiden Händen das Spielfeld zu zoomen, an uns heranzuziehen und Einheiten in unserer Basis zu produzieren, an die wir auch ganz nah heranzoomen können, um die Details der spieltitelgebenden, metallenen Kämpfer zu bewundern.
Wir schicken Fußtruppen und Bogenschützen in ein unbesetztes Areal der Karte, um einen Kontrollpunkt zu besetzen und dann dort eine Kaserne zu errichten, die eine Vielzahl von Truppen produzieren kann. Wir entscheiden uns für etwas größere Katapulte, mit denen wir gegnerischen Kasernen das Licht auspusten können. Schon rasch entspannt sich ein Zweifrontenkrieg: Über ein Tal auf der linken Seite kämpfen wir uns an Patricks Basis heran, der seinerseits eine Hochebene auf der rechten Seite zum Vorrücken benutzt. Dass wir den Titel ohne Maus und Tastatur spielen, fällt uns kein Stück auf: Das Spiel erkennt clever, wenn wir unterschiedliche Einheiten gruppieren und an einen beliebigen Ort auf der Karte entsenden wollen. Die KI ist schlau genug, um auch selbstständig Kasernen zu verteidigen, wenn wir auf einem anderen Kartenteil beschäftigt sind.
Erwähnten wir genretypische Elemente wie das Upgraden unserer Einheiten? Die drei Grundtypen lassen sich je drei Mal verbessern, das Aufrüsten unserer Basis schaltet vier Elite- und zwei Ultimate-Truppen frei, darunter Flugschiffe und Panzer, die besonders wirksam gegen Gebäude sind. Bestimmte Kontrollpunkte wie Leuchttürme gebenunseren Streitkräften Boni mit auf den Weg, außerdem gibt es einen Technologiebaum mit derzeit 20 Optionen, von denen pro Match acht aktiviert werden können. Um Rohstoffe müssen wir uns nicht kümmern - emsige Arbeiter sammeln sie automatisch für uns ein, wenn wir Dörfer und Regionen auf der Karte unter unsere Herrschaft gebracht haben. Wir können jedoch den Ressourcenfluss unseres Gegners unterbrechen. Neben einer Einzelspieler-Kampagne bietet Brass Tactics zahlreiche Mehrspielermöglichkeiten. Neben dem von uns gespielten Modus Mann gegen Mann können auch zwei menschliche Spieler gegen den Computer antreten und dabei per Voice-Chat ihre Aktionen absprechen. Dass wir übrigens das Spiel gegen den Chefdesigner gewinnen, stimmt uns bedenklich. Hat er uns etwa absichtlich gewinnen lassen? Patrick Lipo antwortet augenzwinkernd: "Wir wollen sicherstellen, dass du die Spielmechanik sehen kannst und dabei eine gute Spielerfahrung hast." Na gut. Aber beim nächsten Mal hoffen wir auf ein Ende der Schonfrist.
Blade & Soul
Blade & Soul von NC Soft ist mitnichten eine Umsetzung des gleichnamigen koreanischen Free-to-Play-Online-Rollenspiels, das mit seiner tollen Atmosphäre und einem dynamischen Kampfsystem seit 2016 auch bei uns erhältlich ist. Stattdessen handelt es sich um eine Mischung aus MOBA-Light und Echtzeit-Strategie-Titel. Zwei Spieler versuchen, die jeweils gegnerische Festung zu zerstören. Dazu lassen sie Nah- und Fernkämpfer, Unterstützer und Zaubersprüche auf das Spielfeld los, die feindliche Helden, Türme und schließlich die Festung zu demontieren suchen. Gelegentlich huscht eine Art Treasure Goblin über das Schlachtfeld, für dessen Erledigung es wertvolle Schätze gibt. Mit denen und mit dem nach dem Match-Ende kassierten Gold dürfen wir unsere Figuren verbessern, um sie schlagkräftiger und widerstandsfähiger zu machen.
In unserem ersten Versuch gegen einen Kollegen von der c't machen wir jedoch den Fehler, zu viele Helden aus dem MMO in unser Portfolio aufzunehmen - Admiral Poharan, Master Hong und Co. sind zwar prächtig gerendert und besitzen mächtige Spezialangriffe, doch sie verschlingen mit vier bis fünf Manapunkten zu viele Ressourcen, die sich nur langsam wieder regenerieren. Währenddessen zergt uns unser Kollege mit billigen Einheiten. In der nächsten Runde sind wir schlauer: Wir leveln mit aufgesammeltem Gold ein paar schwächere Einheiten auf und setzen auf zwei bis drei Punkte teure Recken. Die Strategie geht auf: Wir überrollen die feindliche Angreifer, demolieren die Türme des Gegners und machen uns schließlich über dessen Festung her. Laut Entwickler Chong Sangwon von NC Soft ist Blade & Soul derzeit ein reines Arena-Spiel ohne übergreifende Story. Die einzelnen Kämpfe darf man allerdings so oft angehen, wie man möchte - anders als etwa im großen MMO-Bruder sind bestimmte Kämpfe nicht nur einmal pro Tag spielbar. Gold-Grinder und Sammler freuen sich, denn so wächst ihre beeindruckende Kollektion von Spielfiguren schnell - und es gibt schon bald mehr strategische Kombinationsmöglichkeiten.


Dem geneigten Leser der möglicherweise aufgrund einer scheinbaren Fragmentation der verfügbaren Titel je nach Headet zurückschreckt seit gesagt, dass Rift Benutzer natürlich alle Oculus Home Titel spielen können, das Headset samt Touch Controllern ermöglicht aber auch das Spielen aller über Steam und SteamVR verfügbarer Titel. Vice versa beherrschen SteamVR native Headsets wie Vive natürlich den Umgang mit Steam, über das Tool ReVive lassen sich aber auch sämtliche Titel aus Oculus Home spielen und erleben.
Spannend wird es dann zu sehen wie Microsoft gedenkt mit seiner Windows Holographic Platform vorzugehen - ich gehe aber davon aus dass sich über den Khronos Standard zeitnah technische Normen entwickeln und HMDs dann mit Quellen-agnostischen Inhalten 'gefüttert' werden können.
Es schaut so gut aus für VR
Nicht kapiert! Macht es Spaß?
Super Artikel, Vielen Dank
Dem geneigten Leser der möglicherweise aufgrund einer scheinbaren Fragmentation der verfügbaren Titel je nach Headet zurückschreckt seit gesagt, dass Rift Benutzer natürlich alle Oculus Home Titel spielen können, das Headset samt Touch Controllern ermöglicht aber auch das Spielen aller über Steam und SteamVR verfügbarer Titel. Vice versa beherrschen SteamVR native Headsets wie Vive natürlich den Umgang mit Steam, über das Tool ReVive lassen sich aber auch sämtliche Titel aus Oculus Home spielen und erleben.
Spannend wird es dann zu sehen wie Microsoft gedenkt mit seiner Windows Holographic Platform vorzugehen - ich gehe aber davon aus dass sich über den Khronos Standard zeitnah technische Normen entwickeln und HMDs dann mit Quellen-agnostischen Inhalten 'gefüttert' werden können.
Es schaut so gut aus für VR