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  • [Update: Patch 1.1] Horror-Adventure Betrayer im Test: Als schwarzweißes Horror-Adventure wider den Mainstream

    Das von ehemaligen Monolith-Entwicklern programmierte Horror-Adventure Betrayer hat kürzlich den Early-Access-Status verlassen. Wir haben dem Titel mit der ungewöhnlichen Farbgebung auf den Zahn gefühlt und geprüft, ob das vorab gelobte Indie-Projekt seinen Erwartungen gerecht wird.

    Update: Ein neuer Patch mit Version 1.1 vom 31. März (danke an die zahlreiche Hinweise im Kommentarbereich!) bringt einige Neuerungen mit sich, die wir nicht unerwähnt lassen wollen. Laut Entwickler untersuche man immer noch UI-Crashes und Speicherfehlermeldungen, derweil hat man aber den besagten Patch veröffentlicht, der neben diversen Bugfixes auch Änderungen bei der Spielbalance (z. B. bei der Sichtweite der Gegner und deren Wahrnehmung) und den Schwierigkeitsgraden vornimmt. So gibt es nun zwei, statt drei Schwierigkeitsgrade. Das vereinfacht das Spiel auf Wunsch potenziell. Man kann auch das Droppen von Loot nach dem Tod nun ein- oder ausschalten.

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    Das Horror-Adventure Betrayer wurde schon vor seiner Veröffentlichung als Geheimtipp gefeiert. Tatsächlich zeigt für die Entwicklung des Horror-Adventures mit Blackpowder Games ein Indie-Entwickler verantwortlich, dessen Mitarbeiter bereits für Monolith Beachtliches auf die Beine stellten. So stammt nicht nur F.E.A.R aus deren Feder, sondern auch der urkitschige Agenten-Shooter No One Lives Forver. Ob Betrayer wirklich zu einem Geheimtipp gereift ist, klären wir im folgenden Test der Release-Fassung. So viel vorweg: Betrayer ist kein Mainstream-Titel.

    Betrayer im Test: Ein dunkles Erwachen

    In Betrayer finden wir uns ganz konventionell an einer scheinbar verlassenen Küste wieder und müssen uns dort erst einmal zurechtfinden. Wir schreiben das Jahr 1604, so viel ist schon mal sicher. Weniger klar ist, was es mit dem Verbleib der Siedler auf sich hat, die in der Neuen Welt eigentlich ein halbwegs sorgenfreies Leben führen wollten. Intros oder schwulstig inszenierte Zwischensequenzen gibt es jedenfalls nicht. Die Story müssen wir uns selbst erarbeiten, indem wir Hinweise untersuchen und kombinieren. Eine kleine Hilfe ist uns die "Maiden in Red" als offenbar einzige Überlebende. Schade nur, dass sie Probleme mit ihrem Gedächtnis hat.

    Wir bräuchten unterdessen dringend einen Augenarzt, so scheint es. Denn die Welt in Betrayer offenbart sich lediglich in Weiß-, Grau- und Schwarztönen. Nur Gegner und besondere Elemente wie Flaggen, Wasserfässer und die rot gekleidete Jungfrau bilden einen rötlichen Kontrast. Neben der Sättigung stimmt auch die Illumination nicht so recht. Vieles wirkt überstrahl und falsch ausgeleuchtet, wie man das von historischem Filmmaterial aus der Zeit des Ersten Weltkriegs kennt. Dadurch mutet das Szenaria seltsam entrückt an, als Blicke man wirklich in die Vergangenheit. Wer eine realistische Beleuchtung und Farben bevorzugt, darf im Menü gerne nachjustieren. Wir haben es bei den Voreinstellungen belassen, wie es sich der Entwickler gedacht hat. So erhalten wir die volle Dosis Atmosphäre.

    Betrayer im Test: Grauen bis zur Gänsehaut

    Neben der bizarren Farbgebung trägt auch die Soundkulisse ihren Teil zur Atmosphäre bei. Das fast schon zu natürliche Summen von Insekten wirkt in Kombination mit gelegentlich aufkommenden Windböen erstaunlich unheimlich, das raubtierhafte Geplärre der in Rüstung gehülllten Untoten lässt uns vor Schreck zusammenzucken. Sie würde man am liebsten mit der Maschinenpistole umnieten. Uns steht allerdings nur denkbar veraltetes Gerät wie Bögen, Armbrüste, Pistolen und Musketen zur Verfügung. Letztere laden nur sehr langsam nach, während man mit dem Bogen genau zielen muss, wenn man den Gegner mit einem der langsamen Pfeile treffen will. Das erzeugt zumindest am Anfang eine gewisse Hilflosigkeit, die den Gruselfaktor in die Höhe schraubt. Anders als etwa bei Amnesia hält sich die Panik jedoch in Grenzen. Schlecht bewaffnet ist immer noch besser als gar nicht - und wenn man sich zur Not mit dem Dolch Bahn bricht

    Richtig gruselig wird es in der Geisterwelt. Sie ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir das Los der Bewohner aufklären wollen. Diese erreicht man, indem man in bestimmten Siedlungen eine Glocke läutet. Die muss man zuvor erst finden und aufhängen. Erklingt sie, verdunkelt sich die Welt in einem noch viel größerem Umfang. Außerhalb der Siedlungen haben in dieser Welt Skelette das Sagen. Sie gilt es zu bezwingen, wenn man die Seelen verschiedener Verstorbener erreichen will. So treffen wir zum Beispiel einen Geist, der das Schicksal seiner Familie vergessen hat. Unsere Aufgabe liegt nun darin, Beweise zu finden und uns mit anderen Toten zu unterhalten. So formen sich einzelne Storyhäppchen peu à peu zu einem Ganzen.

    Neben Gräbern und anderen Hinweisen stoßen wir in der Geisterwelt auf Totempfähle, die eine grausam gellende Verderbtheit umgibt. Sie zu reinigen verringert die Verderbtheit des gesamten Level-Abschnittes. In einem Fall können wir beispielsweise erst das nächste Gebiet betreten, als wir alle Pfähle gesäubert haben. Der dunkle Schleier um das Tor ist dann nicht länger aufrechtzuerhalten.

    Wollen wir Ziele wie diese finden, stehen uns zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Zum einen können wir die Karte ganz klassisch erkunden und Meter für Meter absuchen. Da man in der Geisterwelt herzlich wenig sieht, kann das schnell zur Mühsal ausarten. Besser ist es, wenn man sich der X-Taste bedient. Damit können wir die Stimmen der Toten hören, die umso lauter ihr qualvolles Lied singen, so näher man dem nächsten Ziel ist. Alle Töne zusammen zeichnen ein akustisches Schreckensbild. Als wir dann noch mit Mühe einen Trupp furchteinflößender Gegner bezwingen, stellen wir überrascht fest, dass uns die Härchen an den Armen zu Berge stehen und die darunter liegende Haut der einer Gans gleicht. Fast so als würden wir frieren.

    04:45
    Betrayer im Videotest: Schwarz-weiße Indie-Kost der anderen Art

    Betrayer im Test: Anspruchsvoll, aber nicht zu schwer

    Auch in puncto Schwierigkeit bricht Betrayer mit den üblichen Konventionen. Auf ultraleicht-Schwierigkeitsgrade, mit denen man sich einhändig mit dem Controller durchs Spiel autoaimen könnte, verzichtet der Titel. Überhaupt können wir den Schwierigkeitsgrad im Optionsmenü nur marginal beeinflussen, indem wir den von Gegnern ausgeteilten Schaden etwas verringern. Wer so immer noch nicht klarkommt, überdenkt am besten seine Vorgehensweise. An einer Stelle wird etwa ein gerade eroberter Speicherpunkt gestürmt. Beim ersten Versuch scheitern wir, weil uns die schiere Zahl der Gegner überrennt. Im zweiten Anlauf nutzen wir die Zeit, die der Gegner bis ins Lager braucht, um uns hinter einem Busch zu verstecken. Nachdem Ruhe eingekehrt ist, erledigen wir die Gegner einigermaßen sicher aus dem Hinterhalt.

    Dabei kommt es uns zupass, dass ihm herzlich wenig an seinen Kameraden liegt. Klar sollte man Gegner nicht vor den Augen der anderen aus dem Weg räumen, doch liegen die erst mal am Boden, schert sich keiner mehr um sie - und mögen noch so viele Unholde dran vorbeilaufen. Anleihen an Hitman oder Splinter Cell gibt es in Betrayer somit nur bedingt. Zumal die KI auch nicht notwendigerweise intelligent agiert. Zweimal passiert es uns, dass wir gleich mehrere Feinde sicher von einem eher dürftigen Versteck aus tilgen, weil diese hilflos stehen bleiben. Anfühlen tut es sich wie cheaten.

    Da sich sowas schwerlich voraussehen lässt, sollte man seine Schritte vorzugsweise genau planen. Ein klassisches Speichersystem bietet Betrayer nämlich nicht. Sobald der Spieler bezwungen wird, erwacht er ohne Beute an der nächsten Siedlung. In dem Fall markiert ein X im Kompass unsere letzte Position, an der wir die Beute wieder aufsammeln können. Doch aufgepasst: Sterben wir, bevor wir sie an uns genommen haben, ist sie ein für alle Mal verloren. Wer mit der Spielmechanik hadert, leidet in dem Fall doppelt. Denn ohne Beute könnten wir uns keine bessere Bewaffnung kaufen und ohne bessere Bewaffnung wird es im fortlaufenden Spiel nicht gerade leichter. Wir finden es übrigens etwas unglaubwürdig, dass man in den verlassenen Lagern Waffen erstehen kann. Das geschieht über Truhen, die uns ein Händler freundlicherweise aufgestellt hat. In der Realität würde man wahrscheinlich einfach reingreifen und kein Geld dafür hinterlassen.

    Qualitätsstufen im Vergleich
    Vergleich Grafikqualitaet Betrayer  2 -pcgh

    Betrayer im Test: Horror braucht keine überragende Technik

    Obwohl Betrayer in puncto Atmosphäre wie ein Leuchtfeuer strahlt, basiert der Titel auf einem in die Jahre gekommenen Grundgerüst. Zum Einsatz kommt eine nicht besonders spektakuläre Version der Unreal Engine in ihrer dritten Auflage. Streng genommen sieht die in Betrayer nicht sonderlicht gut aus. So ist die Vegetation zwar dicht, aber auch platt und nur bemüht dynamisch. Die Zahl der Polygone ist an den Waffen sogar fast an einer Hand abzählbar. Nicht mal richtiges Antialiasing gibt es. Stattdessen stehen nur die Post-Processing-Filter FXAA und MLAA zur Auswahl. Doch die optischen Schwächen schaden Betrayer nicht. Das Spiel lebt von seiner unkonventionellen Farbgebung, die ohnehin alles überstrahlt, ebenso wie von der tollen Soundkulisse. Beim Level-Design hat sich Blackpowder Games ebenfalls Mühe gegeben. Steinchen an den Wegrändern haben zum Beispiel eine echte Form. Damit hat Betrayer so manchem Triple-A-Titel etwas voraus, wo diese oft nur als matschiges Trugbild in den Texturen existieren.

    Etwas beklagenswert ist das Fehlen jedweder Sprachausgabe. Während wir uns mit den Seelen oder der "Maiden in Red" unterhalten, bekommen wir selbst in der Release-Version nur Texte vorgeführt. Diese Texte sind dazu nur in englischer Sprache verfügbar. Wer dem Englischen im Alltag seltener begegnet und schon länger keine Schulbank mehr gedrückt hat, dürfte das als Stolperstein empfinden. Dennoch hat sich die Early-Access-Phase positiv ausgezahlt. Betrayer lief während unseres Test sowohl flüssig als auch bug- und absturzfrei. Die Radeon R9 290X unseres Testsystems hatte dabei relativ wenig zu tun. Sie hing bei 1440p an jenem berüchtigten 60-FPS-Limit, bei dem die Engine die Bildrate automatisch kappt.

    Betrayer im Test: Fazit

    Betrayer ist ein nicht nur farblich unkonventionelles Adventure, das so manche Konvention über Bord wirft. Wir haben uns während des Tests bestens unterhalten gefühlt, auch wenn Betrayer uns vor Schreck ein bisschen zittern ließ. Anders als etwa bei Amnesia gruselt man sich in Betrayer gern - und hält es auch über weite Strecken am Stück aus. Negativ aufgestoßen sind uns lediglich die etwas trist agierende KI, die fehlende Sprachausgabe sowie die fehlende deutsche Übersetzung.

    Obwohl die Technik veraltet ist, zaubert Betrayer eine einmalige Atmosphäre auf den Schirm. Das Adventure ist spielerisch anspruchsvoll und kommt ganz ohne Scriptsequenzen und anderen neumodischen Schnickschnack aus. Bei einem Preis von unter 20 Euro ist Betrayer ein unschlagbares Angebot. Das rund 12 Stunden lange Spiel ist jedoch keineswegs auf die breite Masse zugeschnitten und soll - wie viele andere Indie-Projekte - wohl in erster Linie eine vom Massenmarktprodukt genervte Nische bedienen. Insofern ist es verständlich, dass sich an Betrayer aktuell die Geister scheiden. Es soll schlicht nicht jedem gefallen.

  • Betrayer
    Betrayer
    Release
    24.03.2014

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    Es gibt 17 Kommentare zum Artikel
    Von GR-Thunderstorm
    Auch in Dunkelweiß und Hellschwarz? Faszinierend. *rechte Augenbraue bewundernd heb*
    Von a.stauffer.ch@besonet.ch
    trotzdem nichts für mich
    Von sfc
    Alternativ sind aber auch Vereinfachungen dazu gekommen. Man kann jetzt auch einen vergleichsweise einfachen…
    Von akuji13
    Kleines update:Der aktuelle patch bietet mehr Optionen um das Spiel schwerer zu machen.
    Von ThomasGoe69
    Sehe ich auch so. Irgendwie eine interessante Stimmung wird davon generiert. Gucke ich mir mal genauer an.
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Betrayer
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http://www.pcgameshardware.de/Betrayer-Spiel-18899/Specials/Betrayer-im-Test-Horror-Adventure-wider-Mainstream-schwarz-weiss-1115229/
04.04.2014
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