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Games World
  • Messetrends der CES 2011: Austinat's Analyse zu Sandy Bridge, Tegra 2, Android 3.0 und 3D

    Roland Austinat war für PC Games Hardware vor Ort auf der CES 2011 in Las Vegas. Nach vier Messetagen, vielen verschlissenen Schuhsohlen und mächtiger Buzzword-Beschallung kommt nun heute sein episches Fazit zu allen Trendthemen wie Sandy Bridge, Tegra 2, Android 3.0 und 3D.

    Wie lautet mein Resümee nach einer Woche Las Vegas? Sieht man sich die offiziellen Zahlen der Veranstalter der Consumer Electronics Show an, scheint die Rezessions-Talsohle durchschritten zu sein. In diesem Jahr besuchte eine Rekordzahl von über 140.000 Besuchern die Stände der mehr als 2.700 Aussteller - 30.000 waren wie wir internationale Gäste, die sich über die aktuellen Trends der Computer- und Elektronikbranche informierten.

    3D - ohne Brille!
    Welche Trends, welche Produkte blieben uns in nachhaltiger Erinnerung? Vielleicht, dass das 3D-Fernsehen, ein Star des letzten Jahres, beinahe schon eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Die im letzten Jahr fast schon hysterische Begeisterung ob des Avatar-Kinoerfolges ist abgeflaut - persönlich kenne ich nur wenige Kollegen oder Freunde, die sich im letzten Jahr einen 3D-Fernseher gekauft haben. Irgendwie ist es noch immer "uncool", vor einem heimischen Filmabend 3D-Brillen zu verteilen - und so viele richtig gute 3D-Filme, -TV-Programme und -Spiele gibt es noch nicht. In diese Lücke sprangen auf dieser CES 3D-Fernseher etwa von LG und Toshiba, die ganz ohne 3D-Brille auskommen. Wie bei Nintendos 3DS nutzen sie eine spezielle Linse beziehungsweise Linsenschicht auf dem Bildschirm, die für jedes Auge ein minimal verschobenes und damit insgesamt ein dreidimensionales Bild erzeugt. Der Nachteil: der Blickwinkel ist im Vergleich zu herkömmlichen 3D-Fernsehern erheblich eingeschränkt - machen Sie sich auf das Rangeln um die besten Plätze vor dem Fernseher gefasst.

    Androidenarmee, Version 3.0
    Ein Dauerbrenner auch in diesem Jahr: Googles Android-Betriebssystem, das schon im letzten Jahr den Sprung von Smartphones in Tablet-PCs gemacht hatte. Eine wahre Tablet-Schwemme buhlte in so gut wie jeder Halle um die Aufmerksamkeit der Besucher. Von Lenovo bis MSI bauen alle wichtigen Hersteller auf Android, das in der kommenden Version 3.0 alias Honeycomb mit noch besserem Tablet-Support beziehungsweise einer ganz neuen Bedienoberfläche dafür aufwarten will. Verbessertes Multitasking, komfortableres Websurfing, eine neue Version von Google Maps, Video-Chat und ein dreidimensionaler Desktop sind weitere Features von Android 3.0.

    Windows 8, der Riese?
    Da kann, will und darf auch der schwerfällige Riese Microsoft nicht zurückstehen: Windows 8, das nach Insiderangaben noch 2012 erscheinen könnte, soll vom Desktop bis zum Tablet alle gängigen Plattformen unterstützen - selbst, wenn in ihrem Inneren eine ARM-CPU tickt. Höchste Zeit wird es, denn Windows 7 ist auf kleineren Displays keine Freude. Vor allem dann nicht, wenn es sich um einen Touch-Screen handelt, denn ohne einen Stift klappt die Bedienung nicht wirklich sonderlich gut. Es wird spannend, wie Apple auf die sich gemeinsam vor den Burgmauern versammelnden Gegner reagieren wird. Die ARM-Dominanz im Low-Power-Bereich dürfte aber auch AMD und Intel Sorgen bereiten.

    Superduperphones
    Dass die Ära des Desktop-Computers langsam zu Ende geht, daran besteht jedenfalls kein Zweifel. Benötigten Windows- und Mac-OS-Rechner noch knapp neun Jahre, um 20 Millionen Exemplare zu verkaufen, schafften iOS und Android das bereits in zwei Jahren. Nach knapp vier Jahren waren es bereits 130 Millionen Smartphones und Tablets. Dieses eindrucksvolle Diagramm zeigte Nvidia-Chef Jen-Hsen Huang in seinem Vortrag und postulierte das Zeitalter der Superphones, die unsere heute bekannten Smartphones noch bei weitem übertreffen sollen. Wie passend, dass Nvidia mit dem Tegra 2 eine "System on a Chip"-Zentraleinheit im Angebot hat, die sowohl über eine ARM-CPU als auch eine GPU verfügt - die Unterstützung durch Android und in naher Zukunft auch Windows 8 ist gesichert. Und mit dem Patentabkommen herrscht auch wieder ein Burgfrieden mit Intel.

    Integrierte Grafik...
    Neue Nvidia-Grafikkarten? Fehlanzeige. Stattdessen bestätigte Jen-Hsen Huang in seinem Vortrag die Gerüchte, dass Nvidia auch an einer waschechten PC-CPU arbeite. Auch AMD stellte mit dem Fusion-Chip endlich das Ergebnis des Einkaufs von Ati vor - eine Strom sparende CPU für Laptops, All-in-one- und kleine Desktoprechner, die CPU und GPU auf einem Chip zusammenfasst. Intels Sandy Bridge, die zweite Generation der Nehalem- beziehungsweise Core-i3-, Core-i5-, Core-i7- und Xeon-CPUs vor, die sich mit integrierter Grafikkarte brüsten und damit nach Worten des Intel-Chefs Paul Otellini "bis zu 40 Prozent aller heute im Einsatz befindlichen Grafikkarten an Leistung übertreffen." Verrückte Welt, oder?

    Denver, Dallas, Falcon Crest
    Eigentlich nicht, denn bei genauem Hinsehen hat Nvidia ein Problem: Der Markt für High-End-Grafikkarten wächst nicht mehr so schnell wie noch vor ein paar Jahren. Ob ein Spiel DirectX 10 oder 11 unterstützt, macht für die allermeisten Spieler keinen Unterschied mehr. In den USA und besonders in Asien sind Online-Rollenspiele oder grafisch einfache Titel wie Farmville der Renner. Gleichzeitig zögern die Konsolenhersteller Sony, Microsoft und Nintendo, neue Systeme anzukündigen und damit lukrative Langzeitverträge für mehrere Millionen GPUs abzuschließen - ein Schicksal, das Nvidia mit ATI beziehungsweise AMD teilt. Gleichzeitig explodiert der Markt für ARM-Chips, in dem Nvidia mit dem Tegra 2 mitmischt. Doch ist die Project Denver getaufte Nvidia-CPU ein Konkurrent für Intel und AMD? Wohl nicht im High-End-Desktop-Markt, hier wird es in den kommenden Jahren immer mehr zu Verschiebungen von Anwendungen und Daten in die Cloud kommen - Stichwort Gmail, Google Docs und OnLive. Doch Cloud-Rechner müssen auch mit CPUs bestückt werden - Project Denver, ran an den Feind.

    Alte Spiele auf Sand gebaut
    Bleibt die Frage: Was können Spieler von Intels Sandy Bridge erwarten? Fraglich bleibt vorerst, wie schnell die Chipfamilie wirklich in der Lage sein wird, aktuelle Spiele ohne Grafikkarte zu verarbeiten. Klar, verglichen mit einem Core 2 Duo arbeitet ein i7-2600 einen Excel-Benchmark über 800 Prozent schneller ab, aber solche Verbesserungen gibt es mit jeder neuen Chipgeneration. Dazu kommt, dass sich Grafik- und CPU-Einheiten im Sandy Bridge immer noch den gleichen internen Speicher teilen. Und die stolz vorgeführten Spiele World of WarCraft und Portal 2 basieren - sorry, Intel! - auf sieben Jahren alten Engines, auch, wenn diese ständig verbessert worden sind. Ich würde lieber einmal die Performance von Crysis 2 oder eines mit der Unreal Engine 3 gebauten Titels sehen. Letztere laufen schon jetzt auf dem Tegra 2. Sicher, alle Käufer von Laptops und PCs, die sich früher mit integrierter Grafik herumschlagen mussten, freuen sich über den Sandy-Bridge-Geschwindigkeits- und Grafikzuwachs. Doch wie viel Strom wird die CPU gerade in Notebooks letztendlich wirklich verbrennen? Immerhin rühmt sich AMDs Fusion ja seiner besonders guten Effizienz.

    Fazit: CES 2011
    Für mich waren brillenlose 3D-Fernseher, Android 3.0 sowie massenweise Tablets nur vordergründige Stars der CES. Die Weichen werden anderswo gestellt: Mit Tegra 2, Project Denver, Sandy Bridge und Fusion versuchen die drei großen Chiphersteller Nvidia, Intel und AMD, den Anschluss an die sich rasant veränderte Computerwelt nicht zu verpassen. Das Gleiche probiert Microsoft mit Windows 8 und dessen ARM-Unterstützung. Wem das gelingt, wer dabei auf der Strecke bleibt und wie Apple auf die Konkurrenz reagiert, werden wir in den nächsten Monaten und Jahren miterleben. Spannende Zeiten.

  • Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
    Von Bemme90
    Schöne Zusammenfassung der CES.Ich frag mich trotzdem, warum jede 2. News über Handy's handelt...Gerade auf CB liest…
      • Von Bemme90 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Schöne Zusammenfassung der CES.

        Ich frag mich trotzdem, warum jede 2. News über Handy's handelt...
        Gerade auf CB liest man täglich was von Android
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CES 2011
Roland Austinat war für PC Games Hardware vor Ort auf der CES 2011 in Las Vegas. Nach vier Messetagen, vielen verschlissenen Schuhsohlen und mächtiger Buzzword-Beschallung kommt nun heute sein episches Fazit zu allen Trendthemen wie Sandy Bridge, Tegra 2, Android 3.0 und 3D.
http://www.pcgameshardware.de/Neue-Technologien-Thema-71240/News/CES-2011-807042/
11.01.2011
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2011/01/CES-Floor01-Ed-Hardy-09.JPG
ces,android,sandy bridge,tegra 2
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