PCGH Retro: Die Geschichte der 3dfx Voodoo5 6000
3dfx' Voodoo5 6000 ist den meisten Lesern vermutlich ein Begriff. Doch wieviel wissen Sie wirklich über diese 3D-Legende? PC Games Hardware beleuchtet die vermutlich außergewöhnlichste Grafikkarte der Geschichte.
Nachdem Nvidia den 1. April dazu nutzte, um den Leuten mithilfe eines amüsanten Aprilscherzes die 3dfx-Übernahme ins Gedächtnis zurückzurufen, legen wir nach. Zwar können wir Ihnen trotz größter Bemühungen keinen Test der 3dfx Voodoo 590 mit ihren 233 VSA-100-Grafikchips liefern, wohl aber eine interessante Zeitreise, die ihre kleine Schwester zum Thema hat. Werfen Sie mit uns einen Blick auf die turbulente Entstehungsgeschichte der Voodoo5 6000, 3dfx' letzte (fast) marktreife Entwicklung.
Schon die erste Ausgabe der PC Games Hardware hatte 3dfx' schnellste Kreation als Titelstory. Im Laufe der letzten Jahre berichteten wir immer wieder über die wohl außergewöhnlichste Grafikkarte aller Zeiten. Wegen des durchweg positiven Feedbacks bieten wir Ihnen heute das Sahnehäubchen: einen Exklusivbericht über die Entstehung des begehrten Siliziums. Die meisten Informationen stammen von der Fan-Seite www.thedodgegarage.com/3dfx (englisch) von Gary Donovan. Er verfügt über die umfangreichste bekannte Sammlung an 3dfx-Material und stellt diese auf seiner Seite zur Schau. Die Hintergrundinformationen sind ein Sammelsurium aus eigener Recherche in diversen Fan-Foren und Kontakten zu Ex-Mitarbeitern. Mit einem stehen wir ebenfalls in Kontakt: Hank Semenec. Doch alles der Reihe nach. Viele Bilder und Informationen in diesem Artikel stammen mit freundlicher Genehmigung von Garys Seite - vielen Dank dafür. Wissbegierige, die des Englischen mächtig sind, finden auf der Page noch Unmengen weiterer Informationen rund um 3dfx.
3dfx Voodoo5 6000: Was, wer, wann, warum?
Quelle: PC Games Hardware
Voodoo5 6000 Rev. A-3700 und A3-3400 im Vergleich (oben im Bild: die Karte von PCGH-Redakteur Raffael Vötter)
Gerade die jüngeren Leser fragen sich vermutlich, warum wir wiederholt auf alten Komponenten herumreiten. Dazu eine kleine Retrospektive: Anno 1996 erscheint mit dem Voodoo Graphics der erste brauchbare 3D-Beschleuniger. Ruckelige Pixelblöcke gehören der Geschichte an; das kleine Unternehmen 3Dfx (damals noch mit großem D) wird über Nacht zum Marktführer. Doch spätestens im Jahr 2000 umklammert 3dfx' ärgster Konkurrent, Nvidia, mit der Geforce 2 Ultra die Geschwindigkeitskrone. Die Voodoo5 5500 kann lediglich mit ihrem qualitativ konkurrenzlosen FSAA dagegenhalten, sieht in Benchmarks aber kein Land gegen die exorbitant teure Nvidia-Karte. Das Prestigeprojekt "Voodoo5 6000" hatte die Aufgabe, die Führerschaft wieder an 3dfx (seit 1999 mit kleinem d) zurückzuholen. Ihre Markenzeichen lesen sich gerade für das Jahr 2000 völlig wahnsinnig: Satte vier Grafikprozessoren und 128 MiByte Speicher finden auf einer 31 Zentimeter langen Platine Platz. Doch das ambitionierte Projekt stolperte und fiel kurz vor der Ziellinie zu Boden.
Anno 1999: Die Anfänge der Voodoo5 6000
Quelle: 3dfx/Nvidia
Die V5 6000 von der Comdex '99: nur ein Dummy für Pressezwecke.
Ihren ersten großen Auftritt hatte die Voodoo5 6000 am 17. November 1999 auf der Comdex (Computer Dealer's Exhibition) in Las Vegas. Auf der ehemals zweitgrößten IT-Messe der Welt stellte 3dfx nicht nur den VSA-100-Grafikprozessor, sondern auch die darauf basierenden Karten Voodoo4 4500, Voodoo5 5500 und natürlich Voodoo5 6000 vor. Der VSA-100 (kurz für Voodoo Scalable Architecture, Codename "Napalm") war darauf ausgelegt, mit bis zu 31 Kollegen im SLI-Modus zu arbeiten. Wenig verwunderlich setzte die V5 5500 auf zwei GPUs im Paarlauf. Für Kenner der Voodoo-2-Karten von 1998 war dies keine Überraschung - das Vier-Chip-Monster V5 6000 schon.
Die auf der Messe gezeigte V5 6000 repräsentierte das ursprünglich erdachte Design mit jeweils zwei übereinander liegenden GPUs. Interessant dabei ist, dass es sich bei diesem Board um einen Dummy handelte, dem nicht ein Hauch von Funktion innewohnte. Die Platine wurde mit einigen SMDs, Speicher und vier Voodoo3-Chips (!) bestückt, Leiterbahnen sucht der Betrachter aber vergeblich. Deutlich zu sehen ist dies unten am AGP-Anschluss. Die insgesamt zwei hergestellten Exemplare gelten als "Designstudie" für die Presse - während sich in den 3dfx-Laboren die Probleme manifestierten.
Quelle: www.thedodgegarage.com/3dfx
Die Comdex-6000: Auf dem PCB sitzen Voodoo3-Chips - alle ohne Leiterbahnen.

Gab es damals eigentlich mit Multi-GPU-Systemen ebenfalls Mikrorukler?