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  • Ori and the Blind Forest angespielt: Das beste und hübscheste Indie-Spiel des Jahres?

    Inspiriert von Pixar: Thomas Mahler erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden und ringt seinen Spielern bereits in den ersten Minuten große Emotionen ab. Quelle: Moon Studios

    Ein ehemaliger Videokünstler von Blizzard will das Spielerherz mit dem Artdesign von Studio Ghibli und der pixelgenauen Steuerung von Super Mario erobern. Doch was steckt hinter Ori and the Blind Forest? Von Benjamin Kratsch / Ryan Southardt

    Gott ist dieses Ori schön. Wenn Sie durch diese Explosion der Farben wandeln und die Atmosphäre in sich aufsaugen, fühlt sich dieser kleine, große Indie-Titel für PC und Xbox One an, als würde ein Gemälde zum Leben erwachen. Es basiert auf 2D, aber die Welt ist ständig in Bewegung. Aus dem Hintergrund fallen Sonnenstrahlen, die von Pflanzen reflektiert werden. Die Sonne wandert förmlich, immer wieder ändert sich die Lichtstimmung und je nach Intensität wirkt das digitale Bild wie ein Aquarell-Gemälde. Mal sind die Strukturen von Bäumen ganz hart gezeichnet, mal ganz weich. Mal ist es hell, dann wird es dunkel und jede einzelne Pflanze fluoresziert. Ein Strauch wirft rot-pinke Blätter ab, ein Farn leuchtet blau und überall tanzen tausend kleine Lichter so wie in James Cameron's Avatar.

    Ori and the Blind Forest von den österreichischen Moon Studios ist Microsofts neuer Star am Indie-Firmament und nach der erfolgreichen Enthüllung auf der E3 war es jetzt endlich auch in mehreren Leveln anspielbar. Es ist einer dieser Titel, der Sie sofort mit seinem Charme in seinen Bann zieht. Nicht nur die Atmosphäre erinnert an eine Märchenwelt, auch der kleine Protagonisten-Waldgeist Ori ist ein putziges Kerlchen, der halb transparent durch eine Dschungellandschaft streift, die von einem bösen Geist verflucht wurde. Langsam verfärbt sich die Farbenpracht, wird aus einem strahlenden Hellgrün in den Bäumen ein sehr dunkles, fast schon Schwarz-Grün. Ori arbeitet dramaturgisch mit recht simplen Mitteln, die Sie aus Kinderfilmen kennen. Wo sich beispielsweise der Schatten des Bösen immer weiter in die heile Welt hineinfräst. Doch es ist viel mehr als nur ein Art-Game, wie Chefdesigner Thomas Mahler nicht müde wird zu betonen.

    Blizzards ehemaliger Video-Künstler ist der neue Star an Microsofts Indie-Himmel

    Thomas Mahler studierte Bildhauerei, bewarb sich bei Blizzard, zog nach Kalifornien und stieg dort zum Cinematic Artist auf. Ihm haben Sie beispielsweise die atmosphärisch dichte Eingangssequenz von "Starcraft 2" und den coolen Enthüllungstrailer mit Jim Raynor zu verdanken. Das Inszenieren liegt ihm im Blut und besonders haben es ihm schnelle Erzähltechniken angetan. "Ich habe damals mal Up (im dt. Oben) im Kino gesehen. Ein genialer Pixar-Streifen, der es schafft, innerhalb der ersten Minuten das gesamte Leben eines Paares zu erzählen. Vom ersten Kennenlernen bis zum Tod." Aus diesem Grund fungiert auch das recht kurze, nur wenige Minuten lange Intro als Schnelldurchlauf für die Geschichte des Waldgeistes Ori. Er wird aus seiner Welt verbannt und lernt Naru kennen, die ihn wie eine Mama groß zieht, ihm alles beibringt, was man im Dschungel können muss und zum Ende des Intros stirbt. Eine Szene, die schon bei der Enthüllung auf der E3 für viel Aufmerksamkeit sorgt. "Ich war überrascht und überwältigt von den Reaktionen des Publikums", erinnert sich Mahler. "Ich habe immer so vorsichtig in die Gesichter der Leute geschielt und konnte es kaum fassen, wie einige richtig traurig wurden, als Ori seine Mama anstupst und auf sie krabbelt, um ihr Essen in den Mund zu schieben. Echte Emotionen in Videogames sind so, so selten geworden."

    "Ori ist nicht nur eines dieser Arthouse-Spiele, die Leute zum Weinen bringen soll"

    Laut Mahler ist es in der Spielebranche sehr schwierig, emotionale Werke zu entwickeln, weil man sehr schnell in eine Schublade gesteckt würde: "Ich mag den Begriff Art-Game nicht sonderlich, weil es viele Spiele gibt, die einfach nur auf Emotionen setzen und ihre Spielmechaniken völlig vernachlässigen. Wir sind eher ein Castlevania meets Super Metroid mit sehr eigenem Design und ziemlich harten Plattform-Einlagen." Tatsächlich spielt sich Ori recht anspruchsvoll, wird aber kein Super Meat Boy, und Sie müssen nicht ständig Levels von vorne beginnen. Stattdessen finden Sie Geisterenergie-Zellen, mit denen sich an recht gütig verteilten Portalen immer wieder speichern lässt. Diese sogenannten Seelen-Links kosten allerdings Energie, die dann wiederum im Gefecht oder bei den knackigen Jump-and-Run-Einlagen fehlt. In einer fiesen Fallen-Ansammlung müssen Sie ständig vor Feuerstößen in Deckung gehen und fahren auf einer Art Rolltreppe nach oben, da machen Doppelsprünge den Alltag deutlich leichter. Aber auch die kosten Energie. Profis springen hier einfach normal durch und können im anschließenden Kampf gegen ein gehörntes Wildschwein-Wesen mit dickem Panzer oder gegen einen fliegenden Eisdrachen einen Feuerball oder eine Schockwelle verwenden. Wer den Balken bereits vorher leersaugt, sucht hier nur noch das Heil in der Flucht.

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    Ori and the Blind Forest: Gameplay-Video von der Gamescom

    Pixelgenaue Steuerung Marke Mario, aber mit mehr Wahlmöglichkeiten

    "Wir können heute ein bisschen zu viel", flachst Mahler. "In diesem Wust aus geskripteter Action, choreografierten Mocap-Aufnahmen und häufig sehr getrieben wirkendem Gameplay ist so ein bisschen die Präzision auf der Strecke geblieben", meint der Österreicher, den es nach vielen Jahren in Kalifornien wieder nach Wien geführt hat. "Nintendo hat Mario nie revolutioniert, durch seine behutsame Evolution hat er aber auch nie die Perfektion seiner pixelgenauer Steuerung verloren." Auch Ori steuert sich extrem genau, was sehr wichtig für die verwinkelten Level ist. Nicht selten müssen Sie mit einem großen Blatt, das als Fallschirm dient, von einer höheren Ebene nach unten segeln und dabei aufpassen, nicht an scharfen Felskanten hängen zu bleiben. Ori hat allerdings auch einige leichte Rollenspielelemente wie einen Erfahrungspunkte-Baum. Dort entscheiden Sie sich für Fähigkeiten, die mehr Komfort bringen, wie beispielsweise dem Seelen-Magnet, der alle Seelen und Energiepunkte automatisch zu Ori fließen lässt. Und Angriffsoptionen wie ein Feuerball, der entweder in seiner ganzen Größe auf einen Feind aufschlägt oder sich vorher in zwei kleinere für mehr Flächenschaden verteilt. Die Castlevania-Elemente wiederum zeigen sich in Spezialfähigkeiten wie Markierungen auf der Karte. Sehr oft stoßen Sie nämlich auf Areale, die erst mit höherem Level oder einem bestimmten Schlüssel zugänglich sind - und um sich deren Boni nicht entgehen lassen zu müssen, können Sie sich die Stellen auf der großen Karte markieren.

    Fazit: Ori and the Blind Forest

    Ori and the Blind Forest ist ein audiovisueller Genuss, der mit vielen smarten Tricks aus einer 2D-Szenerie den Eindruck einer Welt erweckt, die ständig in Bewegung ist. Die Dynamik entsteht aus den drei Bildern, die jeweils die Szenerie stellen. Es gibt ein dynamisches Hintergrundbild, bei dem beispielsweise Vulkane speien oder dichtes Mondlicht einstrahlt und im Vordergrund läuft gerne mal der schwarze Schatten eines Vogels umher, der Ihnen jedes mal wieder einen Schrecken einjagt. Die bespielte Hauptbühne liegt in der Mitte, auch hier ist viel in Bewegung, tanzen tausende kleine Lichter umher und verzaubert die Unity Engine. Ori ist auch gerade deswegen so beeindruckend, weil es von einem winzigen Team geschaffen wurde. Neben Mahler arbeiten gerade mal acht Leute an dem Titel, trotzdem ist er eben nicht nur schön und mystisch, sondern bietet auch viel Spieltiefe. Es fühlt sich an wie eine interaktive, sehr harmonisch und perfekt ausbalancierte Studio-Ghibli-Produktion. Es ist oft schnell, rasant und hitzig in seinen Kämpfen, lässt Ihnen aber auch Zeit, die oft düstere Atmosphäre in sich aufzusaugen. Doch Ori ist mehr als nur schön, es hat auch erstaunlich viel Tiefe. Da sind zum einen zahlreiche Fähigkeitsbäume, die Komfort, Defensive oder Offensive stärken, sowie unterschiedlich farbige Steine, die nur Mauern der jeweiligen Kolorierung zerstören können. Sie finden Kartenstein-Fragmente, die zusammengesetzt eine Gesamtkarte wie bei Indiana Jones ergeben und neue Boni-Level enthüllen.

    Ori and the blind Forest erscheint im 3. Quartal 2014 für PC sowie Xbox One und hat beste Chancen auf den Titel für das beste Indie-Spiel des Jahres.

  • Ori and the Blind Forest
    Ori and the Blind Forest
    Publisher
    Microsoft
    Release
    11.03.2015

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    Es gibt 16 Kommentare zum Artikel
    Von Soulzerker
    Ich liebe die Grafik. Oft mag ich mehr ultrarealistisches, aber das sieht einfach sehr schön aus. Mir gefällt es auch,…
    Von c137
    Ich weiß nicht, was du mit damit sagen willst...
    Von PCGH_Thilo
    Wieso sollten wir eine so dicke Vorschau für ein Spiel machen, das nur für die Xbox One erscheint?
    Von Noxxphox
    Naja man ist sehr eingeschränkt usw... Ich gehöre definitiv nicht zur zielgruppe... AberEs sieht gut aus und denke…
    Von Kinguin
    Also wenn ich mir das so ansehe erinnert es mich eher an ein 2D Platformer im Stile eines Metroidvanis - und die…
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Ori and the Blind Forest
Ori and the Blind Forest angespielt: Das beste und hübscheste Indie-Spiel des Jahres?
Ein ehemaliger Videokünstler von Blizzard will das Spielerherz mit dem Artdesign von Studio Ghibli und der pixelgenauen Steuerung von Super Mario erobern. Doch was steckt hinter Ori and the Blind Forest? Von Benjamin Kratsch / Ryan Southardt
http://www.pcgameshardware.de/Ori-and-the-Blind-Forest-Spiel-54455/Specials/Vorschau-1132960/
19.08.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/08/Ori_02-pcgh_b2teaser_169.jpg
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