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  • Wenn ein alter UT- und Quake-Spieler plötzlich Battlefront zockt - Selbstversuch mit Kulturschock-Garantie

    Wenn ein alter UT- und Quake-Spieler Battlefront zockt - ein Selbstversuch Quelle: EA

    Stellen Sie sich eine Zeitreise in puncto Spielmechanik vor. Was wäre, wenn sich der PCGH-Chefredakteur virtuell zehn Jahre lang in einen Kryo-Schlaf begibt, keinen Shooter in der Zeit anfasst und sich dann Ende 2015 an Star Wars: Battlefront heranwagt? Viel Spaß beim Selbstversuch. Nachmachen ist unbedingt zu empfehlen.

    Über Star Wars: Battlefront ist ja schon viel geschrieben worden. Vielleicht sogar zu viel. Erfolgreich soll es sein. Über 10 Millionen Exemplare soll es womöglich verkauft haben. Aber nicht so sehr auf dem PC, wo man je nach Tageszeit durchaus seine Mühe hat, überhaupt in einer akzeptablen Zeit einen Server zu finden. Weswegen DICE jetzt vielleicht doch daran arbeitet, die MP-Modi auch offline anzubieten, mit Bots eben. Aber nein, darum soll es heute nicht gehen. Ich möchte darüber berichten, was passiert, wenn man zehn Jahre (oder mehr) an "Evolution" in der Spielmechanik bei Shootern verschläft. Und dann nach einem ausgedehnten Schönheitsschlaf frisch motiviert in die Schlacht zieht, um doch mal wieder das Abenteuer Shooter im Multiplayer zu erleben. Wie wirken heutige Spielmechaniken auf Dinosaurier wie mich, die noch mit Duke Nukem, UT und Quake groß geworden sind? Sind für Spieleopas wie mich gängige Konzepte wie Matchmaking, Erfahrungspunkte oder Credits nun gut oder schlecht?

    Wie kam das denn?

    Bevor ich damit loslege, kurz noch ein Wort zur "Entstehung". Bis 2004 habe ich eigentlich regelmäßig Shooter gespielt, vor allem aber die Unreal-Tournament- und Quake-Serie. Medal of Honor oder Call of Duty habe ich nie wirklich angefasst, und auch die Battlefield-Spiele haben mich nicht interessiert. Das lag sicherlich auch daran, dass ich über die Jahre eine gewisse Shooter-Müdigkeit entwickelt habe. Im Multiplayer spielte ich meist indizierte Spiele bereits seit Mitte der 90er-Jahre, um den Jahrtausendwechsel war Ich hörte irgendwann einfach auf, Shooter zu spielen. dann die absolute Hochzeit der MP-Shooter. Da konnte es eigentlich nur bergab gehen und so hörte ich irgendwann einfach auf, Shooter zu spielen (und wandte mich anderen Genres zu). Und wenn ich ehrlich bin, wäre das auch heute noch so, wenn nicht Epic an einem neuen Unreal Tournament arbeiten würde und wenn nicht DICE Battlefront veröffentlicht hätte. Ja, Battlefront. Ich habe nämlich nicht nur Shooter für eine verdammt lange Zeit zu den Akten gelegt, sondern auch Star-Wars-Spiele im Allgemeinen. Waren SW-Lizenzspiele früher oft noch Garant für viel Spielspaß, wendete sich das Blatt auch hier irgendwann zum Unguten. Mit Battlefront galt es also, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und gleich zwei Comebacks zu feiern: Shooter UND Star Wars! (denken Sie sich jetzt Han Solos freudigen Ausruf in Episode 4, als er Luke beim Angriff auf den Todesstern unterstützt)

    Alter Sack sucht Shooter

    Soweit also zur Ausgangssituation. Offen gestanden hatte ich eigentlich nie wirklich vor, Battlefront auch im Multiplayer zu spielen. Ich bekam von EA ein Testmuster von Battlefront und wollte einfach nur mal den Feigenblatt-Singleplayer ausprobieren. Dafür legte ich extra einen Origin-Account an, was schon recht viel verlangt war. Was ich damals im Singleplayer von Battlefront erlebte, können Sie auf PCGH.de nachlesen. Die Kurzfassung: "Man hat beim Singleplayer das Gefühl, dass hier viel Luft nach oben ist - vom durchaus Battlefront: Spawnen, 3 Sekunden laufen, abgeknallt werden umstrittenen Multiplayer fange ich erst gar nicht an." Nun fing ich nach einer kurzen Pause eben doch an, den Multiplayer zu spielen. Vielleicht wollte ich einfach nur wissen, was ein alter Sack in einem modernen Multiplayer-Shooter noch auf die Reihe kriegt. In den ersten Stunden nicht besonders viel, wenn ich ehrlich bin. Das von vielen PCGH-Lesern zitierte "Spawnen, 3 Sekunden laufen, abgeknallt werden" war auch für mich anfangs der Normalzustand. Doch damit gab ich mich nicht zufrieden. War ich anfangs noch recht blauäugig auf der Suche nach einem lockeren Frag ins Team Deathmatch ("Gefecht") gehüpft, ging ich nun erst einmal analytischer vor. Und je mehr ich recherchierte, desto größer wurden die Unterschiede zu Shootern der UT- und Quake-Serie. Lesen Sie also im Folgenden, was mir auffiel, als ich das erste Mal überhaupt einen "modernen" Shooter im Multiplayer wirklich spielte (und nicht nur darüber las).

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    Wer hat das Matchmaking programmiert?

    Okay, ich kann nichts darüber sagen, ob andere moderne Shooter das besser hinkriegen, aber wer zum Wookiee hat das Matchmaking in Battlefront programmiert? Da spielen, wenn es dumm läuft, im Team Deathmatch komplette Anfänger gegen Level-50-Bösewichte. Und das geht nicht gut aus, wie man sich wohl denken kann. Da sind im Gefechtsmodus die 100 Kills pro Mannschaft schneller voll, als Han Solo seine 12-Parsec-Story erzählen kann.

    Moment mal, Erfahrungspunkte?

    Rollenspielmechaniken in Shootern, das ist ein krasser Kulturschock für einen Tiefschläfer wie mich. Ich muss also Erfahrungspunkte sammeln durch Onlinezeit, damit ich mit diesen Punkten wiederum Sternenkarten, Waffen und Outfits überhaupt grundsätzlich (!) freischalten kann? Wer hat sich das denn ausgedacht? Also früher gab es Waffengleichheit. Rein in den Level, Karten auswendig lernen, Waffen-Spawnpunkte ablaufen, Gadget-Timer kennen usw. Okay, wenn das Matchmaking in Battlefront funktionieren WÜRDE, wäre das ja gar nicht mal so das Problem, aber wie oben geschrieben...

    Und dann gibt es ja noch Credits...

    Aber das ist ja längst nicht alles, was Battlefront von Shootern vor 10-15 Jahren unterscheidet. Man muss ja nicht nur Onlinezeit für Erfahrungspunkte ableisten, sondern man bekommt ja auch Credits. Also XPs geteilt durch 10. XPs kriegt man, wenn man überhaupt eine Runde zu Ende spielt. Oder wenn man auch noch die Runde gewonnen, Killserien absolviert und Leute erlegt hat. Notfalls lädt man sich die Battlefront Companion App herunter und zockt nebenbei Base Command, wo es auch Credits gibt. Eine gute Überbrückung, wenn man mal wieder keinen Server findet, der einen aufnehmen will. Ach ja, im ziemlich schnell langweiligen Singleplayer gibt es auch Credits. Aber keine XPs - warum eigentlich? Mit den Credits kauft man sich dann die durch Erfahrungspunkte freigeschalteten Sternenkarten, Waffen oder Outfits. Aha, jetzt wird es interessant. Man kriegt also nur dann die coolen Gadgets, wenn man viel Zeit investiert hat. Das ist gerade für Späteinsteiger, die nicht gleich zum Spiellaunch im Multiplayer dabei sind (wie mich), ziemlich frustrierend, denn dann dauert das Leveln gegen übermächtige Gegner ungleich länger. Im Gegenzug bekommen die, die eigentlich kaum noch XPs oder Credits brauchen, Selbige quasi hinterhergeworfen, wenn sie sich nicht komplett behämmert anstellen.

    Völlig overpowered!

    Oh ja, da wirken dann Spielmechanik und Matchmaking böse zusammen. Wer mit der DL-44, der Armbrust oder dem Cycler-Gewehr unterwegs ist, vor allem gegen Spieler mit weniger als Level 10, der hat einfach leichtes Spiel. Dazu kommen noch (scheinbar völlig Hat Michael Bay heimlich auch in Spielen die Weltherrschaft übernommen? überzogene) Powerups wie intelligente Raketen, Orbitalangriffe oder der Thermal-Imploder. Ja, in UT und Quake gab es auch Redeemer und BFG, aber in Battlefront kommt es einem so vor, als ob das Nuklear-Arsenal der ganzen Welt in fünf Minuten Spielzeit verheizt werden müssen! Oder hat Michael Bay heimlich auch in Spielen die Weltherrschaft übernommen?

    Und sonst?

    Natürlich fehlen mir noch viele andere Dinge, die "früher" einmal gingen. Server aufmachen, loslegen z. B. Auch im normalen Deathmatch ohne Teams. Klassen gab es schon zu meinen Hochzeiten nicht, da bietet Battlefront genau so viel wie vor 10-15 Jahren und ich kann da eigentlich auch nichts vermissen. Die Waffen unterscheiden sich allerdings zu wenig und "früher" konnte man diese auch während des Spiels noch wechseln. Nun muss man sich vorher entscheiden und kann höchstens durch Sternenkarten noch eine Spezialwumme nachrüsten. Aber dass ich bei einem Multiplayerspiel am Wochenende teilweise bis zu zehn Minuten warten muss, um zocken zu können, das ist schon ein Ding. Dass es da noch keine Klagen gibt? :-)

    Aber Spaß macht es schon?

    Durchaus, sonst hätte ich jetzt nicht den Level 25 erreicht und damit endlich die DL-44 freigeschaltet, mit der ich ab sofort auch Newbies ärgern kann. Aber Battlefront mit weniger Designfesseln und so richtig wie früher, wo man nicht erst für Erfahrungspunkte und Credits spielen muss? Das würde mich schon interessieren. Zumal dieser ganze Credit-Kram für mich so wirkt, als ob die Free2play-Mechanik schon komplett im Spiel drin wäre, nur noch nicht freigeschaltet ist. Es würde mich nicht wundern, wenn das nächste Battlefront dann nichts mehr kostet und man seine Waffen, Sternenkarten und Outfits mühsam erspielen oder schnell kaufen kann. Womit das Spiel aber mal so richtig tot wäre.

    So, ich muss mich jetzt verabschieden und noch schnell ein paar Erfahrungspunkte sammeln - als HerrBayer (vielleicht sieht man sich ja). Komplett kann sich auch ein alter Sack wie ich nicht den Zwängen moderner Shooter entziehen. :-)

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  • Star Wars: Battlefront
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    Publisher
    Electronic Arts
    Developer
    DICE - Digital Illusions Creative Entertainment
    Release
    19.11.2015

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    Es gibt 75 Kommentare zum Artikel
    Von Brunftzeit
    Ich freu mich schon drauf meinem konsolenverwöhntem Neffen in Shootern so richtig eine zu klatschen. Der hätt schon…
    Von Icedaft
    Das war bei mir im Ort. Die haben damals einige echt gute und weit bekannte LANs aufgezogen...
    Von cultraider
    Spaßenswillen? Whaaaaaaaat ? Q3 espl premier league und cs stammkneipe waren KRIEG. mehrmals pro Woche Training und…
    Von PCGH_Thilo
    Ich würde das jetzt nicht ganz so verallgemeinern (mir kommt ja auch zugute, dass alte Spielkonzepte zuhauf wieder…
    Von guss
    Der Jahrgang '71 hat zwar keine Ahnung mehr von modernen Computerspielen, aber vom Daddelgott gewährte Daddelskills…
      • Von Brunftzeit Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat von PCGH_Thilo
        Ich würde das jetzt nicht ganz so verallgemeinern (mir kommt ja auch zugute, dass alte Spielkonzepte zuhauf wieder kommen), aber den zweiten Teil kann ich voll unterstützen.
        Ich freu mich schon drauf meinem konsolenverwöhntem Neffen in Shootern so richtig eine zu klatschen. Der hätt schon gern BF gewollt aber da fehlts noch an passender Hardware... Aber bald... Allerdings was anderes als BF...
      • Von Icedaft Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von JunglistMovement
        hahahaha DAHER kommst diese "grandiose" Elektrogrill im Pool Konstruktion! Das is wirklich durchs Netz gegangen.


        Das war bei mir im Ort. Die haben damals einige echt gute und weit bekannte LANs aufgezogen...
      • Von cultraider Freizeitschrauber(in)
        Zitat von ARCdefender
        Ich glaube der Unterschied früher war auch das wir bei € III Arena, HL2 DM und so weiter einfach nur des Spaßesswillens gespielt haben. Heute wird da oft nur noch verbissen um irgend einen Rang, Extra EX, Waffe gekämpft.
        Es wird da zum Teil sehr verbissen dran gegangen um, das Eigentliche, der Spaß am spielen ist nur noch Nebensache.
        Leute die dann nicht 20/7 vor dem Spiel hocken sehen kein Land mehr.
        Schlimm ist mittlerweile auch der Umgangston, so Totalausfälle wie sie heute leider die Regel sind, waren früher die Ausnahme.
        Das sind so die Gründe warum ich heute fast nur noch Singleplayer spiele, oder wenn mal mit Freunden ne Runde OpenArena, als Erinnerung an die guten alten € III Tage
        Spaßenswillen? Whaaaaaaaat ? Q3 espl premier league und cs stammkneipe waren KRIEG. mehrmals pro Woche Training und Sonntags meistens die wars

        btw. hi fraggle! :wave: SaDi hier.. (SaDIsT oder auch ===== ) (NEM, Run, L!, TT)

        @topic ... naja heute habe ich beruflich einfach nicht mehr die Zeit tournament games zu zocken und mein AIM ist grottig, als ich das letzte mal Q-live probiert habe. Ich bin einfach mittlerweile zu alt (Reaktionszeiten) für solche Spiele, 70er rail wie damals? unmöglich ^^

        Dafür ists ganz nett mal ein bis zwei stunden mit kumpels skypen und dann ein paar ründchen tdm oder dropzone bei SW BF zu zocken.
      • Von PCGH_Thilo Graue Eminenz
        Zitat von guss
        Der Jahrgang '71 hat zwar keine Ahnung mehr von modernen Computerspielen, aber vom Daddelgott gewährte Daddelskills funktionieren nun mal in jedem Spiel
        Ich würde das jetzt nicht ganz so verallgemeinern (mir kommt ja auch zugute, dass alte Spielkonzepte zuhauf wieder kommen), aber den zweiten Teil kann ich voll unterstützen.
      • Von guss PC-Selbstbauer(in)
        Der Jahrgang '71 hat zwar keine Ahnung mehr von modernen Computerspielen, aber vom Daddelgott gewährte Daddelskills funktionieren nun mal in jedem Spiel
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Star Wars: Battlefront
Wenn ein alter UT- und Quake-Spieler plötzlich Battlefront zockt - Selbstversuch mit Kulturschock-Garantie
Stellen Sie sich eine Zeitreise in puncto Spielmechanik vor. Was wäre, wenn sich der PCGH-Chefredakteur virtuell zehn Jahre lang in einen Kryo-Schlaf begibt, keinen Shooter in der Zeit anfasst und sich dann Ende 2015 an Star Wars: Battlefront heranwagt? Viel Spaß beim Selbstversuch. Nachmachen ist unbedingt zu empfehlen.
http://www.pcgameshardware.de/Star-Wars-Battlefront-Spiel-34950/News/Wenn-ein-alter-UT-und-Quake-Spieler-Battlefront-zockt-1182346/
04.01.2016
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