CES 2017 - Cherry MX Board Silent: Europäische Qualität
Der deutsch-amerikanische Hersteller Cherry will den Tastaturenmarkt nicht nur seinen Lizenznehmern überlassen: Auf der CES 2017 in Las Vegas stellten die Auerbacher das neue MX Board Silent mit MX-Red- und MX-Black-Schaltern vor.
Fast etwas verborgen in der hintersten Ecke der kavernenartigen South Hall des Las Vegas Convention Centers hat Cherry sein Quartier aufgeschlagen. Dabei muss der deutsche-amerikanische Traditionshersteller sich gewiss nicht verstecken - definieren seine Tasten und Tastaturen doch seit 1967 den Industriestandard.
Nachdem MX-Tasten in der Vergangenheit vor allem von Corsair, G.Skill oder Kingston abgenommen wurden, stellte Cherry auf der CES 2017 in Las Vegas stolz eine neue Eigenproduktion vor: das MX Board Silent. Dessen Design beruht auf der G80-3000, einer bewährten Tastatur ohne großen Schnickschnack wie RGB-Kirmesbeleuchtung und ist mit den Silent-Ausgaben der MX-Red- beziehungsweise MX-Black-Tasten erhältlich. Unter der Tastatur finden sich zwei mit weichem Gummi ummantelte Ausklappfüße, damit das Keyboard im Eifer des Gefechts nicht wegrutschen kann.
24 Jahre Lebensdauer
Die Qualität gerade der Cherry'schen MX-Tasten ist legendär: Jede Taste übersteht nach Herstellerangaben 50 Millionen Anschläge. Nach einer korrigierten Wikipedia-Rechnung, die von 100 Anschlägen pro Minute und 250 Acht-Stunden-Tagen pro Jahr ausgeht, hält demnach allein die am häufigsten getippten Taste E knapp 24 Jahre durch.
Die MX-Tasten gibt es in drei Hauptausführungen: die bei PC-Spielern beliebten linearen (rot, schwarz), die mit einem spürbaren Widerstand ausgestatteten taktilen (braun) und die mit einem zusätzlichen Klick-Geräusch versehenen Variante (blau). Je nach Ausführung sind unterschiedliche Druckkräfte zur Auslösung der Tasten nötig.
Gamer sind deshalb begeistert von den im MX Board Silent verwendeten linearen MX-Silent-Tasten, weil sie sich nicht nur flink niederdrücken lassen, sondern dabei dank eines eingebauten Gummiplättchens so gut wie keinen Lärm machen - auch, wenn echte Profi-Gamer den dank der aufgesetzten Kopfhörer nicht hören dürften. Für die MX Silent Red sind 45 cN, für die MX Silent Black 60 cN Druckkraft nötig.
Europäische Wertarbeit
Mit welchen Schaltern kommt Michael Schmid am besten zurecht? "Ich schreibe am liebsten mit der MX Blue", gibt Cherrys PR & Marketing-Manager zu Protokoll. Er und seine auch nach Las Vegas gereiste Kollegin und Head of Brand Marketing Tanja Knahn sind in der Firmenzentrale im bayerischen Auerbach stationiert, wo die Schalter auch noch angefertigt werden.
Die Tastenkappen beziehungsweise Tastaturen werden dann in Tschechien gebaut - aus Styroplast-Kunststoff. Dieser ist hochwertiger als der oft zum Einsatz kommende ABS-Kunststoff, der nach langem Gebrauch oft glatt oder glänzend wird. Interessanterweise kann Styroplast aber nicht in Asien verarbeitet werden, erklärt uns Schmid.
Er weiß auch, dass auf Amazon schwarze Tastaturen im Schnitt einen Stern weniger bekommen als weiße, weil sich von denen angeblich die Schrift schneller löst. "Ich glaube ja, dass es an den schmutzigen Fingern liegt", sagt Michael Schmid. "Der verdeckt nämlich die weißen Beschriftungen der schwarzen Tasten.
Fans rund um den Globus
Wie wäre eine Tastatur in Metallausführung? "Die hatten wir schon mit dem MX Board 6.0 vor zwei Jahren", antwortet Schmid. "Die war aber nicht als reines Gaming-, sondern eher als Performance-Keyboard gedacht." Das rund 200 US-Dollar teure, aus Aluminium gefertigte Wunderwerk kombiniert MX-Red-Schalter mit Cherrys RealKey-Technologie, bei der die Signale analog verarbeitet werden. Die Handballenauflage lässt sich per Magnet an die Tastatur ankoppeln.
Eine weitere Tastatur auf dem Cherry-Messestand erinnert von der Optik an ein Apple-Keyboard mit "richtigen" Tasten. "Das ist ein Demo-Produkt für den chinesischen Markt", sagt Schmid. "Dort haben wir eine riesige Fangemeinde, die auf Made in Germany steht - weil die Schalter eben immer noch in Auerbach gefertigt werden." Wäre dieser Prototyp nicht auch etwas für den deutschen Markt? Schmid verneint: "Die linke Umschalt-Taste ist bei uns kürzer, weil noch die Kleiner-/Größer-Taste daneben passen muss - und die Eingabetaste ist anders geformt als bei der internationalen Version."
Feedback erwünscht
Dass Cherry sich nicht an ergonomische, in der Mitte geteilte Tastaturen wagt, bedauern vor allem Vielschreiber mit schmalen Handgelenken - wie der Autor dieser Zeilen, der daher seit Jahren auf Microsofts Natural Keyboards ausweichen muss. "Eine gute ergonomische Tastatur lässt sich individuell an den Tipper anpassen und ist deshalb komplex in der Fertigung", weiß Tanja Knahn. "Dazu kommen oft Patentprobleme. Und wenn man auf ein festes Design ausweicht, ist das für den Standardmenschen gemacht - aber wehe, man weicht von dessen Maßen ab."
Doch wer weiß, vielleicht finden sich ja genug Fürsprecher für eine solche Lösung - Cherry ist sehr am Feedback der Kunden interessiert. Michael Schmid und Tanja Knahn wollen sich noch aktiver um die Kommunikation rund um die MX-Schalter kümmern und beantworten Facebook-Fragen teilweise persönlich.
Mit einem Grinsen verrät uns Schmid zum Abschied ein Geheimnis: "Mein schlechtestes Schulfach war seinerzeit das Maschinenschreiben - wir durften dabei die Korrekturfunktion nicht einsetzen. Und wo arbeite ich heute? Bei einem Tastaturhersteller."
Wie man es auch dreht und wendet, es geht langlebiger - siehe meine alte (ebenfalls schwarze) Cherry... darauf will ich auch hinaus. Was auch immer die mit der Beschriftung der schwarzen Tastenkappen inzwischen machen: Es ist FALSCH und da interessieren mich die Ausreden nicht mehr!
Und bei der Ersatz von Qpad blieb die Beleuchtung nach dem Ausschalten an. Nach dem Anschalten des Systems ging die Beleuchtung dann immer aus. Das hat auch immer genervt. Jetzt ist es eine G610 geworden und die tut es bisher, auch wenn es eine Logitech ist.
Schade, dass Cherry das "MX-Board Silent" nicht direkt auf dem MX-Board 3.0 basiert. Abgesehen vom störenden Kabel wäre das meine Traumtastatur für den Heimeinsatz.
Verstehe den Sinn nicht so ganz. Warum sollte man eine leisere Version eines fast lautlosen Schalters anbieten? Ich habe "nur" die Blacks, aber vom Sound dürfte der Unterschied zu den Reds ja kaum vorhanden sein, und wenn ich "richtig" tippe sind die auch nicht lauter als Gummimatten. Da mir die Lautstärke egal ist und ich nicht besonders schnell tippen kann wenn ich versuche nicht bottom out zu tippen (gibts da ein entsprechendes deutsches Wort?
Browns kenne ich nicht und Blues sind klar laut, aber zumindest bei den nicht taktilen sollte man den Fehler wohl eher bei sich selbst als bei den Switches suchen, wenn man ein Problem mit der Lautstärke hat.