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Games World
  • Survarium angespielt: Liebevolle Level, ordentliche Grafik, aber auch Probleme

    Ein waschechtes Stalker-MMO mit DayZ-Mechaniken? PC Games Hardware legt Hand an, an Survarium - ein Stalker-ähnlichen MMO-Shooter, der aber auf der ganzen Welt spielen und Katastrophen wie das Ölleck im Golf von Mexiko oder die Reaktorkatastrophe von Fukushima berücksichtigen soll.

    Schon von weitem manifestiert sich die kolossale Deutzer Brücke in Köln. Gewaltige Stämme umringen die Anlage, das Wurzelwerk bricht durch die Betondecken. Das Sonnenlicht tänzelt durch die höchsten Äste und wirft lange Schatten. Reste eines auseinandergebrochenen ICEs der Deutschen Bahn verwittern im Nebel, umringt vom tiefen Gras. Autos fahren hier keine mehr, stattdessen patrouillieren mutierte Wildschweine mit stachligen Hauern auf der Brücke. Ein solches Wesen starrt PC Games Hardware beim rund einstündigen Anspieltermin auf der Gamescom an. Sofort fällt auf, wie viel Wert das Team von Vostok Games, das vor allem aus Veteranen des legendären Studios von Stalker: Shadows of Chernobyl besteht, auf den Realismus legt. Denn der Gewehrkolben der Uzi-Maschinenpistole zittert und der Rückstoß der Waffe ist enorm. "Sie müssen schon näher ran, so wird das nichts", feixt Lead Designer und Autor Aleksey Sytyanov. Entweder funktioniert das Hitpoint-System nicht richtig, das Biest verträgt verdammt viele Kugeln oder keine einzige hat richtig getroffen, jedenfalls scheint es besser, über einen der mächtigen Stämme auf einen höheren Punkt der Brücke zu klettern.

    Sturm auf Kölle und die Deutzer Brücker dient als letzte Verbindung der alten und neuen Welt

    Survarium ist in drei Spielmodi geteilt. Es gibt zum einen klassische Multiplayer-Modi wie eine Art Capture the Flag, wobei die Flagge aus Serverfestplatten besteht, um eine Rakete zu starten. Dann gibt es die große Kampagne, während der Sie die Geschichte mit und gegen andere Spieler erleben und einen dritten Modus, der Sie wohl auf Koop-basierte Missionen schicken wird. Auf der Gamescom stand die Kampagne im Jahr 2026 im Fokus, die sich als Basis einer ökologischen Katastrophe bedient. So schlägt die Natur nach all den Genversuchen und Pestiziden der westlichen Welt zurück, die Wälder breiten sich rasant aus, Wurzeln durchstoßen Grundmauern und reißen immer mehr Lebensraum in den Großstädten an sich. Das Militär mobilisiert Wissenschaftler, die als Gegenmittel eine biologische Bombe entwickeln, doch die hat zur Folge, dass Flora und Fauna genetisch verändert werden. Pflanzen mutieren zu giftigen Todesfallen und Tiere zu grausamen Bestien. Die Menschen, die mit dem Wirkstoff infiziert werden, sterben schnell, die Weltbevölkerung schrumpft, Regierungen fallen auseinander und es bilden sich Gruppierungen wie die Renaissance Army, eine multilaterale Armee aus Veteranen aller Staaten Europas. In der Fiktion von Chefautor Aleksey Sytyanov breitet sich die Natur von Sibirien nach Westen aus, treibt die Völker Ost-Europas und Russlands also mehr und mehr Richtung Deutschland, Frankreich etc. Große Brücken dienen dabei als natürliche Barrieren gegen Bäume und Tiere, die engen Wege lassen sich am ehesten mit Truppen verbarrikadieren.

    15:44
    Survarium: 7. Entwicklertagebuch mit aktuellen Spielszenen

    Was bedeutet das fürs Gameplay? Mehr Vertikalität und mehr Schienbeinbrüche

    Es ist schon spannend, wie sehr die Geschichte sich auf das Level-Design von Survarium und auf seine Mechaniken auswirkt. So gibt es wenige ebene Pfade, stattdessen klettern Sie immer wieder Bäume hoch, balancieren über Stämme und erleben generell wenig übersichtliches Terrain. Das ist ein bisschen wie in Crysis 3, nur dass hier jeder Schritt mit bösen Brüchen enden kann. Wer nicht aufpasst und mehrere Meter in die Tiefe segelt, kann sich leicht eine schwere Verletzung zuziehen. Eine Lebensanzeige gibt es nicht, stattdessen arbeitet das Team mit Mechaniken, die entfernt an DayZ erinnern. So gibt es unterschiedliche Körperzonen wie Füße, Beine, Brustbereich, Rücken, Hals und Kopf. Werden Sie am Arm von einer Kugel getroffen, würde eine Waffe, die mit zwei Händen geführt werden muss, wie ein Sturmgewehr, sehr viel stärker verziehen. Verdrehen Sie sich bei einem Fall aus größerer Höhe den Fußknöchel, würde der Charakter eine Zeit lang nur noch humpeln können. "Das ist allerdings nur temporär, vielleicht so 10 bis 15 Minuten, zu viel bestrafen wollen wir ja auch nicht", erklärt PR-Manager Joe Mullin. Survarium versteht sich also als auf Realismus basierender Survival-Shooter, will aber nicht ganz so Hardcore sein wie DayZ. Spannend allerdings: je nach Höhe des Falls können Sie sich beide Beine brechen. In einem solchen Fall können Sie gar nicht mehr laufen, sondern müssen vom Boden aus den Gegner ausschalten. Wer sich hingegen heilen möchte, braucht für die verschiedenen Körperzonen unterschiedlichste Medikamente, Mullbinden und Werkzeuge. Wollen Sie eine Kugel aus dem Arm entfernen, brauchen Sie ein Kampfmesser für den Schnitt, eine Pinzette zum Rausholen und eine Kompresse zum Abbinden.

    Charakter-Editor und Fraktionssystem im Hands-On

    Sie starten als mittelloser Vagabund in zerschlissenen Jeans und einem schmutzigen Pullover, der keinerlei Schutz bietet. Später treffen sie auf viele unterschiedliche NPC-Fraktionen, durch deren Quests Sie sich Geld und vor allem Ausrüstung verdienen. Auch hier begeistert das System der unterschiedlichen Körperzonen, weil Sie beispielsweise von einer Kevlar-Weste gar nichts haben, wenn ihr Kontrahent in PvP-Fraktionskämpfen so clever ist, auf Ihre Beine zu zielen. Zudem gibt es vier unterschiedliche Schutz-Kategorien: gegen Kugeln, gegen Bisse von Tieren, gegen ausschlagende und angreifende Pflanzen und gegen Verstrahlung. Klar, kein inoffizieller Stalker-Nachfolger (für die Rechte hatte das Team schlicht nicht genug Geld) ohne Anomalien. Davon soll es wieder unterschiedliche Ausprägungen geben, beispielsweise elektrische, die Sie grillen können, vor denen aber Geigerzähler warnen. Wer einen entsprechenden Schutzanzug hat, der kann in diese Gebiete vordringen und wird besonders wertvolle Artefakte finden, die ihn wiederum im Ansehen bei den Fraktionen steigen lassen. Sie beginnen in der Regel bei den Gesetzlosen/Plünderern (Scavengern), die mit schlechten Waffen kämpfen und über wenig Equipment verfügen, arbeiten sich dann hoch zu den Randzonen-Siedlern (Fringe Settlers) und stoßen gegen Ende zur Renaissance-Army, die sich aus ehemaligen Veteranen unterschiedlicher Eliteeinheiten zusammensetzt. Durch diese recht feste Story-Struktur möchte Vostok Games eine zusammenhängende, atmosphärisch starke und tiefgehende Geschichte erzählen.

    Fazit: Survarium

    Die Gamescom war eine Messe der kleinen Indies, die unfassbar ambitionierte Projekte vorgestellt haben. Survarium ist unfassbar ambitioniert, denn im Grunde will es nicht weniger sein als ein Stalker-MMO mit den komplexen Mechaniken von DayZ. Einiges davon konnten wir im Ansatz bereits ausprobieren, andere Elemente bleiben sehr wage. Das Operationssystem funktioniert gut und macht das Spiel sehr viel realistischer, auch das Humpeln bei Prellungen oder die Möglichkeit, Brüche zu schienen, klingt spannend. Unklar ist hingegen, wie der Kampf gegen die Natur aussehen soll. Schlagen Ihnen wirklich Ranken ins Gesicht oder holen Äste zum Schwung aus wie in Märchenfilmen Marke Der Herr der Ringe? Die Waffen fühlen sich ziemlich authentisch an, gerade auch weil wir vor allem mit altem Equipment hantieren und nicht mit modernen FN-Scar-Gewehren mit Rotpunkt-Visier, wie Sie es aus den Call of Dutys dieser Welt kennen. Technisch gesehen sollten Sie kein Crysis erwarten, die hauseigene Vostok-Engine beherrscht aber direkte und indirekte Lichteinstrahlung sowie dynamische Schatten. Außerdem sind die gespielten Level sehr liebevoll designt, die Künstler fangen die zerstörerische Gewalt der Natur in den Mauerwerken einer ganzen Stadt gekonnt ein. Ob die Netzwerk-Basis stimmt, lässt sich schwer abschätzen. Beim Anspieltermin gab's immer wieder Server-Abbrüche, die könnten allerdings auch auf das überlastete Netz der Messe zurückzuführen sein. Aktuell arbeitet übrigens ein Sicherheitsteam bei Vostok an einem eigenen Anti-Cheat-System, in dem sie jede abgefeuerte Kugel vom Einschlagspunkt zum Abschussort ballistisch nachverfolgen und so Wallhacks unterbinden wollen.

  • Survarium
    Survarium
    Release
    2015

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    Es gibt 11 Kommentare zum Artikel
    Von Do Berek
    Klingt gut und sieht interessant aus ,wird im Auge behalten!
    Von keinnick
    Das Spiel könnte Spaß machen wenn es fertig ist. Zwar kein "echtes" Stalker aber besser als nichts.
    Von DARK_SESSION
    Aber warum schreist du so?
    Von SphinxBased
    sieht ja schlimm aus.....!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Von polarwolf
    Ich habe eine Einladung zur Survarium-Beta erhalten und das Game ein bisschen gezockt (PvP) und finde es ganz stimmig.…
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Survarium
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http://www.pcgameshardware.de/Survarium-Spiel-36145/Specials/Vorschau-1133511/
30.08.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/08/Survarium_01_Aufmacher-pcgh_b2teaser_169.jpg
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