Leap Motion Controller: Minority Report für Zuhause?
Wer kennt sie nicht, die stylische Szene aus Minority Report, in der Tom Cruise die eigenen Hände benutzt um den Computer zu bedienen. Nun gibt es mit dem Leap Motion Controller ein kleines USB-Gerät für Zuhause, das es ermöglicht, den heimischen PC mit genau solchen lässigen Handbewegungen zu steuern. PC Games Hardware macht den Test,
Wie cool Tom Cruise ist, kann sicherlich Kern einer ausführlichen Debatte darstellen. Doch in seinen vielen erfolgreichen Filmen gibt es immer wieder Szenen die im Gedächtnis hängen bleiben. Da wäre etwa die halsbrecherische Motorrad-Verfolgungsjagt aus Mission Impossible 2 (mit dem zum jeweiligen Untergrund passenden, automatisch wechselnden Reifen von Cruises Triumph Speed Triple), die letzte Schlacht in The Last Samurai, oder eben die Szene aus Minority Report, in der er cooler als der Gefrierpunkt durch die auf dem holografischen Display blättert, indem er lässig mit den Händen wedelt.
Die Zukunft in den eigenen vier Wänden?
Genau diese Art der Eingabe gibt es nun für Zuhause. Zwar fehlen uns noch die passenden Bildschirme, ansonsten ist die Technik aber durchaus in der Lage, durch Handbewegungen gesteuertes Input aufzunehmen und zu verarbeiten. Die Firma Leap Motion aus San Francisco, Kalifornien hat den Leap Motion Controller entwickelt, ein etwa feuerzeuggroßes USB-Gerät. Dieses schick designte, auf dem Schreibtisch kaum bemerkbare, kleine Gerät kann per Infrarot-Erkennung beide Hände inklusive Finger erfassen und die Bewegungen in ein für den PC verständliches Format übersetzen.
Ersteindruck: die Verarbeitung
Die Verabreitung des Leap Motion Controllers macht einen sehr guten Eindruck. Die einzelnen Teile fügen sich beinahe natlos in das hübsche Aluminium-Gehäuse ein, die verwendeten Materialien sind offensichtlich hochwertig, auch wenn für das Gehäuse wohl Druckguss verwendet wurde und nicht die CNC-Fräse. Das wäre aber auch preislich kaum zu realisieren. Die schwarze Plexiglasabdeckung der Infrarot-Sensoren schimmert mit edlem Glanz, vergleichbar mit Klavierlack, hat auf der anderen Seite aber auch die gleiche Anfälligkeit für Fingerabdrücke. Aber zum Betatschen ist der Motion Controller ja auch nicht gedacht. Auf der Rückseite ist eine Anti-Rutsch-Gummierung, die einen ebenso wertigen wie nützlichen Eindruck macht und dabei geruchsneutral bleibt, was nicht umbedingt selbstverständlich ist. Summa summarum gibt es hier keine negativen Auffälligkeiten.
Die Ausstattung und die Treiber
Das Gerät wird mit einem der beiden beiliegenden USB-Kabel (etwa 50 cm und 150 cm) an den PC angeschlossen und wurde in unserem Fall auch direkt von Windows 7 erkannt. Die passende Software kann man von der Homepage des Entwicklers runterladen. Diese enthält neben Treibern ein Konfigurations-Tool sowie eine Auswahl kostenloser Apps. Die Installation verlief reibungslos, allerdings funktionierte das Gerät nicht auf Anhieb und musste per manuellem Start des zugehörigen Dienstes auf die Sprünge geholfen werden.
Die in der Installationssoftware beigelegten Programme sind im Prinzip Techdemos, die verdeutlichen wie der Controller arbeitet. Recht erstaunlich ist, welch großen Einflussbereich dieses handliche Stückchen Hardware hat. Vor einem großen Monitor platziert, hat man etwa einen Kubikmeter Reaktionsspielraum, in dem die Hände, Finger, ihre Bewegungen und Positionen sowie bestimmte Eingaben wie etwa Griffe, Wischen oder das Öffen einer Faust durchaus präzise wahrgenommen wird. So weit, so vielversprechend. Eine große, designtechnisch vielleicht etwas dubiose Kameraleiste ist wohl nicht zwingende Vorrausetzung für ordentliche Bewegungsteuerung.
Der Praxistest
Die mitgelieferten, für den Controller entwickelten Apps funktionierten bei unserem Test recht gut, auch wenn die Software sich beschwerte, dass es in unserem Büro zu hell für eine optimale Bewegungserkennung war. Die einzelnen Bewegungen wurden in fast allen Fällen korrekt erkannt, trotz hell strahlender und sicher auch den Infrarot-Bereich verschmutzender Deckenbeleuchtung direkt über dem Test-Setup. Andere ausprobierte Programme funktionierten dagegen eher durchwachsen. So ist es möglich mit einer kostenlosen App die komplette Steuerung des PC mit dem Motion Controller von der Maus zu übernehmen (die Maussteuerung bleibt dabei praktischerweise ebenfalls aktiv), doch die Befehlseingabe kam uns etwas umständlich vor. Das mag aber auch an der besagten Lichtverschmutzung liegen oder aber an der in diesem Sinne wohl nicht ganz vernachlässigbaren Tatsache, dass einige in der PCGH-Redaktion schon bei Smartphones Berührungsängste bekommen. Eine weiteres getestetes Programm war Google Earth. Auch hier gab es Schwierigkeiten bei der Eingabe, oft wurde eine einzelne Bewegung als mehrere gedeutet, was einerseits an noch nicht vollständig angepasster Software, anderseits an den oben beschriebenen Hindernissen liegen kann. Die Videos auf der Herstellerseite machen jedenfalls einen deutlich kontrollierteren Eindruck als unsere wilden Flugmanöver mit offensichtlich schwerstbetrunkenen Piloten. Mit korrekten Lichtverhältnissen und einiger Eingewöhnung ist die Bedienung aber wohl zu meistern. Die Software-Auswahl ist im Moment noch recht begrenzt, das sollte sich in Zukunft jedoch noch ändern, zumal auch Asus in der Vergangenheit Interesse an dem Projekt zeigte.
Leap Motion Controller: ein Fazit
Der Leap Motion Controller ist eine sehr interessante Hardware, die für eine Vielzahl von Anwendungen benutzt werden könnte. Wie viel Spaß es macht, damit einen Ego-Shooter oder Strategie-Titel zu spielen muss zwar vorerst unbeantwortet bleiben, doch das Potential des Geräts ist groß. Man kann nicht nur den Desktop damit bedienen, sondern beispielsweise auch ein Malprogramm wie etwa Photoshop. Die Steuerung kann dabei sogar feststellen, wie stark man mit dem Stift oder Pinsel aufdrückt (je näher man dem Monitor kommt, desto stärker). Das ist gegenüber der Maus ein klarer Vorteil, genauso wie das Freihandzeichnen. Diese Möglichkeiten hat man sonst nur mit einem teuren Grafik-Tablet oder einem noch viel teureren Pen Display. Wobei bei diesen Geräten der Funktionsumfang natürlich deutlich höher ist. Auch wenn durch das magere Angebot von passenden Apps und einigen Software-Macken der Nutzen des Geräts noch recht eingeschränkt ist, halten wir den Leap Motion Controller für ein beachtenswertes Stück Hardware. Mit rund 80 Euro bleibt die Hardware auch im bezahlbaren, wenn auch nicht günstigen Rahmen. Zu ordern ist der Motion Controller im USB-Stick-Format direkt auf der Herstellerseite oder etwa auf Amazon.co.uk.
Was meinen Sie zu dem Thema? Ist Gestensteuerung die Eingabemethode der Zukunft oder umständliche Hampelei? Cool wie Tom Cruise oder lahm wie eine EU-Life-Übertragung zur Regulierung der maximal zulässigen Schnürsenkellänge? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion.
Danksagung
Wir möchten uns herzlichst bei unserem Leser Aaron Kazimirski bedanken, der uns den Leap Motion Controller freundlicherweise für diesen Artikel zur Verfügung stellte.

Nette Spielerei,aber wohl noch nicht ganz ausgereift,andere Websites kommen zu einem ähnlichen Schluss.Kann man im Auge behalten.
@PCGH/Phil: Oder könnt ihr evtl. noch einen Test mit Win8 nachschieben?
Ich bin ebenfalls interessiert!
Ich hab eins zur Steuerung des Heimkino HTPC von der Couch aus!
Musste aber lange warten, knapp ein Jahr oder so..