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  • Battlefield 1 Closed Alpha: Die erste Stunde - Könige der Lüfte trotzen dem Sturm
    Quelle: Electronic Arts

    Battlefield 1 Closed Alpha: Die erste Stunde - Könige der Lüfte trotzen dem Sturm

    Schon auf der EA Play konnten Journalisten die Closed Alpha von Battlefield 1 testen. PCGH hat erneut die Uniform übergestreift, die Lewis-Gun geschultert und analysiert, wie der Streufaktor der einzelnen Weltkriegsflinten ausfällt. Auch beim Fliegen sind wir auf Geheimnisse gestoßen. Zudem schauten wir, wie sich das Wetter auf Domination auswirkt und stellen die Frage, ob der Nebel nicht zu viel des Guten in Conquest ist. v. Benjamin Kratsch / Ryan Southardt

    Battlefield 1 wird die Battlefield-Serie wohl einschneidend verändern und es ist spannend, diese Evolution zu durchleben. Battlefield 4 war von seiner Grundstruktur her schon fast ein "sauberer" Krieg. Obwohl das Gefecht tobte, blieben Straßen immer intakt, wurden Gebäude nur wenig mitgenommen, und das Schlachtfeld veränderte sich nur marginal. Es gab zwar etliche Möglichkeiten der geskripteten Zerstörung, aber die Häuser lagen in der Regel sehr weit auseinander. Fast alle Karten operierten mit breiten Straßen oder gar ganzen Feldebenen, auf denen sich Panzer wunderbar ausbreiten konnten.

    Battlefield 1 ist ganz anders: Die Straßen sind extrem eng, Stahlkolosse tun sich schwer hier, überhaupt zu manövrieren und die Atmosphäre ist so brutal und düster, wie noch nie in einem Battlefield zuvor. Das geht deutlich stärker Richtung Band of Brothers oder Der Soldat James Ryan, als alles, was wir bisher von DICE gewohnt waren. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Regen, weil der die ganze Szenerie in eine Atmosphäre des Todes taucht. Während Sie sich mit den breiten Ketten des britischen Mark 1 einen Hang hocharbeiten, sterben links und rechts von Ihnen die Soldaten, werden von Explosionen durch die auf die Spitze getriebene Ragdoll-Physik durch die Gegend geschleudert und fallen tot in den Schlamm. Leichen verschwinden nicht mehr so schnell, die Uniformen der Toten durchnässen, eine sehr stimmige, aber eben auch bedrückende Atmosphäre. Zudem erinnert der Nahkampf fast schon an das düstere Mittelalter, etwa wenn Sie mit einer Axt ausholen und dem Gegner direkt in die Mitte des Kopfes schlagen, er zusammenbricht und Sie zum Finisher ausholen. Oder seinen Hals anvisieren, wobei sich die Klinge am hinteren Ende verhakt und in einer festgelegten Animation dem Soldat blutig spritzend die Halsader aufgeschlitzt wird. Blut vermischt sich mit Pfützen auf den Schlachtfelder, auch so ein düsteres Detail.

    Der Nahkampf ist natürlich im Domination-Modus deutlich präsenter als in Conquest, weil Sie hier auf der Karte Saint-Quentin rein auf das Dorf und seine Ausläufer beschränkt sind und alle Fahr- und Flugzeuge gestrichen werden, der Fokus also voll auf Häuserkampf gelegt wird. Wie massiv sich Nebel auf das Zielen auswirkt, hatten wir bereits im ersten Hands-On thematisiert. Unklar ist aktuell noch, ob sich der sehr massive Regen und extrem dichte, fast schon suppige Nebel auf die Performance älterer Grafikkarten auswirkt. Auf einer GTX 1080 im Gespann mit einem Intel Core i7-6700k und 32 GiB RAM läuft bereits die noch nicht optimierte Closed-Alpha in 1440p mit durchgehend 60 Frames pro Sekunde. Laut Digital Foundry schafft die 1080 auch 4k mit 60 FPS spielend, selbst müssen wir das allerdings erst noch verifizieren. Der Kollege nutzte dafür lediglich die internen Grafikoptionen, in Los Angeles waren leider keine 4k-Monitore vorgesehen. Bis zum Release am 21. Oktober wird es sicher noch etliche Möglichkeiten zum Spielen für die Presse geben und die Open-Beta erwarten wir für Anfang September; DICE nimmt sich ja meist einen Monat vor Launch Zeit für Detailverbesserungen, die dann via Patch nachgereicht werden.

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    Battlefield 1: Domination-Modus in der Video-Vorschau
    Spielecover zu Battlefield 1 (2016)
    Battlefield 1 (2016)

    Battlefield-Moments: Der Profi repariert sein Flugzeug im Sturzflug

    Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alles zu erzählen, was wir bei unseren ersten Gehversuchen mit Battlefield 1 erlebt haben. Journalisten wissen beim Anspielen ja auch nicht immer gleich, wie jedes Feature funktioniert, und DICE genießt es sichtlich, seine Gäste dabei zu beobachten, wie sie selbst in die Materie einsteigen und dem Spiel seine Geheimnisse entlocken, anstatt alles auf dem Silberteller zu servieren. So staunen wir nicht schlecht, als wir mehr durch Zufall in der Hitze des Gefechts einer heftigen Luftschlacht an Bord der britischen Bristol F.2b auf den falschen Knopf auf der Tastatur kommen und sich unsere Figur plötzlich sportlich, aber korrekt animiert aus dem Pilotensitz in die Kanzel mit dem 7,7-Millimeter-Vickers-MG schwingt. Der Vogel verliert schnell an Höhe, erschrocken wechseln wir flott zurück, übernehmen wieder die Kontrolle, beschließen dann aber, mit diesem sehr interessanten Feature ein bisschen zu experimentieren: Verfolgt von einer deutschen Fokker ziehen wir die Bristol weit nach oben und schießen gen Himmel, wechseln dann schnell in die hintere MG-Kanzel und als uns der Gegner gerade abschießen will, durchschlagen unsere 7,7 Millimeter-Geschosse das feindliche Cockpit, schalten den Pilot aus und lassen den Vogel brennend abstürzen.

    Übrigens: Wenn Sie alles über Wetter, Zerstörungsengine und Schadensmodelle in Battlefield 1 wissen wollen, empfehlen wir unser Interview mit DICE.

    Doch der Moment des Sieges währt nur kurz, denn unsere Bristol ist mittlerweile in einen gefährlichen Sinkflug übergegangen, wir reißen wieder das Steuer nach oben, versuchen, an Höhe zu gewinnen. Da zerfetzen ein paar Kugeln den linken Flügel. Sekunden, in denen wir an die Worte von Senior Producer Aleks Grøndal denken müssen: "Flugzeuge haben jetzt deutlich mehr Trefferzonen und ein detailliertes Schadenssystem." Und auch wenn Battlefield 1 natürlich keine Flugsimulation ist, merken wir den geschredderten Flügel, weil das Flugzeug bei normalem Flug immer etwas abdriftet und es kaum noch möglich ist, Kurven zu nehmen. Spannend daran: Richtig gute Piloten ziehen den Vogel nach oben und verschwinden im Optimalfall in den sehr dichten, schwer einsehbaren Wolken, wechseln nach hinten in die MG-Kanzel und zücken dann den Reparaturhammer. Es ist durchaus möglich, das Flugzeug zu retten, dauert aber lange: Rund 5 Sekunden, um 20 Prozent an Lebenspunkten wiederherzustellen. Zugegeben, es ist etwas absurd, mit einem Hammer einen kaputten Flügel zu reparieren, aber die Battlefield-Logik ist letztlich der Schnelligkeit des Gameplays geschuldet. Würde in der Realität die Panzerung eines M1-Abrams-Tanks durchschlagen werden, könnte man die auch nicht einfach wie in Battlefield 4 mit einem Schweißgerät runderneuern. Und die Balance scheint DICE im Griff zu haben, schließlich haben Bristol, Sopwith Camel, Fokker, Halberstadt C1 oder Gotha G.V. ihren Motor jeweils vor dem Cockpit verbaut. Sobald Sie also keinen Schub mehr geben, sacken die Vögel ziemlich schnell ab. Wer ohne zweiten Mann im Flieger reparieren will, muss den perfekten Zeitpunkt finden.

    Aufziehende Gewitterwolken verdunkeln die Szenerie nachhaltig und auch der Platzregen erzielt das Zielen aus Flugzeugen enorm. Aufziehende Gewitterwolken verdunkeln die Szenerie nachhaltig und auch der Platzregen erzielt das Zielen aus Flugzeugen enorm. Quelle: Electronic Arts

    Der Nebel der Verwirrung: Bodentruppen müssen der Luftwaffe helfen

    Schon im Interview war DICE sehr fokussiert darauf, wie wichtig das Wetter für Battlefield 1 ist, doch übertreiben es die Schweden eventuell mit der Dichte des Nebels? Zumindest in der Closed Alpha fliegen Sie als Pilot durch die "Suppe" und sehen quasi nichts. Die dynamischen Wetterumschwünge sind ohne Frage fantastisch für die Atmosphäre: Sie schießen durch den sehr dichten Platzregen, Blitze zucken aus dem Himmel. Das sind Szenen wie in Hollywood-Filmen, allerdings könnte der Nebel ein taktisches Problem werden. Bomberpiloten beispielsweise sehen unter sich nur eine dichte graue Suppe, bei Nebel sind kaum die Umrisse von Gebäuden zu erkennen. Das erschwert den strategischen Einsatz, auch wenn DICE sich dafür eine recht smarte Lösung hat einfallen lassen. Die Scout-Klasse bringt nämlich eine Signalpistole mit, mit der sich primär alle Gegner im Umkreis markieren lassen. Sie können damit aber auch ein Gebiet markieren, um Bomberpiloten Ziele zuzuweisen. Eingespielte Teams, die ständig Funkverkehr via Headset halten, werden das sicherlich intensiv nutzen, aber für Public-Server sehen wir hier eher schwarz. DICE sollte die Dichte des Nebels überdenken und ein etwas reduzieren, damit Bomberpiloten auch unabhängig von ihren Bodentruppen die Chance haben, einen Panzer auszumachen und anzugreifen.

    Generell ist das Wetter natürlich ein Pro-, aber auch ein Contra-Punkt. Denn in Battlefield 4 gab es zwar auch die Karte Paracel Storm, in der ein heftiger Sturm aufzog, allerdings konnte man sich auf das Timing verlassen. Das dynamische Wetter hingegen erfordert die ständige Umstellung der eigenen Strategie, Sie müssen sehr situativ agieren. Das ist auf der einen Seite toll, weil es dem Spiel eine ganz besondere Dynamik gibt. Auf der anderen Seite können Squads aber auch keine Taktiken trainieren: In BF4 gibt's ja etliche Karten, in denen es sinnvoll war, Truppen via Helikopter in den Rücken des Feindes zu fliegen, während Panzer und Infanterie sie an der Front beschäftigen. Solche Winkelzüge werden durch dynamisches Wetter erschwert. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Funktion spielintern über die Menüs abschwächen lässt und dass es auch Karten mit statischem Wetter gibt. Generell ist die Dynamik der neuen Luftschlachten aber deutlich spannender als in Battlefield 4, weil Sie unserem ersten Eindruck nach mehr Können aufweisen müssen. Bomber wie die Halberstadt C1 oder Gotha G.V. haben sowohl links neben dem Cockpit als auch hinten jeweils eine MG-Kapsel, das erschwert Angriffe mit Jagdflugzeugen enorm. Sie können nicht einfach von hinten attackieren, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, direkt von den MG-Schützen getötet zu werden. Stattdessen müssen Sie von oben nach unten stechen oder von unten nach oben und dabei mit mehreren Angriffsflügen versuchen, möglichst viel Schaden zu ziehen. Bomber sind nämlich sehr langsam, Jagdflieger müssen ihre Geschwindigkeit ausspielen.

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    Battlefield 1: Das Gelände kann in Schweizer Käse verwandelt werden - Q&A-Video
    Spielecover zu Battlefield 1 (2016)
    Battlefield 1 (2016)

    Battlefield 1: Die neue Waffenbalance in der Analyse

    Größere Neuerungen gibt's auch an der Infanteriefront zu vermelden, weil die Waffen jeweils ein interessantes Eigenleben entwickeln und nicht so gleichförmig arbeiten wie in Battlefield 4.

    Die SMGs des Assault sind zwar auf hohe Feuerraten ausgelegt, die britische MP 18, italienische Automatico M1918 oder das Modell 10A streuen allerdings sehr stark, durchaus vergleichbar mit Counter-Strike: Global Offensive. Der "Visual Recoil", also der visuelle Rückstoß aus alten Battlefields, wurde übrigens gestrichen: Früher war es üblich, dass die Waffen zwar durch eine Animation visuell wackelten, sich dadurch aber die Bahn der Kugel nicht veränderte. Diese Fake-Animation zu Inszenierungszwecken fliegt raus, stattdessen wird selbst bei kurzen Feuerstößen jeweils beim zweiten und dritten Schuss das Fadenkreuz stark erweitert, weshalb die SMGs in erster Linie für Häuserkampf, innerhalb der Stadt und auf kurze bis mittlere Distanz geeignet ist. Die LMGs des Support, darunter die britische Lewis-Gun, französische M1909 Benét-Mercié oder dänische Madsen MG, streuen ebenfalls sehr stark, halten Sie jedoch die Schusstaste gedrückt, zieht sich das Fadenkreuz ganz langsam zusammen. Das ist durchaus interessant: Während der zweite Schuss noch sehr stark streut, wird der dritte, vierte und so weiter dann präziser. In Los Angeles wurde das von etlichen Teilnehmern bemängelt, DICE macht mit der Closed-Alpha offensichtlich noch einige Experimente. Allerdings können die Waffen überhitzen, darauf gilt es zu achten.

    Sollten Sie sich übrigens fragen, warum zwar französische Waffen in Battlefield 1 auftauchen, aber die französische Armee selbst nicht für den Launch eingeplant ist: Die Franzosen kommen via DLC, ihre Waffen können Sie aber vorher schon verwenden, weil die Grande Nation tatsächlich im 1. Weltkrieg so brutal ihre Männer verheizt hat, dass man letztlich anfing, gerade amerikanische Truppen in die eigene Armee zu integrieren. Die Amis waren damals noch nicht sonderlich kriegserfahren und hatten in der Waffenmanufaktur weniger Expertise als die Veteranen aus Frankreich, weshalb man gerne auf das Angebot, deren Kaliber zu verwenden, zurückgriff. Insbesondere leichte Maschinengewehre hatte die US-Army damals nur in sehr geringen Stückzahlen.

    Battlefield 1: Closed-Alpha-Fazit

    DICE ist auf einem sehr guten Weg, es war schon beeindruckend, wie rund bereits die Closed Alpha lief. Nicht nur technisch, sondern auch spielerisch: Das fühlt sich griffig und richtig, aber eben auch komplett anders an als Battlefield 4. Es ist faszinierend, wie extrem unterschiedlich sich die Karten bei unterschiedlichem Wetter anfühlen, da liegen spielerisch und atmosphärisch Welten dazwischen. Es ist gut, dass die Schweden hier noch ein paar Experimente fahren, Sie sollten sich allerdings das Feedback ihrer Tester genau anschauen. Insbesondere als Pilot nahm der prasselnde Regen ein bisschen zu viel Sicht und es erschwert das Durchziehen der eigenen Taktik, wenn plötzlich Bomberpiloten durch aufziehenden Nebel die feindlichen Panzer am Boden nicht mehr knacken können. So oder so: Wir wollen wieder zurück nach Saint-Quentin.

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Battlefield 1 (2016)
Battlefield 1 Closed Alpha: Die erste Stunde - Könige der Lüfte trotzen dem Sturm
Schon auf der EA Play konnten Journalisten die Closed Alpha von Battlefield 1 testen. PCGH hat erneut die Uniform übergestreift, die Lewis-Gun geschultert und analysiert, wie der Streufaktor der einzelnen Weltkriegsflinten ausfällt. Auch beim Fliegen sind wir auf Geheimnisse gestoßen. Zudem schauten wir, wie sich das Wetter auf Domination auswirkt und stellen die Frage, ob der Nebel nicht zu viel des Guten in Conquest ist. v. Benjamin Kratsch / Ryan Southardt
http://www.pcgameshardware.de/Battlefield-1-2016-Spiel-54981/Specials/Closed-Alpha-1200676/
05.07.2016
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2016/07/Battlefield_Aufmacher_01-pcgh_b2teaser_169.JPG
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