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  • Homefront: The Revolution Gamescom Vorschau - Ein Spiel sehnt sich nach dem Engine-Team von Crysis 3

    Eine Stunde gespielt: Homefront 2 ist ein kompetenter Shooter mit sehr vielen kreativen Guerrila-Ideen und einer spannend erzählten Besetzer-Geschichte, die quasi den Irak-Krieg der Amerikaner umkehrt und Nordkorea in den USA einfallen lässt. Es erzählt technisch gesehen aber auch die Geschichte eines Teams, das offensichtlich noch nicht weiß, wie man die Power der CryEngine 3.6 entfesselt.

    Suchscheinwerfer am Himmel, edle Regeneffekte, High-Polygon-Modelle. Nur leider aktuell eher auf Presse-Screens, weniger im realen Spiel. Suchscheinwerfer am Himmel, edle Regeneffekte, High-Polygon-Modelle. Nur leider aktuell eher auf Presse-Screens, weniger im realen Spiel. Quelle: Deep Silver Geld alleine entwickelt zwar keine Spiele, aber den Unterschied zwischen den Budgets eines Crysis 3 und Homefront: The Revolution sehen Sie sofort. Wo Crysis 3 ein von technischer Seite her nahezu perfektes Meisterwerk ist, das von der Animation der Augen aller Charaktere über ihre Haut bis zu den Explosionen eine sehr harmonische Einheit bietet - um nicht das Wort Grafikporno in den Mund nehmen zu müssen - sieht Homefront größtenteils nur okay bis maximal gut aus. Und das obwohl es auch die CryEngine 3.5 verwendet. Hier treffen 66 Mio. US-Dollar auf eine nicht genannte Zahl, die aber vermutlich eher ein Drittel davon sein dürften. Vor allem die Charaktere wirken wenig zeitgemäß, wobei das hoffentlich der insgesamt noch sehr unfertigen Gamescom-Demo geschuldet ist: die Lippen bewegen sich, wie sie wollen, nur nicht synchron zum Dialog und wer einmal die animierte Iris von Lara Croft gesehen hat, der möchte eigentlich keinen Fischaugen-Effekt in den Gesichtern mehr erleben. In diesem Special äußern wir unsere ungefilterte Meinung, können aber auch mit dem Fakt nicht hinterm Zaun halten, das die Gamescom-Demo nach der technisch durchaus beeindruckenden Enthüllung im Juni 2014 doch ganz schön enttäuschte. Dafür kann das Ding spielerisch punkten.

    Die technische Seite: das Potential ist da, wird aber bisher nicht ausgespielt

          

    Fischaugen-Charaktere ohne lebendige Retina sind so 2013, dank Iris Parallax Mapping ließen sich die Augenbewegungen und damit auch Gespräche eigentlich auf ein Level mit Referenztiteln in diesem Bereich wie Rise of the Tomb Raider heben. Auch sind die Animationen der Demo ein bisschen staksig, der Regen plätschert nicht so lebendig, wie man das 2015 erwartet, die Level sind zu steril, die Explosionen haben nicht genug Wumms und das überlagern von niedrig aufgelösten Texturen mit Nebel funktioniert auch nur bedingt. Was Homefront: The Revolution aktuell noch fehlt, ist dieses Gefühl Triple-A zu erleben. Und ja, dazu gehört im Jahr 2015, in Zeiten von GTA 5, Just Cause 3 & Co., auch das ein Einsatzfahrzeug der koreanischen Besatzungstruppen nicht einfach als Block explodiert, sondern Türen, Motorhaube und Räder abgesprengt werden. Nun wollen wir auch nicht unfair sein, schließlich kann man von einem recht kleinen Team wie Deep Silver Dambuster nicht das gleiche erwarten wie von Crytek Frankfurt.

    Dambuster waren zwar früher mal Free Radical Design und haben mit Time Splitters 2 den wohl besten Shooter der PS2-Ära abgeliefert, aber das ist 13 Jahre her, vom Kernteam dürfte heute nicht mehr so viel übrig sein und bei der Crysis-Serie haben sie auch "nur" den Multiplayer geliefert. Sie hatten mit der Grafik-Programmierung nie etwas am Hut, während Crytek Frankfurt zeitweise als bestes Engine-Team der ganzen Branche galt. Nur dummerweise hatte ein gewisser CEO namens Yerli irgendwann die völlig absurde Idee, man könnte ja auf Free2Play umpolen - seine Top-Leute verließen fluchtartig Deutschland. Was Homefront: The Revolution jetzt braucht, ist ein fähiges Engine-Team, das all diese Standards des Jahres 2015 einbaut, vor allem Physical Based Shading. Aber gut, Publisher Deep Silver äugt vorsichtig Richtung Ende 2016, vielleicht auch erst 2017 für den Release, es bleibt also noch massig Zeit für Polishing und einen stärkeren Fokus auf die Technik. Spielerisch macht Homefront 2 bereits einen guten Eindruck.

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    Homefront - The Revolution: Gameplay-Weltpremiere von der Gamescom im Video

    Die spielerische Seite: herrlich kreativer Guerilla-Kampf

          

    Homefront: The Revolution ist eines dieser Spiele, die immer und immer wieder für Überraschungsmomente sorgen. Etwa wenn Ihnen die Munition ausgeht, Sie eine Drohne mit rotem LED-Licht blendet, fünf Soldaten das Feuer eröffnen und dabei auch noch Schutz durch einen massiven Einsatztruck erhalten, der zu allem Überfluss auch noch eine Luke auf dem Dach hat, aus der sich eine Gatling ausfahren lässt. Eigentlich wollen wir schon den Neuladen-Button drücken, doch Jason Fox von Deep Silver Dambuster interveniert: "Haben Sie schon die Hack-Granate ausprobiert?" Oh, nein haben wir nicht. Gesagt, geworfen, ruck zuck arbeitet die Selbstschuss-Anlage auf dem Dach fortan für uns und erledigt alle umstehenden Soldaten. "Der Hack dauert nur knapp 30 Sekunden, würde den Truck solange zerstören." Dafür müssen wir auf die Gastanks zielen, die etwas unterhalb des Kofferraums angebracht sind und recht schwer zu treffen sind. Doch Homefront ist ein sehr vielseitiges Spiel, das Ihnen viele Optionen für solche Situationen gibt: Sie können beispielsweise auf jedes Sturmgewehr auch ein Scharfschützen-Visier mit 12-facher Vergrößerung schrauben, damit lassen sich die KPA-Soldaten einfacher aus der Distanz ausschalten. Ziemlich praktisch ist es auch die Armbrust mit C4-Pfeilen zu laden, genauso wie in Crysis 3. Cool ist das Upgrade-System, weil wir dafür Ressourcen brauchen. So ein Molotowcocktail benötigt nicht viel mehr als Alkohol, ein Tuch und Feuerzeug, Brandmunition für die Gauge-Shotgun herzustellen ist schon schwieriger. Die ist allerdings sehr effizient, weil die Kugeln bei Aufschlag explodieren und dadurch meist nicht nur einen Soldaten eliminieren, sondern auch seine Kollegen schwer verwunden. Generell besteht das Gameplay aber weniger aus Rambo-Action und mehr vorsichtiger Erkundung. Am einfachsten lassen sich die schwer gepanzerten KPA-Konvois nämlich knacken, wenn wir ein ferngesteuertes Spielzeug-Auto mit C4 und einer Go-Pro-Kamera kombinieren. Dann einfach nur noch unerkannt unter den Truck fahren, Knöpfchen drücken, Boom.

    Homefront: The Revolution - Gamescom-Fazit

          

    Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust: auf der einen Seite bemitleide ich das Team ein bisschen, weil sie ganz offensichtlich massive Probleme haben die CryEngine in den Griff zu bekommen. Die Xbox-One-Variante hat gar unter massiven Performance-Drops zu leiden, die PC-Version lief immerhin flüssig. Und auch Mitleid mit dem Spiel selbst, weil es an allen Ecken nach Liebe und technischer Expertise fleht, die aber noch nicht bekommen hat. Wer in der Triple-A-Liga mitspielen will, der braucht Global Illumination, Physical Based Shading, High-Polycount-Modelle. Deep Silver würde also gut daran tun, mit Geld und guten Worten ein paar CryEngine-Profis einzukaufen. Auf der anderen liebe ich es für seine cleveren Spielmechaniken und vor allem auch seine Geschichte, die sich an einem neuen Ansatz versucht. Das Studio hat sich nach eigenen Aussagen stark von der realen Besatzung des Iraks durch die von den USA angeführte NATO-Allianz inspirieren lassen. Die Idee dahinter: die Amerikaner wurden zwar als Fremdkörper empfunden, aber zahlreiche Menschen sahen in ihnen auch einen potentiell starken neuen Verbündeten, der ihr Land aus der Armut führen könnte. Natürlich sind die koreanischen Truppen im Spiel aufs Extreme gepolt, das sind klassische Hollywood-Stereotype, die mordend durch die Gassen ziehen. Das haben die Amerikaner in diesem Stil nie getan, wohl aber bei den nächtlichen Raids auf Wohnhäuser Casualties, also zivile Opfer in Kauf genommen. Diese Zahl explodierte letztlich, als das Weiße Haus immer mehr Truppen abzog und deshalb Pentagon und CIA ihre Strategie von Gefangennahme und Verhör auf die direkte Tötung durch Drohnen ändern mussten. Die Briten waren die wichtigsten Verbündeten der Amerikaner, es ist also durchaus spannend, wie die Dambuster-Jungs ihre eigene Geschichte auf die koreanische Invasion projizieren.

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    01:53
    Homefront - The Revolution: Atmosphärischer Trailer von der Gamescom
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Homefront: The Revolution
Homefront: The Revolution Gamescom Vorschau - Ein Spiel sehnt sich nach dem Engine-Team von Crysis 3
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http://www.pcgameshardware.de/Homefront-The-Revolution-Spiel-54406/Specials/Gamescom-Vorschau-Preview-1167419/
10.08.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/08/Homefront_Aufmacher_01-pcgh_b2teaser_169.jpg
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