Online-Abo
  • Login
  • Registrieren
Games World
  • Die Kickstarter-Revolution der Gamescom: Star Citizen, Elite Dangerous, Pillars of Eternity und noch viel mehr

    Auf der Gamescom haben wir dieses Jahr auch eine Art Parallelmesse gefunden - die großen Kickstarter-Projekte, die langsam immer mehr heranreifen, präsentierten sich ohne das Brimborium der großen Marken, aber dafür mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit und einer großen Nähe zu den Fans und Spielern. Wir haben Star Citizen, Elite: Dangerous, Pillars of Eternity und anderen nachgespürt und eine alternative Messe erlebt.

    Charles Cecil ist dank Kickstarter nicht reich geworden, verrät er uns bei einem Treffen schon vor der Gamescom. Der höfliche britische Gentleman hat mit Baphomets Fluch Adventure-Geschichte geschrieben - die er dank Crowdfunding mit dem fünften Teil der Reihe weiterspinnen konnte. Die abschließende Episode von "Baphomets Fluch: Der Sündenfall" ist gerade für Android erschienen und kam bei Fans und Kritikern sehr gut an. Damit hat Cecil bewiesen, dass er es noch kann – auch wenn er nicht ganz an den aberwitzigen Erfolg der 90er anknüpfen konnte. Um seine Rente dürfte sich das 52jährige Mitglied des Order of the British Empire (für seine Verdienste in der Videospielindustrie) aber vermutlich keine Sorgen machen müssen.

    Charles Cecil nahm sich die Zeit für ein ausführliches Interview zu Kickstarter und Baphomets Fluch. Charles Cecil nahm sich die Zeit für ein ausführliches Interview zu Kickstarter und Baphomets Fluch. Quelle: Nico Mendrek Rente – das ist sowieso ein Thema, das sich beim Abklappern all der Kickstarter-Größen auf und im Umfeld der Gamescom ein wenig aufdrängt. Ob Brian Fargo oder David Braben, diese Legenden haben um die 30 Jahre in der Industrie auf dem Buckel und versuchen nicht nur ihren Kult-Reihen Frischzellenkuren zu verpassen, sondern auch sich selbst. Teils mit gefärbten Haaren und immer mit jugendlichem Elan wirken sie aber fast, als wären sie nie weg gewesen. Und als wäre alles noch genau wie früher.

    Ist es irgendwie auch: Innerhalb des ganzen Gamescom-Wahnsinns, weitab von Megaständen, auswendig gelernten PR-Texten, T-Shirt-Grabenkämpfen, Messebabes und 14jährigen Youtubern ist inzwischen eine Art Sub-Messe zu finden, weiträumig verteilt auf diverse kleine Stände, aber doch existent, wenn man weiß, wo sie zu finden ist. Eine "Wir sind wieder da dank Kickstarter und es ist alles wie in den 90ern nur in hübscher!"-Messe. Es ist die Convention der Urgesteine wie Chris Roberts oder Josh Sawyer und deren Fans. Sie kommt ohne überzogenen Hype aus, ohne Betreuer, die einem beim Anspielen von Batman Arkham Knight vertraglich vorgeschrieben alle 50 Sekunden sagen müssen, wie "NICE!" man doch gerade zockt (obwohl man nicht einmal mit dem Wechsel auf den PS4-Controller klarkommt) und dabei in der Gruppe wirken wie Roboter. Eine Messe, auf der man sich noch auf Augenhöhe begegnen kann, keine Twilight Zone der überinszenierten Blockbuster.

    Facelift für die 90er bei Pillars of Eternity

    J.E. Sawyer ist sichtlich begeistert von der Fan-Reaktion auf Pillars of Eternity. J.E. Sawyer ist sichtlich begeistert von der Fan-Reaktion auf Pillars of Eternity. Quelle: Nico Mendrek Im Falle von Pillars of Eternity fand diese Begegnung in einem kleinen Baucontainer in einem Außenbereich der Consumer-Area statt. Josh Sawyer von Obsidian hat bereits Icewind Dale und Neverwinter Nights 2 designt, dabei ist er verglichen mit den bereits erwähnten Herren noch ein echter Jungspund. Er ist der Game Director von "Pillars" und muss wie jeder andere Präsentator auf der Messe alle 30 Minuten das gleiche Programm abspulen. Wobei er mit seinem Projekt noch Glück hat: Es ist dank KI und diversen Zufallselementen immer wieder ein wenig anders. Allerdings hat er das zuweilen auch Bugs zu verdanken. In unserem Fall verlor der Magier der Gruppe auf der Reise sein Spellbook (wirklich ein Bug, kein Feature - das hier ist nicht die Nordlandtrilogie) und Sawyer musste improvisieren. Nun bekam der Magier eben Waffen in die Hand gedrückt. Die Folge: Ein beinahe Party-Wipe im ersten Kampf. Es wäre nicht der erste der Messe gewesen. Pillars of Eternity ist hart, und das obwohl Sawyer auf "leicht" spielte. Es ist eben oldschool, sieht genau so aus wie wir Baldur's Gate in verklärter Erinnerung haben. Das Spiel nutzt sogar die selben Soundeffekte, Fonts, Mauszeiger und Grafikelemente. Mehr Nostalgie geht einfach nicht!

    Elite: Die nettesten Menschen der Galaxie

    Auch nicht bei Elite Dangerous: David Braben begrüßte uns in einem engen Präsentationsraum voller Hardware und erzählte entspannt von realen Sternsystemen, zufallsgenerierten Galaxien und zeigte uns Echtzeitdaten über die bevorzugten Handelsrouten des Alls von Elite, während sein Pilot John mit High End Joysticks waghalsige Manöver flog. Das Gespräch verlief locker und auf jede Frage wurde geantwortet. Hier gab es kein "darüber reden wir noch nicht" und das gesamte Team wirkte ehrlich vom Projekt begeistert und überzeugt, aber eben nicht überzogen. Das hatte man auch nicht nötig, denn die aktuelle Version von Elite sah so gut aus, dass wir am liebsten sofort selber den Joystick ergriffen hätten – was wir dann auch durften. Ohne vorherige große Anmeldung, ganz unbürokratisch wurden wir für eine Demo nach nebenan gesetzt und bekamen ein Devkit 2 der Oculus Rift aufgesetzt.

    Mit nahezu perfekter Immersion fanden wir uns so im Cockpit wieder, dockten von einer Station ab und sprangen rasch in ein anderes Sonnensystem. Während wir staunend in der Glaskanzel unseres Raumschiffs die Kulisse betrachteten und uns dank der flüssigen Rundumsicht wie mitten im All fühlten, plauderte ein Helfer fröhlich weiter und erklärte zum Beispiel, dass die brodelnde Oberfläche des Sterns vor uns und seine Corona keine feste Animation, sondern eine zufallsgenerierte Kombination verschiedenster Effekte darstellt. Für solche Spiele ist die Oculus perfekt – sogar mit empfindlichem Magen kann man dank der Orientierungspunkte des Cockpits problemlos navigieren, ohne dass einem schlecht wird. Und die Steuerung im Raumkampf ist wunderbar flüssig und intuitiv; das Gesamtpaket ist schlicht beeindruckend.

    Im Gegensatz zu den großen Publishern wählte Brabens Team übrigens einen sympathischeren Weg der Spielbetreuung: Für die deutschen Journalisten wurde extra ein Fanbeauftragter aus der hiesigen Community rekrutiert. Der übernahm dann grundsympathisch und bodenständig die Einweisung ins Spiel und wies auf die Foren hin, die Backern auch bereitwillig in der jeweiligen Muttersprache technische Hilfe und einen Ort zum Vernetzen bieten.

    01:48
    Elite: Dangerous - Trailer zum Beginn der Beta 1-Phase

    Star Citizen – und alle sind sie befreundet

    Nach diesem Ausflug ins All war Star Citizen fast schon Overkill. Natürlich sieht es auch hervorragend aus und Chris Roberts genoss sichtlich, dass sein Dasein als Star-Entwickler wieder ein Revival erlebt. Das Angenehme hier war auch, dass zwei Teams mit Spielen des selben Genres vollkommen offen auch über die jeweils anderen redeten. Chris Roberts und David Braben sind jeweils auch Backer der anderen Weltraumsimulation und sehen sich als gemeinsame Fans, nicht als Konkurrenz. Sicherlich hilft ein Polster von bereits eingenommenem Geld bei einem solch entspannten Herangehen an die Mitspieler auf dem Markt, der Kontrast zum hart umworbenen Rest der Messe ist allerdings angenehm.

    02:03
    Star Citizen: Kameraflug um die Constellation-Modelle

    Bei Dreamfall Chapters verschlägt es den Entwicklern die Stimme

    Dreamfall Chapters wurde uns ebenfalls vom Chefdesigner und Autor persönlich gezeigt: Ragnar Tørnquist hatte zwar schon am Freitag morgen keine Stimme mehr, die Begeisterung über die Chance, sein Herzblut-Projekt endlich vollenden zu dürfen, konnte er aber auch krächzend übertragen. Tørnquist hatte mit The Longest Journey und Dreamfall eine Adventure-Trilogie begonnen, die 2006 mit einem Cliffhanger endete – den dritten Teil konnte er nie umsetzen, bis heute. Kickstarter ermöglichte es, das Finale kapitelweise herauszubringen. Dreamfall Chapters wirkt ein wenig wie ein Telltale-Spiel im Stil von The Walking Dead nur mit noch deutlich mehr echten Adventure-Elementen einer größeren, in Abschnitten frei erkundbaren Welt. Die ist zwar nicht besonders hübsch, aber darüber kann man bei all der narrativen Wucht auch mal hinwegsehen.

    Vieh und Unwritten Tales

    Ein Riese - Jan Theysen präsentiert stolz das ausgesprochen hübsche Book of Unwritten Tales 2. Ein Riese - Jan Theysen präsentiert stolz das ausgesprochen hübsche Book of Unwritten Tales 2. Quelle: Nico Mendrek Hübsch ist The Book of Unwritten Tales 2 dagegen extrem. Und dank Projection Mapping, das komplexe Strukturen auf einfachere Skelette projiziert, soll es dennoch auch auf Tablets und älteren PCs problemlos laufen. King Art-Chef Jan Theysen ist auch so ein Mensch, bei dem man sich sofort wohl fühlt. Er zeigte erstmals fertige Szenen aus der Adventure-Parodie, die ab Herbst episodisch erscheinen soll. In BoUT2 wird die Fantasywelt Aventasien von einer schrecklichen Seuche bedroht, die alles und jeden in rosa "My-Little-Pony"-artige Abscheulichkeiten verwandelt. Pirat Nate, Gnom Wilbur und Elfe Ivo müssen also wieder einmal die Welt retten – und auch wenn wir es noch nicht in Aktion gesehen haben, ist auch Maskottchen "Das Vieh" wieder dabei. Der pink-plüschige Außerirdische mit dem panischen Ausdruck in den Kulleraugen war als Figur in verschiedensten Größen allgegenwärtig und dürfte mindestens ebenso oft Gast in einem Selfie geworden sein wie die Hostessen eine Halle weiter.

    Kingdom Come kam nicht vorbei

    Zwar waren noch deutlich mehr Kickstarter-Größen auf der Messe unterwegs, doch nicht jeder konnte sich einen Stand leisten – oder sah die Notwendigkeit. Daniel Vávra – der Mann hinter dem immens erfolgreichen Non-Fantasy-Mittelalter-RPG Kingdom Come - trieb sich zum Beispiel kurzzeitig auf der Con herum, sah aber ein Interview nicht ein: "Ich hab nix Neues zu erzählen ..." Das hält die großen Publisher zwar auch nicht von größenwahnsinnigen Ständen und aufwändigen Präsentationen ab, ist auch ein wenig schade aber vor allem eins: Angenehm ehrlich.

  • Stellenmarkt

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games Hardware 01/2017 PC Games 12/2016 PC Games MMore 01/2016 play³ 01/2017 Games Aktuell 12/2016 buffed 12/2016 XBG Games 11/2016
    PCGH Magazin 01/2017 PC Games 12/2016 PC Games MMORE Computec Kiosk On the Run! Birdies Run
article
1132838
Kickstarter
Die Kickstarter-Revolution der Gamescom: Star Citizen, Elite Dangerous, Pillars of Eternity und noch viel mehr
Auf der Gamescom haben wir dieses Jahr auch eine Art Parallelmesse gefunden - die großen Kickstarter-Projekte, die langsam immer mehr heranreifen, präsentierten sich ohne das Brimborium der großen Marken, aber dafür mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit und einer großen Nähe zu den Fans und Spielern. Wir haben Star Citizen, Elite: Dangerous, Pillars of Eternity und anderen nachgespürt und eine alternative Messe erlebt.
http://www.pcgameshardware.de/Kickstarter-Event-239378/Specials/Kickstarter-Revolution-der-Gamescom-1132838/
18.08.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/08/vlcsnap-2014-08-17-15h25m45s236-pc-games_b2teaser_169.png
kickstarter,indie game,star citizen
specials