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  • Wie PCGH zu Millionen kommt: Die wunderbare Welt des Spams - Ein Kommentar von Stephan Wilke

    Wie PCGH zu Millionen kommt: Die wunderbare Welt des Spams (6) Quelle: PC Games Hardware

    In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Dieses Mal schreibt Stephan Wilke über die besten Spam-Kuriositäten, die PC Games Hardware in den vergangenen Jahren erhalten hat.

    E-Mails, die man nicht erhalten möchte, aber leider doch erhält, lassen sich als Spam einstufen. Wikipedia beschreibt den Sachverhalt folgendermaßen: "Als Spam [...] werden unerwünschte, in der Regel auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten bezeichnet, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden und häufig werbenden Inhalt enthalten. Dieser Vorgang wird Spamming oder Spammen genannt, der Verursacher Spammer." Im privaten Umfeld wurde sicherlich fast jeder Internet-Nutzer schon mal mit Spam konfrontiert, völlig andere quantitative Dimensionen nimmt das Thema aber bei öffentlichen E-Mail-Adressen bekannter Websites ein - richtig, die an PC Games Hardware adressierte Online-Leserpost ist gemeint. Das Potpourri aus Nachrichten, die uns aufdringliche Werbetreibende, zwielichtige Gestalten und verwirrte Individuen bescherren, ist einfach zu schön, um ungeteilt zu bleiben. Ich habe über einen längeren Zeitraum die besten Nachrichten in einem Ordner namens "Best of Spam" gesammelt und möchte heute einige der besten Einzelleistungen von Spam-Versendern präsentieren.

    Als vertrauenswürdige, unabhängige Fachpublikation wird PC Games Hardware ganz besonders oft als möglicher Partner bei Finanztransaktionen größerer Art kontaktiert. Da war zum Beispiel ein in Afghanistan aktiver Lieutnant, der einen "radikalen Taliban-Kurier" abgefangen hatte, der "für den Transport der riesigen Menge an Fonds" im Wert von satten 11,5 Millionen US-Dollar verantwortlich war. Der gewissenhafte Lieutnant kam zu dem Schluss, dass es nicht sinnvoll ist, die lokale Polizei zu kontaktieren, denn immerhin "gibt es die Möglichkeit, dass die Mittel für ihren eigenen Verbrauch wird konfisziert". PCGH möge doch bitte bei ein paar Banktransfers behilflich sein, damit die Werte als Luftfracht aus dem Land befördert werden können. Lohn: Ein Drittel der genannten Summe.

    Selbstverständlich sind wir nicht auf den Deal eingegangen - immerhin bot uns schon der "Sohn des spät lybischen Präsidenten" eine Beteiligung bei einer 25 Millionen US-Dollar schweren Transaktion. Da mussten wir zugegebenermaßen etwas gegenrechnen, denn immerhin lag uns auch ein Angebot eines stellvertrenden Bankdirektors vor, dessen Einleitungssatz "Wie gehen Sie heute und Ihre Familie?" am besten wahrheitsgemäß mit "Bevorzugt auf zwei Beinen!" zu beantworten ist. Besagter Direktor wusste von "ein jüdisches Geschäfts-Mogul von Mexiko" zu berichten "das auf einem Hubschrauberabsturz starb" - und hier ging es immerhin um 40 % Beteiligung an 16,5 Millionen britischen Pfund! Langfristig womöglich lukrativer ist die Offerte des Inhabers einer südafrikanischen Bergbaufirma, der auf der Suche nach Investoren ist. Falls wir das Angebot "finden intresting" und "Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir sind", mögen wir uns doch bitte melden - wir überlegen derzeit noch ...

    Auch nicht schlecht war das Angebot eines Inspekteurs, der auf einem US-amerikanischen Flughafen im Gepäck eines afrikanischen Diplomaten zwei 25 Kilogramm schwere Metallkisten ausgemacht hatte. Beide Kisten waren angeblich gefüllt mit Bargeld und für PCGH standen hier gleich 50 % der Summe im Raum. Dabei wäre aber eine Menge Papierkram angefallen - das war uns dann doch zu stressig. Es geht schließlich auch einfacher: Nur ein paar Tage später stellte uns eine britische Bank im Austausch gegen ein paar persönliche Angaben einen Gewinn von 4,5 Millionen US-Dollar in Aussicht. Klasse Sache, immerhin haben wir nicht einmal bei einem Gewinnspiel mitgemacht! Richtig dicke Geschütze fuhr ein Mitarbeiter einer Bank aus Kenia auf. Ein Hinterbliebener eines Bombenanschlags hätte 148 Millionen US-Dollar auf seinem Konto. Nicht ganz folgen konnten wir leider der weiteren Ausführung, sodass wir diese tolle Chance der Geldvermehrung einem anderen Mitbürger überlassen haben: "damit wir unsere Das Geld aus Kenia in ihrem Land, nachdem das Angebot wir werden 10% für alle Ausgaben sie entstehen während der Transaktion und die restlichen 90% I 50% und 40 %, Bitte lassen Sie sich nicht durch diese ist es eine sichere Sache Ich versichere sie ist zu 100% kostenlos."

    Dass wir uns bisher aus diesen doch eher weniger legalen Geschäften herausgehalten haben, liegt aber auch an einem anderen Grund: Es gibt schlicht zu viele sehr seriöse *hust* Anbieter, die ungefragt Darlehen zu Top-Konditionen versprechen. Geldprobleme kennt die Redaktion daher eigentlich nicht und wir ignorieren auch getrost die teuflisch echt aussehenden Hinweise von Paypal und der Sparkasse, dass wir uns doch bitte unter der verlinkten Website anmelden möchten, um einer Kontosperre entgegenzuwirken. Steckt womöglich eine dieser unbezahlten Rechnungen dahinter, die gerne als HTML-Anhang verschickt werden? Juckt uns offen gesagt nicht: Ein schwerkranker Hongkonger möchte uns im Austausch gegen unsere Bankdaten kurz vor seinem krebsbedingten Ableben noch sein Vermögen vermachen - vielleicht leiten wir ihm schnell noch unsere gesammelten "INVOICE"-E-Mails weiter, bevor es zu spät ist.

    Fundierte Kritik an PC Games Hardware ist natürlich immer gern gesehen. So trudelte vor einigen Monaten unter dem Betreff "zu kompliziert" folgende Nachricht ein: "eure zeitung kaufe ich nie wieder, danke für einfache bedienung". Kopfzerbrechen bei der Analyse macht uns auch noch der Text "Eistee ist lecker", der vor wenigen Tagen innerhalb weniger Minuten in 15-facher Ausführung ins Postfach flatterte und seitdem ausgiebig auf relevante Inhalte inspiziert wird.

    Abwechslung im Liebesleben versprechen Angelina aus Misnk, Eugenia aus Petrozavodsk, Dinara aus Krasnodar und Natilia, die schlicht nur aus Russland kommt - die Damen würden gerne die PCGH-Redakteure auf der Dating-Website ihres Vertrauens kennenlernen. Deutlich geheimnissvoller gibt sich da schon "Fräulein Sabina", das uns zu verstehen gibt: "bitte, ich habe etwas sehr Wichtiges mit dir privat diskutieren, beantworten Sie mir bitte so bald wie möglich .. Danke!" Was die Dame mit der polnischen E-Mail-Adresse wohl mit uns besprechen möchte? Wir PCGH-Nerds sind leider ein wenig zu schüchtern, um der Sache auf den Grund zu gehen. Sabina, verzeih uns!

    Stets attraktive Angebote erhält PC Games Hardware auch aus der Volksrepublik China. Gefühlt jeder zweite chinesische Betrieb muss PCBs nach Wunsch, Billig-Tablets oder LEDs und Lampen herstellen - anders ist die Masse an Angeboten nicht zu erklären. Abwechslung verspricht da schon ein Hersteller, der sich vorstellen kann, dass PCGH Interesse an einem Hähnchenbratgerät hat; der kluge Verkäufer denkt wohl schon an das nächste Sommerfest. Mein persönliches Lieblingsprodukt war bisher eine Maschine zur Produktion von Grabkerzen, die PCGH ebenfalls angeboten wurde. Bisher haben eher wenige Redakteure einen Zweitjob bei einem Bestattungsunternehmen, aber hey: Kann ja noch werden ...

    Einen besonders umfangreichen Verteiler, der unter anderem neben dem Mineralölkonzern Aral, der Generalbundesanwaltschaft, dem Generalkonsulat der Russischen Föderation und Günther Jauch auch nahezu alle nahmaften deutschsprachigen IT-Websites beinhaltet, führt ein sehr mitteilsamer Verfasser, der sich mehrfach pro Woche meldet. Die durchaus emotional gehaltenen Texte, die sich fortwährend um Dinge wie "Hakenkreuzfrevel-Staatsbankrott-Hexenselbstverbrennungs-Terrorismus", "Kinderknabenschänder-Zuhälterinnen-Hexen-Bacchantinnen-Königsmeuchelmörderinnen" oder auch "Volksverhetzung zum Völkermord-gegen-Junggesellen-per-Knabenschänder-Zuhälterinnen-Königsmeuchelmörderinnen-Retalin-Kinderknaben-Massevergewaltigungs-Orgiastinnen-Turbo-Terroristinnen" drehen, umfassen gut und gerne mal 50.000 Zeichen plus Bildmaterial. Geboten wird eine bunte Mischung aus Kommentierung des aktuellen Weltgeschehens, ins Vormittelalter zurückreichender Stammbaumkunde diverser Adelsgeschlechter und mythologischer Deutung von PC-Spielen bis hin zu Detailinformationen über private Auseinandersetzungen mit der Polizei, Wachunternehmen und Strafverfolgungsbehörden. Der unverwechselbare Themen-Mix und Schreibstil sorgt bei Kennern für Lesevergnügen pur.

    Wenn einem das ganze Spamarama mal über den Kopf hinauswächst, hilft beim Runterkommen vielleicht der "elektrische Joint aus den Niederlanden", der in einer eingetrudelten Pressemitteilung mit dem Spruch "weltweit legal high" angepriesen wird. Mit dem E-Joint und einem "sanften High" im Gepäck entspannt es sich womöglich besonders gut beim "Saisonspaziergang in Deutschlands schönsten Zoo", der PCGH ebenfalls schon nahegelegt wurde. Kaum mehr eine Wirkung entfalten dürfte der elektrische Joint bei dem Absender der E-Mail, der "GEGEN das BÖSE SATANS REICH HÖLLE " antritt und der Meinung ist: "WIR GRÜNEN WOLLEN UNS ZU GÖTTERN auf ERDEN erheben !!! GOD on EarTH !!! Die Erleuchteten müssen die ERDE JETZT erleuchten !!!" Um auch der Knechtschaft stumpfer Rechtschreibregeln zu entfliehen, fordert der Verfasser: "FREIE ENTFALTUNG des INDIVIDEUMS !!!" Hui, vielleicht wird es doch mal Zeit für Urlaub auf dem Ponyhof, der ebenfalls schon mehrfach der Redaktion ans Herz gelegt wude. Ich bin dann mal weg ...

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    Es gibt 26 Kommentare zum Artikel
    Von Stryke7
    Die Adresse ist bei mindestens hundert verschiedenen Stellen hinterlegt ... Aber ich achte trotzdem ein bisschen…
    Von Idefix Windhund
    Musst dich nur mal fleißig mit der privaten E-Mail Adresse an div. Firmen bewerben die "angeblich" ja nur "Zum Zwecke…
    Von Stryke7
    Ich muss sagen, dass meine Mail-Adressen selbst nach über zehn Jahren glücklicherweise noch in keinem Spam-Netz…
    Von JimSim3
    Irgendjemand da draußen muss mächtig Geld mit nem richtig schlechtem Spam-Generator machen. Der verkauft den…
    Von Amon
    Wie gut dass man Thunderbird sowas mittlerweile zuverlässig aussortiert. Ab und an gucke ich mal den Spam Ordner durch…
      • Von Stryke7 Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Idefix Windhund
        Musst dich nur mal fleißig mit der privaten E-Mail Adresse an div. Firmen bewerben die "angeblich" ja nur "Zum Zwecke der Bewerbung gespeichert, verarbeitet, und archiviert wird!" Seit dem fing der Spaß an. Und seit ich jede E-Mail davon Bloge, machen die SPAM Mails richtig Spaß.
        Die Adresse ist bei mindestens hundert verschiedenen Stellen hinterlegt ... Aber ich achte trotzdem ein bisschen darauf, wo ich sie angebe
      • Von Idefix Windhund BIOS-Overclocker(in)
        Musst dich nur mal fleißig mit der privaten E-Mail Adresse an div. Firmen bewerben die "angeblich" ja nur "Zum Zwecke der Bewerbung gespeichert, verarbeitet, und archiviert wird!" Seit dem fing der Spaß an. Und seit ich jede E-Mail davon Bloge, machen die SPAM Mails richtig Spaß.
      • Von Stryke7 Lötkolbengott/-göttin
        Ich muss sagen, dass meine Mail-Adressen selbst nach über zehn Jahren glücklicherweise noch in keinem Spam-Netz gelandet sind.

        Das einzige Problem dass ich zuletzt hatte waren Spoofer ... Das war wirklich nervig. Offensichtlich ist es ihnen aber irgendwann zu langweilig geworden.
      • Von JimSim3 Freizeitschrauber(in)
        Irgendjemand da draußen muss mächtig Geld mit nem richtig schlechtem Spam-Generator machen. Der verkauft den wahrscheinlich als spitzen Spam-Bot für deutsche Ziele an Leute die kein deutsch verstehen, und weil er ein schlechtes Gewissen hat weil so viele Menschen von seiner Erfindung belästigt werden, hat er es sich zur Aufgabe gemacht den Spam so schlecht zu generieren, das es jeder sofort merkt. Früher war der Spam wenigstens noch in sich schlüssig, zwar unverständlich weil schlecht durch den Übersetzer gejagt, aber wenigstens wurde die Story konsequent von Betreff bis Fußnote durchgezogen. Heute erhalte ich häufig Spam dessen Betreff nicht zum Inhalt passt, der erste Absatz nichts mit dem zweiten zu tun hat etc... Ich verlange qualitativ hochwertigen Spam! Was ist nur aus der spanischen Nationallotterie geworden? Wahrscheinlich privatisiert an einen nigerianischen Prinzen...
      • Von Amon Gesperrt
        Wie gut dass man Thunderbird sowas mittlerweile zuverlässig aussortiert. Ab und an gucke ich mal den Spam Ordner durch bevor ich ihn leere aber sowas kreatives hatte ich bis jetzt wirklich nicht dabei. Is immer nur das übliche, diverse Banken und Kreditkarten Unternehmen bei denen ich nicht Kunde bin bitten mich doch auf der im Link angebenen Seite meine Daten anzugeben.
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Wie PCGH zu Millionen kommt: Die wunderbare Welt des Spams - Ein Kommentar von Stephan Wilke
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Dieses Mal schreibt Stephan Wilke über die besten Spam-Kuriositäten, die PC Games Hardware in den vergangenen Jahren erhalten hat.
http://www.pcgameshardware.de/Spam-Mails-Thema-124841/News/Wie-PCGH-zu-Millionen-kommt-1153372/
14.03.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/03/Clipboard03-pcgh_b2teaser_169.jpg
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