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  • No Man's Sky im ersten Test: Wer es lieben wird - und wer sich schwer tun wird
    Quelle: Hello Games

    No Man's Sky im ersten Test: Wer es lieben wird - und wer sich schwer tun wird

    Ist das hier nun das nächste Minecraft? Das Überspiel, was alle erwarten? Oder ist es einfach nur gut, spaßig, experimentell und ein bisschen schrullig? Wir haben mittlerweile viel Zeit mit No Man's Sky verbracht und sagen Ihnen, wer hier richtig Laune haben wird und wer Gefahr läuft enttäuscht zu werden. No Man's Sky - das erste Test-Special.

    Hinweis: Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür, aber leider war Hello Games nicht in der Lage, uns bis heute mit einem PC-Test-Code zu versorgen. Unsere Eindrücke basieren daher auf der Playstation-4-Fassung, teils mit Patch.

    Sean Murray, Star-Designer, Studiochef und Creative Director von No Man's Sky ist die personifizierte Crunch-Time, als wir ihn in Darmstadt in der Zentrale der Europäischen Weltraumorganisation ESA treffen. Er entschuldigt sich proforma dafür, sich möglicherweise im Interview zu wiederholen, nur vier Stunden Schlaf in drei Tagen lassen sich auch mit Espresso und unbändiger Leidenschaft für das eigene Spiel nicht so einfach abstreifen. Dieser Mann besteht zwar quasi nur noch aus Bart und Koffein, aber ihm und seinem Team gebührt großen Respekt. Sie hätten von Sony das Geld bekommen können, um mehr Entwickler einzustellen. Haben sich aber dafür entschieden, ihr Baby so durchzuziehen, wie es geplant war: Mit grotesk kleinem Team von 15 Mann und einer großen Vision. Hat das funktioniert? Ist No Man's Sky vielleicht sogar das nächste Minecraft? Ist es überhaupt ein richtig gutes Spiel? Fragen, die sich gar nicht so einfach beantworten lassen.

    Vorneweg: Tüftler, Erkunder und Bastler, die Zeit mitbringen, werden No Man's Sky lieben. Wer schnell ein Stündchen am Abend Spaß haben und binnen dieser Zeit richtig viel erreichen und upgraden will, der wird mit hoher Wahrscheinlich enttäuscht.

    01:26
    No Mans Sky: Handel, Erkundung, Kämpfe und Überleben im Trailer-Roundup

    Sie werden in den nächsten Tagen sehr viele Kritiken und Tests zu No Man's Sky lesen. Viele werden positiv sein, einige ziemlich negativ. Denn das hier ist ein Spiel für Gamer, die bereit sind, sich auf ein Experiment einzulassen und dafür auch Zeit mitbringen. Es gibt eine atmosphärische Einleitung, in der Sie die K.I. Atlas kennenlernen und entscheiden können, ob Sie eher ein bisschen an die Hand genommen werden oder wirklich alle Mechaniken selbst herausfinden wollen. Der Einstieg ist sehr ungewöhnlich, weil extrem langsam. No Man's Sky ist ein Spiel, an dem sich die Geister scheiden werden. Während wir durch diesen pink-bläulich schimmernden Planeten ziehen, unseren Blick über schwebende Felsbrocken gleiten lassen und uns die Zeit nehmen, all diese skurrilen Tiere zu begutachten, flucht der Kollege neben uns die ganze Zeit. Die ersten Stunden haben wir auf einem Event bei der ESA gespielt, danach im Büro. Während des Hands-Ons lassen wir uns auf den Titel ein, bleiben stehen, lassen ein paar Triceratops-Kinder um uns herum springen. Wir erkunden die Gegend, experimentieren mit dem Jetpack, verschätzen uns kolossal und enden statt auf der anderen Seite eines Riffs in einer dicken, klaffenden Felsspalte. Hier unten ist es dunkel, Pilze leuchten wie eine Razer Mamba und auch die Tiere schimmern interessant.

    Wir wollen hier ganz ehrlich zu Ihnen sein: No Man's Sky ist ein Spiel für Menschen, die sich eine gewisse kindliche Neugierde bewahrt haben. Die auch mal stehenbleiben, um sich diese prozeduralen Kreaturen anzuschauen und zu staunen, wie gut die Bewegungsmuster auf die Körper abgestimmt sind und wie bei manchen Tieren sogar das Fell animiert ist. Es wird aber auch viele Spieler geben, die Tier- und Pflanzenwelt als hinderlich abstempeln, weil sie eher funktional und analytisch denken.

    Mühsam, aber spaßig ernährt sich das Eichhörnchen mit Hyperantrieb

    Der Journalistenkollege neben uns beispielsweise stöhnt in einer Tour, weil wir - unabhängig vom Planeten, auf dem wir gelandet sind - 200 Einheiten Heridium sammeln müssen, um den Impulsantrieb unseres Raumschiffs zu reparieren. Er beschwert sich lautstark mit sich selbst sprechend darüber, dass ihn dieses Spiel dazu zwingt, 13 Minuten in die gleiche Richtung zu laufen. Später gibt es die Möglichkeit, sich zu gewissen Checkpoint-Teleportern zu beamen. Diese Option gibt's aber nicht direkt und in der Tat ist der blaue Heridium-Quader sehr weit weg. Und um ihn überhaupt zu finden, müssen Sie ihren Scanner reparieren. Zudem meldet sich ständig das Sicherheitssystem, weil das Hitzeschild nicht mehr funktioniert auf Planeten, die sehr nah an der Sonne sind. Oder weil der Strahlungsschutz abnimmt. Sie werden also immer wieder von Ihrer eigentlichen Quest abgelenkt und müssen improvisieren. Wir hatten damit großen Spaß, weil No Man's Sky herrlich fordernd und komplett non-linear ist. Andere Kollegen fanden das sehr nervig, weil sie relativ lange auf Ihrem Startplaneten gefesselt waren und lieber schnell ins All wollten.

    Das aber wiederum zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel: No Man's Sky ist kein Checkbox-Game. Viele denken in etwa in dieser Struktur: Erster Planet - Raumstation - Erste Alienrasse - schnell die nächsten Planeten farmen. Upgrades fürs Schiff kaufen - schnell weiter, schnell Aliensprachen lernen, damit die Blaupausen rausrücken. Man will ja endlich in das zweite Sonnensystem. Aber so funktioniert No Man's Sky nicht und so macht es keinen Spaß. Sie werden auf der ersten Raumstation landen, das Angebot für neue Raumschiffe entdecken und sich die Frage stellen, wie lange es wohl dauern wird, bis sie sich einen der schicken Star-Wars-ähnlichen Fighter leisten können.

    Einige Kollegen bemängelten auf dem Event zudem, dass der Titel zu wenig erklärt. Eine Kritik, die völlig korrekt ist, aber letztlich eben auch den Charme dieses Werks ausmacht. Die Wege bleiben so lang wie in der ersten Stunde. In dem Moment, wo Sie auf den Hyperantrieb upgraden, müssen Sie Anti-Materie und Warpzellen herstellen. Das geht nicht von jetzt auf gleich, mitunter müssen Sie mehrere Planeten abklappern, Handel treiben, hier was mit den Gek tauschen, die aussehen wie "Puk, die Stubenfliege" und dort was mit dem Nashorn-Menschen-Volk der V'ykeen handeln.

    Wer No Man's Sky lieben und wer sich schwer tun wird

    Sie müssen ständig überlegen und improvisieren. Das sind Mechaniken, auf die man sich wirklich einlassen muss. Wir hatten Situationen, in denen wir eigentlich ein neues tolles Upgrade fertigstellen wollten und mussten aber plötzlich die Bauteile zur Reparatur eines anderen Teils verwenden, wodurch die Suche von vorne losging. Es wird unter Garantie Gamer geben, die das mächtig nerven wird. Aber eben auch viele Tüftler, die gerade daran Spaß haben. Wir haben uns aus diesem Grund auch dafür entschieden, nicht zu detailliert auf einzelne Mechaniken einzugehen. Wir sind nicht Naughty Dog, wir sind ein super kleines Team. Die Anti-Materie gibt's beispielsweise nur in bestimmten Bereichen. Wo genau? Das herauszufinden, daran liegt viel Reiz. Sean Murray selbst ist ein großer Freund von Spielen wie DayZ oder Demon's Souls, die knallhart sind, wenig erklären und mehr von der Erfahrung leben, als dem eigentlichen Fortschritt. Insofern müssen Sie sich No Man's Sky als ein Spiel alter Schule vorstellen, dem es anders als der versammelten Triple-A-Konkurrenz nicht darum geht, Ihnen alle drei Minuten auf die Schulter zu klopfen und es Punkte, Plaketten, Auszeichnungen und Badges oder alternativ Hollywood-ähnliche Zwischensequenzen zur Belohnung regnen zu lassen.
    "Wir sind nicht Naughty Dog, wir sind ein super-kleines Team", betont deswegen auch Sean Murray. No Man's Sky ist kein besonders technisch anspruchsvolles Spiel, es lebt vielmehr aus dem recht einzigartigen Mix von prozeduralen Sounds und Musik im Zusammenspiel mit seinen außergewöhnlichen Planeten.

    Die PC-Version konnten wir wie gesagt noch nicht spielen, sie wird vermutlich deutlich schärfer sein. Auf der Playstation 4 gibt's etliche schwache Texturen, die Beleuchtung ist nicht immer perfekt gesetzt, die Schatten sitzen nicht so, als hätte man die Level von Hand gebaut. Es gibt auch mal die ein oder andere krude Animation in der Tierwelt. Hello Games arbeitet bereits an einem Patch für No Man's Sky, um das Anti-Aliasing zu verbessern und das Rendering der Wolken wird komplett überarbeitet. Aber Sie tun gut daran, hier kein auf Hochglanz poliertes Triple-A-Spiel zu erwarten, dafür sind prozedural generierte Welten nicht gemacht. Und doch ist es beeindruckend, wie gut dieses Konzept funktioniert.

    Es ist natürlich sehr geschmacksabhängig, aber gefühlt haben felsige und harsche Umgebungen auch einen Soundtrack mit leicht düsterer, unheimlicher Note. Während sich Planeten, die aussehen wie in The Legend of Zelda, eher mit leichtfüßigen Klängen arbeiten. Erkunden Sie die bis zu 128 Meter tiefen Höhlen (ja, das ist eine Menge und Sie können in so einen Berg mit dem richtigen Equipment einfach reinschneiden), dann hallt der Sound in sehr voluminösen "Räumen" und klingt dumpfer, wenn Sie mit dem Kopf quasi schon an die Decke stoßen.

    No Man's Sky: Die ersten 20 Stunden - Fazit

    Kaufen oder sein lassen, das ist hier die Königsfrage. Aber ganz ehrlich: Wir können das nicht eindeutig festlegen, weil No Man's Sky so ist wie kaum ein Werk davor. Es ist auf der einen Seite sehr langsam, mitunter ein bisschen behäbig und hüftsteif, gerade was Inventar-Management, aber eben auch die langen Wege angeht. Mitunter dürfte das gerne zackiger sein. Es hat auf der anderen Seite aber auch so unfassbar viele coole Momente, die wollen Sie nicht verpassen. So ziemlich jeder zweite Planet bietet irgendeine absurde Besonderheit. Und wenn es nur dicke, zwei Meter hohe Ratten sind, die gelb leuchten, weil sie den ganzen Tag in giftigen Seen baden. Es gibt Tonnen an Mechaniken, die irgendwie alle ineinander greifen. Wollen Sie zu einem Planeten reisen, der weit entfernt ist, müssen Sie überlegen, ob Sie dafür genug Treibstoff haben. Und der will wiederum aus Thamium 9 gewonnen werden, den es in erster Linie in Asteroidenfeldern abzustauben gibt. Die sind aber nicht ganz ungefährlich, Sie müssen sich durchballern. Das wiederum braucht viel Energie in der Waffenabteilung und wenn Sie von Space-Piraten angegriffen werden, sehen Sie alt aus. Sie können alternativ auch selbst zum Pirat werden und Frachter attackieren, werden dann aber schnell ein GTA-Déjà-vu erleben. Wir jedenfalls stehen drauf und spielen weiter.

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    54:45
    No Mans Sky: Die Reise ins All - Let's Play der ersten 60 Minuten
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No Man's Sky
No Man's Sky im ersten Test: Wer es lieben wird - und wer sich schwer tun wird
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http://www.pcgameshardware.de/No-Mans-Sky-Spiel-16108/Specials/Wer-es-lieben-und-wer-sich-schwer-tun-wird-1204001/
10.08.2016
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