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  • Die PCGH-CPU-Historie: Heute mit dem Sockel 775 von Intel

    Im Verlauf dieser Serie möchten wir die wichtigsten CPU-Meilensteine seit Ende des letzten Jahrtausends vorstellen. Diese Woche: Intels Wiederauferstehung mit dem Sockel 775.

    Der Sockel 775 knüpft nahtlos an den Sockel 478 an, denn die CPUs, die Intel am 21. Juni 2004 vorstellt, sind durchweg alte Bekannte. Die Prescott-basierten Pentium 4 bieten weiterhin FSB800, 1 MiB L2-Cache und eine TDP oberhalb von 100 W. Hyper-Threading bringt zunehmend öfter Vorteile, doch 64 Bit wird weiterhin nicht unterstützt. Die Taktfrequenzen rechen von 2,8 GHz bis 3,6 GHz – kaum eine Verbesserung gegenüber den 3,4 GHz des Sockel 478, zumal viele Anwendungen weiterhin auf dem älteren (für Sockel 775 nicht verfügbaren) Northwood-Kern besser laufen. Auch der Pentium 4 Extreme Edition 3,4 auf Gallatin-Basis ist im Sockel-478-Package bereits einige Monate auf dem Markt.

    Die größte "Neuerung" im CPU-Segment stellen somit die Bezeichnungen dar. Ähnlich wie AMD seit Einführung des Athlon XP verzichtet Intel auf die Angabe der Taktfrequenz und verwendet stattdessen einen abstrakten Code. Im Gegensatz zu AMDs Quantispeedrating macht dieser jedoch gar keine Angabe zur Geschwindigkeit, sondern leitet sich direkt aus den technischen Daten ab. So codiert die erste Ziffer die Baureihe, die zweite den Takt, die dritte bleibt vorerst ungenutzt. Bei Laien sorgt die neue Namensgebung vor allem für Orientierungslosigkeit, aber Experten verrät das System später Kernzahl, Cache-Größe, Fertigungsverfahren und Taktfrequenz.

    Frequenzen sind auch der Grund für die Einführung des neuen Sockels, der, trotz einer um 60% höheren Kontaktanzahl, genau das gleiche Kommunikations-Interface für die CPU nutzt. Zum Zeitpunkt der Einführung haben Intels Pläne für die Netburst-Architektur noch Bestand, der Gigahertz-Wahn geht weiter. Der "Sockel T" alias 775 ist somit als Plattform für den kommenden "Tejas"-Kern geplant. Dieser soll, nach Prescott-Modellen mit bis zu 5 GHz, den Bereich bis ungefähr 7,5 GHz abdecken. Die 10 GHz soll anschließend mit dem "Nehalem"-Kern geknackt werden. Dessen Name fließt, im Gegensatz zu "Tejas", Jahre später tatsächlich in kaufbare CPUs ein, dann auf Basis einer deutlich effizienteren Architektur.

    Vorerst ist "Effizienz" bei Intel aber ein untergeordnetes Thema. Kundenbeschwerden über zu laute Kühler begegnet man mit dem BTX-Gehäusestandard, der eine deutliche effizientere Kühlung und den sicheren Einsatz großer Tower-Lösungen als Boxed-Kühler ermöglicht. Der Sockel T muss also große Strommengen bereitstellen und höhere Taktraten des Front-Side-Bus ermöglichen. Um die hierfür nötige, große Kontaktfläche beziehungsweise Pin-Dichte leichter zu realisieren, hat Intel Technologie aus dem Serverbereich adaptiert und den Sockel 775 als "LGA" ausgeführt.

    CPUs im Land-Grid-Array-Package haben, anders als ihre Pin-Grid-Array-Verwandten, keine Pins, sondern flache Kontaktflächen. Der Anpressdruck auf die Kontakte kann somit nicht über einen Schiebemechanismus und federnde Kontakte im Sockel wie beim bewährten ZIF-PGA-Prinzip ("zero insertion force") gewährleistet werden. Stattdessen liegen die Federelemente im Sockel 775 frei und richten sich direkt gegen die CPU. Anpressdruck wird durch einen Rahmen erzeugt, der die komplette CPU mit großer Kraft in den Sockel drückt. Die filigranen Strukturen erregen Besorgnis bezüglich mehrfacher Prozessorwechsel, doch im Praxiseinsatz erweist sich der Sockel 775 später als genauso robust, wie seine Vorgänger.

    E8700, Athlon 64 4200+ - es gibt viele erhoffte CPUs, die vor der Markteinführung wieder zurückgezogen wurden, doch selten so knapp, wie beim Pentium 4 580. Dieser ist im Sommer 2005 unter der Produktnummer BX80547PG4000E bei vier Händlern vorbestellbar und wird auf namenhaften Webseiten getestet. Doch kurz vor der erwarteten offiziellen Präsentation verschwinden die Tests wieder und bis heute hat keine CPU die 3,8 GHz Standardtakt von Pentium 4 570 und 670 überboten. In der Liste gut erkennbar ist der systematische Aufbau des Namensschemas: Ausgehend vom x3x Modell mit 3 GHz zählt die mittlere Zahl in 200 MHz Schritten den Kerntakt ab. E8700, Athlon 64 4200+ - es gibt viele erhoffte CPUs, die vor der Markteinführung wieder zurückgezogen wurden, doch selten so knapp, wie beim Pentium 4 580. Dieser ist im Sommer 2005 unter der Produktnummer BX80547PG4000E bei vier Händlern vorbestellbar und wird auf namenhaften Webseiten getestet. Doch kurz vor der erwarteten offiziellen Präsentation verschwinden die Tests wieder und bis heute hat keine CPU die 3,8 GHz Standardtakt von Pentium 4 570 und 670 überboten. In der Liste gut erkennbar ist der systematische Aufbau des Namensschemas: Ausgehend vom x3x Modell mit 3 GHz zählt die mittlere Zahl in 200 MHz Schritten den Kerntakt ab. Quelle: overclockers.ru Genutzt wird das Potenzial des neuen Sockels vorerst nur eingeschränkt. Die zeitgleich vorgestellten Chipsätze i915 und i925 leiten mit ihrem PCI-Express-Controller und optionalem DDR2-Betrieb zwar große Umbrüche ein, doch der Front Side Bus bleibt bei 200 MHz im quadpumped Betrieb. Im Oktober 2004 legt Intel eine 3,46 GHz Extreme Edition mit FSB1066 nach, die den sonst identischen i925XE-Chipsatz erfordert, doch normale Pentium 4 werden bis zum Schluss bei FSB800 bleiben. Auch die Verlustleistung steigt vorerst nur leicht von 103 W auf 115 W, obwohl Intel im November 2004 mit dem Pentium 4 570J den Standard-Takt auf bis heute ungeschlagene 3,8 GHz anhebt.

    Der Grund hierfür liegt in der zunehmenden Unzufriedenheit der Kunden. Intel ist gezwungen, den Taktanstieg zu stoppen und nutzt neue Steppings stattdessen zur Reduzierung von Kernspannung und Verlustleistung. Die Abkehr von der ursprünglichen Netburst-Philosophie wird im Oktober 2004 deutlich, als Intel mit den Pentium 5x0J eine Neuauflage aller Modelle in den Handel bringt, die als primäre Neuerung über die Stromspartechnologie EIST verfügen. Diese reduziert bei geringer Last Kerntakt und –spannung, genauso wie AMDs Cool'n'Quiet. Direkt von den Athlon 64 übernommen ist das "XD-Bit", ein zu AMDs NX-Bit kompatibles Sicherheitselement.

    Die nächste Effizienzsteigerung folgt im Februar 2005: Der Prescott 2M Kern unterscheidet sich vom originalen Prescott durch den auf zwei MiB verdoppelten L2-Cache, der die Leistung in einigen Anwendungen steigert, aber kaum Auswirkungen auf den Stromverbrauch hat – ähnlich wie zuvor der L3-Cache der Gallatin-basierten Extreme Editions. Selbige werden nun vom Pentium 4 Extreme Edition 3,73 abgelöst, der ebenfalls auf dem Prescott 2M Kern basiert und sich nur durch FSB1066 von den normalen Ausführungen unterscheidet, die vorerst mit maximal 3,6 GHz erscheinen.

    Wichtigstes Merkmal der neuen "Penitum 4 6x0" ist jedoch der Befehlssatz: Unter der Bezeichnung "EM64T" bringt Intel eine x86-64 Bit-Erweiterung auf den Endkundenmarkt (später "Intel 64" genannt, nicht mit der "Intel Architecture 64" der Itanium zu verwechseln). Diese ist bereits seit Oktober in Pentium 4 5x0F Modellen für OEM-Hersteller (vor allem Dell) erhältlich. Ob die Implementierung auf Intels eigenem x86-64 Projekt "Yamhill" basiert oder von AMD stammt, wird nie geklärt. Da Microsoft sich auf AMD64 als künftigen Desktop-Standard festgelegt hat, ist Intel in jedem Fall gezwungen, den eigentlichen Befehlssatz bei AMD zu lizensieren (im Gegenzug erhält AMD eine SSE3-Lizenz), und trotz leichter Unterschiede erweisen sich beide x86-64 Versionen in der Praxis als kompatibel.
    Interessenten der günstigeren Modelle mit 1 MiB L2 Cache müssen sich noch bis zum Juni gedulden, ehe mit den Pentium 4 5x1 auch hier flächendeckend 64 Bit geboten werden.

    Der Pentium D 840EE mit Hyperthreading kann erstmals vier Threads zeitgleich annehmen. In Erinnerung bleibt jedoch vor allem die sehr hohe Verlustleistung. Interessenten findet nur der Pentium D 805 , da er billiger als alle anderen Dual-Core ist und sich bei guter Kühlung Netburst-typisch gut übertakten lässt. Im Gegensatz zu vielen fehlerhaften Berichten handelt es sich bei Smithfield nicht um eine zusammengesetzte CPU, sondern um ein monolithisches Design. Die beiden Kerne sind jedoch funktionell voneinander getrennt und kommunizieren nur über den FSB. Der Pentium D 840EE mit Hyperthreading kann erstmals vier Threads zeitgleich annehmen. In Erinnerung bleibt jedoch vor allem die sehr hohe Verlustleistung. Interessenten findet nur der Pentium D 805 , da er billiger als alle anderen Dual-Core ist und sich bei guter Kühlung Netburst-typisch gut übertakten lässt. Im Gegensatz zu vielen fehlerhaften Berichten handelt es sich bei Smithfield nicht um eine zusammengesetzte CPU, sondern um ein monolithisches Design. Die beiden Kerne sind jedoch funktionell voneinander getrennt und kommunizieren nur über den FSB. Quelle: download.intel.com Kurz zuvor, im Mai 2005, heizt Intel den Markt mit einer dritten Baureihe von Neburst-CPUs auf Basis des "Smithfield"-Kerns an. Der Pentium D erscheint als 8x0 mit maximal 3,2 GHz und ist die erste Dual-Core-CPU für Endkunden. Auf einem DIE vereint Intel zwei vollständige Prescott-Kerne mit jeweils einem MiB L2-Cache und 64 Bit Unterstützung, HyperThreading bietet nur der "Pentium Extreme Edition 840" auf gleicher technischer Basis. Dank der Vorarbeit des Pentium 4 HT steht von Anfang an Dual-Thread-Software zur Verfügung, die von dem zweiten Kern profitiert und bis zum Jahresende werden auch die ersten Spiele folgen. Doch die doppelte Kernzahl macht sich auch bei der Verlustleistung bemerkbar. Während der normale Pentium 4 540J mit 3,2 GHz mittlerweile auf erträgliche 84 W gedrückt wurde, nutzt der 3,2 GHz Pentium D mit offiziell 130 W TDP die erweiterten Möglichkeiten des Sockel 775. Besonders beim 840 EE vermuten viele Tester, dass er diesen großzügigen TDP-Rahmen in der Praxis noch deutlich überschreitet, was ihn zur stromhungrigsten Desktop-CPU bis heute machen würde.

    Weitere Taktsteigerungen sind unter diesen Bedingungen unmöglich und so verbringt Intel den Rest des Jahres 2005 mit neuen Angeboten in niedrigen Preissegmenten und neidischen Blicken auf die Konkurrenz. Erschwert wird die Marktposition der Pentium D durch Intels Chipsatzpolitik, denn die neuen CPUs verlangen wieder nach neuen Chipsätzen - i945 und i955, die sonst keine Vorteile gegenüber ihren Vorgängern haben. Ironischerweise ermöglichen einige besonders billige Sockel 775 Mainboards auf Basis des zwei Jahre alten Sockel-478-Chipsatz i865 die Aufrüstung nach einem einfachen BIOS-Update. Am oberen Ende der Taktskala bringt Intel noch der Prescott 2M bis auf 3,8 GHz, sonst tut sich bis zum Januar 2006 nichts.

    Dann erscheinen "Presler" und "Cedar Mill". Letzterer ist im Wesentlichen ein Prescott 2M in neuer 65 nm Fertigung. Ersterer ist überhaupt kein eigener Kern, sondern vereint zwei Cedar Mill Kerne auf einem neuartigen Substrat für zwei DIEs – eine Technik, die Intel noch wertvolle Dienste erweisen wird. Größte Neuerung ist die drastisch gesenkte Verlustleistung. Die offiziellen TDP-Angaben wird Intel zwar erst später senken (teilweise bis auf 65 W), aber in Tests wird eine spürbare Verbesserung gemessen. Zudem hebt Intel die Taktraten der Pentium D nun auf 3,4 GHz an, die Extreme Edition erreicht sogar 3,46 GHz und bietet jetzt wieder FSB1066. Zu erkennen sind die neuen Pentium D an der 9 in der Produktkennung, die auf den größeren L2-Cache von nun zweimal zwei MiB hinweist, Cedar Mill Pentium 4 werden als 6x1 mit maximal 3,6 GHz verkauft.

    Im Frühjahr kann man mit Pentium D 960 und der Extreme Edition 965 (3,73 GHz) noch einmal nachlegen und die erdrückende Übermacht der Athlon 64 X2 in einen Gleichstand bei der Rechenleistung wandeln. Auch die Verlustleistung ist nicht mehr wesentlich schlimmer bei der Konkurrenz, das Preis-/Leistungsverhältnis lässt aber weiter zu wünschen übrig. Interessieren tut sich dafür kaum jemand. Seit Anfang 2006 geistern Benchmarks von "Conroe" durch das Netz und gegen die erscheinen nicht nur die ersten brauchbaren Sockel-775-Netburst-Modelle uninteressant.

    In seiner bald siebenjährigen Geschichte hat der 'Sockel T' das Ende von zwei Konkurrenzplattformen und Intels Rückkehr in den Spieler-Markt erlebt, einen seiner beiden Nachfolger überdauert, den Lebenszeit-Rekord des Sockel A um das Doppelte überboten und insgesamt 164 verschiedene CPU-Modelle beherbergt (die von einigen Mainboards vollständig unterstützt werden). Nicht schlecht für eine Plattform, die für CPUs entwickelt wurde, die nie erschienen, die mit einer unbrauchbaren Architektur startete und die bereits an ihrem ersten Tag als technisch rückständig galt. In seiner bald siebenjährigen Geschichte hat der "Sockel T" das Ende von zwei Konkurrenzplattformen und Intels Rückkehr in den Spieler-Markt erlebt, einen seiner beiden Nachfolger überdauert, den Lebenszeit-Rekord des Sockel A um das Doppelte überboten und insgesamt 164 verschiedene CPU-Modelle beherbergt (die von einigen Mainboards vollständig unterstützt werden). Nicht schlecht für eine Plattform, die für CPUs entwickelt wurde, die nie erschienen, die mit einer unbrauchbaren Architektur startete und die bereits an ihrem ersten Tag als technisch rückständig galt. Quelle: commons.wikimedia.org

    Überdeutlich werden die Verhältnisse am 27. Juli 2006 mit dem Erscheinen des "Core 2 Duo". "2" und "Duo" sind hierbei keine Dopplung, denn der Dual-Core Conroe gehört zur deutlich erweiterten, zweiten Generation ("Merom") der "Core"-Architektur. Die Erste ("Yonah") erschien parallel zu Cedar Mill und Presler als Mobile-CPU und stellte ihrerseits einen stark weiterentwickelten Pentium M dar. Das macht den Core 2 zu einem fernen Nachkommen der P6-Architektur von Pentium Pro, II und III macht, mit denen er allerdings keinen einzigen Transistor mehr gemeinsam hat.

    Tatsächlich finden sich in den neuen CPUs eher Entwicklungen der Netburst-Zeit. So verwenden die neuen CPUs den gleichen Front Side Bus (anfangs 266 MHz = FSB1066 für alle Modelle) und Smart Memory Access zum spekulativen Laden von RAM-Daten in den Cache. EM64T, NX-Bit und (erweitertes) EIST sind als Technologie ebenfalls für den Pentium 4 eingeführt worden, hier allerdings in einen neuen Kern implementiert. Verschwunden sind dagegen Hyperthreading und Trace-Cache.

    Der Core 2 Duo E6600 ist im Herbst 2006 eine begehrte Spieler-CPU: Günstiger als der E6700 oder gar der X6800, aber schneller als jeder Pentium 4, Pentium D, Athlon 64 oder Athlon FX. Der Core 2 Duo E6600 ist im Herbst 2006 eine begehrte Spieler-CPU: Günstiger als der E6700 oder gar der X6800, aber schneller als jeder Pentium 4, Pentium D, Athlon 64 oder Athlon FX. Quelle: cpu-world.com Von Yonah übernimmt man den shared-L2-Cache, dessen maximal 4 MiB von beiden Kernen flexibel genutzt werden können. Hiermit steht auch eine schnelle und vom Front Side Bus unabhängige Möglichkeit zum Datenaustausch zwischen beiden Kernen zur Verfügung. Die eigentliche Rechenpipeline ist eine Neuentwicklung, übernimmt aber die Philosophie der ersten Core-Generation und damit auch der P6-Architektur. Statt möglichst einfacher Stufen für einen hohen Takt (Netburst) verwendet man lieber eine geringere Anzahl, um die Abhängigkeit von spekulativen Ausführungen zu verringern und die Recheneffizienz zu steigern. Insgesamt sind es bei Conroe 14 Stufen – deutlich weniger, als die 20 Stufen eines Northwood oder gar die 31 eines Prescott, aber auch zwei mehr als die 12 Stufen eines Pentium III.

    Dieses effiziente Rechenwerk enthält auch eine neue SIMD-Einheit. Während die 16 neuen Befehle des SSSE3-Befehlssatzes gegenüber SSE3 nur in Spezialfällen von Bedeutung sind, machen sich die Änderungen an den Ausführungseinheiten sofort bemerkbar: Conroe kann erstmals 128-Bit-SSE-Berechnungen in einem Durchgang berechnen, während alle anderen CPUs seit dem Penitum III beziehungsweise Athlon XP mit ihren 64 Bit SIMD-Einheiten zwei Durchgänge benötigen. Das letzte Schlüsselfeature nennt sich "Intel Wide Dynamic Execution" und betrifft die Decoder-Einheiten. Core 2 Kerne verfügen erstmals über deren vier und können dadurch 33% mehr komplexe x86-Befehle in einfache µOPs für die Kerne zerlegen, was die Auslastung der Recheneinheiten verbessert.

    Die Kombination dieser Optimierungen ist schlichtweg überwältigend. Das neue Topmodell, der Core 2 Extreme X6800, erreicht mit 2933 MHz zwar nicht einmal den Takt eines Pentium 4 von 2002 und nur wenig mehr, als ein Athlon FX-57 aus dem Vorjahr. Trotzdem schlägt er die aktuellen Spitzenreiter Pentium Extreme Edition 965 und Athlon FX-62 um 20-30%, in einigen Anwendungsbereichen sogar um 40%, solange keine Limitierung durch Grafikkarte oder andere Systemkomponenten vorliegt. Auch E6600 (2400 MHz) und E6700 (2666 MHz) platzieren sich klar vor der Konkurrenz und selbst die beiden kleinsten Neuvorstellungen, der E6300 (1866 MHz) und der E6400 (2133 MHz) mit auf 2 MiB halbierten L2-Cache, gehen nicht selten als Sieger aus dem Duell mit kaum drei Monate alten High-End-CPUs hervor. Erreicht wird diese Leistung, entsprechend der TDP von nur 65 W, bei einem Stromverbrauch, der meist leicht unter konkurrierenden AMD-CPUs, auf alle Fälle aber deutlich unter dem der Netburst-Vorgänger liegt. Aus diesen Stromsparmechanismen resultiert dann auch der einzige Wehmutstropfen neben dem zunehmend inkonsistenteren Namensschema: Intel hat die Ansteuerung der Spannungsversorgung geändert, so dass Core 2 CPUs trotz identischem Sockel 775, identischem Front Side Bus, niedrigerem Verbrauch und vergleichbarer Volllast-Kernspannung auf den meisten alten Mainboards nicht laufen. Ausgenommen hiervon sind einige relativ neue Mainboards mit i975X Chipsatz, die bereits die neuen Spezifikationen berücksichtigen.

    Trotzdem führt im Herbst 2006 kein Weg an Intel vorbei. Selbst für Spieler sind die CPUs so attraktiv, wie keine Intel CPU seit Pentium II Zeiten mehr und die hohe Leistung bringt ein in der Oberklasse selten gesehenes Preis-/Leistungsverhältnis mit sich. Die Konkurrenz kann nur mit Kampfpreisen gegenhalten, als Intel schon zum nächsten Schlag ausholt. Am 2. November erscheint der Core 2 Extreme QX6700. Das Q steht dabei für Quad-Core: Die CPU verfügt, ebenso wie die 2007 folgenden Core 2 Quad, über doppelt so viele Kerne, wie Conroe. Auch der Cache und alle weiteren Einheiten haben sich verdoppelt, denn "Kentsfield" besteht aus zwei Conroe-DIEs. Um eine 130 W TDP einzuhalten, sinkt der Takt zwar leicht auf 2667 MHz, doch Leistungszuwächse von über 50% im Vergleich zum bis dahin ungeschlagenen X6800 sind möglich. AMD reagiert mit der wenig erfolgreichen Quad FX Plattform und einer Marketingkampagne, die den zusammengesetzten Kentsfield als "unechten Quadcore" bezeichnet. Doch in der Praxis wird ihm nicht die kostengünstige Verbindung beider CPU-Hälften über den Front Side Bus zum Verhängnis, sondern seine eigene Fortschrittlichkeit. Im Gegensatz zu den ersten Dual-Core CPUs, die zweieinhalb Jahre nach der ersten Dual-Thread-CPU erschienen, sind Quad-Thread-CPUs zum Erscheinen des erste Quad-Cores nur gut ein Jahr am Markt und haben sich aufgrund des hohen Preises nicht verbreitet, optimierte Software ist selten. Insbesondere Spieler werden einige Zeit warten müssen, ehe sie von den zusätzlichen Kernen profitieren können, doch Intel hat sich auf unbestimmte Zeit die Technologieführerschaft gesichert.

    Zeitgleich mit den 45 nm Core 2 stellt Intel das Tick-Tock-Schema der breiten Öffentlichkeit vor. Die 'Merom'-Familie (unter anderem Conroe und Kentsfield) wird nachträglich zum 'Tock' erklärt. Nach der 'Penryn'-Familie (ebenfalls nach ihrem Mobile-Ableger benannt, enthält unter anderem Wolfdale und Yorkfield) soll in Zukunft jedes Jahr eine neue Technologie oder ein neuer DIE-Shrink folgen, doch die Zeitabstände werden immer weiter gedehnt. Für den Sommer 2011werden somit keine Sandy Bridge Nachfolger erwartet - sondern unter anderem die letzten Vertreter der Westmere-Generation. Zeitgleich mit den 45 nm Core 2 stellt Intel das Tick-Tock-Schema der breiten Öffentlichkeit vor. Die "Merom"-Familie (unter anderem Conroe und Kentsfield) wird nachträglich zum "Tock" erklärt. Nach der "Penryn"-Familie (ebenfalls nach ihrem Mobile-Ableger benannt, enthält unter anderem Wolfdale und Yorkfield) soll in Zukunft jedes Jahr eine neue Technologie oder ein neuer DIE-Shrink folgen, doch die Zeitabstände werden immer weiter gedehnt. Für den Sommer 2011werden somit keine Sandy Bridge Nachfolger erwartet - sondern unter anderem die letzten Vertreter der Westmere-Generation. Quelle: computerbase.de Entsprechend unspektakulär entwickeln sich die folgenden zwölf Monate. Intel steigert die Taktraten der Enthusiast-Sparte auf 3 GHz beim QX6850 mit FSB1333, zusätzlich erscheinen mit dem Q6600 (2400 MHz) und Q6700 (2666 MHz) bezahlbare und entsprechend beliebte Quad-Cores. Die Core-2-Duo-Palette wird schrittweise ausgebaut und im Juli 2007 mit den E6x50 ebenfalls auf FSB1333 Modelle mit 2333 MHz bis 3 GHz umgestellt. Unterhalb davon führt Intel mit der E4000 Reihe preislich attraktive CPUs ein, die mit Taktraten um die 2 GHz für sparsame Übertakter eine Option sind: Neben dem auf 2 MiB verkleinerten Cache wird auch der Standard-FSB auf 200 MHz (FSB800) gesenkt. Daraus resultieren ähnlich hohe Multiplikatoren, wie bei den E6000 Modellen mit FSB1066, was beträchtlich Taktsteigerungen auch auf billigen Mainboards ermöglicht.

    Erst im November 2007 erscheint wieder eine CPU mit neuem Kern. Der QX9650 basiert auf dem "Yorkfield", ein aus zwei "Wolfdale"-DIEs zusammengesetzter Quadcore. Wolfdale und Yorkfield gehören zur "Penryn"-Familie und übernehmen den Aufbau der Merom-Generation, werden jedoch in sparsameren 45 nm mit bis zu 6 MiB L2-Cache pro DIE gefertigt und unterstützen SSE 4.1. Auf ihrer Basis baut Intel ab dem Frühjahr 2008 eine nie gesehene Produktvielfalt auf, die zum Teil bis heute verkauft wird.

    Die Extreme Editions gipfeln bereits im März 2008 mit dem 3200 MHz schnellen QX9770 mit FSB1600, den es als QX9775 auch für die wenig erfolgreiche Dual-CPU-Plattform "Skulltrail" mit Sockel 771 gibt. Unterhalb davon erscheinen die Core 2 Quad Q9000 mit größtenteils 2x 6 MiB L2-Cache (maximal 3000 MHz), die Core 2 Quad Q8000 mit 2x 3 MiB (maximal 2667 MHz) und die Core 2 Duo E8000 mit 1x 6 MiB (maximal 3333 MHz) als FSB1333 Modelle. Es folgen die Core 2 Duo E7000 Baureihe mit FSB1066 und 3 MiB L2-Cache (maximal 2666 MHz) und, ebenfalls auf Wolfdale-3M-Basis, die Pentium Dual Core mit 2 MiB L2-Cache als E5000 mit FSB800, die mit ihren hohen Multiplaktoren bei brauchbarer Grundleistung auch von OC-interessierten Spielern gekauft werden. Im Jahre 2009 ergänzt Intel sparsamere –s Ableger bestehender Modelle, die für Spieler uninteressanten Celeron E3000 und die Pentium Dual Core E6000 mit FSB1066 (die Produktnummern letzterer überschneiden sich mit den Core 2 Duo E6000 auf Conroe-Basis, aber andere Taktraten und Cachegröße repräsentieren). Die letzten drei Baureihen sind bis heute Teil von Intels Einstiegssegment. Am 29. August 2010 erscheinen mit den Pentium Dual Core E5700 und E6800 mit 3000 respektive 3200 MHz die neuesten Vertreter.

    Zu diesem Zeitpunkt stehen Vertreter von Westmere, dem Nach-Nachfolger von Penryn, bereits ein halbes Jahr in den Regalen und die modernen "Nachfolge"-Sockel 1156 und 1366 haben ihren Zenit überschritten (die letzte Sockel 1156 CPU wird zeitgleich vorgestellt), doch der Sockel 775 ist immer noch eine feste Größe in Intels Einstiegssegment. Erst mit dem Erscheinen günstiger Sandy-Bridge-CPUs im Frühjahr 2011 soll er endgültig abgelöst werden.

    Nächste Woche in der PCGH-CPU-Historie:
    Sockel AM2 und AM3 – AMDs steinige Aufholjagd

    Bisher erschienen in der CPU-History-Serie:
    Die PCGH-CPU-Historie: Heute mit Sockel 754, 939 und 940
    Die PCGH-CPU-Historie: Heute mit Sockel 423 und 478
    Die PCGH-CPU-Historie: Heute mit dem Sockel A und Slot A von AMD

    Wissenswert: Mehr Informationen zum Thema finden Sie in:
    AMD Zen ab 2017: Alles zu Release-Termin, CPU-Sockel, technische Daten [Update]
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    Es gibt 24 Kommentare zum Artikel
    Von mksu
    @ ruyvenMeine auf-günstigen-gebrauchten-Yorkfield-wart-Aufrüststrategie ist teilweise aufgegangen, zwar wurds keine…
    Von ruyven_macaran
    *grumel* Leute, ihr müsst endlich mal einsehen, das ihr total alten Schrott habt, der schon lange ausgetauscht wird…
    Von XE85
    Der erste echte Zweikerner war Yonah alias Core DuoMan kann alte Sockel/Technologien nicht ewig mitschleppen -…
    Von mksu
    Ich geb dem Genghis vollkommen Recht. Die könnten noch massenhaft 775-Quads produzieren, die Leute würden die Dinger…
    Von k@k@nut
    Ich habe heute noch den QX9770,mit EVGA's Nforce790i Ultra Board, irgendwo rumliegen
      • Von mksu Software-Overclocker(in)
        @ ruyven

        Meine auf-günstigen-gebrauchten-Yorkfield-wart-Aufrüststrategie ist teilweise aufgegangen, zwar wurds keine Q9450/Q9550, aber immerhin ein Q9400 für 95 € inkl. Versand. Allerdings musste ich dafür 3 Wochen lang bei Ebay aktiv sein. Unverschämt zu was für Preisen die Dinger da weggehen.

        Da entwickelt sich die CPU fast schon zur Wertanlage. Aber gerade das ist ein Zeichen, wie gut der Sockel 775 mit seinen Yorkfields ist. Ein Lynnfield á la i5-750 für den Sockel 1156 ist jedenfalls gebraucht schon deutlich günstiger zu haben als bspw. ein Q9550, ein Phenom II sowieso.
      • Von ruyven_macaran Trockeneisprofi (m/w)
        Zitat von El Sativa
        ja, da war ich auch am überlegen, ob ich mir mal nen neuen prozi mit board kaufe. und dann habe ich festgestellt, das es sich einfach nicht lohnt. den q9450 auf 3,4ghz hochgeschraubt und mit einer gtx570 befeuert. mich könnte jetzt nen i7 nicht vom hocker reißen, obwohl die leistung beindruckend ist. aber da selbst crysis1 mit alles an vernünftig läuft, lohnt sich nichts teures, was im grunde nur "geringfügig" schneller ist.


        *grumel*
        Leute, ihr müsst endlich mal einsehen, das ihr total alten Schrott habt, der schon lange ausgetauscht wird.
        sonst geht meine auf-günstigen-gebrauchten-yorkfield-wart-Aufrüststrategie doch nicht auf [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]


        Zitat von chiquita
        bin ich hier der Einzige der das Gefühl hat dass in dem ganzen Artikel nicht ein einzigesmal erwähnt wurde das es sich bei dem Conroe um den ersten echten Zweikernen seitens Intel handelt ?? xD


        Das Gefühl sollten alle haben, die den Artikel sorgfältig gelesen haben - denn nicht einmal der Erfinder der Bezeichung "unechter Quadcore" hat definiert, was ein "echter Zweikernen" ist. Alle Fakten zum Thema stehen aber drin:
        - Smithfield hatte als erster Zweikerne und beide auf einem DIE
        - Der geteilte L2-Cache von Conroe war von Yonah übernommen
        (- die dritte Definitionsmöglichkeit zum "echten Multicore" findet sich im So754/939/940 Artikel beim Athlon X2)


        Zitat von PC-Doc
        Super Artikel,
        ich wäre auch dafür das als PDF anzubieten (als Download/auf Heft-DVD).


        Du kannst die jede beliebige Webseite auch einfach selbst abspeichern


        Zitat von mksu
        Ich geb dem Genghis vollkommen Recht. Die könnten noch massenhaft 775-Quads produzieren, die Leute würden die Dinger weiter kaufen. Die 1156- und 1155-Boards bieten einem lediglich die integrierten Speichercontroller, alles andere hat 775 mit P45, auch PCIe-2.0. Ich sehe jedenfalls nicht ein, wieso ich so viel Geld für ein neues System ausgeben sollte.

        Das Problem ist Intel hat selber eingesehen, was für ein guter Sockel 775 gewesen ist, und lässt ihn jetzt künstlich EoL gehen, obwohl noch eine riesige Nachfrage da wäre.


        Die einzig mir bekannten Formate, die ohne große Nachfrage EoL gingen, waren Sockel 7 (wo nach Ausstieg Intels die Entwicklung der Plattform so gering blieb, das neuere CPUs einfach keinen Sinn mehr machten) und Slot 1 / Slot A (weil es Adapter auf Sockel 370 / A gab). Alle anderen - egal ob 370, A, 478, 754, 939, 940, AM2, 775 oder 1156 hinterließen Leute, die liebend gern nochmal aufgerüstet hätten, das mangels Produkten aber nicht konnten. Zumindest für A und 478 kann ich auch ähnliche Preisentwicklungen wie für 775 bestätigen: "schweine teuer" für Jahre alte High-End-CPUs, weil einfach jeder gerne einen zum Aufrüsten hätte. (besonders bei So478 war es extrem, denn der 3,4 erschien erst, nachdem mit So754 was besseres zu haben war und der 3,2EE war von Anfang an dreimal so teuer, wie er hätte sein dürfen. Der 3,4EE hat dann beide Eigenschaften kombiniert -> kaum gekauft -> kaum Gebrauchtangebote -> astronmische Preise. N Dreivierteljahr nach Conroestart hab ich bei eBay einen gesehen, der für 555€ wegging: wow: )
      • Von XE85 Moderator
        Zitat von chiquita
        bin ich hier der Einzige der das Gefühl hat dass in dem ganzen Artikel nicht ein einzigesmal erwähnt wurde das es sich bei dem Conroe um den ersten echten Zweikernen seitens Intel handelt ?? xD
        Der erste echte Zweikerner war Yonah alias Core Duo

        Zitat von mksu

        Das Problem ist Intel hat selber eingesehen, was für ein guter Sockel 775 gewesen ist, und lässt ihn jetzt künstlich EoL gehen, obwohl noch eine riesige Nachfrage da wäre.
        Man kann alte Sockel/Technologien nicht ewig mitschleppen - irgendwann gehen dann die fertigungskapazitäten aus. Auch AMD wird wohl die "alten" CPUs (Phenom II und Athlon II) für den Sockel AM3 und darunter möglichst schnell auslaufen lassen um genug Kapazität für Bulldozer und Llano zu haben. Auch hier wird es wohl ähnlich sein wie beim 775, trotz neuer CPUs wird die Nachfrage nach den alten, vor allem den 6 Kernern groß sein. BD kompatibel sollen ja laut aktuellem Stand nur ganz wenige AM3 Boards sein.

        mfg
      • Von mksu Software-Overclocker(in)
        Ich geb dem Genghis vollkommen Recht. Die könnten noch massenhaft 775-Quads produzieren, die Leute würden die Dinger weiter kaufen. Die 1156- und 1155-Boards bieten einem lediglich die integrierten Speichercontroller, alles andere hat 775 mit P45, auch PCIe-2.0. Ich sehe jedenfalls nicht ein, wieso ich so viel Geld für ein neues System ausgeben sollte.

        Das Problem ist Intel hat selber eingesehen, was für ein guter Sockel 775 gewesen ist, und lässt ihn jetzt künstlich EoL gehen, obwohl noch eine riesige Nachfrage da wäre.
      • Von k@k@nut Software-Overclocker(in)
        Ich habe heute noch den QX9770,mit EVGA's Nforce790i Ultra Board, irgendwo rumliegen
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817663
CPU
Rückblick
Im Verlauf dieser Serie möchten wir die wichtigsten CPU-Meilensteine seit Ende des letzten Jahrtausends vorstellen. Diese Woche: Intels Wiederauferstehung mit dem Sockel 775.
http://www.pcgameshardware.de/CPU-Hardware-154106/Specials/Rueckblick-817663/
03.04.2011
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2011/03/d775.jpg
intel,cpu
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