Online-Abo
  • Login
  • Registrieren
Games World
  • Life is Strange mit Zeit-Manipulation: Das interessante Spiel der Gamescom 2014?

    Ein bisschen wie Gone Home, ein bisschen wie Beyond: Two Souls und das narrativ wohl stärkste Spiel der Gamescom. Nur das Gameplay könnte ein Sorgenkind werden. PC Games Hardware hat sich Life is Strange auf der Gamescom angesehen.

    Life is Strange ist so gar nicht merkwürdig, sondern sehr herzlich in seinem Storytelling, sehr menschlich in seinen Beziehungen und arbeitet mit den cleveren Mechaniken, die Gone Home so atmosphärisch gemacht haben. Das auf der Gamescom enthüllte Adventure von Dontnod ist so dieses Kleinod, was eine Messe braucht. Zwar überraschen auch Triple-A-Produktionen wie Assassin's Creed: Unity gerade mit einer erwachsenen Liebesgeschichte zwischen einer Templerin und einem Assassinen, doch der Kontext ist noch immer sehr episch, sehr auf Größe ausgelegt. Life is Strange hingegen ist mehr wie ein bodenständigeres Beyond: Two Souls. Es erzählt von der schwierigen Welt der jungen Schülerin Max Calfield.

    Große Charakterstudien im kleinen Rahmen

    Das größte Problem von Blockbuster-Produktionen wie eben Assassin's Creed oder auch Far Cry 4 ist in der Regel, dass sie ihre Charaktere zu Beginn zwar sehr stark in den Fokus rücken, sich dann aber immer mehr davon entfernen, weil sie den Adrenalin-Faktor hochhalten müssen. Das ist der Grund, warum sich Lara im letzten Tomb Raider in den ersten Minuten noch dafür entschuldigt, ein Reh töten zu müssen, weil sie Hunger hat - und in den nächsten Stunden dann auf brutalste Weise ihre Gegner niedermetzelt. Indie-Spiele oder Titel mit kleineren Budgets haben dieses Problem in der Regel nicht, sie müssen nicht zwingend in einem gewaltigen Massenmarkt funktionieren und können sich Zeit lassen. So dreht sich im Grunde die gesamte Präsentation von Life is Strange um Max und ihre Freundin Chloe.

    Warum Gone Home als Inspiration so gut funktioniert

    Im Gespräch zeigt sich Creative Director Jean-Maxime Moris als großer Fan der narrativen Struktur von Gone Home. Das Geheimnis dieses Spiels ist eigentlich simpel und doch so brillant: Es erzählt wenig von sich aus und fordert von Ihnen, dass Sie herausfinden, was denn hier geschehen und wer eigentlich diese Familie ist. Genau so spielt sich auch Life is Strange. Zunächst ist da diese Chloe, die wie ein Prototyp eines Loosers inszeniert wird: Sie probiert Drogen, wird abhängig, braucht mehr Stoff, kann ihn sich nicht leisten und greift zu rabiaten Methoden inklusive Pistole, um an den Kram zu kommen. Doch wenn Sie in ihrem Haus ein wenig herumstöbern, weil Sie eigentlich Werkzeug suchen, um Ihre eigene Kamera zu reparieren, dann stoßen Sie auf jede Menge Fotografien. Einige davon zeigen Chloe mit ihrem Vater, andere zeigen sie auf einem Laufsteg. Max beginnt dann zu erzählen, wie ihre Freundin am Tod ihres Papas zerbrochen ist und sie die ganze Fassade des vermeintlich coolen Highschool-Kids mit Rocker-Image nur aufgebaut hat, um sich zu schützen.

    Den Mensch als Individuum betrachten, nicht als Abziehbild

    Was Life is Strange zu einem der geschichtlich stärksten Spiele der Gamescom macht, ist seine Art, Charaktere zu porträtieren und ihnen keine Stempel aufzudrücken. Viel zu oft arbeiten Spiele mit Stereotypen und fordern gerade dazu, auf Menschen vorzuverurteilen. Um ehrlich zu sein, haben auch wir Chloes Adoptivvater als Typ wahrgenommen, der nicht ganz normal ist im Kopf, seiner Ziehtochter Befehle gibt, als würde er vor amerikanischen Marines stehen und das ganze Haus mit Kameras zugepflastert hat. Doch nach und nach puzzelt sich das Bild mehr durch Zufall zusammen und Sie finden beispielsweise Dokumente, die ihn als schwer kranken Kriegs-Heimkehrer aus dem Irak bezeichnen, der an Verfolgungswahn leidet.

    Obwohl Chloe und Max sehr unterschiedlich sind, stimmt die Chemie sofort. Die Macher von Remember Me beweisen viel Gespür für exzellent geschriebene Dialoge. Obwohl Chloe und Max sehr unterschiedlich sind, stimmt die Chemie sofort. Die Macher von Remember Me beweisen viel Gespür für exzellent geschriebene Dialoge. Quelle: Square Enix

    Gameplay: Passt so ein Zeitrückspul-Element hier rein?

    Life is Strange zeigt aber auch, warum es so verdammt schwierig ist, für Spiele die atmosphärische Intensität eines Romans zu liefern. Denn ein Spiel braucht Spielmechaniken, es kann nicht alleine von seinen Charakteren leben. Es ist ein aktives Erlebnis, kein passives, gerade hier machen wir uns aber schon etwas Sorgen. Ähnlich wie Jodie aus Beyond: Two Souls drücken die Entwickler ihrer Protagonistin eine mystische Fähigkeit aufs Auge: Sie kann nämlich durch noch geheime Umstände die Zeit zurückspulen. Das Gameplay ist aktuell noch so ein bisschen die Schwachstelle von Life is Strange. Es wäre eigentlich besser, wenn die Entwickler eher über reduzierte Adventure-Point-and-Klick-Mechaniken operieren würden, denn dieses Zurückspulen der Zeit wirkt aktuell doch noch arg aufgesetzt. Hoffentlich baut Dontnod noch Limitierungen des Features ein, denn aktuell sieht es so aus, als könnten Sie jeden Fehler einfach revidieren. Prescht Chloes Vater in ihr Zimmer und sieht einen Joint, kann Max die Wahrheit sagen und Chloe ist dann sauer auf sie. Zeit zurückspulen, so tun, als hätten Sie selbst daran gezogen und schon sind die beiden wieder beste Freunde. Schade, das wirkt etwas uninspiriert und kann nicht mit seinen starken Charakteren mithalten.

    Fazit: Life is Strange

    Life is Strange hat toll gezeichnete Charaktere, ist herrlich melancholisch und baut eine Atmosphäre auf, die sehr dicht wirkt, ohne aufgesetzt zu sein. Es dreht sich um die kleinen und großen Probleme von Teenagern, ist dabei mal süß und naiv, dann wieder sehr ernst. Aber Dontnod darf nicht in die Falle tapsen, in die Beyond: Two Souls gefallen ist. Denn auch David Cage hat als Autor fantastische Charaktere und eine sehr spannende Protagonistin geschrieben, wirkte aber sonst arg konzeptlos, was Gameplay-Mechaniken anging. Das ist ein Problem, was sehr viele Entwickler in der heutigen Zeit haben. Auch Bioshock: Infinite, so großartig wie es auch ist, wirkte bei seinen extrem gestreckten und repetitiven Arena-Kämpfen im letzten Drittel so, als würde das Team sehr damit hadern, die epische und sehr komplexe Geschichte mit ihren vielen Charakteren auch mit Gameplay zu unterfüttern. Es kommt recht bald ein Zeitpunkt, wo alle spielerischen Geschütze abgefeuert sind, die Story aber erst richtig Fahrt aufnimmt. Hier müssen die Macher von Remember Me zeigen, was sie können. Denn Life is Strange kann das nächste Gone Home werden, der nächste Mega-Indie-Hit. Das lebt aber gerade von seinem reduzierten Gameplay, bei diesem Spiel hier wirkt das ganze Rückspulen der Zeit und die mystischen Elemente aktuell noch ein bisschen zu überdreht.

    Uns würde natürlich auch Ihre Meinung interessieren: Dürfen sich Spiele voll auf Geschichte und Charaktere verlassen und dafür mit reduzierten Spielmechaniken operieren oder sollte Gameplay immer an erster Stelle stehen? Sagen Sie es uns in den Kommentaren.

  • Life is Strange
    Life is Strange
    Publisher
    Square Enix
    Developer
    Dontnod Entertainment
    Release
    30.01.2015

    Stellenmarkt

    Aktuelles zu Life is Strange

    Aktuelle Rollenspiel-Spiele Releases

    Cover Packshot von Die Zwerge Release: Die Zwerge EuroVideo Bildprogramm GmbH , King Art
    Cover Packshot von Candle Release: Candle Daedalic Entertainment
    Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
    Von Olstyle
    Klingt ja alles nach einem Spiel für mich . Aber was bitte macht einen Entwickler der Square Enix als Publisher im…
    Von RedDragon20
    Vlt. entwickelt sich daraus ja auch eine Art Mysterie-Story. Dann wäre zumindest dieses Zeit-Manipulations Feature…
      • Von Olstyle Moderator
        Klingt ja alles nach einem Spiel für mich . Aber was bitte macht einen Entwickler der Square Enix als Publisher im Rücken hat und mit Remember Me schon einen recht großen Titel abgeliefert hat plötzlich zum "Indi"?
      • Von RedDragon20 Software-Overclocker(in)
        Vlt. entwickelt sich daraus ja auch eine Art Mysterie-Story. Dann wäre zumindest dieses Zeit-Manipulations Feature erklärt. ^^
        Aber eigentlich klingt das alles ja sehr interessant. Wenn es eine Mischung aus Gone Home und Walking Dead (gameplaytechnisch) wird, wäre ich rundum zufrieden.
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games Hardware 01/2017 PC Games 12/2016 PC Games MMore 01/2016 play³ 12/2016 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016
    PCGH Magazin 01/2017 PC Games 12/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1132779
Life is Strange
Life is Strange mit Zeit-Manipulation: Das interessante Spiel der Gamescom 2014?
Ein bisschen wie Gone Home, ein bisschen wie Beyond: Two Souls und das narrativ wohl stärkste Spiel der Gamescom. Nur das Gameplay könnte ein Sorgenkind werden. PC Games Hardware hat sich Life is Strange auf der Gamescom angesehen.
http://www.pcgameshardware.de/Life-is-Strange-Spiel-54738/Specials/Vorschau-Gamescom-1132779/
16.08.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/08/Life_is_Strange_Screenshots_Gamescom__5_-pcgh_b2teaser_169.jpg
specials