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  • Kickstarter, Crowdfunding und Mods: Ein Hoch auf die Nische - Die PCGH-Meinung der Woche

    In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Philipp Reuther über den Spiele-Mainstream und die steigende Relevanz des Nischenmarktes.

    In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Heute äußert sich Philipp Reuther über den immer einfallsloseren Mainstream und den deutlichen Dynamikgewinn des Nischenmarktes, sowie die Chance, die dort zu sehen ist.

    Es ist wohl schon jedem aufgefallen, der sich schon mit Spielen auseinandersetzt: Spiele im Mainstream-Bereich ähneln sich immer stärker. Designer greifen erfolgreiche Konzepte auf, bauen sie in ihre Spiele ein und werden ihrerseits von anderen Entwicklern kopiert, wenn die Resonanz der Spielerschaft stimmt beziehungsweise sich der Titel gut verkauft. Uncharted kopiert Tomb Raider, das Reboot dieser Serie greift dann wiederum viele Elemente des eigenen Klons auf. So entstehen über Jahre hinweg im Kern sehr ähnliche Spiele. Kaum ein Rollenspiel kommt mehr ohne Mass-Effect'sche Gesprächsmenüs aus, The Witcher und Dragon Age kamen auch gut an, also werden die Fantasy-Welten düster und erwachsen. Überall muss der Spieler nun eventuell schwierige Entscheidungen treffen, die sich auf die Handlung mehr oder minder auswirken. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Entwicklung, ich bin kein Fan von klischee-belasteter Fantasy, doch etwas Einfallsreichtum und Experimentierfreude wünsche ich mir schon von den Spiele-Designern. Das gedankliche und inhaltliche Copy & Paste bewirkt nämlich, dass ich meist nach dem Wegklicken der nervigen Logos (so denn überhaupt möglich) und nach etwa 20 Sekunden des Intro-Videos schon dezent angeödet bin.

    Dabei können Rollenspiele - zumindest theoretisch - dank gemächlichem Spieletempo durch eine ausgefeilte Geschichte, interessante Charaktere und eine einfallsreiche Spielewelt unterhalten. Bei Action-Spielen und Shootern ist es für Entwickler offensichtlich deutlich schwieriger, abseits von Gameplay und Szenario frische Aspekte in das Spiele-Design zu integrieren. Unter den AAA-Shootern bietet lediglich die Bioshock-Reihe eine löbliche Abwechslung von der Standard-Kost, die hauptsächlich aus Standard-Gegnern (Russen, Nordkoreanern, Chinesen und/oder Terroristen, vielleicht aber auch Zombies, die sind momentan ja auch ziemlich hip), Standard-Waffen (Colt 1911 bis AK74) und einem Standard-Setting (Spezial-Einheit rettet Amerika) besteht. Bis auf Kleinigkeiten ähneln sich die Titel stark, von den eigenen Nachfolgern ganz zu schweigen. Spiele ich stattdessen ein Action-Adventure in Third-Person-Perspektive, kann ich mir seit dem Prince-of-Persia-Reboot beinahe sicher sein, dass ich Wände hochlaufen kann. Gibt es Schusswaffen, darf ich dank "Zahnrädern des Krieges" zudem wahrscheinlich in Deckung gehen. Wie viele Menschen arbeiten in der Spiele-Entwicklung, hat denn wirklich keiner eine eigene, gute Idee?

    Ein weiteres Problem betrifft die Starrheit, die der Mainstream mit sich bringt: Um den Massenmarkt zu befriedigen, glauben die Studios, dass ein Spiel auf keinen Fall zu kontrovers ausfallen darf. Dabei könnte man schon mit einem extrem einfachen Kniff frischen Wind ins Spiel bringen: Man dreht die Perspektive des Spielers einfach um. Warum nicht mal die militärisch kaum zu schlagenden USA angreifen? Zum Beispiel aus Sicht eines unschuldigen Familienvaters, der bei einem fehlgeleiteten Drohnenangriff seine geliebten Angehörigen in einem gleißenden Feuerball hat vergehen sehen. Übermächtiger Gegner, Drama, Emotionen - alle wichtigen Elemente eines guten Spiele-Szenarios sind vorhanden. Oder wie wäre es mit einem satirisch angehauchtem Shooter? Unterlegt von rabenschwarzem, zynischem Humor spielt man einen von der (aus westlicher Sicht) völlig überzogenen Propaganda verblendeten, nordkoreanischen Soldaten. Doch der Soldat erkennt im Verlauf, welchen Unsinn er eingetrichtert bekommen hat und danach, dass es den Soldaten der Gegenseite genauso ergeht. Da wäre sogar eine wichtige, intelligente Message, welche die Spiele-Designer ohne große Veränderungen an Mechanik, Gameplay und Design in ihren Titel einbauen könnten. Doch nein, solche Ideen sind den großen Spieleschmieden viel zu riskant. Ein Jammer, denn wie auch immer die eigene Meinung aussieht, eine zünftige Kontroverse birgt reichlich Stoff für intellektuelle Auseinandersetzungen mit sich selbst oder anderen. Warum zeigen die Studios so wenig Schneid? Um zu schockieren kann man durchaus auch mal auf weniger primitive Maßnahmen als Blut und nackte Brüste zurückgreifen, es handelt sich um virtuelle Welten und fiktive Szenarien, verdammt noch mal!

    Die Mutlosigkeit der Publisher betrifft aber auch das Konzept beziehungsweise das Genre. Bloß nichts versuchen, was nicht schon dutzende Male zuvor Erfolg gehabt hat. Das man vielleicht auch mal mit verhältnismäßig geringen Budgets und kleinen Entwicklerteams experimentieren könnte, ist offensichtlich viel zu kompliziert gedacht. Computerspiele bieten bei Artdesign, Erzählstruktur, Kommunikation und genereller künstlerischer Freiheit Möglichkeiten wie kaum ein anderes Medium. Traurigerweise liegt ein Großteil davon einfach brach. Dabei ist der Markt groß genug, um auch aus Nischenprojekten wirtschaftlichen Wert zu ziehen. Müssen Spiele wirklich hunderte von Millionen an Entwicklungsgeldern verschlingen, um Spaß zu machen? Nein, müssen sie nicht, wir Spieler haben das längst erkannt. Eine Vielzahl an Indie- und Fan-Projekten und deren Erfolg beweist es. Und genau hier findet sich dann auch endlich die Innovation, die der Mainstream so schmerzlich vermissen lässt. Einige dieser Titel konnten sich sogar zu regelrechten Massenphänomenen entwickeln. Viele greifen zudem Konzepte auf, die gänzlich aus dem Mainstream verschwunden sind, so etwa Iso-Rollenspiele, Rundenstrategie oder Weltraum-Shooter. Wasteland 2, Terraria, Star Citizen, Elite Dangerous, Legend of Grimrock, Minecraft, Battle Worlds: Kronos, Torment: Tides of Numenera, Starbound, Papers, Please und viele, viele andere Projekte bringen endlich wieder frischen Wind. Dazu kommen Fan-Projekte wie etwa Outcast: Legacy of the Yods, Portal oder DotA. Und natürlich Mods, welche die immer simpler gewordenen Gameplay-Elemente in zu engstirnigen Mainstream-Titeln wieder sinnvoll erweitern.

    Der Spiele-Markt ist mittlerweile dermaßen groß, die Entwicklung von kleinen Projekten hochgradig dynamisch und der Erfolg auch im Massenmarkt ist deutlich zu erkennen. Zudem stagnieren die Cash-Cows vieler großer Publisher zusehends. Das bedeutet, es gibt Hoffnung. Hoffnung, dass auch große Entwickler über kurz oder lang dazu gezwungen werden, wieder Schneid zu zeigen. Weil kleine Projekte drohen, selbst AAA-Titeln den Rang abzulaufen.

    Deshalb: Ein Hoch auf die Nische!

    Redaktions-Kolumne
    In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

  • Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
    Von Karli82
    Gute Kolummne, viele gute Ansätze. Würde mich freuen mal wieder ein (Mainstream-)Game zu sehen das einen Schritt…
    Von X-CosmicBlue
    Ich hab es am Wochenende bemerkt. Da war irgend so ein Betatest (ich darf nicht schreiben, was für einer) und ich war…
    Von Skysnake
    Da sag ich auch einfach mal nur /sign zu.Die Großen sind einfach viel zu Feige geworden.
    Von Hannesjooo
    Habe mehrere Konzepte, teilweise fertige mit Geschichte der Akteure und Hintergrundgeschichten der Orte und…
    Von John Preston
    Das Problem sehe ich aber auch bei den Games Journalisten, vielfach werden Mainstream Spiele COD, BF, Assassin’s Creed…
      • Von Karli82 Schraubenverwechsler(in)
        Gute Kolummne, viele gute Ansätze. Würde mich freuen mal wieder ein (Mainstream-)Game zu sehen das einen Schritt weiter geht.
      • Von X-CosmicBlue PCGH-Community-Veteran(in)
        Ich hab es am Wochenende bemerkt. Da war irgend so ein Betatest (ich darf nicht schreiben, was für einer) und ich war schwer enttäuscht von den Kämpfen bzw der Mechanik.
        Da wurde vorher groß angekündigt, man glaube, Spieler wollen keine Fertigkeitsleiste haben, dank denen sie mit den Tasten 1 bis 0 ihre Gegner angreifen können.

        Dabei wäre das so einfach und genial gewesen, wenn man wirklich nur die linke und die rechte Maustaste hat.
        Wie bei Witcher1 könnte man dann immer mächtigere Angriffe durchführen, indem man zu richtigen Zeitpunkt den nächten Angriff startet.
        Bewegungen der Maus würden die Richtung eines Angriffs angeben.
        Defensive Manöver werden durch Kombination mit Seitwärtsschritten, Zurückweichen und ducken eingeleitet, Gegenangriffe zB durch Springen.
        Die Möglichkeiten wäre so vielfältig, man überlegt sich vor dem kampf, was man in die Hände nimmt (Schild und Schwert oder liebr Bogen oder doch zwei Zauber oder nur einen, dafür gepaart mit Schwert oder Schild?) dann muß man sich angucken, wie der Gegner wohl seine Verteidigung hat (Trägt er nen Schild oder nicht? Hat er seine Waffe links oder rechts?). Nach oder zum Ende eines Angriff bekomm man kurz eine Anzeige, das dies der richtige Zeitpunkt wäre, um den nächsten Angriff zu starten. UNd Erfahrung investiert man nicht in neue Zauber oder Fertigkeiten, sondern darin, das der Zeitraum, in dem man einen Folgeangriff startet, verlängert wird.
        Das gleiche beim Blocken: Man bekommt eine Anzeige, wan der richtige Zeitpunkte wäre, um zu Blocken und mit Erfahrungspunkten wird diese Anzeige früher und länger eingeblendet.

        Naja, vielleicht sehe ich dieses System ja eines Tages doch nochmal umgesetzt...
      • Von Skysnake Lötkolbengott/-göttin
        Da sag ich auch einfach mal nur /sign zu.

        Die Großen sind einfach viel zu Feige geworden.
      • Von Hannesjooo Freizeitschrauber(in)
        Habe mehrere Konzepte, teilweise fertige mit Geschichte der Akteure und Hintergrundgeschichten der Orte und Nebendarsteller. Konzeptzeichnungen hab ich auch ein paar aber das ich kann nicht wirklich gut.
        Wenn ich mal eine Antwort bekomme lautet die meist sehr Kreativ aber zu eigen. Niemand will Geld in etwas Stecken das unter dem Einheitsbrei ein Nischendasein hat.
        Ich feiere Spiele wie Bordelands, Plants vs Zombies oder Portal aber wollen wir mal ehrlich sein. Es ist mit ziemlicher Sicherheit zusagen das es COD und BF in 10 jahren noch geben wird aber an das Spielgefühl von Day of The Tentakel kommt keines davon. Was sehr schade ist.
      • Von John Preston
        Das Problem sehe ich aber auch bei den Games Journalisten, vielfach werden Mainstream Spiele COD, BF, Assassin’s Creed, usw in den Himmel gelobt. Und wirklich einzigartige Spiele wie Outcast, Trespasser, Beyond two souls usw. werden fertig gemacht.

        Kickstarter finde ich eine tolle Sache, aber auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Die von Ihnen aufgezählten Games interessieren mich eher weniger, jeder hat halt einen anderen Geschmack.

        Ich bin gespant wie sich diese Spiele entwickeln: ASYLUM, Dreamfall Chapters, Wasteland 2 und Double Fine Adventures: Broken Age, bei dem bin ich aber skeptisch, da mir die Art der Grafik nicht gefällt. Episode Eins sollte nächsten Dienstag (14.1.2014) erscheinen. Wir werden sehen.

        Ich wünschte mir wieder einmal ein Adventure wie Overclocked, ein richtig spanender Thriller als Adventure oder ein Spiel das nur in einem Anwesen spielt, wie Resident Evil 1, Alone in the Dark 3.


        Vor allem ein Spiel mit wirklich fesselnder Story und Atmosphäre. Daher finde ich den Weg von Quantic Dream ziemlich gut, sie lassen sich von Filme inspirieren, nur dürfte man dort noch das Game Play ausbauen, so Richtung Trespasser.

        Rundenstrategie und Rollenspiele sprechen mich weniger an. Ich fand bis jetzt nur Gothic 1 + 2 wirklich gut, Skyrim ist nicht schlecht, nur die Story war ziemlich langweilig, dort hätte man viel mehr rausholen können.

        Echtzeitstrategie spricht mich, im Gegensatz zu früher, fast nicht mehr an. Homeworld 3 wäre aber ein Traum.

        Ansonsten finde ich einige Konsolen Games ziemlich toll, dort wird auch mehr von den grossen Publisher ausprobiert.


        Ein Game muss einfach fesseln, sonst wirds schnell langweilig.


        Ach noch ein Geheimtip für Städtebauer: Shining Rock Software


        Gruäss JP
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Kickstarter, Crowdfunding und Mods: Ein Hoch auf die Nische - Die PCGH-Meinung der Woche
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat. Zum Abschluss dieser Woche äußert sich Philipp Reuther über den Spiele-Mainstream und die steigende Relevanz des Nischenmarktes.
http://www.pcgameshardware.de/Kickstarter-Event-239378/Specials/Kickstarter-Crowdfunding-und-Mods-1104492/
11.01.2014
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