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  • Takt-Dilemma: XP 3200+

    Mit alten Tricks versuchen AMD und Intel, ihren Prozessoren mehr Leistung zu entlocken. AMDs neuer Athlon XP 3200+ soll jetzt mit höherem Frontside-Bustakt punkten. Doch die Rechung geht nur bedingt auf.

    AMD und Intel haben im Desktop-Markt ein großes Problem: Die aktuellen Top-Prozessoren werden zu heiß. Rund 80 Watt Verlustleistung müssen bei den derzeit schnellsten Chips über Luftkühler abgeführt werden - das ist die Obergrenze des Zumutbaren. Spürbar höhere Megahertz-Zahlen würden deutlich mehr Hitze erzeugen - und die ist mit preiswerten und zuverlässigen Kühllösungen derzeit nicht abführbar. So treten die Chipkonzerne auf der Stelle: Bei Intel war der Pentium 4 mit 3,06 Gigahertz seit Monaten das Top-Modell, erst kürzlich legte man eine 3,2-GHz-Variante nach. AMD kommt bislang über einen Kerntakt von 2.200 Megahertz nicht hinaus. Deutlich höhere Taktfrequenzen sind erst mit neuen Fertigungsverfahren oder geschwindigkeitsoptimierten Architekturen möglich - doch die sind kurzfristig nicht in Sicht.

    Prozessor-Tricks
    Alternativen müssen her. Am leichtesten ist es, den Frontside-Bus anzuheben, also die Verbindung des Prozessors zum restlichen System (konkret: zur Northbridge) zu beschleunigen. Der Kerntakt des Prozessors bleibt dabei gleich, die entscheidende Verlustleistung ebenfalls. Trotzdem erreicht die CPU bessere Benchmark-Werte, weil der Datendurchsatz zur Northbridge und damit zu den übrigen Komponenten beschleunigt wird - zumindest, wenn der Speicher schnell genug angebunden ist.

    Intel hat im April neue Pentium-4-Prozessoren vorgestellt, die mit 200 MHz FSB-Takt bei vierfacher Datenrate arbeiten, vorher waren es 133 MHz - 166 MHz haben die Ingenieure gleich übersprungen. AMD hat im Mai nachgezogen und den FSB-Takt mit dem neuen XP 3200+ von zuletzt 166 auf 200 MHz gesteigert. Der Arbeitstakt des Prozessors wurde im Vergleich zum bisherigen Top-Modell XP 3000+ nur um 33 MHz erhöht - der schnellere FSB-Takt soll die 200 "virtuellen" Megahertz rechtfertigen.

    Benchmarks
    Nur die halbe Wahrheit Bei einigen Spielen geht diese Rechnung auf. Die PCGH-Benchmark-Sammlung läuft bei Standard-Grafikqualität auf einem XP 3200+ durchschnittlich sechs Prozent schneller als auf einem XP 3000+. Besonders die bandbreitenhungrige UT 2003-Engine und Dungeon Siege profitieren und legen jeweils acht Prozent zu. Im schlechtesten Fall verzeichneten wir immerhin noch fünf Prozent Leistungszuwachs (Unreal 2). Der Leistungsgewinn verpufft fast vollständig, wenn mit hoher Grafikqualität gespielt wird - dann limitiert bei fast allen Spielen ausschließlich die Grafikkarte (null Prozent bei UT 2003-Engine, Flyby, High Quality).

    Schneller als Intel?
    Der Prozessorname "3200+" suggeriert, dass der Athlon so schnell arbeitet wie ein Pentium 4 mit 3,2 echten Gigahertz. Verglichen mit einem Pentium 4 3,0 in optimaler Umgebung (Canterwood-Chipsatz, FSB200) geht die Quantispeed-Angabe aber nur bedingt in Ordnung. In drei von sechs Spiele-Benchmarks verliert der XP 3200+ gegen den Pentium 4 mit 3,0 GHz. Abseits der Spiele-Benchmarks fällt der Vergleich teils noch schlechter aus. Bei einigen Programmen wie bestimmter Rendering-, Audio- oder Videoschnittsoftware deklassiert der Pentium 4 den Athlon XP. Programme wie Lightwave oder der Cinebench sind mittlerweile hochgradig Pentium-4-optimiert, einige profitieren von SSE2, andere von Hyper Threading.

    Drastische Leistungseinbußen möglich
    AMD ermittelt die Quantispeed-Zahl eines Prozessors auf dem Asus A7N8X-Deluxe-Mainboard (Rev. 2) mit Nforce2. Wer einen aktuellen VIA-Chipsatz im Rechner hat, verliert Leistung und kauft statt eines XP 3200+ nur einen XP 3050+ bis 3150+ - je nach Anwendung. Das Gleiche gilt für den Speicher, der eingesetzt werden soll. Der XP 3200+ erreicht seine volle Leistung nur mit DDR400-Speicher - wird DDR333 verwendet, muss mit Performanceverlusten bis zu zehn Prozent gerechnet werden. Auch bei Intel sind Leistungseinbußen möglich: Wer zur billigeren 865-Familie (Codename: Springdale) greift, muss mit durchschnittlich sieben Prozent langsameren Frame-Raten rechnen. In der Benchmark-Rechnung gibt es noch eine weitere Variable: AMD empfiehlt, den IRQs bringenden APIC-Modus zu deaktivieren. Einige Webseiten wollen damit tatsächlich bis zu zehn Prozent höhere Benchmark-Ergebnisse erzielt haben. Unsere Testsysteme liefen ohne APIC aber keinen Frame schneller. Ohne APIC stehen zudem die zusätzlichen APIC-IRQs von 16 bis 24 nicht mehr zur Verfügung, IRQ-Konflikte werden wahrscheinlicher.

    Vorsicht beim Aufrüsten!
    Wer die neuen FSB200-Prozessoren einbauen will, braucht ein Mainboard, das diesen FSB-Takt unterstützt; in der Regel sind dies nur neueste Platinen mit Nforce2-400-, VIA-KT600- oder Sis-748-Chipsatz. Viele "ältere" Nforce2-Boards laufen mit 200 MHz FSB-Takt nicht stabil. Käufer sollten unbedingt die Webseite des Mainboard-Herstellers oder unsere Kompatibilitätsliste auf Heft-CD prüfen. In Einzelfällen, zum Beispiel bei Asus oder Epox, gibt es BIOS-Updates, die ältere Nforce2-Platinen offiziell FSB200-tauglich machen sollen. In unserem Kurztest klappte das aber noch nicht zufriedenstellend.

    Fazit: Sorgfältig rechnen
    Neben dem XP 3200+ wird AMD noch einen weiteren FSB200-Prozessor nachliefern - den XP 3000+. Dieser Prozessor ist bereits seit März erhältlich, allerdings in einer Variante mit 166 MHz FSB-Takt bei höherem Kerntakt (siehe Tabelle rechts oben). Der neue XP3000+ ist bei Spielen durchschnittlich drei Prozent schneller als der alte XP 3000+ mit 166 MHz FSB-Takt; wer die Wahl hat, sollte also zum Modell mit dem höheren FSB-Takt greifen.

    Der Athlon XP 3200+ kostet OEM-Händler 464 US-Dollar, bei deutschen Versandhändlern ist er für etwa 500 bis 550 Euro erhältlich. Die nächste größere Preissenkung erwarten wir im Juni/Juli. Die Tage des Sockel A sind indes gezählt: Wahrscheinlich wird es noch einen XP 3400+ geben, ehe der 64-Bit-Prozessor Athlon 64 das Takt-Dilemma im Herbst endlich beheben soll.

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Takt-Dilemma: XP 3200+
Mit alten Tricks versuchen AMD und Intel, ihren Prozessoren mehr Leistung zu entlocken. AMDs neuer Athlon XP 3200+ soll jetzt mit höherem Frontside-Bustakt punkten. Doch die Rechung geht nur bedingt auf.
http://www.pcgameshardware.de/CPU-Hardware-154106/Tests/Takt-Dilemma-XP-3200-191720/
09.07.2003
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2003/07/1_aufmacherpcgh.jpg
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