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  • Turing Phone - Hands-On mit dem James-Bond-Phone: Unhack- und unzerstörbar?

    Das Turing Phone ausprobiert: Ein chinesischer Milliardär plant als Tony Stark der echten Welt, ein Iron-Man-Phone auf den Markt zu bringen, das dank seines Bodys aus "Liquidmorphium" widerstandsfähiger sein soll als Titan und Stahl. Außerdem hat es einen eigenen Kryptographie-Chip zur Verschlüsselung von Mails eingebaut, die nur hardwareseitig von einem anderen Turing Phone decodiert werden können. Klingt nach James Bond, sieht ziemlich edel aus - mussten wir uns genauer ansehen. Von Ryan Southardt und Benjamin Kratsch.

    Wenn Daniel Craig dieses Jahr in James Bond: Spectre mal wieder die Welt oder zumindest das Vaterland retten muss, dann nutzt er dafür nicht nur seine geliebte Walther PPK, sondern auch die MI6-Version eines Sony-Xperia-Smartphones. In den Filmen knackt er damit Sicherheitssysteme und Türcodes in Sekundenschnelle, "in der echten Welt wäre das völliger Unsinn. Dafür müsste das Smartphone so viel Rechenleistung haben, das es durchbrennt", meint Syl Chao, Erfinder und CEO von Turing Robotic Industries. Seine Firma klingt wie eine, die Mister Bond infiltrieren müsste, doch ihr Ziel ist eher nobler Natur: Ein Smartphone zu bauen, das nur sehr schwer hackbar ist. Quasi ein Anti-CIA/NSA-Phone. Wir haben uns das Gerät mal näher angeschaut, eine verschlüsselte Mail geschickt und uns mit seinem Erfinder über Inspirationen vom Secret Service auf Technologieebene und Filme wie Interstellar auf Designseite unterhalten.

    Alles ist hackbar, aber wir wollen es dem Feind nicht so leicht machen Chao ist ein Mann, den Hollywood für die Rolle des Milliarden-schweren 007-Gegenspielers casten würde: Schwarze Sonnenbrille, blauer Armani-Anzug, Goldringe an den Fingern und eine Omega Seamaster an der linken Hand. Der chinesische Industrielle weiß, wie man eine Produktenthüllung inszeniert, den gleichen Zeitanzeiger hat Daniel Craig in Casino Royal getragen. "Ich will Ihnen keinen Unsinn erzählen: Unser Turing Phone ist nicht unhackbar, es ist nur schwerer zu knacken." Das Turing Phone verwendet eine End-to-End-Encryption, also eine Verschlüsselung, die von Smartphone zu Smartphone geht. Android Lollipop und iOS 8/9 haben zwar auch Verschlüsselungsalgorithmen, die laufen allerdings über Server von Google und Apple. "Wenn Sie etwas hacken wollen, ist das nur eine Frage von Ressourcen und Zeit. Knacken Sie den Server, knacken Sie alle Verschlüsselungen." Deswegen findet die Codierung von Mails direkt im Turing Phone selbst statt, die Sicherheitsarchitektur ist ein eigenes Betriebssystem mit eigenem Chip. Käufer können entweder die schnellere, aber ungeschützte Android-Variante in der 5.1er-Version booten oder sich ins Turing-OS einwählen. Dort werden Ihre E-Mails von einem separaten Kodierungs-Chip im Gerät verschlüsselt und können nur von einem anderen Turing Phone entschlüsselt werden.

    Mehr eine Spielerei, aber ganz witzig: Sie können bei den Designs zwischen futuristischen Layouts mit Digital- oder eher klassischen Tresor/Dechiffrier-Anzeigen wählen.Mehr eine Spielerei, aber ganz witzig: Sie können bei den Designs zwischen futuristischen Layouts mit Digital- oder eher klassischen Tresor/Dechiffrier-Anzeigen wählen.Quelle: PC Games Hardware

    Crypto-Keys wie beim Secret Service

          

    "Wir arbeiten mit je einem Master Public Key und einem Master Private Key. Es gibt dabei kein Key-Hosting auf Servern, stattdessen hat jedes Turing Phone einen Verschlüsselungs-chip mit eigener Identität, den 'Turing Imitation Key'." Die Technologie funktioniert so: Wir tippen eine Mail, die von unserem persönlichen Key-Generator auf einem separaten Chip verschlüsselt wird. Währenddessen können wir das Telefon normal benutzen, eine Pop-Up-Nachricht sagt dann "Turing Encryption Complete". Die Mail geht an einen anderen Turing-Phone-Besitzer, in diesem Fall die PR-Managerin von Herrn Chao. Dort wird mit Hilfe des Kryptographie-Chips unsere ID geprüft. "Turing ID Approved", heißt es auf dem Display von Chaos Kollegin. Sie legt ihren Finger auf den biometrischen Scanner an der Seite, dadurch wird die Entschlüsselung gestartet. Sie wartet kurz, "Turing Decryption Complete" steht auf dem Display, die Mail wird aufgerufen. Der Clou: Sie können normal privat über Android surfen, Apps ausprobieren etc. Der Kodierungs-Chip hingegen meldet sich nur kurz online, um Nachrichten abzurufen, danach ist er wieder offline, lässt sich also nicht angreifen.

    Zudem gibt es eine doppelte Absicherung durch den individuellen Fingerabdruck, der Teil jeder Turing ID ist. "Es ist nicht unhackbar, nur sehr aufwendig. Jeder Schlüssel wird einmalig generiert, werden Sie also gehackt, könnte der Angreifer nur diese eine Mail lesen, nicht ihr ganzes Verzeichnis. Es sei denn, er besorgt sich Ihren Fingerabdruck, aber dagegen kann Sie kein System der Welt schützen", erklärt Syl Chao, der früher Wolkenkratzer in Shanghai designt hat. Das Geld durch den Verkauf der Smartphones hat er eigentlich nicht nötig, sein Vater ist einer der reichsten Männer Chinas und soll angeblich jedem Mann 120 Mio. US-Dollar anbieten, der er es schafft, seine lesbische Tochter zu "bekehren" und zu heiraten. Eine verrückte Familie und das Turing Phone ist im Grunde eine Art Hobbyprojekt von Chao: "Der Name leitet sich von Alan Turing ab. Jenem Genie, der für die Briten im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code der deutschen Marine geknackt hat." Die Idee für den hardwarebasierten Verschlüsselungs-Chip lieferte ebenfalls ein Geheimdienst. Weil das Weiße Haus immer häufiger Ziel von Hacker-Attacken wurde, soll der Secret Service eine ganz ähnliche Technologie für seine Schutzpersonen entwickelt haben, darunter Präsident Obama. "Es ist eine Technik, die in Geheimdienst- und Regierungskreisen sehr beliebt ist", so Chao.

    Vier Designs: Beowulf, Pharao, Cardinal und Black Dragon

          

    Ausgefallenes Design trifft auf luxuriöse Materialien: die Turing Phones bestehen zu großen Teilen aus einer Metalllegierung aus Silber, Nickel, Aluminium, Kupfer und Zirconium.Ausgefallenes Design trifft auf luxuriöse Materialien: die Turing Phones bestehen zu großen Teilen aus einer Metalllegierung aus Silber, Nickel, Aluminium, Kupfer und Zirconium.Quelle: PC Games HardwareDie Turing Phones erinnern von der Displayseite stark an das Lumia 930, die Rückseite ist allerdings deutlich aufwendiger gestaltet und soll eine Geschichte erzählen: Beowulf soll der Legende nach das Monster Grendel und dessen Mutter getötet haben, um König zu werden. Bei diesem Modell ist die Unterseite in sechs Ebenen unterteilt, die jeweils eine Art verschachteltes Dreieck bilden. Mittig wird zudem das Material von blauen Gumminoppen überlagert. Der Braun-Violett-Ton soll Beowulfs Dorf repräsentieren, das Blau den Kampf im Wasser, die Noppen stehen für die Schuppenhaut von Grendels Mutter und die Kamera wird von goldenen Zacken umspielt, die für Beowulfs Krone steht. "Wer kein Geld hat, muss sich aktuell mit langweiligen, billig hergestellten Massendesigns abfinden. Das ist so traurig. Mit unseren Telefonen wollen wir ein bisschen mehr Charakter in die Technologiewelt bringen", so der extravagante CEO. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, die Telefone fühlen sich allerdings wirklich fantastisch an, weil jedes einzelne Element mit Liebe zum Detail ausgestanzt wurde. Die Noppen beim Beowulf-Phone geben zudem Halt bei schwitzigen Händen, Ihnen kann das Telefon ergo nicht mehr aus der Hand gleiten.

    Das Modell Pharao ist für Liebhaber exotischen Designs geeignet, hier treffen Cranberry-Rot, Navy-Blau und Gold aufeinander, die Muster auf der Rückseite bilden eine Pyramide. Etwas weniger auffällig und auch sehr schick ist die Mischung aus knalligem Rot und leuchtendem Weiß-Ton. Die vierte Variante namens Black Dragon soll noch ein Geheimnis bleiben und erst zur Veröffentlichung im September enthüllt werden.

    Das Dreieck-Muster ist überall gleich, aber jedes Telefon hat sechs unterschiedliche Schichten: Das in der Mitte hat Noppen, das Weiße ist glatt, das Rote eher gummiartig.Das Dreieck-Muster ist überall gleich, aber jedes Telefon hat sechs unterschiedliche Schichten: Das in der Mitte hat Noppen, das Weiße ist glatt, das Rote eher gummiartig.Quelle: PC Games Hardware

    Edles Material, die Hardware ist aber eher Standard

          

    Die Hardware ist nicht besonders beeindruckend: Snapdragon 801, 3 GiB Ram, 13-Megapixel-Kamera. Die 8-MP-Frontkamera dürfte allerdings Selfie-Fans freuen.Die Hardware ist nicht besonders beeindruckend: Snapdragon 801, 3 GiB Ram, 13-Megapixel-Kamera. Die 8-MP-Frontkamera dürfte allerdings Selfie-Fans freuen.Quelle: PC Games HardwareSo ausgefallen auch das Design sein mag, die Technik ist Standard, der Snapdragon 801 war beispielsweise bereits im 2014er Galaxy S5 verbaut. Auch ein 5,5-Zoll-1080p-Display haut heute keinen mehr aus den Socken, eine 13-Megapixel-Kamera ebenfalls nicht. Die Qualität ist gut, aber Lumias/Microsofts Smartphones bleiben in Puncto Fotoqualität unter schlechten Lichtbedingungen ungeschlagen. Interessant ist aber sicherlich das verbaute Corning Gorilla Glass der Kategorie IV, insbesondere Apple hat ja bei seiner 6er-Reihe ein riesiges Materialproblem. Die iPhones überleben selbst kleinere Unfälle selten ohne Displayriss. Chao möchte ein Vertu-Handy für den breiten Markt bauen, dafür sollte seine Firma lieber ein paar mehr High-End-Komponenten verbauen.

    Sollten Sie Vertu nicht kennen, das ist eine Smartphone-Marke für die Superreichen: Jedes Telefon wird per Hand gefertigt, es werden Diamanten eingesetzt und das Cover kann wahlweise aus Schlangen- oder Alligatorenleder bestehen, eingefasst in einen Titan-Rahmen. Nicht gerade ein Gerät für Tierliebhaber, dafür ist der Concierge-Service exquisit: Wollen Sie ihr Date oder Ihre Freundin/Frau mit einem Ständchen von Madonna, Katy Perry oder Taylor Swift sowie einer Karte für die Oscars überraschen und brauchen dafür mal schnell einen Hubschrauber, dann erledigt das der Concierge rund um die Uhr für Sie. Die Telefone fangen bei 4.000 Euro an, das Diamanten-Phone von Kim Kardashian kostet über 80.000 Euro - kleine und große Service-Extras sind da natürlich noch nicht inkludiert. Chao ist allerdings weniger auf den Luxusmarkt aus, er hat ja selbst ein Vertu-Phone dabei. "Uns geht es mehr auf praktische Anwendung: Das Flüssigmetall-Gehäuse aus "Liquidmorphium" (Legierung aus Zirkonium, Kupfer, Aluminium, Nickel und Silber) bekommt auch bei Stürzen aus großer Höhe keine Kratzer und es ist IPX8-waterproof zertifiziert." Sie können damit also auch tauchen gehen, sollten Sie mal einen schnellen Abgang Marke 007 machen müssen.

     Turing PhoneSamsung Galaxy S6HTC One M9Apple iPhone 6 Plus
    BetriebssystemAndroid 5.0 (Turing-UI)Android 5.0.2 (Touchwiz)Android 5.0 (Sense)iOS 8.x
    Display    
    Größe5,5 Zoll5,1 Zoll5,0 Zoll5,5 Zoll
    Auflösung, Pixeldichte1.920 × 1.080, 401 ppi2.560 × 1.440, 576 ppi1.920 × 1.080, 441 ppi1.920 × 1.080, 401 ppi
    Displaytyp?Super AMOLEDSuper LCD 3IPS
    SoC    
    BezeichnungSnapdragon 801Exynos 7420Snapdragon 810A8
    Strukturbreite28 nm14 nm20 nm20 nm
    Kerne, Taktraten4 × Krait 400 (2,5 GHz)4 × A57 (2,1 GHz)4 × A57 (2,0 GHz)2 × 1,4 GHz
      4 × A53 (1,5 GHz)4 × A53 (1,5 GHz) 
    GrafikeinheitAdreno 330Mali-T760Adreno 430PowerVR GX6450
    Arbeitsspeicher3 GiByte3 GiByte3 GiByte1 GiByte
    Massenspeicher16, 64 128 Gbyte32, 64, 128 GByte32 GByte (+ MicroSD)32, 64, 128 GByte
    Sonstiges    
    Kamera (Haupt/Front)13/8 MP16/5 MP20/4 MP8,0/1,2 MP
    Akku3.000 mAh2.550 mAh2.840 mAh2.915 mAh
    Größe (B×H×T)77,1 × 151,8 × 9,05 mm70,5 × 143,4 × 6,8 mm69,7 × 144,6 × 9,61 mm77,8 × 158,1 × 7,1 mm
    Gewicht? ("schwer")138 g157,5 g172 g

    Fazit

          

    Okay wow, ganz ehrlich: Für den recht fairen Preis von 610 US-Dollar für die 16-GB-Variante respektive 870 US-Dollar für 128 GB (ein iPhone 6 Plus kostet ohne Vertrag nicht weniger) bekommen Sie bei Turing tatsächlich ein Designer/Boutique-Phone, das sich stark von Mainstream-Modellen absetzt und sehr aufwendig und hochwertig verarbeitet ist. Dafür sorgen vor allem die vielen Ausstanzungen und unterschiedlichen Materialien, die sich auf der Rückseite stark erfühlen lassen und zu einem außergewöhnlichen Look beitragen. Durch das verwendete Material ist das Telefon allerdings auch etwas schwerer als die Leichtgewichte von Apple und Samsung, das Gewicht geht eher in Richtung Lumia 930. Die Security-Features können wir hier und heute nicht bewerten, dafür fehlt uns schlicht der Einblick in Verschlüsselungstechnologien. Wenn das aber wirklich alles so funktioniert, wie demonstriert, könnte das Turing Phone für alle spannend werden, die mit sensiblen Daten arbeiten. Das größte Problem dürfte allerdings die Exklusivität werden, denn Ihre ganze Firma müsste Turing Phones anschaffen, sonst können Ihre Kollegen in Zukunft keine Mails mehr von Ihnen empfangen. Mit der gleichen Problematik müssen auch die Erfinder des Blackphones kämpfen.

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http://www.pcgameshardware.de/Handy-Smartphone-229953/News/Turing-Phone-Hands-On-Test-1166641/
04.08.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/08/Turing_Aufmacher_01-pcgh_b2teaser_169.jpg
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