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  • Der Razer-CEO im Interview über Ölkühl-PC Project Christine, den THX-Kauf und das Blade Pro
    Quelle: PC Games Hardware

    Der Razer-CEO im Interview über Ölkühl-PC Project Christine, den THX-Kauf und das Blade Pro

    Min-Liang Tan ist ein Mann klarer Worte: Im Interview mit PC Games Hardware beschwert er sich über die mangelnde Innovations- und Investitionsbereitschaft anderer PC-Firmen und die To-Do-Listen-Mentalität von Zulieferern. Außerdem exklusiv bei uns: In welchem Stadium sich das Öl-gekühlte Project Christine befindet und warum er THX für den perfekten Entertainment-Partner hält.

    Hinweis: Wir haben bereits ein großes Hands-On mit dem Razer Blade Pro veröffentlicht.

    Min-Liang Tan ist kein klassischer Manager: Wo die meisten Tech-CEOs vor einem Interview von ihrer Assistentin gebrieft und mit frisch gebrühtem Kaffee versorgt werden, spielt Tan Doom. "Eine Sekunde, ich muss noch schnell dieses Level abschließen. Verdammt, ist das gut. Und so schnell. Ich liebe es." Obwohl er einen 1,5 Milliarden US-Dollar schweren Konzern aufgebaut hat, ist Tan ein echter Gamer geblieben. Und während andere Manager sich oft mit Phrasen der Marke "Mit meinem Sohn spiele ich gerne mal FIFA" entlarven, redet Tan lieber über Doom, The Witcher 3, Battlefield 1 und Overwatch als Bilanzen.

    Euer Slogan lautet "By Gamers, for Gamers". Was macht deiner Meinung nach Razer anders als vergleichbare Hersteller wie Logitech, Mad Catz, Roccat etc.?

    Tan: Ich kann natürlich nicht über Firmen reden, für die ich nie gearbeitet habe. Aber unser Slogan ist nicht nur Marketing, er ist unsere Firmenphilosophie. Egal, ob wir einen Thermik-Ingenieur für unsere Blades einstellen, eine Marketingspezialistin oder einen Software-Experten. Es müssen Gamer sein und das ist sicherlich etwas, was bei uns recht extrem ausgeprägt ist. Ich würde dich im Bewerbungsgespräch fragen, was du gerade so spielst und was dein All-time-Favorite ist. Ich habe ein Blade mit so ziemlich jedem Spiel Das Letzte, was du als Gamer willst, ist noch mehr unnötigen Quatsch installieren zu müssen. drauf im Büro und starte es einfach. Drehe das Notebook rum, lass dich spielen und setze mich neben dich. Ich mag Overwatch, das kann man in etlichen Interviews nachlesen. Nennt ein Kandidat deshalb Overwatch, zeigt aber dann im Spiel, dass er überhaupt keine Ahnung hat, was er machen muss, hat er offensichtlich gelogen. Ich würde dich vermutlich damit konfrontieren und schauen, wie du reagierst. Mir und meinem ganzen HR-Team (HR steht für Human Resources, Anm. d. Red.) ist es wichtig, ehrliche Kandidaten zu haben, die auch wirklich Gamer sind und verstehen, was Spieler wollen und brauchen.

    Warum genau ist das so wichtig? Kannst du Beispiele am Produkt nennen?

    Tan: Nehmen wir das Blade Stealth und unsere externe Grafiklösung Razer Core. Ein klassischer Ingenieur, der nicht spielt, würde es als normal empfinden, das System anzuschließen, Treiber zu installieren und Windows 10 neu zu starten. Aber ein Gamer akzeptiert das nicht beziehungsweise es nervt ihn. Wenn auf der Verpackung Plug & Play steht, muss es auch wirklich Plug & Play sein. Anstöpseln, Game starten, Boom. Wir haben lange herumexperimentiert und uns letztlich für Thunderbolt 3 beim Core entschieden, weil nur das diese perfekte Erfahrung ermöglicht. Es gibt ohnehin immer schon so viele Treiber- und Windows-Updates. Das Letzte, was du als Gamer willst, ist noch mehr unnötigen Quatsch installieren zu müssen, der letztlich deine Zeit verschwendet.

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    Razer Blade Pro 2016 im Video - GTX 1080 und i7-6700 HQ

    Du hast in der Präsentation recht deutliche Kritik an OEM-Partnern geäußert. Kannst du das näher erläutern?

    Tan: Ich kann nicht verstehen, warum so viele große Hardware-Hersteller heute alles nach Taiwan auslagern. Es ist doch absurd, sein R&D und das ganze Testing von externen OEM-Partnern machen zu lassen, die letztlich nach Stunde abrechnen und emotional an einem Produkt wenig interessiert sind. Dell hat beispielsweise viele Abteilungen klein geschrumpft und ausgelagert. Wir haben das Testing des Core ursprünglich mit einem Partner gemacht. Ich habe mich darüber beschwert, weil Plug & Play offensichtlich nicht so funktionierte wie geplant. Sie meinten aber nur: "Also wir haben so und so viele Tests durchlaufen lassen, die Verlässlichkeitsquote liegt bei X Prozent. Das ist doch Project Christine erfreut sich bester Gesundheit. gut, damit erfüllen wir unseren Vertrag. Was genau willst du eigentlich?" Das ist absurd, mit solchen Leuten will ich nicht zusammenarbeiten. Natürlich muss jeder sein Geld verdienen, mir geht's nicht darum, Cash zu sparen. Sondern dass mein Partner den gleichen Drang hat, Perfektion abzuliefern. Razer-Produkte sind Premium-Produkte, die ihren Preis haben und dafür 100 Prozent leisten müssen, ohne Wenn und Aber. Seit diesen schlechten Erfahrungen machen wir alles inhouse, beispielsweise auch die neuen Ultra-Low-Profile-Switches für das Blade Pro. In dieser Qualität kriegst du das nicht vom Zulieferer. Sie haben das Feedback einer richtigen mechanischen Tastatur, bei deutlich geringerer Lautstärke. Du willst ja im Flieger deinen Nebenmann nicht zur Weißglut treiben.

    Stichwort Prototypen: Die Welt wartet noch immer auf Project Christine, einen PC mit Blades, in denen die Komponenten mit Öl gekühlt werden. Liegt das auf Eis oder lebt das Projekt noch?

    Tan: Project Christine verschiebt sich lediglich, erfreut sich aber bester Gesundheit. Wir haben Systeme im Büro, die sehr viel mehr sind als nur Prototypen und spielen bereits darauf. Es ist ein extrem ambitioniertes Projekt, vielleicht das schwierigste, das wir je angefasst haben. Denn natürlich sind wir kein GPU-oder CPU-Hersteller. Für diese Idee von austauschbaren Blades brauchen wir verlässliche Partner, die auch in der Lage sind, den Austausch problemlos handzuhaben. Die Branche tendiert aber sehr dazu, auf Standards und Etabliertes zu setzen, innovative Ansätze sind eher nicht so gefragt. Ich glaube aber nach wie vor, dass so eine Art Hardware-Abo-Modell möglich und spannend ist, es braucht letztlich einfach nur etwas mehr Zeit. Die Öl-Kühlung und das System an sich funktionieren bereits reibungslos, aber für das Komplettpaket aus Hardware und Service brauchen wir etwas. Und weißt du was? Sobald es funktioniert, werden es alle kopieren. Weil uns immer alle kopieren. Vor dem Blade waren Gaming-Laptops reine Desktop-Replacements, die fünf Kilo wogen. Dann kamen wir mit dem Blade auf den Markt und plötzlich bieten alle dünne Gaming-Laptops an. Ich muss immer lachen, wenn unter den Vorbestellerlisten hochrangige Ingenieure und Manager von Tech-Companies stehen, deren Namen jeder kennt.

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    Razer Project Christine: Konzept-Trailer zum ungewöhnlichen Modul-PC

    Wie balanciert ihr Preis versus Leistung? Denn das Razer Blade Pro hat uns im Hands-On durchaus überzeugt, ist mit 4.199 Euro aber auch sehr teuer.

    Tan: Aber ist er das wirklich? Das muss jeder für sich entscheiden, aber als Gamer haben wir die höchsten Ansprüche. Könnten wir billiges Plastik verbauen wie einige Konkurrenten? Klar, aber ist das cool? Nein, ist es nicht. Was bringt es, mir Geld zu sparen, wenn das Notebook hinterher knarzt, es leicht verkratzt und die Verarbeitungsqualität nicht meinen Ansprüchen genügt? Ich arbeite für Razer, es ist zu relativ großen Teilen meine Company. Und trotzdem kaufe ich jedes Macbook, weil es einfach tolle Geräte mit perfektem Industriedesign sind und wir uns daran orientieren. Natürlich könnten wir ein schlechteres Display einbauen, um den Preis zu drücken, aber wäre das cool? Du 4.199 Euro für das Blade Pro sind sehr viel Geld. würdest vor deinem Blade Pro sitzen und dir denken: Schade, sieht ganz schön 08/15 aus. Also arbeiten wir mit dem besten 4K-IGZO-Panel, das es auf dem Markt gibt. Du kannst deine Nase ans Display drücken und siehst keine Pixel. Das ist für mich Qualität. Also ich kann den Standpunkt natürlich nachvollziehen, weil 4.199 Euro sehr viel Geld ist. Aber dafür bekommt ihr den derzeit schnellsten Laptop im Bereich um die 3,5 Kilo. Und wir bieten ja mittlerweile ein sehr großes Line-Up an: Angenommen, du hast sowieo bereits eine neue 1080- oder Polaris-Karte, dann kannst du auch für rund 1.000 Euro ein Stealth plus Core-Dock (399 Euro, Anm. d. Red) kaufen. Das Stealth an sich ist ein Business-Ultrabook, aber angeschlossen an das Core via Thunderbolt 3 kannst du Battlefield 1 in 4K mit richtig ordentlichen Frames genießen.

    Sprechen wir zum Abschluss noch über den Kauf von THX, der Sound-Company von George Lucas. Warum habt ihr das gemacht und was wird es bringen?

    Tan: THX wurde ja ursprünglich als reines Qualitätssiegel eingeführt. Ich finde es sehr cool, dass Lucas diese Firma nach seinem Toningenieur Tomlinson Holman benannt hat, der die eigentliche Idee hatte. THX steht für Tomlinson Holmann Experiment. Insofern passen wir sicherlich als Firmen sehr gut zueinander, aber letztlich vervollständigt es Razer als Entertainment-Unternehmen. Wir haben ein sehr breites Portfolio, auch im Soundbereich. Ich denke da an die Razer Stargazer, unsere Let's-Play-Webcam für Youtuber und Twitcher. Aber auch das Razer ManO'War oder Hammerhead, also unser Audio-Line-Up. Und das sind natürlich Gamer-Headsets, aber die werden sehr vielseitig verwendet. Mit dem Hammerhead Pro hörst du Musik auf deinem iPhone und das ManO'War ist offiziell für PS4 zertifiziert, du schaust damit also wahrscheinlich auch Blu-rays. Wenn wir jetzt die Expertise von uns und THX in ein Unternehmen zusammenwerfen, dann können wir damit perfekte Produkte für Gamer, Cineasten und damit Sound-Enthusiasten bauen. Das passt, denke ich, extrem gut, auch weil wir uns gerade in einer Phase befinden, in der Hollywood und die Gamesbranche immer weiter zusammenwachsen. Große IPs wie World of Warcraft und Assassin's Creed werden in riesigen Hollywood-Produktionen auf die große Bühne gebracht, es werden aber auch Musik-Videos in VR gedreht. Überhaupt ist das Produzieren von Sound für VR sehr anspruchsvoll, wir müssen uns deshalb Gedanken darüber machen, wie wir unsere Produkte in diesem Bereich optimieren können.
    Danke für das spannende Interview.

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    Razer Blade Stealth - 2016er Version im Video
      • Von violinista7000 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von mannefix
        Wo siehst Du das Alter, Alter?
        Bei dir auf jedem Fall im Profil, wenn du 2/3 deines Alters abgeben könntest, wärst du genau ein 16 Jähriger.

        Aber würdest du ein 16 Jähriger als Kiddie bezeichnen, wenn du höchstens 5 Jahre älter wärst? Glaube ich kaum.
      • Von Amigo BIOS-Overclocker(in)
        Razer mit ihrer ekelhaften Cloud-Politik...
        Ist das immer noch Pflicht oder kann seine Settings doch wieder lokal speichern?
      • Von Rangod Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von mistermeister
        Früher war Razer mal ganz gut, aber schon lange gilt: Razer= Plastikmüll, Finger weg... Die meisten Tastaturbedruckungen sind nichtmal gelasert, was bedeutet das sich mit der Zeit "auflöst"...


        Echt? Also ich habe 3 Razer Tastaturen, und bei keiner einzigen hat sich auch nur ansatzweise was aufgelöst. Die BW X Chroma hat im übrigen ein Alu Chassis und auch die Vorgängerversionen bestehen nicht hauptsächlich aus Plastik. Das meinte ich mit unnötig schlecht reden.
      • Von mannefix Software-Overclocker(in)
        Zitat von violinista7000
        Ich habe noch kein Razer Produkt gekauft, die Designs sprechen mich nicht an. Eigentlich bin ich ein Logitech user, von dieser Marke war meine erste Maus nacht dem Intellimouse vom MS. Aber die richtigen Namen sowohl von der M$ Mouse als auch von der MX vom Logitech habe ich längst vergessen.

        Übrigens, wenn ich manche Kommentare lese, wird mir klar wie alt manche Lesern (Ü45) hier sind.
        Wo siehst Du das Alter, Alter?
      • Von mannefix Software-Overclocker(in)
        Finde ich Symphatisch den Mann. Habe auch immer den Eindruck, dass Razer Produkte gut sind. Die 2. Hälfte ses Interviews ist ziemlich mit Produktanpreisungen
        vollgestopft. Aber es ging noch. 4K in Scheinen sind mir aber zuviel. Meine Schmerzgrenze sind 1000 Euro. Mein letztes gutes Notebook (Lenovo) hat IPS, guten Prozessor und Graka, mit
        touch.

        Was mir auf der IFA sehr gut gefallen hat war das Razer Notebook im Rucksack (VR). Ohne Kabel hat jemand das Pfeil und Bogen Spiel gespielt. Das sah alles sehr gut aus. War ein Schritt in Richtung zukunft.
        Wenn ich mir um Asche keine Sorgen machen würde - kaufen.

        Ansonsten träumen.
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Der Razer-CEO im Interview über Ölkühl-PC Project Christine, den THX-Kauf und das Blade Pro
Min-Liang Tan ist ein Mann klarer Worte: Im Interview mit PC Games Hardware beschwert er sich über die mangelnde Innovations- und Investitionsbereitschaft anderer PC-Firmen und die To-Do-Listen-Mentalität von Zulieferern. Außerdem exklusiv bei uns: In welchem Stadium sich das Öl-gekühlte Project Christine befindet und warum er THX für den perfekten Entertainment-Partner hält.
http://www.pcgameshardware.de/Notebook_Laptop-Hardware-201330/Specials/Interview-Razer-1211350/
24.10.2016
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2016/10/RazerCEO_05-pcgh_b2teaser_169.jpg
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