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  • Mitten ins Gigahertz: Extremes Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015

    Luft- und Wasserkühlung? Steinzeitmethoden! Auf dem Intel Developer Forum 2015 in San Francisco kam flüssiger Stickstoff als Kühlmittel zum Einsatz, während Übertaktungs-Experten aus dem Nähkästchen plauderten.

    Dass sich Intels sechste Core-Chip-Generation gut übertakten lässt, freut nicht nur hartgesottene Overclocker. Auch PC-Spieler, die noch nie zuvor gewagt haben, Takt- und Spannungseinstellungen zu verändern, können mit einem Mainboard mit Intels Z170-Chip schnell etwas mehr Leistung aus ihrem System herauskitzeln. Dennoch beginnt Dan Ragland, Overclocking System Architect bei Intel, den Vortrag mit einem Warnhinweis: CPUs, die außerhalb ihrer Spezifikationen betrieben werden, können Schaden nehmen – und bewegen sich außerhalb der Garantiezone. Das sagt Ragland jedoch mit einem Schmunzeln, denn neben ihm hantiert Nick Shih, Overclocking-Guru bei Asrock, mit flüssigem Stickstoff, der ihn wie einen Hexenmeister immer wieder in dichten Nebel hüllt. Er kühlt so die CPUs auf zwei Asrock-Mainboards auf -196 Grad Celsius herab, damit diese bei einer rund 350 Watt thermischer Belastung nicht auf der Stelle durchbrennen. Einen Cold-Bug wie frühere Core-Prozessoren besitzt Skylake nicht mehr – die CPU bleibt also nicht stehen oder bootet nicht mehr, wenn sie "zu kalt" werden sollte. "Mit flüssigem Helium könntet ihr den Chip also bis auf -269 Grad Celsius herunterkühlen", sagt Dan Ragland, PCGHX-Mitglied der8auer kann das bestätigen.

    Übertakten in kleineren Schritten

          

    Während Nick Shih mit den Vorbereitungen für ein Übertaktungsexperiment fortfährt, gibt Dan Ragland einen kurzen Überblick über die Overclocking-Fähigkeiten der sechsten Core-Generation. Die auf der Gamescom in Köln vorgestellten Core i7-6700K und Core i5-6600K haben im Zusammenspiel mit dem Z170-PCH komplett freie Fahrt: Die BCLK-Frequenz, die Spannungskontrolle und die CPU-, Speicher- sowie CPU-Grafik-Verhältnisse lassen sich nach Herzenslust verändern. "Im Vergleich zur letzten Generation müsst ihr jetzt keine 200-MHz-Sprünge machen, sondern könnt Euch in 1-MHz-Stufen an den jeweils machbaren Wert herantasten", erklärt Ragland. Ließ sich der Speicher eines Core i7-4790K nur bis auf DDR3-2666 MHz beschleunigen, sind beim Skylake-i7 bis zu DDR4-4133 drin. Die Spannung der CPU lässt sich auf mehrere Weisen regeln: Im adaptiven Modus gibt man der CPU eine Spannung vor, die sie unter Volllast fahren soll. Im Leerlauf fällt sie dann wieder auf einen geringeren Wert zurück, was die Lebensdauer des Chips erhöht und den Stromzähler schont. Im Override-Modus bleibt die Spannung auf einem über alle Frequenzbereiche konstanten Wert. Beide Varianten lassen sich um eine Offset-Spannungsbandbreite ergänzen, die statt eines fixen Spannungswertes beim Übertakten eine zuvor definierte Spannung über die ganze Frequenzbandbreite, also auch im normalen- beziehungsweise Turbo-Modus addiert oder subtrahiert.

    Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (22) Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (22) Quelle: Intel

    Trockene Luft - höherer Takt

          

    Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (im Bild: Dan Ragland) Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (im Bild: Dan Ragland) Quelle: PC Games Hardware Stolz zeigt Dan Ragland eine Liste von sieben Benchmark-Weltrekorden und zehn weltweiten ersten Plätzen mit bestimmten Konfigurationen, die zum Start von Skylake am ersten Tag erreicht wurden. Fünf der sieben Weltrekorde und sieben der zehn ersten Plätze stammen dabei aus Deutschland. Hier setzten der auch bei uns im Forum aktive Overclocker der8auer wie auch seine Konkurrenten auf das Asus-Mainboard Maximus VIII Extreme sowie Ripjaws-4-RAM von G.Skill. Frequenzen wie 4.901,6 MHz (RAM, DDR-typisch verdoppelt) und 6.998,88 MHz (CPU) erreicht man zugegebenermaßen nur mit extremen Kühlmethoden wie flüssigem Stickstoff oder gar Helium. Auftritt Nick Shih, der mit der feuchten Luft in San Francisco seine Probleme hat. "Die Mainboards werden vom schmelzenden Stickstoff feucht - daheim ist es trockener und ich nutze einen Luftentfeuchter", verrät Shih. Er beantwortet damit auch die Frage eines Zuhörers positiv, ob es in höhergelegenen Städten zu höheren Taktfrequenzen kommen kann. Dennoch wagt er sich jetzt an einen Versuch. Zuvor gibt's einen Ausflug in Einstellungen des Mainboards namens OC Formula. "Neu ist jetzt, dass ihr auch den Microcode der CPU im UEFI verändern könnt", sagt Nick Shih. Diese Herzoperation soll allerdings ausreichend sicher sein - die CPU sollen wir uns nach den Worten von Shih nicht schrotten können.

    Vorab- gegen Serien-CPUs

          

    Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (im Bild: Nick Shih) Mitten ins Gigahertz: Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015 (im Bild: Nick Shih) Quelle: PC Games Hardware Nick Shih bewegt sich die CPU-Frequenz in recht großen Schritten nach oben. "Intel will immer höhere Rekorde", lacht er. "Allerdings sind kleinere Schritte sinnvoller, denn dadurch erkennt man besser, ab wann der Takt zu Instabilitäten führt." Bei unserem Test sind 5,6 GHz noch stabil, ein Schritt auf 5,7 GHz verpackt das System dann unter Last nicht mehr. "Tut mir leid, heute kann ich den Weltrekord wohl nicht brechen", sagt Nick Shih verschmitzt. Darauf angesprochen, dass bei vielen Tests keine Serien-CPUs zum Einsatz kommen, sondern die sogenannten "Engineering Samples", antwortet Shih: "Wir könnten uns die fertigen Chips nicht in den Mengen leisten, in denen wir sie bei unseren Übertaktungs-Abenteuern verbrauchen." Im Handel erhältliche CPUs sind nach einhelliger Meinung der Vortragenden noch eine Spur flinker als die Vorserienmodelle. Und dann verrät Nick Shih noch, warum Overclocking auch für einen großen Hersteller wie Asrock kein billiges Vergnügen ist: "Wir verbrauchen bei unseren Experimenten pro Jahr Mainboards im Wert von rund 17.000 US-Dollar."

    Kampf der Kerne

          

    Während Nick Shih seine Mainboards einmal mehr trocknet und herunterkühlt, gibt Dan Ragland einen kurzen Exkurs ins Overclocking von Intels Core i7-5960X mit Intels X99-PCH. Trotz der nicht ganz so hohen Frequenzen sorgen die acht Kerne beziehungsweise 16 Threads dafür, dass er dem Skylake etwa bei Multithreaded-Benchmarks wie Cinebench davonzieht. "Spieler sind mit einem Skylake trotzdem besser bedient", so Raglands Fazit. Denn der Programmcode von Spielen ist nicht auf so viele Kerne ausgelegt und auch deutlich inhomogener als etwa bei der Videotranskodierung, bei der alle Kerne mit Volldampf arbeiten können, ohne auf Eingaben des Spielers reagieren zu müssen. Als Tuning-Software kommt übrigens Intels Extreme Tuning Utility zum Einsatz, dessen neueste Version 6.0 unter www.intel.com/go/xtu kostenlos heruntergeladen werden kann.

    Wasser marsch!

          

    Abschließend darf Colin Brix ans Mikro. Er arbeitet bei Corsair als Director of Technical Marketing & PR. Er beruhigt alle Besitzer von Peripheriegeräten für die 4. beziehungsweise 5. Generation von Intels Core-CPUs: "Eure Netzteile und Hydro-Wasserkühlungssysteme funktionieren auch mit Skylake" – klar, immer sind die Lochabstände aller 115x-Sockel gleich. Er empfiehlt selbstverständlich allen Hobby-Übertaktern, die keinen Stickstofftank neben ihrem PC stehen haben, zu einer Wasserkühlung: "Wasser kühlt besser als Luft - an den Gesetzen der Physik lässt sich nicht rütteln." Geschlossene Wasserkühlungen müssen auch nicht mehr gewartet werden – hier verdampft keine Flüssigkeit, die man dann mühsam nachfüllen muss, ohne dabei etwas auf das Mainboard zu verschütten. Und wer Nick Shih nacheifern will: In seinem OC-Formula-Mainboard kamen neben dem Core i7-6700K eine Geforce GT 630 und zwei Corsair-DDR-4-Riegel vom Typ Vengeance LPX zum Einsatz. Sollte dann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die CPU über den Jordan gehen: Intel bietet eine mit 30 US-Dollar relativ günstige Versicherung an. Bei einem Defekt tauscht der Hersteller dann den kaputten Prozessor gegen einen neuen aus, wie uns Dan Ragland bestätigte.

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    10:27
    Intel Core i7-6700K - Video zum Skylake-Test
    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    AMD Zen ab 2017: Alles zu Release-Termin, CPU-Sockel, technische Daten [Update]
      • Von DKK007 Moderator
        Man kann ja auch nen neue Biosversion rausbringen, in der nur der Microcode geändert ist.
      • Von Roland Austinat Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von DKK007
        Microcode wir meistens über das Biosupdate aktualisiert.

        Eine ältere Story dazu von unserem Rechnerarchitektur-Professor:
        Der Clou scheint beim ASRock-Board zu sein, dass man den Microcode unabhängig vom BIOS aktualisieren kann. Soll heißen: Wenn ein BIOS stabil läuft, muss man kein womöglich instabileres laden, um den Microcode auf den neuesten Stand zu bringen. Wenn natürlich neue Microcodes nur über neue BIOS-Versionen zugänglich sind, stimmt das nicht.
      • Von DKK007 Moderator
        Microcode wir meistens über das Biosupdate aktualisiert.

        Eine ältere Story dazu von unserem Rechnerarchitektur-Professor:
        Zitat
        Einer der Großrechner in der Uni sollte Leistungsmäßig verbessert werden. Hatte mehrere Tausend DM gekostet. Kommt dann ein Techniker vorbei und meint so "Heute gibts den neuen Rechner". Der steckt ne große Diskette ein, macht ein Microcode-Update und danach lieft das Ding 30% schneller. Wenn man das vorher gewusst hätte.
      • Von Roland Austinat Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von Quppi
        "Neu ist jetzt, dass ihr auch den Microcode der CPU im UEFI verändern könnt", sagt Nick Shih. Diese Herzoperation soll allerdings ausreichend sicher sein - die CPU sollen wir uns nach den Worten von Shih nicht schrotten können."

        Kann mir jemand den Sinn dieses Satzes erklären? Ich dachte Mikrocode ist der hartgecodete Teil, der direkt nach dem start ausgeführt wird. Was bringt es da etwas zu ändern und was genau kann man da ändern?
        Let me google this for you: https://de.wikipedia.org/....
      • Von Quppi Freizeitschrauber(in)
        "Neu ist jetzt, dass ihr auch den Microcode der CPU im UEFI verändern könnt", sagt Nick Shih. Diese Herzoperation soll allerdings ausreichend sicher sein - die CPU sollen wir uns nach den Worten von Shih nicht schrotten können."

        Kann mir jemand den Sinn dieses Satzes erklären? Ich dachte Mikrocode ist der hartgecodete Teil, der direkt nach dem start ausgeführt wird. Was bringt es da etwas zu ändern und was genau kann man da ändern?
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Mitten ins Gigahertz: Extremes Skylake-Overclocking auf dem IDF 2015
Luft- und Wasserkühlung? Steinzeitmethoden! Auf dem Intel Developer Forum 2015 in San Francisco kam flüssiger Stickstoff als Kühlmittel zum Einsatz, während Übertaktungs-Experten aus dem Nähkästchen plauderten.
http://www.pcgameshardware.de/Skylake-S-Codename-260925/Specials/Overclocking-IDF-2015-1168481/
19.08.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/04/Intel_IDF_2015-pcgh_b2teaser_169.jpg
intel,oc,idf,overclocking,übertakten
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