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  • Rise of the Tomb Raider - Technisches Making-of: die Zähne, Augen und Wunden der Lara Croft

    Fischaugen waren gestern, für Rise of the Tomb Raider wurde sogar die Retina von Lara-Croft-Darstellerin Camilla Luddington vermessen und die Reflektionen darauf berechnet. Crystal Dynamics hat uns auf E3 und Comic Con sehr detailliert erklärt, wie ihre Hauttechnologie funktioniert, warum die junge Britin aus Californication und Grey's Anatomy dafür in die Kältekammer musste und modifizierte Software für Schönheits-chirurgen für mehr Authentizität in Games sorgt. Von Ryan Southardt / Benjamin Kratsch

    Spiele sind nicht nur ein Multi-Milliarden-Dollar-Business, sie sind vor allem Kunst und machen ihre Erschaffer nicht selten selbst sprachlos. Kam Yu, Senior Character Artist von Rise of the Tomb Raider saß gerade tief versunken an seinem Rechner und arbeitete am Modellder neuen Lara, da tätschelte ihm Camilla Luddington auf die Schulter. Camilla spielt seit dem ersten Tomb Raider die britische Schatzjägerin, sie wurde gebeten noch einige Details mit Robins zu besprechen. Doch der fühlte sich, als würde eine digitale Kopie des Hollywood-Stars in seinem Büro stehen. Die Art wie sich kleine Falten um ihre Lippe herum bildeten, wenn sie lacht, das war im digitalen Abbild bis aufs kleinste Detail so wie bei der Schauspielerin vor ihm. Der Verlauf der Nase, der kleine Schönheitsfleck links, die Anzahl der gezupften Wimpern, alles sprichwörtlich bis aufs kleinste Haar identisch. "Es ist fast schon gespenstisch, wie exakt wir heute einen Menschen digital replizieren können, zumindest äußerlich", erklärt der gebürtige Kanadier. "Beim Full-Performance-Motion-Capturing verraten uns Sensoren an den Augenbrauen, wie oft Camilla blinzelt, wie sich die Stirn bewegt und die Augenbrauen hochziehen, wenn sie aufgeregt, nervös oder ängstlich ist." Camilla beherrscht sieben Arten die Stirn zu runzeln, das lernt man offensichtlich beim Studium der Theaterwissenschaften in der renommierten Oxford University. Trotzdem spielte sie vor Lara eher in weniger anspruchsvollen Serien mit - in Californication ist sie öfter nackt zu sehen, als bekleidet. Als Lara Croft kann sie zeigen, was sie kann, das erkannte auch Hollywood: wie uns Camilla verriet, brachte ihr die Rolle im ersten Tomb Raider-Reboot die Aufmerksamkeit des Castingchefs von Grey's Anatomy und letztlich eine Hauptrolle ein.

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    Rise of the Tomb Raider: So wird Lara zum digitalen Leben erweckt

    Das Lachen ist nicht einfach

    "Als Gamer haben wir früher so ziemlich jeden Fehler vergeben, die Zeiten sind vorbei" - Kam Yu muss lachen. Er referenziert die recht krude Zeit der Unreal-Engine-3-Figuren, die oft strahlten, als hätte man sie mit Sonnenöl eingeschmiert. "Nehmen wir ganz simple Dinge, wie das Lachen: dabei bewegt sich der Kiefer, unsere Lippen ziehen sich zusammen, je nachdem was für ein Lach-Typ Sie sind, bilden sich leichte oder tiefere Falten an den Seiten und ist auch mehr von ihren Zähnen zu sehen." Reflektionen sind dabei ein großes Thema, in Spielen früherer Generationen blinkten die Beißerchen der Protagonisten oft wie in einem Zahnpflege-Werbespot. "Zahnschmelz reflektiert aber eigentlich nur ganz wenig", erklärt Kam. "Nur wenn Sie Ihre Zähne bleachen, strahlen Sie richtig. Deshalb machen das in Hollywood alle." Einer der Punkte, wo Crystal Dynamics von seinem Modell abweichen musste: Camilla hat nämlich auch gebleachte Zähne, Lara im Spiel hingegen lediglich gepflegte weiße, aber wenig reflektierende. Lara lächelt oft, gerne auch sarkastisch eingesetzt, ein bisschen wie Nathan Drake in "Uncharted 4".

    Wie reagiert Haut bei -57 Grad? Camilla in der Kältekammer

    Lara ist eine wunderschöne Frau, das soll auch so bleiben. Besonders schwierig ist das für die Charakterdesigner und Techniker, weil es in Rise of the Tomb Raider unterschiedliche Extrem-Klimazonen gibt. So hat Crystal Dynamics Camilla zwar auch in eine Kältekammer geschickt, um die Reaktionen auf die Haut zu testen, "allerdings werden es in Sibirien bis zu - 57 Grad. Das ist eine Temperatur, die man der Haut kaum über längere Zeit aussetzen kann." Deshalb nutzt das Team Software, die ursprünglich für Schönheitschirurgen sowie medizinische Hauttransplantationen entwickelt wurde. "Wir haben Hautstruktur-Software so mit eigenen Add-ons erweitert, das wir Temperatur halbwegs gut simulieren können." Generell muss das Team hier allerdings die Balance zwischen Authentizität und Schönheitsideal wahren: "Lara ist eine wunderschöne Frau, das soll auch so bleiben. Wir lassen die Kälte also nicht zu extrem auf ihre Haut wirken, weil ab einer gewissen Temperatur niemand mehr gesund aussieht. Laras Lippen laufen also nicht so stark an, wie das in Wirklichkeit der Fall wäre. Auch sind ihre Wangen zwar stark errötet, sie bekommt aber keinen Gefrierbrand im Gesicht." Bei einem Ausflug nach Sibirien würden auch die wenigsten Frauen ständig frischen Lipgloss auftragen, Concealer gegen Augenringe und Mascara für vollere Wimpern verwenden, aber hey Miss Croft kommt schließlich aus gutem Hause.

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    Rise of the Tomb Raider: Mehrere Minuten Gameplay vom Xbox Media Briefing

    Die richtige Anatomie: der Chefdesigner hat Medizin studiert

    Wie wichtig Crystal Dynamics lebensechte Anatomie ist, zeigt sich schon an Senior Character Artist Kam Yu selbst: er hat Medizin studiert und im Nebenfach Medizinische Illustration. An Hand eines Modelles, das Lara nur im Sport-BH zeigt, demonstriert er die Bewegung der Muskeln. "Wenn sich Lara nach rechts dreht, dann geht die ganze Bauch- und Rückenmuskulatur mit." Das sieht man kaum unter der dicken Ski-Jacke der letzten Demo, dafür umso stärker in den weitläufigen Höhlen in südlichen Gefilden, wobei das Team den Ort nicht verraten möchte.

    Könnten Ruinen in Südamerika sein, vielleicht haben Sie ja eine detaillierte Idee? Jedenfalls benutzt das Team sogenannte Wrinkle Maps, die basierend auf der Muskelbewegung Falten in ihrem Tank-Top werfen. Bückt sich Lara nach unten, rutscht es leicht hoch und der Stoff liegt sehr straff an. Dehnt sie ihren Körper nach links, wirft es je nach Grad unterschiedliche Falten, die sich mit dem Neigungswinkel entsprechend verstärken.

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    Rise of the Tomb Raider: Video-Vorschau - die Infos zu Laras Sibirien-Expedition

    Die Wunden der Lara Croft und wie sie die Story beeinflussen

    Geschrieben wird die Geschichte wieder von Rhianna Pratchett, die übrigens die Tochter des legendären Scheibenwelten-Pratchett ist. "Der Titel Rise of the Tomb Raider sagt schon sehr viel, über die Story. Wir zeigen eine erwachsenere Lara, die viel durchgemacht hat, dadurch aber auch härter im Nehmen ist", so die Autorin auf einem Panel auf der Comic Con. Auf der technischen Seite ist diese direkte Evolution eine große Herausforderung für das Team: "Es gab im ersten Teil viele geskriptete Momente, in denen sich Lara brutal verwundet hat. Lara ist durch die Ausdrucksstärke der Augen, die Texturierung der Haut und vor allem auch ihre perfekt designten Lippen und Zähne schwer von einer echten Frau zu unterscheiden. Lara ist durch die Ausdrucksstärke der Augen, die Texturierung der Haut und vor allem auch ihre perfekt designten Lippen und Zähne schwer von einer echten Frau zu unterscheiden. Quelle: Crystal Dynamics Beispielsweise der Nagel, der sich durch ihren Bauch bohrte", erklärt Kam. "Prinzipiell behält Lara alle Narben bei, wir mussten also einen subtilen Weg finden, um sie deutlich zu zeichnen, aber trotzdem Raum für neue Wunden zu lassen." Generell wird im neuen Abenteuer mehr mit Echtzeit-Layern gearbeitet, sprich das Spiel scannt an Hand von Hitboxen wo bestimmte Körperteile mit hartem Untergrund in Berührung kommen und leitet daraus Schrammen, Kratzer & Co. ab. Stürzt Lara von einem Baum, schabt sie sich beim Aufprall auf einen dicken Ast Haut ab und reißt sich eine lange Wunde. Erwischt ein Braunbär sie mit seinen langen Krallen am rechten Bein, reißen die je nach Intensität nur Haut ab oder bohren sich tief ins Fleisch. Gefakte Kämpfe mit geskripteten, vorberechneten Verletzungen sind also Schnee von gestern. Außerdem reagiert die Kleidung stärker auf Blut, ein Tank-Top aus dünnem Stoff saugt sich schneller mit dem Saft des Lebens voll, als eine Ski-Jacke, wo man das auch in der Realität kaum sehen würde. Auch hier spielt die Temperatur eine große Rolle: bei Hitze vermischt sich Blut, das beispielsweise aus einer von Laras häufigen Kopfverletzungen über die Wangen Richtung Hals läuft, mit Schweiß und in staubigen Gebieten auch Dreck. In Sibirien hingegen gerinnt das Blut schneller auf der Haut.

    Königsdisziplin Retina: die richtige Reflektion in den Augen

    Das menschliche Auge in all seinen Facetten digital zu replizieren, ist eine der schwierigsten Aufgaben in jedem Spiel. Selbst in Produktionen wie Call of Duty: Advanced Warfare, wo alleine Kevin Spacey ein paar Mio. für seine Rolle abruft (laut allamericanspeakers.com kostet alleine eine Rede des House-of-Cards-Präsidenten 200.000 US-Dollar aufwärts), sind die Augen der Protagonisten in einigen Szenen so glupschig wie bei Fischen. Nicht so bei Lara: "Wir benutzen nur ein Mesh pro Auge", erklärt Kam. "Aber die Art, wie es Schatten wirft, wirkt so als liege eine Hornhaut über der Iris. Wir benutzen Parallaxing, dadurch sehen ihre Augen immer etwas anders aus, je nach Blickwinkel." Tatsächlich arbeitet Crystal Dynamics mit vielen Close-Up-Perspektiven, in denen sich die Farbe der Iris dezent ändert, je nachdem wie das Licht gebrochen wird. Ab einem gewissen Punkt gehe das Auge in das Augenlid über, wo es je nach Situation etwas feuchter ist. "Kälte oder Hitze macht sich auch in den Augen bemerkbar, das Lid kann sich entzünden", so Laras Schöpfer, der übrigens schon seit Tomb Raider: Legend hauptverantwortlich ist für alle Lara-Modells. Für ihn hat sich die smarte Britin nicht nur von Doppel-D zu 38C gewandelt, sondern der ganze Körper bildet viel stärker eine Einheit: "Generell haben wir im letzten Teil den Fehler gemacht, die einzelnen Elemente des Auges zu isoliert zu betrachten. Für die optimale Immersion ist es wichtig, das Wimpernaufschlag und Blinzeln eine Einheit mit dem Auge selbst bilden. "90 Prozent der Schauspielerei machen Sie mit den Augen", fügt Camilla hinzu. Ob Sie aufgeregt sind und die Augen weit aufreißen, vorsichtig um die Ecke schielen oder willensstark den Blick fokussieren, das funktioniert alles nur über Augenkontakt."

    Rise of the Tomb Raider erscheint am 10. November 2015 für Xbox One. PC-Gentlemen dürfen Miss Luddington erst Anfang 2016 zum Date bitten.

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    Rise of the Tomb Raider: So wird Lara zum digitalen Leben erweckt
    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    Rise of the Tomb Raider PC - Release, Systemanforderungen, Technik
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Rise of the Tomb Raider
Rise of the Tomb Raider - Technisches Making-of: die Zähne, Augen und Wunden der Lara Croft
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http://www.pcgameshardware.de/Rise-of-the-Tomb-Raider-Spiel-54451/Specials/Technisches-Making-of-1166591/
05.08.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/08/Lara_03-pcgh_b2teaser_169.jpg
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