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  • Get Even angespielt: Horror trifft auf Quantum Break und Dexter
    Quelle: The Farm 51/Bandai Namco

    Get Even angespielt: Horror trifft auf Quantum Break und Dexter

    Spannendes Spiel, spannende Technik: Farm 51 hat seine Locations mit Hilfe von Drohnen gescannt, um sie lebensecht ins Spiel zu übertragen. Auch spielerisch hat das Werk von Bandai Namco einiges auf dem Kasten: Denn in der Zukunft leben Menschen ihre mitunter perversen Fantasien in der virtuellen Realität aus. Nein, wir reden nicht von harmlosem Oculus-Porn. Wir haben eine Stunde Get Even gespielt. Von Benjamin Kratsch.

    Get Even ist zwar dank neu hinzugewonnenem Publisher Bandai Namco gerade erst aus der Versenkung zurückgekehrt, aber definitiv das außergewöhnlichste Spiel der gesamten Gamescom, denn es handelt unter einer recht obszönen Prämisse: In der Zukunft wird die Virtual Reality so echt und greifbar, dass Menschen damit ihre geheimen, da verbotenen Gelüste ausleben. Devote Personen können sich in die Rolle des Opfers drängen, an Stühle fesseln, mit Rohrstangen foltern und beschimpfen lassen. Wer eher seinen inneren Dexter ausleben will, der schlüpft in die Rolle des Geiselnehmers, schreit sein Opfer an, erniedrigt es und ergötzt sich an seiner Macht, wenn es anfängt zu winseln, je näher der Pistolenlauf rückt. Wir selbst spielen Cole Black, der in einer schon längst geschlossenen Psychiatrie Hinweisen nachjagt. Wir wissen nicht, wo wir sind und was wir hier machen, denn unsere Erinnerungen wurden ausgelöscht. Vor unserem inneren Auge taucht lediglich immer wieder eine junge, blonde Frau auf, an deren Bauch eine Bombe gebunden ist. Sie scheint Antworten zu haben, in welcher Beziehung wir zu ihr stehen lässt Producer Lionel Lovisa aber offen: "Wäre ja schade, solche Geheimnisse so früh zu enthüllen" scherzt der Mann von Entwickler The Farm 51.

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    Get Even: Gamescom-Trailer bringt neues Lebenszeichen zur Grafikbombe

    Inspiriert vom Film Butterfly Effect und Dexter

    "Mich hat Butterfly Effect fasziniert, weil es Sie als Zuschauer die ganze Zeit im Unklaren lässt, was real ist, was nicht", erklärt Producer Lovisa. "Spielt Ihnen vielleicht Ihr Unterbewusstsein einen Streich, weil es nur Fragmente von Erinnerungen hervorruft?". Im Großen und Ganzen geht es darum, diese Fragmente zusammenzufügen, die wie sich wie ein Puzzle durch die atmosphärisch düstere und spärliche, aber technisch aufwendig beleuchtete Anstalt ziehen. Wir haben zwar prinzipiell auch eine Pistole mit Schalldämpfer und töten damit mehr aus Instinkt einen Wachposten, der vor einer Art Bunkertür patrouilliert, wirklich bringen tut das aber nichts. "Wenn Sie nach dem Kill nachdenken, ob das vielleicht ein unnötiger Mord gewesen sein könnte, haben wir schon einiges erreicht." Get Even soll sich auch darum drehen, die eigene Handlung zu hinterfragen. Sie sollten hier generell kein Actionspiel erwarten: So operieren wir zwar auch Sam-Fisher-Style mit einem Sturmgewehr, mit dem wir um die Ecke spähen und schießen können, einen Großteil der rund einstündigen Gamescom-Demo verbringen wir aber damit, mithilfe eines High-Tech-Smartphone Hinweisen nachzujagen. Und nein, wir wissen auch nicht, wie man mit einer Kameralinse inklusive Scanner die DNA von getrocknetem Blut feststellen kann. Wir wissen auch nicht viel über den Protagonisten, er scheint aber kein Normalo zu sein, sondern vom gleichen Gadget-Hersteller beliefert zu werden, wie Ethan Hunt aus Mission Impossible. Schließlich können wir unsere Funde direkt mit einer internationalen Datenbank abgleichen. Das ist auf der einen Seite cool, auf der anderen aber schon auch irgendwie ein Atmosphärekiller. Farm 51 tut gut daran, dieses Feature nicht zu prominent aufzustellen, denn es wirkt doch etwas unglaubwürdig, dass der Typ auf der einen Seite nicht weiß, wer er ist und wo er sich befindet, auf der anderen aber scheinbar die Datenbanken der NSA oder eines anderen Datensammlers anzapfen kann. Extrem spannend, gerade für Sie und uns, ist aber ohnehin die technische Komponente.
    Das Spiel von The Farm 51 ist mehr Detektiv-Thriller, denn Shooter. Die meiste Zeit jagen Sie Hinweisen nach: Die Hitze in den Rohren beispielsweise weist daraufhin, dass diese erst kürzlich benutzt wurden. Das Spiel von The Farm 51 ist mehr Detektiv-Thriller, denn Shooter. Die meiste Zeit jagen Sie Hinweisen nach: Die Hitze in den Rohren beispielsweise weist daraufhin, dass diese erst kürzlich benutzt wurden. Quelle: The Farm 51/Bandai Namco

    Wenn Drohnen für die Photogrammetrie sorgen

    The Farm 51 arbeitet mit Drohnen, die Häuserwände abfliegen und nach einem vorgegebenen Protokoll tausende Fotos von jedem Zentimeter schießen, die eine selbst programmierte Software dann zu einem 3D-Konstrukt zusammensetzt. Sie machen also im Grunde das gleiche wie DICE mit Star Wars: Battlefront, nur technisch ein bisschen smarter, weil automatisierter. Die Spezialkamera an der Drohne schießt dabei permanent in alle Richtungen, dadurch erhalten die Level-Designer auch aus schwer zugänglichen Bereichen hochauflösende Aufnahmen. Und die nutzt The Farm 51 auf beeindruckende Weise. Die Wände in dieser Klinik mit angeschlossenem Weltkriegsbunker wirken so real, weil die Scan-Technologie selbst Kleinigkeiten optimal einfängt. Risse in der Mauer, Stellen, an denen der Putz abgeplatzt ist. Die Räume wirken nicht so clean oder so aufgesetzt wie häufig in Spielen, sie sind eben genau so wie in der Realität. Einige Mauerteile sind gut erhalten, andere weniger. Manche beschmiert mit Graffiti, andere mit neuer Wandfarbe übermalt. Mal ist die Farbe verlaufen, mal bereits vergilbt. Auch allerlei polnische Worte lassen sich darauf entziffern und sicherlich auch Namen von Liebespaaren, die nicht wissen, an welch grausigem Ort sie sich hier verewigt haben. Die Jungs und Mädels aus Gliwice, nahe Krakau, sollte man im Auge behalten. Gerade auch weil durch Bandai Namco jetzt entsprechend Budget hinter dem Projekt steckt. Get Even war zusammen mit Tekken 7 das größte Gamescom-Spiel der Japaner.
    Es mag Ihnen nicht gleich ins Auge fallen, aber Wände so authentisch und porös mit abgebröckelter Farbe darzustellen, ist selbst für sehr viel größere Teams eine Herausforderung. The Farm 51 nutzt dafür Drohnen-Scanner. Es mag Ihnen nicht gleich ins Auge fallen, aber Wände so authentisch und porös mit abgebröckelter Farbe darzustellen, ist selbst für sehr viel größere Teams eine Herausforderung. The Farm 51 nutzt dafür Drohnen-Scanner. Quelle: The Farm 51/Bandai Namco

    Gamescom-Fazit:

    Technisch würden wir Get Even noch nicht zwingend im Triple-A-Bereich verorten, die Beleuchtung und das sehr gelungene Level-Design machen aber Lust auf mehr. Technisch würden wir Get Even noch nicht zwingend im Triple-A-Bereich verorten, die Beleuchtung und das sehr gelungene Level-Design machen aber Lust auf mehr. Quelle: The Farm 51/Bandai Namco Get Even ist ein Spiel der etwas anderen Art. Mit einem Multiplayer, der Sie willkürlich zum Protagonist der Geschichte oder Gegner macht. Wo Sie zeitreisender Held oder mordender Soldat sein können. Und das bereits ziemlich gut aussieht. Es kann technisch jetzt nicht mit den ganz Großen mithalten, hat aber einen gewissen Charme. Gerade für Menschen, die empfänglich für die Atmosphäre eines Saw sind. Das Mauerwerk wirkt einfach authentisch, das fühlt sich an, als würden Sie gerade durch echte Bunker schleichen und weniger wie ein Videospiel. Fraglich ist natürlich, ob das ganze Konzept auch über längere Zeit funktioniert und ob sich diese technologische Vernetzung nicht vielleicht doch auf die Glaubwürdigkeit des Protagonisten auswirkt. Aber insgesamt sind wir guter Dinge, die Newcomer von Farm 51 sollte man auf dem Schirm behalten. Blutige Anfänger sind es übrigens nicht, die Gründer haben ursprünglich mal die Painkiller-Serie erfunden.

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Get Even
Get Even angespielt: Horror trifft auf Quantum Break und Dexter
Spannendes Spiel, spannende Technik: Farm 51 hat seine Locations mit Hilfe von Drohnen gescannt, um sie lebensecht ins Spiel zu übertragen. Auch spielerisch hat das Werk von Bandai Namco einiges auf dem Kasten: Denn in der Zukunft leben Menschen ihre mitunter perversen Fantasien in der virtuellen Realität aus. Nein, wir reden nicht von harmlosem Oculus-Porn. Wir haben eine Stunde Get Even gespielt. Von Benjamin Kratsch.
http://www.pcgameshardware.de/Get-Even-Spiel-14308/Specials/Gamescom-Review-1205486/
23.08.2016
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2016/08/GetEven_02-pcgh_b2teaser_169.jpg
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