Probleme mit Intel-Chips P67 und H67 für Sandy-Bridge-CPUs bestätigt - 2. Update: Gigabyte und Caseking nehmen Stellung, Alternate wirft Boards raus

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Probleme mit Intel-Chips P67 und H67 für Sandy-Bridge-CPUs bestätigt - 2. Update: Gigabyte und Caseking nehmen Stellung, Alternate wirft Boards raus

Daniel Möllendorf Google+
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01.02.2011 14:37 Uhr
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Wer sich bereits ein Sockel-1155-Mainboard für Sandy-Bridge-CPUs gekauft hat, besitzt womöglich einen fehlerhaften Chip - das hat Intel nun offiziell verkündet. Die Probleme betreffen die SATA-Anbindung. Intel arbeitet an einer Lösung und hat die Produktion gestoppt.

Probleme mit Intel-Chips P67 und H67 für Sandy-Bridge-CPUs - Produktion gestoppt, neue Revision folgt (4) Probleme mit Intel-Chips P67 und H67 für Sandy-Bridge-CPUs - Produktion gestoppt, neue Revision folgt (4) [Quelle: Siehe Bildergalerie]

Mittlerweile haben zahlreiche weitere Mainboard-Hersteller und Online-Shops auf unsere Nachfrage hin Stellung genommen. Alle Statements finden Sie in dieser Meldung:
Sandy-Bridge-Probleme: Umtausch möglich - Hersteller und Online-Shops nehmen Stellung


2. Update vom 01.02.2011: Der bekannte Online-Shop www.alternate.de hat bereits reagiert und alle Sockel-1155-Mainboards aus dem Sortiment entfernt.

Um die Fragen unserer Leser zu klären, haben wir bei Mainboard-Herstellern und Online-Shops sowie Komplett-PC-Anbietern konkrete Fragen zu Umtauschmöglichkeiten und einer möglichen Erkennung gestellt. Angeblich soll bald ein Tool von Intel kommen, mit dem Sie erkennen können, ob die Probleme bei Ihrem Board auftreten.

Als erster Hersteller hat Gigabyte unsere Fragen beantwortet:

PCGH: Ist es möglich Sockel-1155-Boards wegen den bekannten Problemen mit den bisherigen Chips bei euch umzutauschen, auch wenn das Problem noch gar nicht aufgetreten ist?

Gigabyte: Derzeit gibt es keinen offiziellen Rückruf von Intel und noch ist nicht klar, ob es ein Rework geben wird. Kunden haben bei uns die Möglichkeit, sich für die verlängerte Garantie zu registrieren und somit auch abgesichert zu sein, wenn die Gewährleistungsfrist (6 Monate) abgelaufen ist. Damit ist der Kunde wohl auf der sicheren Seite. Kunden, die sich bei uns registrieren, informieren wir, wenn ein Rework notwendig werden sollte und unternehmen die notwendigen Schritte.

PCGH: Werdet Ihr Boards mit der neuen Chip-Generation entsprechend kennzeichnen?

Gigabyte: Dazu kann ich derzeit noch nichts sagen, da erst ein finales Vorgehen definiert werden muss. Wenn wir aber Hardwareänderungen am Board vorgenommen haben, wurde in der Vergangenheit die Revisionsnummer geändert. Ich denke, das würden wir - so notwendig - auch diesmal machen.

PCGH: Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Problem gemacht? Wenn ja, wie äußern sich die Probleme?

Gigabyte: Bisher nicht. Wir versuchen derzeit in Zusammenarbeit mit unseren Entwicklern und Ingenieuren in Taiwan und Intel das Problem nachzustellen, um das weitere Vorgehen definieren zu können.

PCGH: Wie können Endkunden erkennen, ob das eigene 1155-Board betroffen ist?

Gigabyte: Nach bisherigem Kenntnisstand treten die von Intel beschriebenen Probleme maximal bei fünf Prozent der Chipsätze auf - und das erst über einen Zeitraum von drei Jahren. Somit dürfte es schwer werden, den Fehler zu identifizieren. Zusammen mit Intel suchen wir derzeit nach einer Softwarelösung, um betroffene Chipsätze erkennen zu können.

Zudem gibt es im Gigabyte-Forum eine Stellungnahme:
Zur Stellungname im Gigabyte-Forum


Der Online-Shop Caseking hat nun ebenfalls unsere Fragen beantwortet:


PCGH: Ist es möglich Sockel-1155-Boards wegen den bekannten Problemen mit den bisherigen Chips bei euch umzutauschen, auch wenn das Problem noch gar nicht aufgetreten ist?

Caseking: Jeder Kunde kann sein Sockel-1155-Board an uns zurücksenden, auch wenn der Fehler noch nicht aufgetreten ist. Wahlweise erhalten die Kunden dann ihr Geld zurück oder ein Austauschboard, jedoch raten wir unseren Kunden, sich an die Empfehlung von Intel zu halten und das Board erst einmal weiter zu benutzen, bis die Verfügbarkeit der Boards mit neuem Chip sichergestellt ist, da der Austausch ansonsten dauern kann bis die Verfügbarkeit seitens Intel sichergestellt ist. Kunden, die ein Foxconn-Board bei uns erworben haben, können sich für den Austausch auch direkt an den Hersteller wenden.

PCGH: Werdet ihr Mainboards mit den bisher produzierten, fehlerhaften Mainboard-Chips weiter anbieten?

Caseking: Caseking hat nach Bekanntgabe des Fehlers durch unsere Lieferanten umgehend alle Sockel-1155-Mainboards aus unserem Sortiment genommen. Als die Meldung über fehlerhafte Platinen in den Medien die Runde machte, waren die Mainboards bei uns im Shop bereits nicht mehr erhältlich.

PCGH: Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Problem gemacht? Wenn ja, wie äußern sich die Probleme?

Caseking: Bislang gingen bei uns keine Reklamationen bezüglich langsamer werdender SATA-Schnittstellen oder anderer Probleme in Verbindung mit Sockel-1155-Boards ein.

PCGH: Wie können Endkunden erkennen, ob das eigene 1155-Board betroffen ist?

Caseking: Da alle unserer verkauften Hauptplatinen mit dem fehlerhaften SATA-Chip ausgestattet sind, können alle Platinen von dem Problem betroffen sein.

Wir gehen davon aus, dass weitere Hersteller und Online-Shops unsere Fragen im Laufe der Woche beantworten.

Um Probleme zu vermeiden, nutzen Sie die beiden SATA-6Gb/s-Ports und nicht die vier SATA-3Gb/s-Anschlüsse. Diese sind bei allen aktuellen Boards durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet. Um Probleme zu vermeiden, nutzen Sie die beiden SATA-6Gb/s-Ports und nicht die vier SATA-3Gb/s-Anschlüsse. Diese sind bei allen aktuellen Boards durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Mittlerweile sind auch detailliertere Infos zu den Hintergründen der Probleme aufgetaucht. Laut anandtech.com liegt der Fehler bei einem Transistor im SATA-3Gb/s-PLL-Taktgeber. Dieser Transistor soll mit einer sehr niedrigen Spannung angesprochen werden können; wegen eines Design-Fehlers ist die tatsächlich verwendete Spannung jedoch zu hoch. Daher ist der Leckstrom höher als erwartet. Dadurch nimmt die Qualität des Transistors mit der Zeit ab. Intel hat bereits bestätigt, dass die Performance nachlassen kann bis der Transistor schließlich komplett ausfällt. Bei angehobener Chip-Spannung und damit auch höherer Temperatur tritt das Problem wahrscheinlich eher auf, als bei Standardspannung - die ja bereits zu hoch ist. Überraschenderweise gibt es bei dem älteren Chip-Stepping B2 diese Probleme angeblich nicht. Diese Revision wurde allerdings nur für Vorabmuster verwendet - alle finalen Boards, die bisher verkauft wurden, haben die neuere, fehlerhafte Version.

Um die wichtigsten Fragen aus dem Forum zu beantworten:
- Alle Mainboard-Chips für Sandy-Bridge-CPUs sind betroffen - egal ob Desktop, Notebook oder Server und egal welche Sockel-1155-CPU Sie verwenden.
- Das Problem tritt laut Intel bei zwei bis fünf Prozent der ausgelieferten Mainboards auf.
- Die Desktop-Chips P67 und H67 liefern sechs SATA-Ports - viermal mit SATA-3Gb/s-Bandbreite und zwei Anschlüsse mit SATA-6Gb/s-Unterstützung. Die beiden 6Gb/s-Ports sind laut Intel nicht betroffen.
- Bei Zusatz-SATA-Controllern (etwa von Marvell) soll es keine Probleme geben.
- Die Probleme erkennen Sie daran, dass die Leistung beispielsweise von angeschlossenen Festplatten abnimmt oder diese nicht mehr angesprochen werden. Angeblich werden die angeschlossenen Laufwerke aber nicht beeinträchtigt - nur das Mainboard muss getauscht werden.

Bitte nehmen Sie auch an unseren drei aktuellen Mainboard-Umfragen teil:
Probleme mit Intel-Chips P67 und H67 - kaufst du trotzdem bald ein 1155-Mainboard für Sandy-Bridge?
Haben Sie Probleme mit Ihrem Sockel-1155-Board (Sandy Bridge)?
Mainboard-Service - habt ihr gute oder schlechte Erfahrungen mit diesen Herstellern?

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Update vom 01.02.2011: Nach dem Bekannwerden der Chipsatz-Probleme bei Intel brach der Aktienkurs des Chipherstellers deutlich ein, um fast drei Prozent rauschte der Kurs in den Keller, erholte sich dann aber leicht. Besonders bemerkenswert ist, dass Konkurrent AMD davon profitierte und knapp sieben Prozent im US-Handel zulegen konnte.

Aktienkurs Intel / AMD Aktienkurs Intel / AMD [Quelle: Siehe Bildergalerie]

PC Games Hardware bereitet für die Ausgabe 04/2011 ein großes Info- und Praxis-Special zu "Sandy-Gate" vor. Zu diesem Zweck planen wir umfangreiche Interviews mit Intel, den Mainboardherstellern sowie Versendern und OEMs. Wenn Sie Fragen haben, nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie uns diese mit.

Laut Intel soll das Chipsatzproblem im Übrigen bei fünf Prozent der Mainboards über einen Zeitraum von drei Jahren auftreten.

PCGH empfiehlt derweil: Wenn Sie bereits ein Sockel-1155-Board haben, verwenden Sie die beiden SATA-6Gb/s-Anschlüsse und wenden Sie sich an den Mainboard-Hersteller wegen einer Umtausch-Möglichkeit. Die beiden SATA-6Gb/s-Ports lassen sich üblicherweise daran erkennen, dass sie eine andere Farbe haben als die vier 3Gb/s-Ports. Zudem erklärt das Handbuch, bei welchen Anschlüssen es sich um die 6Gb/s-Variante handelt. Falls Sie mehr als zwei Anschlüsse brauchen, schließen Sie zumindest die wichtigeren Festplatten an SATA-6G/s-Ports des Chips oder von Zusatz-Controllern (etwa Marvell) an.

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Original-Artikel vom 31.01.2011: Intel gab offiziell Probleme bei den Mainboard-Chips der 6er-Reihe (Cougar Point) für Sandy-Bridge-CPUs zu. Dazu zählen die beiden Desktop-Varianten P67 und H67. Intel beschreibt den Fehler:

"In some cases, the Serial-ATA (SATA) ports within the chipsets may degrade over time, potentially impacting the performance or functionality of SATA-linked devices such as hard disk drives and DVD-drives. "

Übersetzt und interpretiert bedeutet das: "In manchen Fällen verschlechtert sich die Qualität der SATA-Ports des Chips mit der Zeit. Dadurch wird die Leistung und die Funktionalität von per SATA angeschlossenen Geräten wie Festplatten und DVD-Laufwerken beeinträchtigt." Schuld soll ein einzelner Schaltkreis im Cougar-Point-Support-Chip sein. Laut Intel lässt sich der Fehler einfach mit einer neuen Chip-Revision beheben.

Wichtig: P67 und H67 bieten insgesamt sechs SATA-Ports - zwei davon mit 6Gb/s-Bandbreite und vier 3Gb/s-Modelle. Intel bestätigte uns, dass nur die vier SATA-3Gb/s-Ports betroffen sind - bei den SATA-6Gb/s-Anschlüssen soll es keine Probleme geben.

Tatsächlich berichteten beispielsweise in unserem Forum Leser von Problemen mit Sandy-Bridge-Mainboards. So soll das entsprechende Board während des Bootvorgangs bei der Erkennung der Festplatte neu starten und so in eine Endlosschleife geraten - der PC lässt sich im Fall des Anwenders in unserem Forum also nicht mehr verwenden.

Intel erwartet, eine überarbeitete Version der Chips Ende Februar anbieten zu können, die komplette Massenverfügbarkeit soll aber erst im April wieder sichergestellt sein. Zudem sollen sich Notebooks mit Sandy-Bridge-CPUs um "einige Wochen" verzögern. Fehlerhafte Produkte sollen ausgetauscht werden können. Dennoch glaubt Intel, dass betroffene Anwender ihre PCs trotzdem sorglos weiter verwenden können. Laut Intel gibt es bisher noch kein Sandy-Brigde-Board, das wegen diesem Problem zurückgeschickt wurde. Sandy-Bridge-CPUs selbst oder andere Mainboard-Chips außerhalb der 6er-Reihe sollen nicht von dem Problem betroffen sein.

Erst vor wenigen Wochen wurde das High-End-Mainboard Asus Maximus IV Extreme ohne Angabe von konkreten Gründen zurückgerufen und es sind sogar vereinzelt erste Fälle von Sockelbrand bei Sockel-1155-Boards aufgetreten. Asus bestätigte uns jedoch, dass beim Maximus IV Extreme ein anderes Problem vermutet wurde - diese Vermutung hat sich aber nicht bestätigt. Auf unsere Nachfrage hin entgegneten die Mainboard-Hersteller, dass Sie von dieser Meldung völlig überrascht wurden.

Intel erwartet wegen der Probleme einen Umsatzrückgang von rund 300 Millionen US-Dollar. Außerdem müssen rund 700 Mio. US-Dollar aufgewendet werden, um entstehende Schäden zu kompensieren. Intel erwartet, dass die Bruttogewinnmarge im Q4 2010 um vier und im Q1 2011 um zwei Prozentpunkte sinkt.

Quelle: Intel

 
Kabelverknoter(in)
07.04.2011 17:52 Uhr
Ich habe es nicht so intensiv verfolgt, aber die Pro-Variante tlw. nicht. Ich fand eben nur den prompten Austausch klasse und musste so nicht mehrere Tage auf den PC verzichten.
Komplett-PC-Aufrüster(in)
05.04.2011 18:54 Uhr
Die meisten Boards mit B3 waren doch schon länger vorrätig.
?
Kabelverknoter(in)
05.04.2011 17:18 Uhr
Mal ein dickes Lob an Alternate. Ende letzte Woche kam die Mail, dass die Boards quasi da sind (bzw. mitte dieser Woche kommen sollen), heute morgen den kompletten PC hingebracht - "wollen sie gerade warten?" Und schon steht er wieder hier. Das alte MB habe ich seltsamerweise wieder mitbekommen.
Kabelverknoter(in)
01.04.2011 22:21 Uhr
super, danke dir
Moderator
01.04.2011 21:41 Uhr
Bei "echten" Chipsatzupgrades Intel zu Intel ist normalerweise schon kein Neuinstallieren o.Ä. nötig. Bei dir sollte das also wirklich kein Problem sein.

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