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  • USK: Der Hintergrundbericht: Organisationsstruktur und Prüfungsleitkriterien - Warum Doom vom Index genommen wurde

    Bericht: Die USK - Organisationsstruktur und Prüfungsleitkriterien Quelle: USK/Dirk Matthesius

    Möchte ein Spiele-Entwickler oder -Publisher sein Spiel auf dem deutschen Markt frei bewerben und verkaufen dürfen, benötigt dieses eine Altersfreigabe in Form einer USK-Kennzeichnung. Spiele mit gewalttätigen Inhalten, oftmals insbesondere im Genre der Ego-Shooter zu finden, müssen jedoch eine fehlende Empfehlung für eine Alters-Kennzeichnung befürchten. Nicht wenige Spieler erachten die Ergebnisse der Prüfung der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) als fragwürdig und widersprüchlich. Spiele mit ähnlichen gewalttätigen Inhalten erhalten eine USK-Kennzeichnung, manche jedoch nicht und landen auf den Listen für jugendgefährdende Medien. Wie funktioniert eine solche Prüfung und welche Kriterien setzen die Prüfer der USK an? Fragen, die wir Ihnen nachfolgend beantworten wollen.

    Was ist die USK eigentlich?
    Fälschlicherweise wird die USK oftmals als staatliche Institution angesehen. Das ist nur teilweise der Fall. Die USK ist eine Organisation, die von den Verbänden der Computerspielwirtschaft (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. und Bundesverband der Entwickler von Computerspielen e.V.) getragen wird und zusammen mit den obersten Landesjugendbehörden (OLB) im Wege einer Selbstkontrolle die in Deutschland veröffentlichten Computer- und Videospiele prüft. Das gemeinsame Verfahren wird seit 2003 durchgeführt. Die USK übernimmt dabei die Prüfung der Medien, die OLB hingegen die schlussendliche Kennzeichnung, da erst diese die hoheitlichen Befugnisse für rechtsbindende Altersfreigaben haben.

    Die Aufgaben der USK lassen sich in ihren Grundsätzen nachlesen (Link zur Webseite der USK, siehe weiterführende Links unter dem Artikel). Dazu gehört die Prüfung der Spiele auf Bildträgern, die Beratung von Anbietern (z.B. Print-Medien) für die eigene Kennzeichnung von Lehrprogrammen, die Beratung der Anbieter von Computer- und Videospielen bezogen auf das Prüfverfahren und die Mitwirkung an der Information und Meinungsbildung über Computerspiele und den deutschen Jugendmedienschutz.

    Wie ist der Verfahrensablauf, bis ein Spiel (k)eine Kennzeichnung erhält?
    Durch die bilaterale Zusammenarbeit zwischen USK und OLB sind die Zusammensetzung der einzelnen (Prüfungs-)Organe und der Verfahrensablauf bis zur Kennzeichnung eines Computerspiels nicht einfach zu durchschauen. Die Zusammensetzung der Organe und der Verfahrensablauf sind ebenfalls in den Grundsätzen der USK geregelt. Anhand eines vereinfachten Schaubilds für das Regelverfahren (siehe Bildergalerie unter dem Artikel) können Sie den Prüfungsweg (roter Pfeil) und die Bestellung der einzelnen Organe (blauer Pfeil) nachvollziehen. Das Regelverfahren wird beispielsweise dann durchgeführt, wenn das Spiel zum ersten Mal geprüft werden soll und keine offensichtliche Jugendgefährdung vorliegt. Legen der Antragssteller oder der ständige Vertreter der OLB Widerspruch gegen eine Entscheidung im Regelverfahren ein, kann ein Berufungsverfahren eingeleitet werden. Darüber hinaus können die OLB oder der Antragssteller, soweit er die Unterstützung der an der USK beteiligten Computerspielverbände hat, eine erneute Prüfung verlangen (Appellationsverfahren). Nachfolgend wird aus Vereinfachungsgründen nur auf das Regelverfahren eingegangen. Die Organisationsstruktur und der Prüfungsweg der USk ist auf den ersten Blick kompliziert, jedoch Sinnbild der bilateralen Zusammenarbeit zwischen staatlichen Vertretern und gesellschaftlichen Interessengruppen. Die Organisationsstruktur und der Prüfungsweg der USk ist auf den ersten Blick kompliziert, jedoch Sinnbild der bilateralen Zusammenarbeit zwischen staatlichen Vertretern und gesellschaftlichen Interessengruppen. Quelle: PC Ganes Hardware

    Antragssteller sind in der Regel die Entwickler bzw. der Publisher des Computerspiels, da diese am ehesten ein Interesse am freien Verkauf ihres Spiels in Deutschland haben. Eine Prüfung im Regelverfahren kostet nach der aktuellen Kostenordnung der USK 1.000 Euro (Eilverfahren 1.500 Euro). Wird das Spiel mit schwerwiegenden technischen Mängeln zur Prüfung abgegeben, kann eine pauschale von 150 Euro zusätzlich erhoben werden. Die Prüfung wird spätestens innerhalb von 15 Tagen durchgeführt (Eilverfahren 7 Tage).

    Hat der Antragssteller ein Spiel eingereicht wird dieses von sogenannten "Sichtern" gründlich, im wahrsten Sinne des Wortes, durchgespielt. Diese nehmen dabei eine wertungsfreie Bewertung aller jugendschutzrelevanten Inhalte (dazu unter mehr) vor, geben einen Gesamtüberblick und präsentieren ihre Ergebnisse (z.B. in Form von gespeicherten Spielständen) gegenüber dem eigentlichen Prüforgan, dem "Prüfgremium" (nicht öffentlich). Die Sichter geben dabei keine Wertung oder Altersempfehlung des Spiels ab und sind an die Leitkriterien der USK (Link zur Webseite der USK, siehe weiterführende Links unter dem Artikel) gebunden. Während der Präsentation hat der Antragsteller die Möglichkeit eine Stellungnahme gegenüber dem Prüfgremium abzugeben.

    Die Sichter werden vom "Beirat" ernannt, während zuvor ein Vorschlag von der Geschäftsführung der USK für einen möglichen Sichter ergangen ist. Der Beirat ist ein Organ, das aus verschiedenen Vertretern gesellschaftlicher und behördlicher Institutionen besteht. Dessen Mitglieder werden von den OLB mit Einverständnis der Verbände der Computerspielwirtschaft ernannt.

    Die Entscheidung ob und in wie weit ein Spiel eine USK-Kennzeichnung erhält wird vom "Prüfgremium" getroffen. Dieses besteht aus insgesamt fünf Mitgliedern. Vier davon sind "Jugendschutzsachverständige". Aktuell sind 56 davon tätig. Der Beirat ernennt die Jugendschutzsachverständigen, während zuvor Vorschläge für diese von den OLB und Verbänden der Computerspielwirtschaft ergangen sind. Sowohl Sichter, als auch Jugendschutzsachverständige dürfen nicht bei einem Unternehmen der Computerspielwirtschaft beschäftigt sein. Die vier Jugendschutzbeauftragten geben auf Grundlage der vom Sichter präsentierten Ergebnisse eine Altersempfehlung ab, die das fünfte Mitglied, der ständige Vertreter der OLB und gleichzeitig Vorsitzender des Prüfgremiums annehmen oder diesen widersprechen kann (Veto-Recht). Die Schlussendliche Entscheidung über eine (Nicht-)Kennzeichnung im Regelverfahren hat der ständige Vertreter der OLB. Dieser vergibt dann auch in einem hoheitlichen Akt die USK-Kennzeichnung. Eine nachträgliche Indizierung ist danach nicht mehr möglich.

    Im Falle einer Nicht-Kennzeichnung oder möglichen jugendgefährdenden Wirkung kann eine Prüfung (auf Antrag) oder gutachterliche Stellungnahme der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) eingeholt werden. Eine Aufnahme des Spiels in die Listen jugendgefährdender Medien obliegt der BPjM. Darüber hinaus kann vor Gericht ein Beschlagnahme-Beschluss (Verbreitungverbot im Inland) erwirkt werden.

    Nicht-Öffentliche Prüfungsergebnisse
    Das Ergebnis einer Prüfung wird in einem Jugendentscheid festgehalten. Neben prüfungsrelevanten Daten und Informationen werden dort auch die Gründe für die empfohlene Alterskennzeichnung festgehalten. Die Jugendentscheide werden nicht veröffentlicht, außer für wissenschaftliche Zwecke (selten). Der Antragssteller erhält eine Kopie. Für die Erstellung ist ein Mitglied des Prüfungsgremiums verantwortlich.

    Zensur durch die USK?
    Ein pikantes Thema und immer wieder geäußerter Vorwurf gegenüber der USK ist die Zensur von Spielen, um eine vom Antragssteller gewünschte Alterskennzeichnung zu erhalten. Die USK äußert sich auf ihrer Internetseite wie folgt:

    "Ist das Zensur?
    Nein, denn die Anbieter reichen ihre Titel freiwillig ein. Ein Computerspiel kann prinzipiell auch ohne Kennzeichen erscheinen. Ebenso frei sind Erwachsene in ihrer Entscheidung, was sie spielen. Für sie ist der Zugang zu nicht gekennzeichneten und auch zu indizierten Spielen legal. Aus diesen Gründen kann nicht von Zensur gesprochen werden, die nach Artikel 5 des Grundgesetzes ohnehin verboten wäre."

    In der Tat nimmt die USK keine eigenen Kürzungen an den Spielen vor. Sie bewertet nur das, was der Antragssteller im Regelverfahren an Spielinhalten zur Verfügung gestellt hat. Jedoch lässt sich in den Grundsätzen der USK ein Absatz finden, der die mögliche Alterskennzeichnung unter, von der USK gemachten, Auflagen erlaubt (§10 VII):

    "In den Fällen des Abs. 6 Satz 3 Nr. 1 bis 5 kann das Prüfgremium auf Vorschlag des Ständigen Vertreters im Regelverfahren (§ 13) sowie in den Verfahren nach § 16 Abs. 1 Nr.3, Abs. 2 und Abs. 3 die Empfehlung an die Erfüllung von Auflagen knüpfen. Bei Prüfentscheiden unter Auflagen ist auch das Prüfergebnis festzustellen, das gelten soll, wenn der Antragsteller den Auflagen nicht entspricht. Werden Änderungsauflagen vom Antragsteller akzeptiert, wird der Prüfentscheid erst dann wirksam, wenn der Antragsteller die geänderte Fassung eingereicht und schriftlich versichert hat, dass die auferlegten Änderungen bei der in Deutschland zur Veröffentlichung vorgesehenen Version enthalten sind und der Ständige Vertreter die Übereinstimmung der durchgeführten Änderungen bestätigt hat. Mit der unwiderruflichen Erklärung des Antragstellers, dass er die Änderungsauflagen nicht akzeptiert, wird der Prüfentscheid mit dem für diesen Fall festgestellten Prüfergebnis wirksam."

    Die USK bzw. das Prüfgremium kann seine Entscheidung von Auflagen abhängig machen soweit der ständige Vertreter der OLB dies vorschlägt. Beispielsweise wenn kritische Zwischensequenzen in einem Spiel als jugendgefährdend eingestuft werden, dass erst deren Entfernung eine USK-Kennzeichnung möglich macht. Aber auch übermäßig starke visuelle Effekte (Blut, Todesschreie). Auch wenn die Einreichung zur Prüfung freiwillig geschieht, kann ein gewisser wirtschaftlich bedingter Druck der Vergabe einer USK-Freigabe nicht abgestritten werden. Außerdem wird als Voraussetzung ein Vorschlag des Ständigen Vertreters der OLB genannt. Zur Erinnerung: die OLB sind staatliche Institutionen und die letzte Entscheidung zur Altersfreigabe obliegt dem ständigen Vertreter, als Vorsitzender des Prüfungsausschusses.

    15 Aspekte der Wirkungsmacht - Leitkriterien
    Die USK hat im Rahmen ihrer veröffentlichten und natürlich auch als Grundlage der eigenen Bewertung von Computerspielen dienenden Leitsätze klargestellt, dass die besonderen Merkmale eines Mediums berücksichtigt werden müssen. Computerspiele können diesbezüglich mit einer gesteigerten Interaktivität und Einbeziehen des Spielers aufwarten, die bei Filmen niedriger ausgeprägt sein kann. In die Bewertung fließen dementsprechend auch gesellschaftliche Werte ein, die in erster Linie durch Grundgesetze in Bezug auf den Menschen und seine Grundrechte repräsentiert werden, aber auch mittelbar durch die Ernennung der Jugendschutzsachverständigen, die vom Beirat, einer Mischung von Vertretern verschiedener staatlicher, als auch nicht-staatlicher Institutionen, erfolgt. Die USK stellt jedoch gleichzeitig fest, dass Geschmacksurteile oder persönliche tagespolitische Anschauungen nicht in die Bewertung einfließen. Es ist daher nicht zu befürchten, dass Affekt-Forderungen bestimmter Politiker(-Gruppierungen) einen Einfluss auf die Bewertung haben können und zumindest an dieser Stelle eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt wird.

    Abgestellt wird bei der Bewertung nicht nur auf den durchschnittlichen Jugendlichen, sondern auch auf den gefährdungsgeneigten Minderjährigen. Die USK erklärt in ihren Leitkriterien auch zugleich, was sie unter einem gefährdungsgeneigten Minderjährigen versteht: "Demnach kann dies insbesondere auf Jugendliche zutreffen, die ein hohes Aggressionspotenzial aufweisen und deren Lebenswelt von sozialer Isolation oder aber durch Gewalterfahrungen geprägt ist." Demgegenüber werden allerdings Extremfälle (z.B. Amokläufer) nicht berücksichtigt. Diese Eingrenzung der Bewertungsrelevanten Zielgruppe ist auch nötig, da ansonsten eine unverhältnismäßig hohe und nahezu unbegrenzte Definition der Jugendbeeinträchtigung bzw. -gefährdung die Folge wäre.

    Obersatz bei der Bewertung eines Computerspiels könnte sein: "Wie wirkt das Spiel auf den Spieler/Jugendlichen?" Die USK unterteilt dabei die Sicht des möglichen Jugendlichen auf verschiedene Altersklassen (entsprechend der Alterfreigabe auf dem USK-Kennzeichen). Da ein Spiel auf jeden Spieler anders wirken und in der Folge beeinträchtigen oder gar gefährden kann, wird eine Wirkungsvermutung auf Grundlage von 15 Aspekten der Wirkungsmacht erstellt. "Zu berücksichtigen sind alle Beeinträchtigungen in Verbindung mit der Gesamtwirkung des Spiels. Beeinträchtigungen können sowohl vom Inhalt des Bildträgers im Ganzen als auch von seinen Einzelheiten ausgehen." Konkrete Fälle von Einzelheiten können beispielsweise besonders gewaltintensive Zwischensequenzen sein, übermäßiger Einsatz von Pixelblut oder Möglichkeit Gliedmaßen abtrennen zu können. Fälle von Gesamtwirkungen können z.B. ein Belohnungssystem für besonders spektakulär erfolgte Tötungen (Finishing-Moves) sein, die sehr stark in das Spielprinzip eingebettet sind, aber auch die Zahl von alternativen Lösungswegen (ist die Tötung eines Gegners alleiniges Spielziel oder gibt es alternative Lösungswege) kann eine Bewertung eine Spiels beeinflussen. Dass ein Spiel einem bestimmten Genre (z.B. Ego-Shooter) angehört, ist kein Kriterium für die Alterseinstufung. Dass insbesondere das Genre Ego-Shooter oftmals kontroversen Alterseinstufungen ausgesetzt ist, ist in erster Linie dem Einsatz des Gewaltintensiven Spielinhalts zuzuschreiben. Fehlt dieser sind unbedenkliche Alterseinstufungen ohne weiteres möglich (Beispiel Portal USK Freigabe ab 12 Jahren geeignet)

    Die USK hat 15 Aspekte der Wirkungsmacht in ihren Leitkriterien ausführlich beschrieben und dargelegt. Da die Erklärungen transaprent und auch für Laien verständlich geschrieben sind, verweisen wir an der Stelle auf die Leitkriterien der USK für detaillierte Informationen (Link siehe Weiterführende Links und dem Artikel). Die Aspekte der Wirkungsmacht sind:

    - Visuelle und akustische Umsetzung der Spielidee
    - Gameplay
    - Atmosphäre
    - Realismus
    - Glaubwürdigkeit
    - Menschenähnlichkeit
    - Jugendaffinität und Identifikationspotenzial
    - Handlungsdruck
    - Gewalt
    - Krieg
    - Angst und Bedrohung
    - Sexualität
    - Diskriminierung
    - Sprache
    - Drogen

    Im Falle von jugendgefährdenden Inhalten prüft die USK auf Grundlage der Prüfungskriterien der BPjM bzw. der gesetzlichen Tatbestände (§15 II JuSchG) und verweigert gegebenenfalls eine USK-Kennzeichnung. Für die Feststellung von jugendgefährdenden Inhalten ist jedoch alleine die BPjM zuständig.

    Prüfpraxis mit Interpretationsspielräumen
    Die fünfzehn unterschiedlichen Aspekte der Wirkungsmacht machen deutlich, dass die Entscheidung für die Alterseinstufung eines Spiels keine Schwarz-Weiß-Angelegenheit ist und stark einzelfallabhängig ist. Da hier im Rahmen der Leitsätze auf Basis subjektiv ermittelter Wirkungseindrücke entschieden wird, ist nur eine objektivierte Annäherung an eine "richtige" Beurteilung möglich. Die Bandbreite der Entscheidungen verhilft der USK zu Interpretationsspielräumen. "Dies entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, nach der die Vorstellung, es gebe bei der Bewertung der Jugendgefährdung und/oder Jugendbeeinträchtigung 'nur eine richtige Lösung', sich häufig als 'Fiktion' erweist (BVerWG NJW 1972, 596, 597)" [Zitat aus Liesching/Schuster, Jugendschutzrecht Kommentar, 5. Auflage Verlag C.H. Beck München, Seite 121 §14 RDNr. 17]. Mit Rücksicht auf die terminologische Offenheit mancher gesetzlicher Formulierung von Kriterien und Gefährdungsgrade können Interpretationsspielräume als vertretbar angesehen werden.

    Beispielhaft können hier neuere Gesetze heran gezogen werden (§15 II Nr.3a JuSchG, eingeführt am 24.Juni 2008), die mit Hintergrund von Amokläufen ergänzend zu bestehenden Regelungen integriert wurden. Mit weitestgehend unbestimmten Rechtsbegriffen und fehlender Rechtsprechung ist deren praktische Umsetzung durch die USK und BPjM als schwierig zu klassifizieren.

    Beurteilungen von Spielen im Wandel der Zeit (Beispiel Doom) 18 Jahre lang indiziert. Heute freigegeben ab 16 Jahren. 18 Jahre lang indiziert. Heute freigegeben ab 16 Jahren. Quelle: id Software/ Bethesda
    Vor knapp 18 Jahren landete der Kult-Shooter auf dem deutschen Listen für indizierte Medien. Die Folgen waren neben einem sehr stark eingeschränkten Verkauf auch ein skurril wirkender Umgang mit dem Begriff "Doom". Printmedien umschrieben mit mal mehr, mal weniger einfallsreichen Formulierungen das Spiel, Foren nahmen gleich die Funktion der automatischen Zensur "D**m" in Anspruch. Beide Konsequenzen beruhen auf einer fragwürdigen rechtlichen Verpflichtung. Unnötige Selbstzensur, um das Kind bei Namen zu nennen. Bis zum 01.September 2011 war das Alltag in Bezug auf das Spiel "Doom". In der damaligen Begründung für die Indizierungsentscheidung Nr. 4637 (V) vom 25.Mai 1994 hieß es:

    "Wesentlicher Inhalt des Spiels sei die bedenkenlose, realistische inszenierte Tötung der Gegner, darunter u.a. menschlich gestalteter Gegner. Ein erfolgreiches Durchspielen werde einzig durch die Liquidation zahlloser Gegner gewährleistet; die Tötungshandlungen würden mit blutig zerfetzten gegnerischen Körpern aufwendig dargestellt und akustisch untermalt (Geräusch der Waffe, Todesschreie). Das Spiel setze mit seiner spekulativen effektheischenden Aufbereitung blutiger Metzelszenen im Wesentlichen auf ein beim potenziellen Nutzer vermutetes voyeuristisches bzw. sadistisches Interesse. (...) Eine kritische Bewertung des aggressiven Spielinhalts sei dem Spieler aufgrund der hohen Dichte der Kämpfe nicht möglich."

    Hauptkritikpunkte waren aus der technologischen und gesellschaftlichen Sicht von 1994 die für damalige Verhältnisse "realistisch" inszenierte Tötung von Gegner. Darunter auch, insbesondere in den niedrigen Levels, menschenähnliche Wesen (Zombies). Das Töten erfolgte - aus Sicht der Prüfer "aufwendig" dargestellt.

    Richtigerweise hat die BPjM als zuständiges Prüfungsorgan festgestellt, dass die Voraussetzungen für ein Bestehenbleiben der Indizierung nicht mehr vorliegen (vgl. §18 VII JUSchG). Es ist mit der Entscheidung "Doom" zudem festgestellt worden, dass unter den allgemein gehaltenen gesetzlichen Wortlaut auch ein gesellschaftlicher Wertewandel fällt, nicht nur die Streichung bestimmter Spielinhalte. Die Entscheidung zur Streichung aus der Liste wurde allerdings nicht einstimmig gefällt. Befürworter der Indizierung sahen nach wie vor eine verrohende Wirkung des Mediums und zu Gewalttätigkeiten anreizen würde (beides Tatbestandsmerkmale einer Jugendgefährdung). Außerdem seien die menschenähnlichen Wesen nach wie vor als solche zu erkennen.
    'Der Spieler wird aufgrund der distanzieren wirkenden Grafik in das Kampfgeschehen nicht mehr emotional involviert' [Zitat siehe Gründe der BPjM-Entscheidung Nr.5847 vom 04.08.2011] "Der Spieler wird aufgrund der distanzieren wirkenden Grafik in das Kampfgeschehen nicht mehr emotional involviert" [Zitat siehe Gründe der BPjM-Entscheidung Nr.5847 vom 04.08.2011] Quelle: id software
    Die überwiegende Mehrheit des Prüfungsgremiums der BPjM teilte diese Auffassung allerdings nicht. Zwar sei Doom nach wie vor von Gewalt geprägt, doch müssten aktuelle technologische Mittel und Erwartungen von Jugendlichen als Maßstäbe für eine Beurteilung angesetzt werden. Dies betrifft insbesondere die detailliert-realistische Darstellung von Gewalt. "Der Spieler wird aufgrund der distanzieren wirkenden Grafik in das Kampfgeschehen nicht mehr emotional involviert" [Zitat siehe Gründe der BPjM-Entscheidung Nr.5847 vom 04.08.2011]. Das fiktive Geschehen sei damit überdeutlich erkennbar. Ferner habe die Motivation ein 18 Jahre altes PC-Spiel zu spielen eher historisch-dokumentarische Bedeutung.

    Die BPjM stellte damit abschließend fest, dass "durch das faktische 'out of time' der Handlungsvisualisierung in Verbindung mit dem realitätsfernen, futuristischen Spielgeschehen das Spiel trotz der nach wie vor inhärenten Tötungsbejahung nicht länger den Grad einer Jugendgefährdung erreicht". Es ist zu erwarten, dass weitere Klassiker, die länger als zehn Jahre auf dem Index stehen, einer neuen Überprüfung unterzogen und dem Beispiel Doom - dann mit USK-Kennzeichnung - folgen werden. Dies ist neben der Veranlassung durch den Publisher auch von Amtswegen möglich (§21 V Nr.2 JuSchG).

    Die USK verlieh Doom das USK-Kennzeichen "ab 16 Jahren" und folgte damit der Begründung der BPjM und den Erläuterungen in den eigenen Leitkriterien. 16 und 17-jährigen Jugendlichen wird dort bereits eine "vielfältige, systematische mediale Erfahrung und Kenntnisse der Medienproduktion" zugesprochen. In Abgrenzung zu einer Einstufung "keine Jugendfreigabe", die das "Spielgeschehen besonders durch hohe atmosphärische Dichte und Glaubwürdigkeit des Spielgeschehens" aufzeigt. Auf Grund der veralteten Grafik ist letzteres im Fall von "Doom" nicht gegeben und eine Freigabe ab 16 Jahren gerechtfertigt vergeben worden.

    Weitergedacht - Verjährung der Indizierungsvoraussetzungen trotz strafrechtlich relevanter Inhalte?
    Eine Listenstreichung von indizierten Medien erfolgt automatisch nach 25 Jahren (§18 VII S.2 JuSchG) oder auf Veranlassung oder von Amtswegen, wenn die Voraussetzungen für eine Indizierung nicht mehr gegeben sind. Das kann durch ein schlichtes Kürzen der Spielszenen geschehen oder als Ganzes in Form eines nachhaltigen Wertewandels. Problematisch wird diese Vorgehensweise dann, wenn von der BPjM Medien aus der Liste entfernt werden, trotz rechtskräftiger Gerichtsentscheidung und Feststellung von strafrechtlichen Inhalten und in einem zweiten Schritt diese Medien eine USK-Kennzeichnung erhalten.

    Es ist anzunehmen, dass der bloße Wegfall der Indizierungsvoraussetzungen alleine nicht ausreicht, um eine Streichung aus der Liste vorzunehmen, sondern auch (gerichtlich) festgestellt werden muss, dass die strafrechtlichen Inhalte weggefallen sind. Es ist daher möglich, dass von der BPjM einseitig vorgenommene Listenstreichungen im Falle von Medien auf den Listen B bzw. D und nachfolgende USK-Kennzeichnungen für diese Medien rechtswidrig sein können [vgl. Liesching/Schuster, a.a.O. Seite 218 ff. §18 RD-Nr.104-109]

    Weiterführende Links
    Grundsätze der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) PDF
    Leitkriterien der USK für die jugendschutzrechtliche Bewertung von Computer- und Videospielen (PDF)
    Jugendschutzgesetz
    Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (Webseite)

    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    PC-Spiele 2016: Games-Liste mit Release-Terminen
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    Es gibt 14 Kommentare zum Artikel
    Von Patze
    Dazu passt auch: Indizierte C64-Spiele - Die frühen Schlachten der Pixel-Pazifisten - "Rambo", "River Raid", "Beach…
    Von Fatalii
    Und ich dachte immer, dass USK> Unfreiwillige Selbstkontrolle heißt Wie schön, dass man nun sieht wie schwer es sich…
    Von Patze
    Das ist der Grund warum ich PCGH lese! Hervorragender wenn nicht sogar brillianter Artikel. Übrigens: Viele Spiele für…
    Von Pokerclock
    Wobei man sagen muss, dass auch so etwas bei indizierten Titeln nicht möglich ist. Wenn dann abgeschlossener Bereich…
    Von Torsley
    wird bei amazon.de mit +18 titeln doch sowieso schon gemacht und man bezahlt dafür auch extra was. die 18er lieferung…
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http://www.pcgameshardware.de/Spiele-Thema-239104/Tests/Entscheidend-fuer-die-Bewertung-ist-das-gesamte-Spielangebot-842614/
04.09.2011
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2011/09/Wie_funktioniert_die_USK-Pr_fung_Schema_b2teaser_169.jpg
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