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  • Detroit: Become Human - düster und faszinierend wie Blade Runner
    Quelle: Quantic Dream

    Detroit: Become Human - düster und faszinierend wie Blade Runner

    Von klinisch rein und Apple-Weiß zum düsteren Neo-Noire-Thriller: David Cages Detroit: Become Human wandelt zwischen den Welten und arbeitet mit zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten, deren Wege sich in der Hightech-Metropole kreuzen. Detroit: Become Human in der E3-Vorschau. • v. Benjamin Kratsch / Ryan Southardt

    Klinisch rein ist die Fabrik, kein Staubkorn trübt die Atmosphäre. So als würde Apple gerade neue iPhones von Robotern fertigen lassen, fühlt sich der Einstieg in Detroit: Become Human an. Einer dieser schneeweißen Greifer umschlingt ein weibliches Gesicht, das erstaunlich menschlich aussieht: die Textur der Lippen, die Form der Augen, die feinen Brauen, das dezente Make-Up. Erst als die Kamera sich weiter nach unten bewegt, Stahlgewinde statt Hals und Röhren statt Muskeln einfängt, zeigt sich das wahre Antlitz: es ist eine Robo-Lady, die auf einen Körper gesetzt sogleich losbrabbelt: "Hallo, ich bin ein AX-400-Android dritter Generation. Ich koche, hüte ihre Kinder, organisiere Ihre Termine. Ich spreche 300 Sprachen und stehe als intimer Beziehungspartner jederzeit zur Verfügung. Sie brauchen mich nicht aufzuladen, denn ich bin mit einer Batterie ausgerüstet, die mich für 173 Jahre autonom agieren lässt." "Okay Honey, du bist bereit für den Verkauf", meint der IT-Experte. "Verkauf?", fragt Kara verwirrt. "Bin ich einfach nur ... ein Produkt? Ich dachte, ich wäre am Leben." Die Roboter wollen sie auseinanderreißen, sie schreit, weint, fleht, bettelt - "ich wurde gerade erst geboren, töte mich nicht. Ich habe Angst." Der Ingenieur hat Mitleid, setzt sie zusammen, so beginnt das neue Abenteuer von Quantic Dreams.

    Kara erkundet Detroit, spürt die Sonne auf der Haut, dann den Regen, versucht herauszufinden, was sie unterscheidet von einem Mensch aus Fleisch und Blut. Sie ist zunächst verzückt, dann bestürzt, denn die Welt da draußen ist nicht das Paradies, das sie sich ausgemalt hat. "Sie ist düster und kalt, unfair und gewalttätig", wie sie nach nur kurzer Zeit resümieren muss.

    Kara entdeckt die Welt, Connor muss ein Kind retten

    "Wir wollen definitiv nicht noch eine Geschichte über die Gefahr künstlicher Intelligenz erzählen, davon gibt es schon sehr viele gute", erörtert Chefautor und Creative Director David Cage. "Stattdessen wollen wir thematisieren, was eigentlich das Menschsein ausmacht und wie es sich wohl anfühlt, als Android nicht nur unsere Städte, sondern auch unsere Gefühlswelten zu erforschen. Und den Spieß umdrehen: Was wäre, wenn die Androiden die Guten wären und sie merken, dass wir sie nur ausnutzen?" Es gibt viele Geschichten darüber, wie gefährlich Androiden für uns sein könnten. Was wäre, wenn sie die Guten sind und sich ausgenutzt fühlen? - David CageAuch deshalb gibt es wie schon in Heavy Rain mehrere Charaktere, deren unterschiedliche Geschichten Sie in einer bestimmten Abfolge erleben und die lange unabhängig voneinander verlaufen, sich aber letztlich kreuzen, um die eigentliche Hauptstory zu erzählen. Connor ist ein ganz anderer Charakter als Kara: Auch er ist ein Android, doch während sie recht kindlich agiert und ihre Umwelt gerade erst kennenlernt, steht er als Special Agent im Dienst der Regierung. Er ist eher Typ Blade Runner, ein Mann, der sehr schnell Zusammenhänge erfasst und blitzschnell reagiert. Beziehungsweise, Sie müssen reagieren und viele Entscheidungen treffen.

    Als Sie in dem luxuriösen Rooftop-Loft eintreffen, ist die Situation bereits eskaliert: Zwei Polizisten wurden vom Ersatz-Familienvater erschossen, einer davon liegt in der Eingangstür, ein zweiter im Pool. Der Mann ist nämlich ein Android, gekauft als Sexpartner, Hausmann und Daddy. Doch was ist hier passiert?

    Deutlich mehr Gameplay und Erkundung, als in Beyond

          

    Das gilt es durch Durchsuchen der Wohnung herauszufinden. Wer sich die Zeit nimmt, findet beispielsweise ein Tablet mit einem Video, wodurch Sie etwas über die Beziehung des Ersatz-Dads zu seiner Tochter Emma erfahren. Je mehr Sie stöbern, desto mehr Puzzleteile fügen sich im sogenannten Reconstruct-Modus zusammen. Die müssen Sie dann anordnen und sich so ein Bild über den Tathergang machen. Generell ist Detroit: Become Human sehr viel mehr Spiel als Film. Gerade Beyond: Two Souls bekam ja viel Kritik für seine wenig interaktive und sehr geskriptete Struktur. David Cage will Ihnen jetzt deutlich mehr Freiräume und auch Zeit lassen, um die Szenerien einzusaugen. Interessant: Connor ist anders als Kara ein eher kühler Analytiker und hat keinerlei Gefühle. Es lässt ihn kalt, als sich die Mutter der Kleinen an ihn klammert und sich weinend beschwert, warum die Polizei keinen menschlichen Verhandlungsführer geschickt hat.

    Technisch gesehen musste sich Quantic Dream noch nie vor den Großen verstecken, insbesondere die Hauttexturen mit ihren feinen Poren und Unreinheiten wirkt sehr lebensecht. Das gilt auch für die Umgebung; SSAO, also Screen Space Ambient Occlusion, gibt den Objekten die nötige Tiefe und das Team arbeitet stark mit Lens-Flare-Effekten, um einen filmischen Look zu erzeugen. Lediglich an der weinenden Mama müssen die Franzosen noch arbeiten. Der Tränenfluss in Kombination mit feuchter Haut wirkt noch etwas künstlich, aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau. Generell hat Quantic Dreams auch ein gutes Händchen für lebendige Retinas, insbesondere dem Einsatzleiter des SWAT-Teams steht die Anspannung förmlich ins Gesicht geschrieben, schließlich wurden bereits zwei Polizisten erschossen. Er würde am liebsten die Geiselnahme von den Scharfschützen beenden lassen, die auf dem gegenüberliegenden Dach in Stellung gegangen sind.

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    Detroit: Become Human - Android-Thriller von Quantic Dream im E3-Trailer

    "Wofür wurde ich designt? Als ihr Sklave, als ihr Spielzeug"

          

    Doch es ist cleverer, sich nicht drängen zu lassen. Jeder Hinweis ist im Gespräch wichtig. Der Android sollte ausgetauscht werden, die Bestellung für ein neueres Modell wurde bereits von seiner Besitzerin getätigt. Und es bietet sich an, die Glock des getöteten Cops an sich zu nehmen - auch wenn daraufhin sofort eine digitale Warnung angezeigt wird, dass Androiden laut dem American Androids Act das Tragen einer Waffe strikt untersagt ist. Quantic Dream stellt eine interessante Frage, die für uns alle in einigen Jahren relevant werden wird: Was passiert, wenn Androiden so intelligent werden wie wir Menschen? Und anfangen zu fühlen? Es gibt Szenen im Spiel, da werden Androiden von ihren Besitzern im Regen stehen gelassen, was man nicht mal mit seinem Hund machen würde. Die Androiden müssen in separaten Abteilen in der U-Bahn fahren, was fast schon an die Rassendiskriminierung gegenüber den Farbigen in den USA erinnert. Ein Thema, dem sich Mafia 3 ja auch sehr stark annimmt.

    Cage hat sich die Frage gestellt, wo man eine riesige Androidenfabrik errichten würde und kam auf Detroit: 'Hier ist der Entrepreneur-Spirit, das technische Know-how und deutlich mehr Platz für weniger Geld als im Silicon Valley vorhanden', meint der Franzose. Cage hat sich die Frage gestellt, wo man eine riesige Androidenfabrik errichten würde und kam auf Detroit: "Hier ist der Entrepreneur-Spirit, das technische Know-how und deutlich mehr Platz für weniger Geld als im Silicon Valley vorhanden", meint der Franzose. Quelle: Quantic Dream Wenn Sie als Connor den Androiden zu aggressiv konfrontieren, sagt dieser nur: "Wofür wurde ich designt? Als Sklave vielleicht? Als Spielzeug?" Er lässt sich nach hinten fallen, reißt die Kleine mit - Emma stirbt und das hat Auswirkungen auf die Karriere von Connor und damit die Geschichte. Was das genau heißt, möchte Cage nicht spoilern, es ist also unklar, ob die kleine Emma noch in irgendeiner Form relevant wird. Es gibt insgesamt sechs Enden für diese Mission. Werden Sie gefragt, ob Sie eine Waffe tragen, können Sie die Wahrheit sagen und sie wegwerfen. Oder lügen und sie für den Notfall behalten. Sie können sich offensiv opfern, was allerdings das Worst-Case-Szenario ist, denn dann fällt Connor aus dem Story-Komplex komplett raus. Sie können den Androiden zum Aufgeben überreden, wenn Sie genug Informationen gesammelt haben und die richtigen Antworten geben. Oder im Blade-Runner-Style eine Kugel zwischen die Stirnlappen drücken.

    E3-Fazit - Detroit: Become Human

          

    David Cage ist sehr gut darin, intime Momente zu schreiben. Situationen, in denen Madison in Heavy Rain kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, Scott sich zitternd fragt, wie lange er seinen Job noch machen kann und Ethan Mars zusammengekauert in der Ecke sitzt, nur noch denkend an seinen Sohn. Doch Quantic Dream muss mit Detroit jetzt lernen, loszulassen und uns auf Erkundungstour zu schicken. Wir wollen als Kara verstehen lernen, was Freundschaft ist; und Liebe, warum sich Menschen umarmen, necken oder anschreien. Wir wollen durch die Stadt ziehen, Gesprächen lauschen, herausfinden, was Menschen antreibt, sich eine Robo-Dienerin zu kaufen, mit der sie Sex haben können. Das explorative Moment wird sehr wichtig für Detroit. Spannend ist auch der Kontrast zwischen den Protagonisten. Die hatten zwar in Heavy Rain alle individuelle Probleme, waren aber recht ähnlich geschrieben. Kara wirkt wie ein Kind, das die Welt entdeckt. Connor ist mehr der kühle Analytiker-Typ Jack Bauer, der nicht mit der Wimper zuckt, wenn er einem anderen Androiden eine Kugel verpasst.

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Detroit: Become Human
Detroit: Become Human - düster und faszinierend wie Blade Runner
Von klinisch rein und Apple-Weiß zum düsteren Neo-Noire-Thriller: David Cages Detroit: Become Human wandelt zwischen den Welten und arbeitet mit zwei sehr unterschiedlichen Protagonisten, deren Wege sich in der Hightech-Metropole kreuzen. Detroit: Become Human in der E3-Vorschau. • v. Benjamin Kratsch / Ryan Southardt
http://www.pcgameshardware.de/Detroit-Become-Human-Spiel-56278/Specials/E3-Vorschau-1198843/
17.06.2016
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2016/06/detroit-become-human-e32016-0008-pc-games_b2teaser_169.jpg
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