Nvidia Shield mit Android 5.0 ausprobiert: Was ändert sich?
Seit heute verteilt Nvidia die neue Android-Version 5.0 "Lollipop" für ihr Shield Tablet. Damit gehört Nvidia zu den ersten Drittherstellern, die Ihr Android-System auf den neuesten Stand bringen. Mit dabei sind neue Versionen des Nvidia Shield Hubs sowie dem Malprogramm Dabbler. Wir haben uns die Neuerungen des Softwarepakets angesehen.
Quelle: PCGH
Homescreen
Die Vielfalt des Android-Universums ist auch seine Krux: Bei weitem nicht alle Hersteller liefern zeitnah Android-Updates für ihre Geräte, sofern denn überhaupt welche erscheinen. Dieser Kritik will sich Nvidia offensichtlich gar nicht erst aussetzen, denn das Android-5.0-Update für das Shield-Tablet ist bereits fertig und wird seit heute, den 18. November verteilt. Wir hatten Gelegenheit, bereits vorher einen Blick auf die Aktualisierung zu werfen.
Topaktueller Unterbau
Bereits die Vorgängerversion des Shield-OS war ein Standard-Android ohne große Modifikationen. Diese sind laut Behauptungen diverser Hersteller ein Vorteil, wenn es darum geht, sich von Konkurrenten abzugrenzen. Da Google bei neuen Android-Versionen den Herstellern den Zugang zum Android-Source-Code aber erst gleichzeitig mit dem ganzen Rest der Welt gewährt, sind diese Modifikationen oft ein Nachteil: Sie müssen dem AOSP-Android erst übergestülpt werden, bevor ein Update erscheinen kann. Das dauert oft Monate.
Immer mehr Hersteller verzichten deshalb auf Anpassungen von Android, um so ohne großen Aufwand neue Versionen ausrollen zu können. So auch Nvidia, deren Android 5.0 nur mit minimalen Anpassungen auskommt und das sein Update fast direkt nach der Nexus-Serie bekommt. Die technische Verwandtschaft des Shield zum Google-Tablet Nexus 9 hat sicherlich dazu beigetragen. Die Neuerungen des aktuellen Google-OS dürfen den meisten hinreichend bekannt sein, weshalb wir hier nur grob auf die neuen Funktionen eingehen.
Material Design: Flaches 3D
Quelle: PCGH
App Drawer
Die offensichtlichste Neuerung ist die neue Oberfläche "Material Design". Diese beerbt das seit Android 4.0 vorhandene Holo. Material Design ist auf den ersten Blick zwar ein flaches Design, das wie bei Windows 8 auf großen einfarbigen Flächen ohne weitere Merkmale basiert, allerdings besitzen die Flächen eine Lage im virtuellen Raum, sodass sie meist klar erkennbar über oder unter anderen Bedienelementen eingeordnet werden können. Zudem gibt es neue Animationen. Neue Programmoberflächen erscheinen normalerweise nicht aus dem Nichts auf der Anzeige, sondern rutschen meist von einer Bildschirmseite hinein. Manchmal zoomen Sie auch direkt vom Ort des zuvor gedrückten Buttons auf Vollbildgröße heraus. Google will so die Funktionsweise des GUI nachvollziehbarer machen.
Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Benachrichtigungen: Lollipop zeigt diese direkt auf dem Sperrbildschirm an. Ein Wisch ausgehend von der Benachrichtigung nach unten maximiert die Statusmeldung, eine Berührung öffnet die dazugehörige App. Benachrichtigungscenter und Schnelleinstellungen sind nicht mehr zweigeteilt, sondern befinden sich in einem kombinierten Menü. Ein Wisch vom oberen Bildschirmrand öffnet das Benachrichtigungscenter, ein weiterer Wisch nach unten dehnt den oberen grau-grünen Bereich zum Schnelleinstellungs-Fenster aus.
Der App-Drawer entspricht in seiner Darstellung nun eher einem Ordner aus Android 4.4, nur dass dieser bildschirmfüllend ist. Zudem wurden die Einstellungen überarbeitet: Dadurch, dass die Einstellungspunkte nun zweispaltig sind, passt fast das komplette Menü auf den Bildschirm des Shield. Bei der Darstellung der geöffneten Apps, gemeinhin auch "Taskmanager" genannt, orientiert sich Google bei der Tab-Darstellung von Chrome Mobile: Die Anwendungen sind wie in einem Karteisystem angeordnet und dürfen vertikal durchscrollt werden.
Nicht sichtbar ist die neue ART (Android Runtime). Diese ersetzt den bisher vorhanden Dalvik-JIT-Compiler ("Just in Time") und kompiliert neu installierte Apps bei der Installation speziell für den Gerätetyp. Dadurch soll die Ausführung von Apps deutlich schneller werden.
Aktualisierte Nvidia-Apps
Quelle: PCGH
Dabbler, neue Oberfläche
Einige kleine Unterschiede von Nvidia-Geräten zu denen anderer Hersteller gibt es dann doch. Diese äußern sich aber vor allem in Nvidia-exklusiven Apps. So haben sowohl das Malprogramm Dabbler als auch die für das Spiele-Streaming notwendige App Shield Hub ein Update bekommen. Dabbler trägt nun die Versionsnummer und hat ein für Material Design angepasstes GUI. Zudem wurde das Programm um einige Funktionen erweitert. So unterstützt Dabbler nun Layer, zudem lassen sich Schablonen als Zeichenhilfe nutzen. Auf Wunsch lassen sich die Mal-Sessions als Video aufzeichnen oder per Twitch ins Netz streamen.
Ein imposanteres, wenn auch für Europäer noch nicht nutzbares Feature hat der Shield Hub bekommen. Dieser besitzt nun eine Anbindung an Grid, einem "Games on Demand"-Dienst von Nvidia. Setzte das Spielestreaming bisher einen Gamestream-fähigen Rechner im eigenen Heimnetz vorraus, auf dem das Spiel lief, kann das Tablet Spiele nun völlig unabhängig vom heimischen Gaming-Rechner für PC-Spiele verwendet werden. Als Mindestanforderung für den Dienst gibt Nvidia einen Downstream von 10 Mbit/s sowie einen Maximal-Ping von 60 ms an. Die durchschnittliche Verzögerung soll bei etwa 150 ms liegen, womit Spiele abseits schneller Action-Kracher noch recht gut spielbar sein sollten. Im ersten Quartal 2015 soll der Dienst auch hier in Europa an den Start gehen. Er soll sich für mehrere Monate kostenlos testen lassen, bevor dann ein monatlich zu entrichtender Obolus fällig wird.


Update: Läuft wirklich butterweich. Und der Grafikstil gefällt mir sehr. Kann nur nach wie vor Simpsons nicht spielen, aber da gibt es ja ständig Probleme auf allen Geräten