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  • Computerspiele als Therapie für Krankheiten und psychedelische Gehirnakrobatik - Video nicht verpassen!

    Der letzte Hauptvortrag der GPU Technology Conference 2014 belegte nicht nur, dass Computerspiele neurologische Defizite ausgleichen können - er verblüffte die Zuhörer auch mit einer psychedelisch-musikalischen Echtzeitreise durch das Gehirn.

    Jede GPU Technology Conference braucht einen etwas schrägen Vortrag - da war die diesjährige GTC keine Ausnahme. Die letzte Hauptrede im größten Saal des San Jose McEnery Convention Centers bestritt Dr. Adam Gazzaley, der das Neuroscience Imaging Center des San-Francisco-Ablegers der University of California leitet. Als Neurowissenschafler ist Gazzaley nicht nur Hirnforscher, sondern auch Befürworter digitaler Unterhaltung: "Videospiele sind die einflussreichste Medienart, die es gibt: Sie sind interaktiv und machen Spaß", sagt Gazzaley. Was läge näher, als beide Themen miteinander zu verbinden?

    Die Spitze des Eisbergs

    Adam Gazzaley ist damit unzufrieden, dass die heutige Schulmedizin einen 60jährigen Patienten mit leichten Gedächtnisproblemen nur im Ausnahmefällen vernünftig behandelt: "Normalerweise ist der Arzt kein Spezialist für dieses Gebiet, verschreibt bestenfalls ein paar Pillen, die nicht auf den jeweiligen Patienten angepasst sind, und lässt andere Behandlungsmethoden erst einmal außen vor." Oft ist er mehr damit beschäftigt, die richtige Dosis herauszufinden und die Nebenwirkungen zu reduzieren, als die wahre Ursache der kognitiven Störungen herauszufinden. Und: Die wichtige geschlossene Feedbackschleife, über die der Arzt herausfindet, welche Auswirkungen die Therapie auf seinen Patienten hat, ist ihren Namen nicht wert: "Wenn der Patient erst einen Monat später wiederkommt, weil er neue Medikamente braucht, handelt es sich um einen offenen Kreislauf." Doch was hat diese Tatsache mit Computerspielen zu tun?

    Die Stunde der Erkenntnis

    Adam Gazzaley ist davon überzeugt, dass Computerspiele die neuronale Plastizität des Gehirns beeinflussen können. Das bedeutet: "Als Reaktion auf neue Erfahrungen kann das Gehirn seine Struktur und Funktionsweise verändern." Diese Veränderungen lassen sich durch Meditation, Medikamente, stimulierende Umgebungen, Ernährung, Neurofeedback und -modulation und eben auch durch Computerspiele bewirken. Mit einem Team von LucasArts-Designern entwarf Gazzaly nämlich das Spiel Neuroracer, in dem man einen Rennwagen steuern und auf gelegentlich erscheinende Schilder reagieren muss. Einer Gruppe älterer Erwachsener zwischen 60 und 85 Jahren spielte es einen Monat lang - dreimal eine Stunde pro Woche. Das erstaunliche Ergebnis: Verglichen mit nichtspielenden Altersgenossen hatte sich die Multitasking-Fähigkeit der Spieler enorm gesteigert. Sie übertraf sogar den Optimalwert, der normalerweise mit 23 Jahren erreicht wird - von da an geht's bei uns allen bergab mit dem Multitasking.

    GTC; Heilende Computerspiele und psychedelische Gehirnakrobatik (1) - Quelle: Roland Austinat/PC Games Hardware (5) GTC; Heilende Computerspiele und psychedelische Gehirnakrobatik (1) - Quelle: Roland Austinat/PC Games Hardware (5) Quelle: PC Games Hardware

    Ganz neue Dimensionen

    Adam Gazzaley reicht das noch nicht. Ein Durchbruch ist für ihn erst dann erreicht, wenn ein Spiel für eine bestimmte Krankheit entwickelt und untersucht wird - und dessen Resultate dazu führen, dass das Spiel als Therapie verschrieben wird. Daher gilt es, ein Spiel zu entwickeln, dass nicht nur in seinem Institut, sondern überall gespielt werden kann: Project Evo, ein Mobilspiel für Smartphones und Tablets, das beim Studio Akili Interactive Labs in Boston entsteht. Einem Spielentwickler, der von Adam Gazzaley mitgegründet wurde und von Pharmariesen wie Pfizer und Shrine gefördert wird. Das Spielprinzip ist mit Neuroracer identisch, doch optisch ansprechender: Neben mehreren Rennstrecken in unterschiedlichen Umgebungen bietet Project Evo den Spielern die Möglichkeit, ihre Charaktere zu personalisieren. Die von Gazzaley zu Beginn seines Vortrags monierte Feedbackschleife gibt es aber auch hier noch nicht. Dazu müsste der Spieler einen Elektroenzephalografie-Helm tragen, der ausliest, welche Neuronen des Gehirns während des Spielens feuern und das dem Spiel mitteilt, das sich daraufhin eigenständig verändert und daran anpasst, um neue Hirnregionen zu fordern.

    Der Zentralnervensystemmanipulator

    Adam Gazzaley glaubt, dass ein solches Spiel mit eingebauter EEG-Unterstützung in fünf Jahren marktreif sein könnte. Für die Visualisierung und das Auslesen des Gehirns ist natürlich enorme Rechenpower nötig, doch nicht umsonst sind wir auf der GPU Technology Conference: "CUDA-GPUs können uns dabei helfen, die Latenz gegen Null gehen zu lassen", sagt Gazzaley. Dass die Feedbackschleife im Labor funktioniert, demonstriert uns am Ende des Vortrags Mickey Hart, einer der zwei Schlagzeuger der Pychedelic-Rockband Grateful Dead. Er trägt einen EEG-Helm auf dem Kopf, an seinem Ohr klemmt ein Pulsmesser und vor den Augen hat er eine Oculus-Rift-Brille mit aufgeklebtem Auge - die Residents lassen grüßen. Hart spielt jetzt eine Runde NeuroDrummer, ein "VR Rhythm Game", in dem er seine Arme im richtigen Takt bewegen, auf ein Percussion-Modul eintrommeln und mit hastigen Bewegungen Geräusche erzeugen kann, die seine virtuelle Flugbahn verändern sowie Asteroiden zerstören, die ihm entgegenkommen. Mit NeuroDrummer verbunden ist die Software GlassBrain, die eine dreidimensionale Projektion von Harts Gehirn auf die Oculus-Rift-Brille eines Entwicklers zaubert, der mit einem Gamepad bewaffnet neben dem Trommler sitzt. Während Hart durch bizarrste Formen und Farben fliegt, sieht sein Kompagnon, welche Neuronen in Harts Gehirn feuern und wohin ihre Impulse unterwegs sind. Eine schräge Nummer, die Sie selbst im Video unten in Augenschein nehmen können. Dr. Adam Gazzaly ist sich jedoch sicher: "Mit solchen Feedbackschleifen könnte man erstmals in sein eigenes Gehirn eintauchen und seine eigenen Denkprozesse verfolgen."

    04:04
    GTC 2014: Psychedelische Gehirnakrobatik
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    Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
    Von Headcrash
    Habe mal irgendwo gelesen das bei Shooter Spielern BEreiche im Gehirn besser genutzt werden, wie z.B. räumliches…
    Von RedDragon20
    Wie wäre es mit beginnender Demenz? In dem Alter KANN das durchaus vorkommen. Und wenn erste Gedächtnisprobleme…
      • Von Headcrash BIOS-Overclocker(in)
        Habe mal irgendwo gelesen das bei Shooter Spielern BEreiche im Gehirn besser genutzt werden, wie z.B. räumliches Denken. Weiß jetzt nicht genau wo STirn oder Schläfenlappen, eins von beiden glaube ich.
      • Von RedDragon20 Software-Overclocker(in)
        Zitat
        Adam Gazzaley ist damit unzufrieden, dass die heutige Schulmedizin einen 60jährigen Patienten mit leichten Gedächtnisproblemen nur im Ausnahmefällen vernünftig behandelt: "Normalerweise ist der Arzt kein Spezialist für dieses Gebiet, verschreibt bestenfalls ein paar Pillen, die nicht auf den jeweiligen Patienten angepasst sind, und lässt andere Behandlungsmethoden erst einmal außen vor." Oft ist er mehr damit beschäftigt, die richtige Dosis herauszufinden und die Nebenwirkungen zu reduzieren, als die wahre Ursache der kognitiven Störungen herauszufinden.
        Wie wäre es mit beginnender Demenz? In dem Alter KANN das durchaus vorkommen. Und wenn erste Gedächtnisprobleme auftreten ist Demenz sehr wahrscheinlich. Und das kann man ohnehin nicht irgendwelchen Medikamenten behandeln. Man kann es lediglich hinaus zögern.
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Computerspiele als Therapie für Krankheiten und psychedelische Gehirnakrobatik - Video nicht verpassen!
Der letzte Hauptvortrag der GPU Technology Conference 2014 belegte nicht nur, dass Computerspiele neurologische Defizite ausgleichen können - er verblüffte die Zuhörer auch mit einer psychedelisch-musikalischen Echtzeitreise durch das Gehirn.
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