Der Zustand von Triple-A-Spielen ist inakzeptabel - Ein Kommentar von Philipp Reuther

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Der Zustand von Triple-A-Spielen ist unakzeptabel - Ein Kommentar von Philipp Reuther
Quelle: PC Games

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Dieses Mal echauffiert sich Philipp Reuther über den Zustand vieler sogenannter Triple-A-Titel zum Release-Zeitpunkt.

In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Heute kommentiert Philipp Reuther die Qualität sogenannter Triple-A-Titel, die leider viel zu oft zu wünschen übrig lässt.

Zuerst einmal: Was ist überhaupt Triple-A? Heutzutage sind Triple-A-Titel Spiele, für die ein sehr hoher finanzieller Aufwand bei Entwicklung und Werbung betrieben wurde. Doch nicht nur das macht einen solchen Titel aus, auch wenn dieser Eindruck besonders in letzter Zeit entstehen könnte. Ursprünglich war Triple-A eine Auszeichnung. Jedes A in Triple-A (AAA) steht für eine besonders herausragende Eigenschaft eines solchen Spiels. Das erste "A" steht für die generelle sowie deutlich überdurchschnittliche Qualität des Spiels. Ein zweites "A" kann sich ein Spiel verdienen, wenn es neue, innovative Elemente in das Gameplay mit einfließen lässt und so für ein erfrischendes Spielgefühl sorgen kann. Das letzte "A" steht schließlich für den finanziellen Erfolg eines Spiels. Und jetzt fragen wir uns doch einfach mal, welcher der jüngst erschienenen Titel diese Auszeichnung eigentlich verdient hätte - fällt Ihnen auch nur ein einziges Spiel ein?

Diese Auszeichnung, dieses Qualitätssiegel hat einen großen Teil der ursprünglichen Bedeutung verloren. Sie wird den Spielen von den Pubishern selbst verliehen, wenn diese ihre Spiele hervorheben wollen. Dies geschieht nun aber so häufig, dass praktisch jedes größere Spiel als Triple-A beworben wird. Für Assassin's Creed: Unity reichte Ubisoft ein "einfaches" Triple-A offensichtlich nicht mehr, in Interviews wurde es gar als erster Quadruple-A-Titel beworben. Wofür das zusätzliche "A" stehen soll, blieb allerdings ungewiss. Im Grunde bedeutet Triple-A heute vor allem eins: ein für die große Masse konzipiertes Mainstream-Produkt.

Mainstream ist für sich genommen natürlich nichts Schlechtes, er macht nun einmal den größten Teil eines Marktes aus. Doch eine Sache stößt mir schwer auf: Viele dieser Titel kommen in einem Zustand auf den Markt, der schwer zu wünschen übrig lässt. Diese Titel sind Bug-verseucht, laufen mies auf gängiger Hardware, stürzen ab oder lassen Inhalte vermissen - dies wäre für ein kleines Indie-Spiel im Alpha- oder Beta-Stadium vielleicht akzeptabel, aber nicht für ein großes und finanziell stark abgesichertes Massenprodukt eines erfahrenen Herstellers. Ein solches Spiel müsste eigentlich ausgesprochen geschmeidig laufen, optisch und spielerisch sauber entwickelt und perfekt an allen Ecken und Kanten für den Markt angepasst worden sein - ohne diesen aber zu langweilen. Ein solches Spiel müsste sich auch zumindest in einigen Aspekten von etwaigen Vorgängern oder Konkurrenzprodukten abheben. Denn mit diesen Spielen wird das große Geld abgesahnt, hier fließen die Millionen in die Taschen des Publishers, hier wird mit unzähligen DLCs, Microtransaktions und Merchandise zusätzlicher Reibach gemacht, hier bekommen die Firmen schon durch die vielen Vorbestellungen einer vertrauensseeligen Fanbase Geld in die Taschen gespült. Und das, obwohl noch niemand das finale Produkt zu Gesicht bekommen hat. Und dieses ist dann leider viel zu oft voller Fehler, schlecht optimiert und schlicht und einfach unfertig, damit möglichst schnell das nächste Produkt in Angriff genommen werden kann und der Geldsegen nicht versiegt.

In wohl kaum einem anderen Bereich können Firmen mit so fragmentarischen und unreifen Produkten im Mainstream-Bereich Kasse machen. Doch bei Spielen haben sie etwas geschafft, was in anderen Sparten eigentlich undenkbar ist: Spieler nehmen ein unfertiges, unausgegorenes Produkt als Norm war. Es ist normal, dass ein Titel zum Erscheinungszeitpunkt nicht optimal läuft, Fehler enthält, abstürzt oder Inhalte vermissen lässt. So etwas ist in anderen Bereichen völlig undenkbar: Die neue Pop-CD enthält nur acht der eigentlich 11 Songs, drei davon können allerdings nicht richtig abgespielt werden, weil der Datenträger fehlerhaft ist - aber in den nächsten zwei bis drei Wochen können Sie die fehlerhaften Tracks von Hand herunterladen, die anderen drei Songs werden später nachgeliefert. Würden Sie so eine CD kaufen, ja sogar vorbestellen und im Voraus dafür bezahlen? Würden Sie sich einen Kinofilm ansehen, der mehrfach unterbrochen werden muss, in den versehentlich Teile der serbo-kroatischen Synchronisation eingeflossen sind und dem außerdem die Hälfte der Spezial-Effekte fehlerhaft dargestellt werden? Würden Sie eine Mittelklasse-Limousine in der 5.000 Euro teureren "Legendary Edition" kaufen, wenn zwei Reifen platt wären, Ihnen die Tür beim Einsteigen auf die Füße fällt, weil bei der Montage geschludert wurde, wenn der Wagen nur die Hälfte der versprochenen Leistung liefert, weil die Benzinleitung falsch verlegt wurde und beim Bremsen die Wegfahrsperre aktiviert wird und der Airbag auslöst? Wahrscheinlich nicht, aber in genau so einem Zustand befinden sich einige der großen Spiele-Titel. Manche sind tatsächlich so fehlerhaft, das nicht ein einziges Element ordnungsgemäß funktioniert. Schulnote Fünf, ein definitives "Mangelhaft".

Für mich ist dies ein unhaltbarer Zustand, hier muss etwas geschehen. Den Publishern muss klargemacht werden, dass auch Spieler für ihr hart verdientes Geld Qualität erwarten. Dies wiederum setzt aber zuerst einmal voraus, dass Spieler für diese Qualität auch einstehen. Das bedeutet im Zweifelsfall abwarten, bis ein Produkt auch wirklich marktreif ist, den Verstand einschalten und sich nicht von protziger Werbung einlullen lassen. Wer einfach blind und gutgläubig aus dem Bauch heraus kauft, muss sich nicht wundern, mit dem Äquivalent eines Unfallautos zu enden.

Doch vielleicht haben sich besonders in letzter Zeit ja genügend Spieler über den Tisch ziehen lassen; vielleicht hält der Ärger und die Skepsis ja einmal bis zum nächsten Hype und die Zielgruppe zeigt sich etwas weniger gutgläubig gegenüber wilder Versprechungen und knalligen Werbe-Trailern. Dann müssten Spiele sich vielleicht auch endlich wieder durch eine höhere Qualität hervorheben. Es wäre wünschenswert, meiner Meinung haben wir Spieler unseren Qualitätsanspruch viel zu lange drücken lassen - soweit, dass ein Produkt mit deutlichen Mängeln als Norm durchgeht oder sogar Zuspruch bekommt. Es ist Zeit, diesen Trend zu beenden.

Redaktions-Kolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

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    • Kommentare (44)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Shona BIOS-Overclocker(in)
        Zitat
        Und jetzt fragen wir uns doch einfach mal, welcher der jüngst erschienenen Titel diese Auszeichnung eigentlich verdient hätte - fällt Ihnen auch nur ein einziges Spiel ein?
        Borderlands: The Pre-Sequel Vorbestellt, Vorabruntergeladen, am Releasetag gestartet und ohne Probleme durchgespielt. Bin sogar schon im zweiten durchlauf und immer noch keine Probs. Gab bis heute auch nur einen Patch -> http://steamcommunity.com... <- und von den Problemen wusste ich nichtmal bis ich eben die News las^^

        Ansonsten weiss ich auch nicht was für Probleme da immer sind, es gab in letzter Zeit nicht ein Spiel das bei mir nicht zum Release funktioniert hat, warum soll ich also aufhören vorzubestellen?

        Mal davon abgesehen wenn der Zustand von den Triple-A-Spielen nicht akzeptabel ist, wie kann es dann sein das diese Spiele vorab von euch Spielezeitschriften so gut bewertet werden?
        Wenn ihr mal anfangt die Spiele so zu bewerten wie sie sind dann würde sich mehr ändern als wenn irgend ein Spieler ein Spiel boykotiert (was so oder so nicht funktioniert)
      • Von Shona BIOS-Overclocker(in)
        Zitat
        Und jetzt fragen wir uns doch einfach mal, welcher der jüngst erschienenen Titel diese Auszeichnung eigentlich verdient hätte - fällt Ihnen auch nur ein einziges Spiel ein?
        Borderlands: The Pre-Sequel Vorbestellt, Vorabruntergeladen, am Releasetag gestartet und ohne Probleme durchgespielt. Bin sogar schon im zweiten durchlauf und immer noch keine Probs. Gab bis heute auch nur einen Patch -> http://steamcommunity.com... <- und von den Problemen wusste ich nichtmal bis ich eben die News las^^

        Ansonsten weiss ich auch nicht was für Probleme da immer sind, es gab in letzter Zeit nicht ein Spiel das bei mir nicht zum Release funktioniert hat, warum soll ich also aufhören vorzubestellen?

        Mal davon abgesehen wenn der Zustand von den Triple-A-Spielen nicht akzeptabel ist, wie kann es dann sein das diese Spiele vorab von euch Spielezeitschriften so gut bewertet werden?
        Wenn ihr mal anfangt die Spiele so zu bewerten wie sie sind dann würde sich mehr ändern als wenn irgend ein Spieler ein Spiel boykotiert (was so oder so nicht funktioniert)
      • Von yojinboFFX Software-Overclocker(in)
        Herr Reuter bekommt ein :gefällt mir!
        Gruß Yojinbo
      • Von KrHome
        Zitat von Jeric
        Ich finde es wäre ideal, wenn die Fachredakteure bereits in der Preview, zumindest auf größere Bugs die das Spielerlebnis beeinträchtigen, aufmerksam machen würden und im Test der Verkaufsversion nochmals darauf eingehen (eventuell in einem extra Absatz) ob die Fehler beseitigt wurden.

        So kann man sich von Anfang an darauf einstellen, was auf einen im schlimmsten Fall zukommt.
        Das ist (leider) ein utopischer Wunsch. Publischer und Spiele-Presse leben nunmal in einer Symbiose. Die einen sind die Werbekunden der anderen. Die anderen sind auf frühe Testmuster der einen angewiesen um am Releasetag einen Artikel vorweisen zu können.

        Wie das läuft, wenn man es sich als Presse mit einem Publisher verscherzt, sieht man regelmäßig bei 4players. Die bekommen dann einfach keine Testmuster mehr und müssen sich ihre Spiele am Releasetag im Laden kaufen. Der 3 Tage nach Release (wohlgemerkt online! - bei einer unflexiblen Papierzeitschrift wie PCGames wäre das noch fataler!) erschienene Test interessiert dann keinen mehr, weil es schon genug Tests pünktlich zum Release gab.

        Maximal liest man daher Sachen wie: Unsere Testversion lief noch nicht ganz rund. Dessen ist sich der Pulisher aber bewusst und hat schon begonnen die Probleme zu beheben, sodass zum Release alles fein sein wird.
      • Von Scholdarr Volt-Modder(in)
        Die Bugs lassen sich doch noch ertragen, zumal man die per Patch auch nachträglich noch in den Griff kriegen kann. Der Spieler braucht hier nur Geduld und Disziplin.

        Das 0815-Mainstream Design, nach dem inzwischen fast jedes größere Spiel in fast jedem irgendwie mit Action verwandten Genre konzipiert wird, ist doch viel, viel schlimmer. AAA bedeutet heute für mich größtenteils einfach nur noch Mittelmäßigkeit per Design. Das sind Spiele, die irgendwie jedem gerecht werden wollen, aber nirgendwo wirklich herausragend sind, schon gar nicht im früheren Kern eines Videospiels, dem Gameplay. Weichspülware, bei der die Entwickler und Produzenten Angst vor jeder Fokussierung, jeder Eigenlimitierung oder schlicht Fokussierung auf eigene Stärken haben. Da wird lieber fremdkopiert ohne jegliche Reflexion, ohne jede Vision, ohne jede Leidenschaft. Ware von der Stange für eine anspruchslose, leicht zu blendende Masse....

        Heute wird versucht, jedes Buzzword und jeden Trend in jedes Spiel zu packen, auf Teufel komm raus. Hauptsache sieht geil aus (muss ja unbedingt "Next-Gen" sein) und es gibt Content, Content, Content. Wie der aussieht, wie sinnvoll der ist oder wie viel Spaß er macht, ist mehr oder weniger egal. Wen interessiert es schon, ob von den 100 Stunden Content, die vollmundig auf der Packung versprochen werden und in Reviews angepriesen werden, nur 20 Stunden auf die Haupthandlung entfallen und dafür über 50h auf belanglose, repetitive und immens spannende Sammelaufgaben oder auf sinnloses Herumgerenne (das trifft in etwa übrigens so auf alle drei der oben genannten "AAA(A) Spiele" zu...)? Für die Masse scheint es genug zu sein, wenn das Spiel geil aussieht (dann ist immerhin die Anschaffung einer neuen Konsole irgendwie gerechtfertigt...) und genug "Stunden pro €" bietet. Quantity beats quality.

        Heraus kommen dann so glorreiche AAA(A) Spiele wie Assassin's Creed Unity, Dragon Age Inquisition oder Far Cry 4, die riesige, nett gestaltete Spielwelten mit geiler Optik bieten, die nicht auch nur im Ansatz für tiefgehendes, langfristig interessantes Gameplay genutzt werden. Heutzutage darf keine Aufgabe mehr länger als 10 Minuten dauert (und das ist schon lang) und zu viel Komplexität ist auch verpönt. Immer alles schön seicht und zusammenhanglos. Ein kleines Minigame hier, ein Button-Prompt dort, und dazwischen ewiges Herumgerenne, damit lässt sich im Kern umreißen, was man größtenteils in diesen Spielen macht. Diese Spiele, egal ob Ego-Shooter, 3rd person Actiongame oder RPG, spielen sich fast alle gleich, weil sie alle derselben Philosophie nachlaufen, den Spieler bloß nirgendwo zu überfordern und ihn alle 30 Sekunden irgendwie zu belohnen, egal wie belanglos die Aufgabe war. Gleichzeitig muss man natürlich heute sowas wie Open World und Tonnen an sammelbarem Zeug bieten, ohne gehts ja nicht mehr. Oder extensives Crafting, das mit so komplexen und spaßigen Aktionen wie ständiges Rumlaufen und auf Truhen/Pflanzen/Minerale klicken verbunden ist. Dabei bleibt alles an der Oberfläche, leicht zu erfassen und fast unmöglich zu verpassen. Die Welten werden zwar immer größer, aber gleichzeitig wird die Erkundung derselben immer langweiliger...

        Ganz ehrlich, von mir aus könnten diese AAA Spiele zu Release nur so von Fehlern und Bugs strotzen, wenn sie dafür abwechslungsreich gestaltet und gut durchdacht wären und die Entwickler sich auf eigene Stärken und eigene Visionen beschränken und fokussieren würden. Denn was nützen mir bugfreie Spiele, die mich nach kürzester Zeit schon dermaßen langweilen, dass jede Lust am Weiterspielen vergeht. Wie gesagt, Bugs kann man fixen. Schlechtes und ewig gleiches Design leider nicht...
      • Von Mandavar PC-Selbstbauer(in)
        Helfen könnte hier ein bewussterer Umgang der Redaktion mit solchen Hypes. Allerdings hat das fehlen dieses bewusst machens exakt den gleichen Beweggrund, wie auch das unfertige Spiel der Publisher. Gewinnmaximierung. Wenn man als Spielewebseite nicht kräftig beim Hype mitrührt, bekommt man nicht genügend klicks.

        Das ist immer das Problem an Kolumnen, wie dieser. Sie spiegelt nur die Meinung eines einzelnen wieder. Ich habe diese Kolumnen in letzter Zeit überall gelesen. Auf Gamestar, auf Computerbase und jetzt hier. KEINER der "wütenden" Schreiberlinge allerdings hat auch nur mit einem Wort erwähnt, dass die eigene Webseite kräftig bei der Vermarktung geholfen und stark verfälschte hoch wertende Tests zu diesen "mangelhaften" Produkten abgegeben hat. So seid auch Ihr, liebe Kolumnisten, nur ein Teil des ganzen Problems.

        Zeigt Mut - nicht nur in der "Kolumne danach". Versucht es mal. Ich bin mir sicher: richtig aufgezogen wäre auch das für Klicks gut.
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