Core i9-9900K: Von Intel bezahlter Test mit Spiele-Benchmarks schürt Zweifel [Update 3 & 4: Stellungnahmen]

841
News Mark Mantel Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Core i9-9900K: Von Intel bezahlter Test mit Benchmarks hegt Zweifel (1)
Quelle: Intel

Intel hat einen umfänglichen Test zum Core i9-9900K in Auftrag gegeben, der veröffentlicht wurde, noch bevor die Fachpresse ihre Testergebnisse zeigen darf. Die Ergebnisse wirken zumindest teilweise konstruiert, auf der anderen Seite aber häufig realistisch. Unabhängige Benchmarks wird es voraussichtlich kommende Woche geben. Lustig: Intels eigener Skylake-X-Refresh wird regelrecht deklassiert.

Update 4 vom 10.10.18:

Inzwischen hat Principled Technologies selbst offiziell eine Stellungnahme in Form eines weiteren PDFs veröffentlicht, in dem das Unternehmen bekräftigt, dass der Ryzen 7 2700X nachgetestet und der Report neu veröffentlicht werden soll. Das 3DCenter merkt indes an, dass die Multicore-Enhancements laufen und keine TDP-Einschränkungen angegeben werden. Dementsprechend könnten die Intel-CPUs über ihre Standard-Turbo-Taktraten hinaus "boosten" - das ist bei Endnutzern gängige Praxis, deklariert PC Games Hardware in seinen Test allerdings explizit als OC.


Update 3 vom 10.10.18:

Gamersnexus.net ist lediglich 25 Autominuten von Principled Technologies' Niederlassung entfernt und hat sich kurzerhand dahin aufgemacht, um die aufgeworfenen Fragen zur Testmethodik zu klären. Das Unternehmen hat sich erstaunlich offen gezeigt und ein 45-minütiges Interview geführt, das in Videoform veröffentlicht wurde. Ein Mitgründer bestätigte, dass auch der Ryzen 7 2700X im Game-Modus, sprich mit vier aktiven Kernen, getestet wurde. Man habe im Vorfeld die Performance mit und ohne den Game-Modus evaluiert und gemischte Resultate erhalten - zusätzliche Fps könnte es in Spielen geben, die nur wenige Kerne auslasten, da diesen so ein größeres Energiebudget zur Verfügung steht. Die Überlegung sei daraufhin gewesen, dass ein Spieler wohl kaum zwischen verschiedenen Titeln den Game-Modus ein- beziehungsweise ausschalte und jedes Mal den PC neustarte, weshalb man sich durchgehend für den Game-Modus entschieden habe. Principled Technologies wolle den Ryzen 7 2700X jetzt noch einmal mit acht aktiven Kernen nachtesten.

Intel hat gamersnexus.net derweil eine Stellungnahme zukommen lassen (im Video ab 2:19). Demnach seien die Testsysteme innerhalb der Spezifikationen gelaufen und konfiguriert worden, um die CPU-Performance zu zeigen. "Die Daten stimmen mit dem überein, was wir in unseren Laboren gesehen haben", so Intel. Weitere Tests in den kommenden Wochen sollen aufzeigen, dass der Core i9-9900K der "beste Spiele-Prozessor der Welt" sei. Auf explizite Kritikpunkte geht Intel nicht ein.

Bildergalerie


Update 2 vom 09.10.18:

Der Youtube-Kanal Hardware Unboxed hat die Spiele Assassin's Creed: Origins, Ashes of the Singularity und Far Cry 5, welche die größten Fps-Unterschiede in der von Intel beauftragten Benchmark-Studie aufwiesen und als gut mehrkernoptimiert gelten, mit dem Game-Modus gegengetestet. Die Ergebnisse stimmen nahezu perfekt mit jenen von Principled Technologies überein. Gleichzeitig würde das erklären, warum der Ryzen Threadripper 2950X im Game-Mode, also acht aktiven Kernen auf einem Die, nahezu durchgehend schneller sei als der Ryzen 7 2700X (im Game-Modus mit nur vier aktiven Kernen).

Im Zweifel heißt es natürlich immer "für den Angeklagten". Wenn man sich mit der Thematik nicht auskennt, klingt der Game-Modus auf den ersten Blick erst einmal gut für Spiele - bloß dass er es im Falle der Ryzen-CPUs für den Sockel AM4 nicht ist. Wir warten noch eine offizielle Aussage ab, bis dahin sollte man die Ergebnisse des Core i9-9900K aber nur mit dem Core i7-8700K und nicht mit dem Ryzen 7 2700X vergleichen. Die Ergebnisse letzterer CPU wären gelinde gesagt nutzlos mit vier aktiven Kernen.


Update 1 vom 09.10.18:

Principled Technologies schreibt im Test, dass der Gaming-Modus im Ryzen-Master-Tool auf allen AMD-Systemen eingeschaltet wurde. Wir hielten das ursprünglich für eine unsaubere Formulierung, weil die Funktion erst mit Ryzen Threadripper eingeführt wurde, um einen der zwei Dies zu deaktivieren (im Falle der neuen WX-Modelle bis zu drei von vier). Nun stellt sich heraus, dass der Gaming-Modus auf den 2000er-Ryzen-CPUs ebenfalls funktioniert und einen CPU-Complex (CCX), also vier Rechenkerne und 8 MiByte L3-Cache, deaktiviert.

Sollte der Ryzen 7 2700X tatsächlich nur mit vier Kernen getestet worden sein (was bisher Spekulation ist und noch zu prüfen wäre), würde das den kompletten Vergleich natürlich ad absurdum führen. Spiele, die maximal vier Kerne nutzen, wären davon kaum betroffen. Es würde aber erklären, warum zum Beispiel Assassin's Creed: Origins so schlecht auf dem Ryzen-System läuft. Wir haben bei dem Unternehmen um eine Klarstellung gebeten und werden den Artikel aktualisieren, sobald wir eine Antwort erhalten.


Originalartikel:

Das Prozedere bei neuen Prozessoren und Grafikkarten sieht eigentlich wie folgt aus: Der Chiphersteller lässt die Fachpresse ein NDA unterschreiben, was für Non-Disclosure Agreement oder zu Deutsch Stillschweigevereinbarung steht. In dieser NDA-Zeit werden Muster verschickt, Informationen ausgetauscht und Tester erhalten alle gleich viel Zeit, um das Produkt auf den Prüfstand zu stellen. Im Falle vom Coffee-Lake-S-Refresh, der von den beiden Achtkernern Core i9-9900K und Core i7-9700K angeführt wird, hat Intel diese Kette selbst durchbrochen.

Der Chiphersteller hat einen bezahlten Test bei Principled Technologies in Auftrag gegeben, der deutlich früher veröffentlicht wurde, als es die Fachpresse darf. Das PDF wurde nicht von Intel offiziell geteilt - jedenfalls nicht uns gegenüber -, aufmerksam darauf machte die Webseite pcgamesn.com. Nun hat der Test einen großen Haken: Er stellt Behauptungen auf, die wir weder untermauern noch widerlegen dürfen, eben weil Intel die "Studie" vorab veröffentlichen ließ.

Core i9-9900K vs. Ryzen 7 2700X im bezahlten Test

Dankenswerterweise führt Principled Technologies die Testmethoden detailliert auf. Bei den Testsystemen gibt es zwei Unterschiede beim RAM und den Kühlern. Überall kamen vier 16 GiByte große DDR4-3000-Riegel von Corsair zum Einsatz. Bei Intels Core i9-9900K und Core i-8700K wurden diese mit DDR4-2666 konfiguriert, bei AMDs Ryzen 7 2700X mit DDR4-2933 - also sogar noch oberhalb der offiziellen Spezifikationen, die den Takt nur bei Mainboards mit zwei RAM-Bänken und Single-Rank-Speicher vorsehen. Offiziell unterstützt würde hier eigentlich nur DDR4-1866. Der kleine, aber feine Unterschied: Die AMD-CPU wurde anscheinend mit den laschen Standard-JEDEC-Latenzen getestet, bei den Intel-Modellen wurden die strafferen XMP-Profile geladen. Dabei profitiert Ryzen bekanntlich stark von hohen RAM-Taktraten und schnellen Timings. Die zweite Baustelle: Ausschließlich der Ryzen 7 2700X wird von den getesteten CPUs mit einem Boxed-Kühler, dem Wraith Prism, ausgeliefert. Die CPU wurde mit diesem getestet, alle anderen, auch die Ryzen Threadripper zum Vergleich, mit einem deutlich stärkeren Noctua NH-U14S. Der Ryzen 7 2700X konnte dementsprechend nicht den XFR-2-Boost ausfahren.

Lesenswert: Intel: Core i9-9900K, i7-9700K & i5-9600K offiziell vorgestellt

Die Spiele wurden derweil alle in 1080p (1.920 × 1.080 Pixel; Full HD) getestet. In den allermeisten Fällen stellte Principled Technologies die Grafikoptionen auf hoch bis sehr hoch, teilweise mit reinen GPU-Einstellungen wie MSAA-Kantenglättung. Im Test hier sei das alte Coffee-Lake-S-Topmodell teilweise signifikant schneller als die AMD-CPU, der Core i9-9900K lege noch einmal eine Schippe drauf. In Ghost Recon: Wildlands werden zum Beispiel 47,1 Prozent genannt, in Assassin's Creed: Origins 41,7 Prozent. Es werden auf der anderen Seite aber auch Beispiele aufgeführt, wo Intel kaum noch gewinne: In Rise of the Tomb Raider falle der Core i9-9900K nur noch 4,9 Prozent schneller aus, in Final Fantasy 15 und GTA 5 nur knapp 7 Prozent. Playerunknown's Battlegrounds (PUBG) laufe 13,9 Prozent schneller.

Der Core i9-9900K wird wahrscheinlich die schnellste Spiele-CPU

Im PCGH-Spieleindex ist der Core i7-8700K knapp 20 Prozent schneller als der Ryzen 7 2700X. Die Kollegen von computerbase.de kommen auf einen gemittelten Unterschied von gut 15 Prozent. Dabei werden Spiele berücksichtigt, die nur wenige Rechenkerne auslasten, wo Intel den Turbo-Taktvorteil hat, darunter zum Beispiel beliebte Blizzard-Titel. In modernen mehrkernoptimierten Spielen verringert sich der Abstand für gewöhnlich. Spendiert man Ryzen nun noch flotteren RAM, von dem AMD stärker profitiert als Intel, sinkt der Unterschied noch weiter - allerdings gilt das schon als OC.

Halten wir fest: Abgesehen von den hohen Ausreißern zeichnet der Vorabtest - trotz Bezahlung seitens Intels - ein vermutlich recht realistisches Bild, bei dem der Core i9-9900K in Spielen gar nicht mehr so viel schneller ausfällt als der Core i7-8700K. Vor allem der Takt dürfte ein paar zusätzliche Prozent herauskitzeln. Spiele skalieren schlichtweg noch nicht flächendeckend mit mehr als sechs Rechenkernen. Die gezeigten Ausreißer gilt es derweil zu überprüfen, sobald die Fachpresse das darf. Als Randnotiz: Die kleinen Skylake-X-Refresh-CPUs werden in dem Test regelrecht deklassiert, was für einen bezahlten Test mindestens ungewöhnlich ist.

Unser Problem ist Intels Vorgehensweise, den Test schon jetzt veröffentlicht zu haben. Wir dürfen unseren Testbericht, genauso wie andere Webseiten, voraussichtlich erst am 19. Oktober online stellen, wenn die Auslieferung der CPUs beginnt. Eine realistische Erwartung wäre, dass der Core i9-9900K die schnellste Spiele-CPU werden dürfte - das waren bislang schon der Core i7-8700K beziehungsweise der selektierte Core i7-8086K. Ob einem die paar Fps mehr den Aufpreis wert sind, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

841
    • Kommentare (841)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von wolflux Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von DBGTKING
        Welchen i9 meinst du denn?
        Den i9 9900k
      • Von wolflux Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von DBGTKING
        Welchen i9 meinst du denn?
        Den i9 9900k
      • Von DBGTKING
        Welchen i9 meinst du denn?
      • Von wolflux Lötkolbengott/-göttin
        Ich frage mich, ob der i9 mit dem i7 6900k vergleichbar ist.
        Wenn ja, sollte der i9 sauschnell sein, damit er an Kaufkraft gewinnt. Und das bezweifele ich nicht, da der i7 sich meist nur bis 4,3 GHz takten läßt obwohl er auch den größeren Cache besitz. .Hm.
        Würde mich mal interessieren.
      • Von gaussmath
        @PCGH; Die Überschrift solltet ihr aber nach wie vor anpassen. Das stimmt so nicht.
      • Von WhoRainZone BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von DBGTKING
        Wer ist denn der dude von alc?
        YouTube
        Anschauen und lachen
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 08/2026 PC Games 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk