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  • Battle Brothers: Strategie-RPG aus Deutschland im Test - Gameplay schlägt Grafik
    Quelle: battlebrothersgame.com

    Battle Brothers: Strategie-RPG aus Deutschland im Test - Gameplay schlägt Grafik

    Mit 92 Prozent Zustimmung auf Steam hat das Strategie-Rollenspiel Battle Brothers traumhafte Wertungen. Doch ist das Spiel, das von deutschen Entwicklern stammt, wirklich ohne Fehl und Tadel? PC Games Hardware macht den Test und stellt (wieder einmal) fest: Gameplay schlägt Grafik.

    Über Battle Brothers, dem Strategie-Rollenspiel der deutschen Entwickler von Overhype Studios, hat PC Games Hardware bereits berichtet. Rund zwei Jahre lang befand sich das anspruchsvolle Taktikspiel im Early Access bei Steam, in dieser Zeit brachte das kleine Team von Overhype Studios in einem lobenswert transparenten Prozess das Spiel zur Reife. Seit dem 24. März 2017 gilt das Spiel als final auf Steam - Anlass genug, Battle Brothers näher vorzustellen.

    In einer düsteren Mittelalter-Fantasywelt ohne Magie, aber mit Monstern und Untoten betreibt der Spieler eine Söldnerfirma und entscheidet, welche Kämpfer er einstellt und in welche Scharmützel er diese auf der prozedural erzeugten, offenen Welt schickt. Das Spiel bietet eine strategische Weltkarte und eine Taktikansicht für die Schlachten - und das Konzept stellen wir im Folgenden vor.

    Battle Brothers: In Echtzeit auf der Weltkarte

    Der Spieler kann auf der Weltkarte in Echtzeit agieren und hier gibt es eine Menge zu tun. Bei jedem Kampagnenstart wird eine Welt prozedural erzeugt, das heißt, dass sich sowohl die Verteilung der 17 Städte, als auch das Terrain ändert. Das kann positiv, aber durchaus auch negativ sein (zum Beispiel durch zu lange Laufwege oder generell schlechte Logistik, die das Handeln erschwert). Wer eine besonders "schöne" Karte möchte, beginnt einfach erneut oder sucht im Internet nach speziellen "Map Seeds", die man nachspielen kann. Die Städte auf der Weltkarte sind dabei unabhängig oder gehören zu einer der drei vorhandenen Fraktionen, die sich nicht immer wohlgesonnen sind. Der Spieler läuft in Echtzeit auf der Karte umher, während im Hintergrund ein Tag- und Nachtzyklus abläuft und so die Tage vergehen. Man kann jederzeit pausieren, um beispielsweise seine Einheiten zu prüfen oder das weitere Vorgehen in Ruhe zu planen. Man besucht Städte, um Aufträge zu erhalten, und trifft auf seinen Wegen entweder freundlich oder feindlich gesinnten Gruppen. Darüber hinaus entdeckt der Spieler Behausungen von Diebesbanden, Monstern oder Untoten, die er angreifen kann. Gelegentlich wird ein geskriptetes Ereignis ausgelöst, das kleinere oder größere Folgen haben kann und bei dem sich der Spieler zumeist moralischen Fragen stellen muss.

    Den Städten kommt eine besondere Bedeutung zu, denn der Spieler muss regelmäßig seinen Vorrat an Waren auffrischen, damit seine Söldner genug Nahrung, Verbandsmaterial, Munition und Werkzeuge besitzen. Diese Waren kann man mit Gold kaufen oder nach Kämpfen als Beute einsacken. Die Städte auf der Karte unterscheiden sich erheblich in den Ausbaustufen. Vom Hinterwald-Kaff nur mit Marktplatz bis hin zu voll ausgebauten Festung mit Kathedrale, Bogen- und Rüstungsmacher ist alles drin - der Spieler sollte "seine" Spielwelt gut kennen, um das Optimum bei den Laufwegen herauszuholen. Jede Stadt hat durch seine Gebäude bedingt auch andere Waren sowie An- und Verkaufspreise, was man sich zu Nutzen machen sollte. Wer clevere Handelswege ausfindig macht, kann sehr schnell tausende von Goldstücke anhäufen, die sich dann in teure Ausrüstung investieren lassen. Außerdem ist es wichtig, "seine" Welt zu kennen, denn wichtige Gebäude wie Kapellen mit Heilern oder Trainingsunterkünfte zum schnelleren Leveln sind eher selten.

    In den Städten erhält man auch die für's Überleben wichtigen Aufträge. Das kann alles Mögliche sein: Personen oder Warenlieferungen zu anderen Städten geleiten, den Unterschlupf von Räubern, Monstern oder Untoten ausräuchern oder eine Stadt vor Angreifern beschützen. Für diese Aufträge gibt es je nach Schwierigkeit wenig oder viel Gold - wer über diplomatisches Verhalten sein Ansehen verbessert, bekommt irgendwann sogar direkt von den Fraktionen Aufträge, die sich besonders lohnen, die aber auch dafür sorgen, dass man auf stärkere Gegner wie Orks oder Goblins trifft. Auch die Untoten sind als Gegner nicht zu verachten, können sie doch mehrfach wiederbelebt werden.

    In Battle Brothers verbringt man auch nicht wenig Zeit damit, für seine Söldner die richtigen Entscheidungen beim Leven zu treffen. Sind durch Kämpfe genug XP zusammengekommen, steigt man entsprechend auf. Grundsätzlich gibt es elf Levels, beim Erreichen eines neuen muss sich der Spieler für einen neuen Perk entscheiden und kann bei drei Attributen die Werte verbessern. Das hört sich einfach an, ist aber recht komplex und wird durch sehr viele Faktoren bestimmt. So werden die Fähigkeiten der Söldner durch ihren Background und ihre individuellen Talente beeinflusst, außerdem gibt es acht Attribute und knapp 50 Perks. Da müssen viele Entscheidungen getroffen werden und es gibt durchaus widersprüchliche Meinungen, mit welchen Perk-Kombinationen man die besten Kämpfer für das Endgame schafft. Zumal es auch innerhalb der Söldner unterschiedliche Spezialisten gibt: Neben Fernkämpfern gibt es auch unterschiedliche Nahkämpfer (ein- und beidhändig) sowie den Sergeanten für die Moral.

    Darüber hinaus spielen auch Gegenstände wie Waffen, Rüstung und spezielle Gegenstände eine wichtige Rolle, um den immer stärker werdenden Gegners etwas entgegenzusetzen. Der Spieler kommt nicht drum herum, die Ausrüstung seiner bis zu 20 Söldner immer wieder zu prüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Dabei kann man nicht einfach irgendeinem Spieler eine schwere Rüstung oder eine starke Waffen verpassen, denn dafür und auch für Aktionen im Kampf braucht man einen hohen Fatigue-Wert, den man ständig leveln sollte.

    01:52
    Strategie-RPG Battle Brothers: Trailer zum Steam Early Access

    Taktische Kämpfe sind das Herzstück

    Trifft man auf Gegner, geht es nach einer kurzen und leider wenig hilfreichen Info direkt zum wie die Weltkarte prozedural erzeugten Kampf-Schauplatz. Auch hier gibt es unterschiedliches Terrain, das Auswirkungen auf Bewegungsreichweite, Angriff und Verteidigung hat. Durch Höhenunterschiede und Hindernisse kommen weitere taktische Möglichkeiten ins Spiel. Der Spieler landet mit seinen aktiven Söldnern in der Aufstellung auf dem Schlachtfeld, die vorab auf der Weltkarte definiert wurde. Dann geht es Zug um Zug, wobei die Kämpfer mit der höchsten Initiative zuerst drankommen. Je nach vorhandenen Aktionspunkten kann man beispielsweise seinen Charakter bewegen, angreifen, diverse Spezialfähigkeiten (Perks) nutzen, pausieren oder einfach gar nichts machen. Aktionen erhöhen auch die Ermüdung, was im späteren Verlauf des Kampfes zum Problem werden kann.

    Meist stehen sich die Kämpfer schon nach 1-2 Runden direkt gegenüber, was viele Auswirkungen hat. So besitzt jeder Spieler eine sogenannte Zone of Control; betritt ein Gegner diese, kann er diese nicht ohne Weiteres verlassen (es sei denn, er besitzt eine entsprechende Fähigkeit). Durch Umzingeln werden die Angriffe einfacher. Hindernisse oder eigene Soldaten können dafür sorgen, dass die Sichtlinie Die Grafik ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. blockiert wird. Aber es gibt auch Waffen, die aus der zweiten Reihe funktionieren - neben Bogen und Armbrust sind das auch bestimmte Bihänder oder Wurfgeschosse. Elemente wie einsetzbare Kampfhunde oder Falken, die das Schlachtfeld aufklären, erweitern das taktische Arsenal. Insgesamt gibt es durchaus Abwechslung auf dem Schlachtfeld, vor allem durch die vielen unterschiedlichen Waffen und Rüstungen. Und auch wenn es hart klingt: Sie sollten sich darauf einstellen, dass Charaktere auch das Zeitliche segnen.

    Das macht Battle Brothers richtig gut

    Das Kampf- und Levelsystem haben wir bereits erläutert, diese beiden Elemente gehören auch klar zu den Stärken des Spiels. Auch wenn es keine richtige Story gibt, haben sich die Entwickler doch einiges einfallen lassen, um den Spieler mit unerwarteten Wendungen und auch speziellen Events für das sogenannte Late Game bei Laune zu halten. Trophäenjäger können auch nach einzigartigen Items Ausschau halten, für die man teilweise Massenschlachten schlagen muss, wo locker 60 Einheiten oder mehr auf dem Screen rumturnen.

    Insgesamt wirkt die Grafik zumindest für den Autor auch sehr stimmig, auch wenn die Spielfiguren mit ihrem "abgeschnittenen" Körpern und "angeklebten" Waffen auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aussehen. Die düstere Stimmung und die Animationen im Kampf machen das aber locker wett.

    Ist also alles Gold, was glänzt?

    So gerne ich das als Fan des Spiels sagen würde, aber Nein, natürlich hat Battle Brothers Schwächen. Zum einen ist das Spiel einfach zu komplex und am Ende zu schwer, um es quasi ohne richtiges Tutorial auf die Menschheit loszulassen. Es gibt zwar ein paar Videos der Entwickler, am Ende ist aber viel Trial and Error angesagt. Und man sollte das Battle-Brothers-Wikia inhalieren. Battle Brothers würde ein richtiges Tutorial gut tun - ein paar Probeszenarien reichen da einfach nicht.

    Darüber hinaus hat das Reisesystem auf der Weltkarte seine Längen. Man kann zwar die Geschwindigkeit um den den Faktor 2 erhöhen, aber das reicht Natürlich hat Battle Brothers Schwächen. oft nicht, wenn man zum Beispiel für eine Mission einmal quer über die Karte laufen muss. Viele bemängeln auch die fehlende Vorschau bei Kämpfen, Rekruten, Aufträgen oder der Weltkarte beim Kampagnenstart. So wird man dazu verführt, vor jeder Aktion zu speichern, um dann möglicherweise den letzten Save noch einmal zu laden. Gerade bei den Rekruten lohnt sich das System, wenn man nicht sein Gold verschleudern will.

    Eine deutsche Version wäre bei einem Spiel made in Germany natürlich ein nettes Feature, vor allem, weil Battle Brothers wahnsinnig viel Text zu bieten hat. Und hier und da gibt es einfach Frustmomente, wenn man zum Beispiel zu Beginn einer Kampagne gleich auf Gegner trifft, die mit den aktuellen Söldner einfach nicht zu schlagen sind und Flucht nicht möglich ist.

    Und wie geht es weiter?

    Die Zukunft von Battle Brothers ist leider noch unklar. Im letzten Entwickler-Statement erklärt man, dass man an Patch 1.1 arbeite, der viele kleine Verbesserungen und Inhalte mit sich bringt. Spannend ist aber, wie es danach weitergeht. Ob das kleine Team nun eine kostenpflichtige Erweiterung entwickelt oder gleich ein neues Spiel, ist bisher noch offen. Klar ist aber, dass es weder Übersetzungen geben wird, noch eine Linux- oder Mac-Version - beides aus eher technischen und monetären Gründen. Auch Modding wird wohl eher nicht kommen - wobei der Steamworkshop nicht ausgeschlossen scheint. Wir werden die Entwicklung gespannt verfolgen und bis dahin sicher noch die eine oder andere Runde Battle Brothers spielen.

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    01:52
    Strategie-RPG Battle Brothers: Trailer zum Launch auf Steam
      • Von PCGH_Thilo Graue Eminenz
        Zitat von Rolk
        Ich wusste doch ich bin an der richtigen Adresse. Ich laufe dann wohl auch Gefahr dreistellig zu werden.
        Ich kann es nicht ausschließen.

        Ich habe jetzt aber endlich eine sehr, sehr guten Map Seed und die Nummer ziehe ich jetzt bis zum bitteren Ende durch.
      • Von Rolk Lötkolbengott/-göttin
        Ich wusste doch ich bin an der richtigen Adresse. Ich laufe dann wohl auch Gefahr dreistellig zu werden.
      • Von PCGH_Thilo Graue Eminenz
        Zitat von Rolk
        Auf der Wunschliste habe ich es. Mal sehen wie lange ich widerstehen kann.

        Wieviel Lebenszeit kostet das Spiel trotz chronischem Zeitmangel?
        Chronischer Zeitmangel bin ich bei Dir.
        Aber wenn Du quasi nur einen "perfekten" Durchlauf planst, dann solltest Du mit 30-40 Stunden recht weit kommen. Ich habe mittlerweile drei Mal neu angefangen.
      • Von Rolk Lötkolbengott/-göttin
        Auf der Wunschliste habe ich es. Mal sehen wie lange ich widerstehen kann.

        Wieviel Lebenszeit kostet das Spiel trotz chronischem Zeitmangel?
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Battle Brothers: Strategie-RPG aus Deutschland im Test - Gameplay schlägt Grafik
Mit 92 Prozent Zustimmung auf Steam hat das Strategie-Rollenspiel Battle Brothers traumhafte Wertungen. Doch ist das Spiel, das von deutschen Entwicklern stammt, wirklich ohne Fehl und Tadel? PC Games Hardware macht den Test und stellt (wieder einmal) fest: Gameplay schlägt Grafik.
http://www.pcgameshardware.de/Indie-Games-Thema-239276/Tests/Battle-Brothers-1228183/
18.05.2017
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2017/05/final_text_release-pcgh_b2teaser_169.jpg
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