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  • Aufstieg und Fall von Microprose: Von Civilization, Master of Orion, Railroad Tycoon und dem wirtschaftlichen Ruin einer Videospiel-Legende

    Das Entwicklerstudio Microprose ist heutzutage vermutlich nur den wenigsten Videospielern ein Begriff. Dabei veröffentlichte das Studio in den 90er-Jahren einige der besten Strategiespiele, die bis heute als zeitlose Klassiker gelten. Misswirtschaft und die Übernahme durch größere Unternehmen besiegelten allerdings das Schicksal der ruhmreichen Spieleschmiede. PC Games Hardware wirft einen Blick zurück und untersucht, wie das einst kleine Studio unter Sid Meier Spieleklassiker veröffentlichte und Stück für Stück an Bedeutung verlor.

    Aufstieg und Fall von Microprose - Von Civilization, Railroad Tycoon und dem wirtschaftlichen Ruin einer Videospiel-Legende Aufstieg und Fall von Microprose - Von Civilization, Railroad Tycoon und dem wirtschaftlichen Ruin einer Videospiel-Legende Als sich die Entwickler-Legende Sid Meier und Bill Stealy im Jahr 1982 dazu entschieden, Videospiele selber zu verkaufen, konnten die beiden Pioniere noch nicht absehen, welchen Einfluss sie in einigen Jahren auf die gesamte Videospiel-Branche haben sollten. Ihre Firma Microprose wird in den 90er-Jahren für revolutionäre Strategiespiele stehen, der Mitbegründer Sid Meier schon bald Kultstatus verleiht. Aber auch die Entwickler aus Maryland, USA, starteten zuerst mit kleinen Produktionen für 8-Bit-Heimcomputern wie dem Commodore 64, dem Apple II oder der Atari 8-Bit-Serie.

    In der Bildergalerie: Railroad Tycoon, Civilization und Gunship - Die wohl besten Spiele von Microprose


    Gunship, 1986. Gunship, 1986. Die Jahre 1982 bis 1988 - 8-Bit-Heimcomputer, Sid Meiers Pirates! und das internationale Geschäft
    Microprose konzentrierte sich in den ersten Jahren vor allem auf Flug- und Militärsimulationen und konnten bereits 1982 mit den Titeln Chopper Rescue, Floyd of the Jungle, Hellcat Ace und Spitfire Ace erste Erfolge feiern. Bis auf wenige Ausnahmen produzierte die Spiele-Schmiede auch in den folgenden Jahren hauptsächlich Simulationen, so können sich einige Veteranen sicherlich noch an die Klassiker Solo Flight (1983), F-15 Strike Eagle (1984), Silent Service (1985) und Gunship (1986) erinnern.

    Der schnelle Aufstieg des IBM-PCs blieb aber auch Microprose nicht verborgen, weshalb man sich auch mit dieser neuen Plattform schnell befasste. Zur gleichen Zeit wurden auch die ersten Strategiespiele des legendären Studios veröffentlicht, im Nachhinein eine wegweisende Entwicklung. Nach den ersten zaghaften Versuchen mit Titeln wie NATO Commander (1983), Crusade Europe (1985) und Decision in the Desert (1985), die noch auf den 8-Bit-Konsolen erschienen, verewigte sich Sid Meier im Jahr 1987 erstmals in der Videospielbranche mit dem Freibeuter-Spektakel Pirates!. Auch die erste Sportsimulation des Studios Microprose Pro Soccer (1988) konnte Presse und Fans für sich begeistern.

    Der erste Erfolg von Microprose spiegelte sich nicht nur in aufwendigeren und besseren Spielen wieder, auch das Studio selber wurde für den internationalen Markt ausgebaut: 1986 entstand die erste Niederlassung in Großbritannien mit dem Namen Microprose Software Limited. Auch in Deutschland wurde eine Tochtergesellschaft der englischen Niederlassung gegründet, die sich seit 1988 in Mainz-Kastel befand. Mit den neuen Studios wollte sich Microprose endgültig im internationalen Geschäft etablieren, und die ersten Jahre verliefen mehr als erfolgreich.

    Transport Tycoon, 1994. Transport Tycoon, 1994. Die Jahre 1988 bis 1996 - Railroad Tycoon, Civilization, X-COM, Master of Orion und der Anfang vom Ende für Microprose
    Nach dem Ausbau von Microprose in den Jahren 1986-1988 verlief das Jahr 1989 eher unauffällig für die Amerikaner. Mit den Strategiespielen Sword of the Samurai (1989) und M1 Tank Platoon (1989) für DOS wurden allerdings schon die Weichen für die nächsten beiden Highlights der Firmengeschichte gestellt. 1990 erschien nämlich Sid Meier's Railroad Tycoon, nur ein Jahr später startete die inzwischen legendäre Spieleserie Civilization. Die beiden Strategiespiele entwickelten sich schon kurz nach dem Release zu echten Verkaufsschlagern und spülten neues Geld in die Kassen von Microprose. Aber vor allem die Civilization-Serie gilt bis heute als eine der besten Strategie-Serien und macht so den Chef-Entwickler und Namensgeber Sid Meier unsterblich.

    Angesichts des Erfolgs in der Spielebranche, der auch wegen kleineren Titeln wie B-17 Flying Fortress (1992) oder Darklands (1992), erscheint es umso verwunderlicher, warum Microprose schon im Jahre 1993 in finanziellen Schwierigkeiten steckte. In diesem Jahr bat nämlich Mitbegründer Bill Stealey, verantwortlich für das Managment des Studios, seinen Freund und CEO von Spectrum HoloByte Gilman Louie, die angeschlagene Spieleschmiede zu übernehmen, bevor sie in die falsche Hände fiel. Gründe für diese finanzielle Schieflage sind schwer zu finden, es ist allerdings anzunehmen, dass die Kosten des Unternehmens schlichtweg zu hoch waren. Die verschiedenen Niederlassungen, die kostspielige Entwicklung einer Adventurespiel-Engine und einige Spieleflops ließen das Studio finanziell ausbluten, bis man nicht einmal die Ressourcen hatte, um auf die erfolgreichen Konsolen Playstation und Nintendo 64 produzieren zu können.

    Auch wenn die Übernahme Microprose durch Spectrum HoloByte im Jahr 1993 mit einigen Kürzungen und Entlassungen verbunden war, unter anderem warf Mitbegründer Bill Stealey 1994 da Handtuch, konnte Microprose in der Folgezeit noch einige Erfolge verbuchen. Ausnahemtitel wie Master of Orion (1993), X-Com UFO Defense (1994), Transport Tycoon (1994), Master of Magic (1994), Sie Meier's Colonization (1994), Grand Prix 2 (1995), Star Trek The Next Generation (1995) und Civilization 2 (1996) stehen exemplarisch für die gute Arbeit, die die beiden Firmen leisteten. Im Jahr 1996 wurde sogar der Entwickler von Master of Orion und Master of Magic, das Studio Simtex, aufgekauft und als Microprose Texas in Austin, Texas neu angesiedelt.

    Das Jahr 1996 gilt allerdings als Schicksalsjahr für das gesamte Unternehmen, denn der Mutterkonzern Spectrum Holobyte begann damit, weitere Stellen zu streichen sowie alle weiteren Spiele unter dem Label Microprose zu veröffentlichen. Wegen der Personalstreichungen verließen auch die ehemaligen Koryphäen Sid Meier, Jeff Briggs und Brain Reynolds das Studio, um die Spieleschmiede Firaxis zu gründen. Zwar konnte Microprose auch ohne die Starentwickler weiterhin starke Titel veröffentlichen, der Glanz alter Tage war aber spätestens seit diesem Tag verflogen.

    Rollercoaster Tycoon, 1999. Rollercoaster Tycoon, 1999. Quelle: Computec Die Jahre 1996 bis 2003 - Rollercoaster Tycoon, Hasbro und Infogrames: Die Zerschlagung von Microprose
    Auch nach den Personalstreichungen konnte sich Microprose nicht lange finanziell über Wasser halten, weshalb bereits im Jahr 1998 die Übernahme durch den Spielzeughersteller Hasbro anstand. Allerdings musste Microprose davor erst noch das erst kürzlich aufgebaute Studio in Texas wieder schließen. So blieben dem Unternehmen nur noch vier Studios übrig: Neben dem größten Standort in Alameda, Kalifornien wurden noch die Niederlassungen in Hunt Valley, Maryland, Chapel Hill, North Carolina und Chipping Sodbury, England unterhalten. Allerdings war der Fokus bei Hasbro auf die Reduzierung der Kosten gerichtet, weshalb im Jahr 1999 die Studios in Alameda und Chapel Hill geschlossen wurden. Die Entwicklung an dem geplanten X-Com Genesis wurde eingestellt. Die veröffentlichten Spiele von Microprose zu dieser Zeit konnten zwar einige Erfolge verbuchen, reichten aber nie an die Klasse der alten Ikonen heran: Magic The Gathering (1997), Worms 2 (1997, nur als Publisher), Falcon 4.0 (1998), Mech Commander (1998), Rollercoaster Tycoon (1999) und Star Trek Federation Compilation (1999) waren die einzigen nennenswerten Titel in dieser Zeit.

    Nur zwei Jahre später stand schon die nächste Übernahme für Microprose an: Der französische Spielepublisher Infogrames Entertainment übernahm Hasbro Interactive und somit auch Microprose, der Lizenzen an Civilization, Falcon und Rollercoaster Tycoon, sowie den Markennamen Atari. Nach dieser Übernahme im Jahr 2001 verschwand der Name Microprose weitest gehend aus der Spielebranche: Der letzte Titel mit dem Brand des Studios war die UK-Version von Grand Prix 4 (2002). Nachdem 2002 auch das Microprose-Studio in Chipping Sodbury geschlossen wurde, blieb dem ehemaligen Top-Studio nur noch ein Standort in Hunt Valley, Maryland, übrig. Aber auch dieses Studio wurde letztendlich im Jahr 2003 von Infogrames, inzwischen umbenannt in Atari Inc., geschlossen. Auch wenn das das Ende von Microprose bedeutet, existieren die Überbleibsel des einst legendären Studios bis heute in Maryland: Firaxis Games und BreakAway Games wurden von ehemaligen Microprose-Mitarbeitern gegründet und produzieren bis heute Videospiele. Auch die Marke Microprose existierte noch einige Jahre weiter, die hatte allerdings nicht mehr viel mit dem ehemaligen Entwickler zu tun. Die Rechte an Railroad Tycoon und Civilization wurden indes von Sid Meier erworben, der zusammen mit Take-Two Civilization 4 und 5 veröffentlichte sowie an einer Neuauflage von X-COM arbeitet.

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    Es gibt 21 Kommentare zum Artikel
    Von ruyven_macaran
    Simtex (MooII, MoM) wurde aufgelöst, die Entwickler sind afaik verstreut, Sid Meier & Co verkonsolidieren sich jetzt…
    Von AshLambert
    Danke für dieses Special!Microprose gehörte damals wirklich zu den ganz Großen...die Truppe hat mir unzählige Stunden…
    Von Dr Bakterius
    Bei mir schlummert noch European Air War, B17 Flying Fortress " The Mighty 8th " und Grand Prix 3
    Von onslaught
    Diese Kleinigkeit wurde gar nicht erwähnt, war zwar kurz aber mir hats Spaß gemacht.
    Von Research
    Irgendwie scheint das Spiele-Schmieden-Sterben immer sehr schnell, unvorhersehbar, unverständlich und unbemerkt zu…
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http://www.pcgameshardware.de/Spiele-Thema-239104/Specials/Microprose-Bestenliste-und-Geschichte-887313/
01.06.2012
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