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  • The Vanishing of Ethan Carter angespielt: Eine nahezu perfekte Physiksimulation der Natur

    Bizarr anders: Im neuesten Spiel der "Bulletstorm"-Macher The Vanishing of Ethan Carter lösen wir in einem Mystery-Detektiv-Thriller mit übernatürlichen Kräften Rätsel und staunen über die nahezu perfekte Physiksimulation der Natur. Unser Eindruck von der GDC 2014.

    "The Vanishing of Ethan Carter" ist eine audio-visuelle Reise, die es immer wieder schafft zu überraschen. Da sind diese Momente, wo das gleißende Licht der Sonne das Red Creek Valley in Wisconsin flutet. Wo die Strahlen so grell wirken und die Szenerie in ein derart unnatürliches Licht tauchen, das wir uns schon in einer Hollywood-Produktion wähnen. Doch dann wird die Sonne von Wolken verdeckt und dieses Detektivabenteuer zeigt die beeindruckende Schärfe seiner Texturen. Jeder Millimeter einer alten Eisenbahn-Lokomotive ist mit sehr hoch auflösenden Texturen überzogen. Die Stahlwand der Lokomotive ist dabei nicht nur eine Oberfläche, sondern mit rostigen Stellen hier, abgeblättertem Lack dort und Rissen überzogen, die sich organisch durch die ganze Struktur gearbeitet haben. Die Designer von The Astronauts, ehemalige Macher der blutigen Action-Orgien "Bulletstorm" und "Gears of War: Judgement", verlassen mit "The Vanishing of Ethan Carter" nicht nur ausgetretene Action-Pfade, sondern versuchen sich stattdessen an einem Mystery-Detektiv-Thriller, der nicht nur eine kleine Revolution in der Animation von Gras und generell der Darstellung organisch gewachsener Pflanzenwelten lostreten könnte.

    Blut am Grashalm

    Die Geschichte dreht sich um den namensgebenden Teenager Ethan Carter, der Protagonist und Detektiv Paul Prospero einen aufwühlenden Brief schreibt, der sich um geheime, okkulte Mächte dreht. Als Prospero den Jungen besuchen will, ist dieser spurlos verschwunden und wir sollen ihn aufspüren. Als Kulisse dient das Red Creek Valley in Wisconsin, wo wir recht schnell auf triftige Beweise stoßen. Abgerissene Beine liegen auf Gleisen und überall lassen sich dicke Blutspuren ausmachen: Als Abdruck an Bäumen, so als hätte sich jemand hier abgestützt. Und an den Spitzen von Grasstengeln, auf die Game Director Adrian Chmielarz besonders stolz ist. Denn die Grashalme basieren auf wochenlanger Recherche in echten Wäldern. "Uns ist aufgefallen, dass die meisten Spiele bei der Größe von Vegetation cheaten. Klar kann ich Gras 300 Prozent höher wachsen lassen als in Natura, riskiere dann aber, dass mein Wald nicht mehr wie ein organisch gewachsenes Ökosystem wirkt". Tatsächlich verhält sich das Gras in "The Vanishing of Ethan Carter" verblüffend echt. Wo bei den meisten Spielen ein Windzug dazu führen würde, dass alle Grashalme gleichzeitig umgebogen werden, ist es hier mehr eine Wellenbewegung. Die seitlichen Halme drücken auf ihre Nachbarn, der Druck erhöht sich, wenn der Wind stärker wird. Das winzige Indie-Team von gerade mal acht Personen hat dafür unzählige Grasnarben, Stiele und Blütenblätter untersucht, technisch sei die Operation aber ein Albtraum gewesen. Da die Physik jedes einzelnen Grashalmes einzeln berechnet werden muss, ging die Framerate regelmäßig in den Keller. Daher entschied sich das Team mit Smart-Shadern zu arbeiten, die sich erst aktivieren, wenn der Spieler nahe genug am Objekt ist. Erst dann berücksichtigt die Knospe einer Blume auch den Sonneneinfall. Um die benötigte Rechenleistung im Rahmen zu halten, gaukeln die Designer ihrer Lichtengine dreidimensionale Objekte vor, obwohl die Grashalme und Blumen eigentlich nur 2D sind. Doch warum spielt die Flaura eigentlich so eine dominante Rolle? Weil The Astronauts über die Umgebung wichtige Teile der Geschichte erzählt.

    Okkulte Kräfte in einer Landschaft, die Geschichten erzählt

    Als Indie-Entwickler hat The Astronauts kein Millionen-Budget, regelmäßige Recherche-Flüge in die USA waren also nicht drin. Ergo orientierte man sich an der lokalen Flora von Polen, genauer gesagt dem Karkonosze-Gebirge. Und eigentlich hätte der Titel auch durchaus in Polen spielen können, dazu passte aber der Name von Ethan Carter nicht. Es musste also ein amerikanischer oder britischer Ort gefunden werden. So wurde Wisconsin auserkoren, nicht nur weil das Wetter dort ähnlich ist wie im heimischen Gebirge der Entwickler, sondern auch weil die Stadt nahe New England stark mit dem Cthulhu-Clan in Verbindung gebracht wird. In "The Vanishing of Ethan Carter" spielen wir schließlich nicht irgendeinen Ermittler, sondern eine Art Robert Langdon für Okkultismus, der über supernatürliche Fähigkeiten verfügt. Sobald wir also die erste Leiche finden, können wir uns quasi in ihr Gedächtnis einklinken. Bei dem Jungen, den wir tot in der Nähe des Gleisbetts finden, funktioniert das aber nicht direkt. Denn wir müssen vorher erst alle Teile des "Puzzles" finden und an ihren Ursprungsort zurücklegen. Das funktioniert so: Jedes Mal, wenn wir ein Beweismittel finden, schwirren ähnlich wie in "Heavy Rain" Interaktionsmöglichkeiten über dem Objekt. Drücken wir auf "Inspizieren", wird schnell, klar dass das Blut an einem größeren Stein menschlicher Natur ist. Unsere Aufgabe ist es jetzt, das Objekt an den Platz zurückzubringen, wo es ursprünglich herstammt. Bei dem Stein ist das leicht, der gehört zu einem Steinhaufen am Wegesrand. Bei der alten Lokomotive ist das schon schwieriger, da müssen wir etwas Grips beweisen. Wir besteigen das Fahrerhaus und sehen eine leichte Ölspur. Eine Ölkanne ist umgefallen, der Zug wurde also offensichtlich heftiger bewegt als sonst. Moment mal, weiter hinten war doch plattgetretenes, quasi totes Gras? Wir kehren zu der Stelle zurück, entdecken, dass die plattgedrückte Stelle etwa der Größe der Lok entspricht und schlussfolgern daraus, dass das Gefährt ursprünglich ausrangiert hier stand und erst manuell auf die Gleise gebracht wurde, um den Jungen auf den Schienen zu überfahren. Stimmt die Indizien-Kette, können wir das Gehirn des Teenagers anzapfen und in seinen Erinnerungen stöbern. Dort kommt vor allem dessen Großvater vor, unklar ist aber, ob der ihn retten wollte oder für die Tat verantwortlich ist. Und schon tut sich das nächste Rätsel auf.

    00:46
    The Vanishing of Ethan Carter: Erstes Teaser-Video

    Ersteindruck: The Vanishing of Ethan Carter

    "The Vanishing of Ethan Carter" ist ambitioniert. Gerade mal acht Mann arbeiten hier an einem Werk, das technisch nahezu an "Crysis 3" heranreicht, aber das ist dem Team noch lange nicht genug. Die Engine bildet nur die Basis für ein genau so ambitioniertes Detektiv-Abenteuer mit okkulten Einflüssen und vor allem sehr charmantem Bediensystem. Kein HUD, kein Point-and-Click-Pfeil, nichts stört die Immersion. Auch gibt's kein Notizbuch wie in "L.A. Noire", stattdessen strömen aus dem Körper der "angezapften" Leiche blaue Strichlinien, die auf die Orte der jeweiligen Beweismittel hinführen. Ist diese Verknüpfung einmal geschafft, können wir jederzeit wieder hierher zurückkehren und diesen Gedankenstrang anschauen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil The Astronauts mit einer völlig offenen Welt arbeitet. Generell will das Team seine Spieler so wenig wie möglich führen und verspricht, an verschiedenen Orten im Red Greek Valley unterschiedliche Hinweise zu verstecken. Non-lineares Storytelling ist einer der großen Trends der GDC 2014 und "The Vanishing of Ethan Carter" dürfte ein spannender Vertreter dieser neuen Gattung werden.

  • The Vanishing of Ethan Carter
    The Vanishing of Ethan Carter
    Publisher
    Nordic Games
    Release
    26.09.2014

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    Es gibt 16 Kommentare zum Artikel
    Von matt.berger
    Schaut interessant aus das Spiel. Mal schauen wie es wird
    Von Brainwaver
    Mh, naja das Grass bewegt sich wirklich seltsam, normalerweise bewegt sich bei Gras in der Länge max. 75% der Planze,…
    Von Robonator
    Nahezu Perfekt? Also ich weiß ja nicht. Der Boden sieht aus als wäre er lebendig. Ich habe noch nie Gras gesehen das…
    Von SchwarzerQuader
    "Eine nahezu perfekte Physiksimulation der Natur" Also da sollte jemand mal wieder mehr nach draußen gehen und sich…
    Von Galaxy_Radio
    Hier interessiert mich die Grafik weniger, sondern was storytechnisch und beim Gameplay hinten raus kommt, dass es gut…
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The Vanishing of Ethan Carter
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http://www.pcgameshardware.de/The-Vanishing-of-Ethan-Carter-Spiel-38440/Specials/The-Vanishing-of-Ethan-Carter-Preview-1114284/
20.03.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/03/Vanishing_of_Ethan_Carter__3_-pcgh_b2teaser_169.jpg
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