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  • Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers

    Alan Wake ist ein spielbarer Thriller im TV-Serien-Format, der durch seine Geschichte und das Storytelling ebenso überzeugt wie durch intensive Kämpfe sowie eine exzellente Beleuchtung. Im Test muss Alan Wake zeigen, ob sich die fast zwei Jahre Wartezeit für PC-Spieler gelohnt haben.

    "Schatz, ich meine es doch nur gut mit dir ... geh bitte zum Arzt" - aber Alan Wake, der Protagonist aus dem gleichnamigen Spiel von Remedy Entertainment, möchte eigentlich nur seine Ruhe haben. Daher fährt der Schriftsteller mit seiner Frau Alice zur Erholung in das idyllische Städtchen Bright Falls um sich auszukurieren und seinen Agenten Berry mal einige Tage nicht sehen zu müssen, denn einen guten Text hat Alan aufgrund einer Schreibblockade schon lange nicht mehr geschrieben. Der Urlaub soll ihn ablenken, das Problem lösen - so mietet sich das Pärchen eine kleine Hütte an einem lieblichen See ... was aber als beschaulicher Abend beginnt, entwickelt für den Schriftsteller innerhalb kürzester Zeit zu einem Streit - mit dem Resultat, dass Alan alleine im nächtlichen Wald landet und seine geliebte Alice verschwunden, entführt oder vielleicht gar tot ist.

    Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (7) Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (7) Quelle: PC Games Hardware / y33H@ Alan Wake im Test: Die Geschichte und das Storytelling
    Während andere Spiele ihre cineastische Inszenierung zumeist in Form einer Film-typischen linearen Story in einem Stück erzählen, wird die Geschichte von Alan Wake wie auch die fantastisch designte Welt rund um Bright Falls in Form von sechs Serien-ähnlichen Episoden plus den beiden DLCs The Signal und The Writer vor dem Spieler ausgebreitet - eine jede (!) endet mit einem kleineren bis größeren Cliffhanger, der Logo schiebt sich ins Bild und die grandiose von Streichern getragene Musikuntermalung, die sich ansonsten zurückhält, drängt in den Vordergrund. Die Zwickmühle aus dem Drang weiter zu spielen oder aber noch zu lauschen fesselt und entspannt zugleich - zumal vor dem Start einer Episode eine Zusammenfassung das bisher Erlebte noch einmal aufarbeitet. Im Verlauf des Spiels schreibt Alan Wake im wahrsten Sinne des Wortes seine eigene Story, denn der Schriftsteller findet Manuskripte eines Buches, das er noch gar nicht geschrieben hat - die Textstellen sind einerseits Rückblenden, erzählen was anderen Figuren zur gleichen Zeit passiert oder aber geben einen Blick in die Zukunft.

    Im dunklen Wald sind Manuskripte, die von Kettensägen-schwingen Gestalten sprechen, nicht wirklich erbaulich - zumal Alan alleine ist und nur mit einer Taschenlampe sowie einer Handvoll Batterien ausgerüstet durch das Unterholz stolpert. Das Licht ist seine zu Beginn einzige Waffe gegen die Dunkelheit, die sich ihm entgegenstellt: Die Finsternis manifestiert sich nicht nur in Axtmördern oder Kettensägen-Holzarbeitern, sondern ergreift teils gar von der Umgebung Besitz - zuckende Schatten, wabernder Nebel und heißeres Stöhnen inklusive. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht, als Messer dient der Lichtkegel der Taschenlampe, die sich zwar langsam wieder auflädt, aber meistens die einzige Verteidigung gegen die dunklen Mächte darstellt: Licht enthüllt nicht nur Geheimverstecke, sondern vertreibt vor allem die Finsternis und macht die Kreaturen angreifbar - aber erst Revolver, Jagdgewehr oder Schrotflinte (ja, das sind alle Schusswaffen) vernichten die wankenden Gestalten.

    Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (29) Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (29) Quelle: PC Games Hardware / y33H@ Alan Wake im Test: Erst leuchten, dann schießen - oder wegrennen
    Die Kämpfe selbst machen einen sehr großen Teil des Spiels aus, werden aber aufgrund weniger Gegner- sowie Waffentypen mit der Zeit etwas eintönig, verlieren jedoch nie ihre Intensität - denn Alan sieht wenig, Konzentration ist gefragt. Gerade auf dem mittleren oder dem hohen Schwierigkeitsgrad muss Alan ausweichen und in Bewegung bleiben, während zeitgleich der präzise zu steuernde Lichtkegel als Zielhilfe und Vorbereiter dient. Auf ein Fadenkreuz verzichtet das Spiel logischerweise, auf Wunsch dürfen Sie das HUD zudem komplett abschalten - wichtige Informationen wie den Munitionsstand oder Stellen, an denen Sie interagieren sollen oder müssen, blenden sich auf Wunsch dennoch ein. An Patronen mangelt es Alan Wake praktisch nie, denn überall liegt Munition herum, teils gar in Kisten. Dies ist der Atmosphäre ebenso wenig förderlich, wie die in den Episoden verteilten insgesamt 100 Thermoskannen - letztere bringen keinerlei spielerischen Vorteile, sondern sind Teil der unvermeidlichen Achievements.

    Akzeptiert man den Munitionsüberfluss als Gameplay-Element, wirken die Szenen, in denen Alan nicht schießen darf, umso packender: Selbst ohne HUD (und damit ohne den Kompass) ist der Weg meistens als solcher erkennbar, die Hilflosigkeit zwingt den Spieler ohnehin zur Flucht - nicht nur vor der Dunkelheit, sondern auch vor dem FBI: Das Verschwinden seiner Frau scheint real, der wahnsinnige Agent Nightingale will Alan Wake um jeden Preis zur Strecke bringen, denn man beschuldigt ihn des Mordes. Wenn sich dann noch die Umgebung selbstständig macht, Baumaschinen angreifen und Vögel den Himmel verdunkeln, bevor sie auf Alan herabstürzen, macht sich Panik breit - Zeit für die seltenen Leuchfackeln oder gleich einen Satz Blendgranaten, welche die finsteren Gestalten in einem Funkenregen zerplatzen lässt. Auch rot gleißendes Partikel erhellendes Licht schmeichelt dem Auge und vertreibt alles Böse, Geräusche sind nur noch dumpf wahrzunehmen, manchmal setzt die seltene Zeitlupe ein ... einen ähnlichen Effekt hat nur das Tageslicht, welches Alan und auch der Spieler aufatmend erwarten - oder aber eine Laterne, wo automatisch ein Checkpoint gespeichert wird.

    Am Tag wirkt die gerade durchlebte Nacht noch unrealer, denn das Spiel arbeitet die Nebenfiguren sehr gut heraus und lässt sie menschlich wirken: Allen voran der eingangs erwähnte Berry, Alans Agent, der ihm nachreist oder aber Sheriff Sarah, die den aggressiven Nightingale begleitet. Die Geschichte führt Alan nicht nur in den Wald, auch eine Miene sowie eine Farm stehen auf dem Programm - diese erreicht der Schriftsteller oft per Auto und hier wird klar, dass das Spiel Alan Wake einst viel weitläufiger gedacht war. Man schmeckt förmlich die Bergluft, wenn der Blick über die bewaldeten Kuppen wandert und die Bäume sanft im Wind raunen, während die Sonne hinter dem Horizont erneut die Nacht hereinbrechen lässt. Da ist es besonders praktisch, wenn Alan im schwammig zu steuerunden Auto sitzt, hier können ihm die finsteren Gestalten nur wenig anhaben - allerdings hat man immer das Gefühl, die fahrbaren Untersätze nie richtig Gas geben wollen und der Motor klingt nach schwächlichem Elektroauto.

    Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (2) Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (2) Quelle: PC Games Hardware / y33H@ Alan Wake im Test: Wenig Herausforderungen und eine schwache Synchronisation
    Ähnlich schwach fallen die Rätsel aus, mehr als ein Objekt zu suchen oder Strom anschalten muss Alan selten bewältigen - selten sind mehr drei oder gar vier Schritte zu unternehmen, Hüpfpassagen fehlen zum Glück nahezu vollständig. Denn die Kollisionsabfrage der Spielfigur sowie der Umgegung bereitet der Havok-Physik manchmal Probleme und auch das Gewicht einiger Objekte wirkt fehlerhaft: Ein schwerer Holzklotz kippt bereits durch langsames Dagegenlaufen um, das entsprechende Geräusch klingt eher so, als hätte man einen Plastikeimer zu Boden fallen lassen. Während nämlich die Musikuntermalung und das Waldambiente akkustisch nur Lob verdienen sind es solche Details, die stören - und die deutsche Sprachausgabe: Zwar agieren promiente Stimmen, aber gerade der ständig das Spielgeschehen kommentierende Alan Wake klingt erschreckend teilnahmslos. Wenn dann auch noch Alice deutsche Synchronsprecherin das amerikanische Diner, also eine Art kleines einfaches Restaurant, als "Dinner" betitelt, wird es Zeit für die englische Sprachausgabe - auf Wunsch mit Untertiteln. Ebenso holprig wirken die Animationen der Spielfiguren, insbesondere Alan selbst macht einen hüftlahmen Eindruck und auch die nicht mehr zeitgemäße Gesichtsdarstellung enttäuscht.

    Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (13) Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (13) Quelle: PC Games Hardware / y33H@ Alan Wake im Test: Exzellente Technik mit kleineren Altlasten - und mit Steam
    Abseits dieser Mängel leistet sich Alan Wake nur wenige Patzer bei der grafischen Umsetzung des Psychological Action Thrillers: Die DX9-Engine (siehe unser exklusives Interview mit Remedys CTO Markus Mäki) zeigt fantastische dynamische Licht- und Schattenspiele samt zumeist weichen Kanten, nur selten entdeckten wir Lego-artige Blockschatten. Die Umgebung ist mit viele Liebe zum Detail gestaltet, wenngleich so mancher Felsen ein paar Polygone mehr vertragen könnte und einige wenige Objekte über wahrlich gruselige Texturen verfügen - die hochauflösenden Varianten fehlen in unserer Version zwar, die aktuellen Pixeltapeten sehen aber in der Regel recht gut aus. Die Beleuchtung samt Umgebungsverdeckung ergibt zusammen mit dem Nebel ein stimmiges, atmosphärisches Gesamtpaket, welches dank dreierlei Kantenglättung (MSAA, FXAA und A2C) durch seinen erfreulich glatten sowie flimmerfreien Look überzeugt. Die Zwischensequenzen sind ein Rückschritt, da sie zwar auf der Engine basieren, aber nur in niedrig aufgelöster Videoform vorliegen - schade.

    Da sich Remedy mit der Portierung der Xbox-360-Version sichtlich Mühe gegeben hat, bietet Alan Wake alle Einstellungsoptionen, die man sich am PC wünscht: Ein korrektes Seitenverhältnis ohne Balken, eine in jeglichen Bereichen anpassbare sowie direkte Steuerung (u.a. eine getrennte Invertierung und Sensitivität für die X- und Y-Mausachse) und die Steam-Cloud für Ihre Savegames. Alan Wake erscheint schon im Februar für Valves Plattform, die Boxed-Version folgt im März und muss ebenfalls bei Steam aktiviert werden - dafür müssen Sie die rund 7,7 GiByte nicht herunterladen.

    Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (8) Alan Wake PC: Test des Psychological Action Thrillers (8) Quelle: PC Games Hardware / y33H@ Alan Wake im Test: Fazit: Auch nach fast zwei Jahren noch sehr empfehlenswert
    Die Enttäuschung war bei vielen Fans groß, als Remedy Alan Wake exklusiv für die Xbox 360 veröffentlichte, die PC-Version aber zeigt, dass der Psychological Action Thriller in der Zwischenzeit nur wenig an Faszination eingebüßt hat: Aus technischer Sicht muss sich Alan Wake nur wenig Kritik gefallen lassen, zumal die Entwickler diverse grafische Verbesserungen implementiert haben, die bei Ports nicht selbstverständlich sind - einzig die deutsche Sprachausgabe ist nur anglophoben Naturen zu empfehlen. In Sachen Story(telling), Atmosphäre, Präsentation und den sich leider mit der Zeit abnutzenden nächtlichen Kämpfen gegen von der Finsternis besessene Gegner macht Alan Wake kaum ein anderes Spiel etwas vor.

    Das Episoden-Konzept geht voll auf und fesselt von Anfang an, weswegen wir Ihnen den Titel trotz ein paar spielerischen Schwächen ans Herz legen. Schnappen Sie also sich eine Taschenlampe, drehen die Anlage auf und genießen den intensivsten (virtuellen) Waldspaziergang, den Sie bisher erleben dürften - nach ungefähr acht bis zehn Stunden ist Schluss.

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    Die nachfolgende Galerie zeigt PCGH-eigene Screenshots, die ohne HUD sowie ingame entstanden:

  • Alan Wake
    Alan Wake
    Publisher
    Nordic Games
    Developer
    Remedy Entertainment
    Release
    02.03.2012

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    Es gibt 34 Kommentare zum Artikel
    Von Birdy84
    Es hätte vielleicht weniger sein können. Munitionsmangel stellt sich, außer vielleicht am Lovers Peak, nicht ein.…
    Von PCGH_Marc
    Ich finde die Menge dennoch übertrieben - manchmal ist weniger mehr.
    Von Birdy84
    Gegen Ende wird erklärt, wer sich die im dunklen unsichtbaren Zeichen und die Munitionsverstecke eingerichtet hat.…
    Von Iconoclast
    Ich würde sagen nicht. Wenn SH für dich sagen wir 100% Horror ist, dann ist Alan Wake vielleicht so 50% bis an manchen…
    Von batmaan
    also nicht schlimmer als sh?
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867456
Alan Wake
Wo Licht ist, fällt auch Schatten
Alan Wake ist ein spielbarer Thriller im TV-Serien-Format, der durch seine Geschichte und das Storytelling ebenso überzeugt wie durch intensive Kämpfe sowie eine exzellente Beleuchtung. Im Test muss Alan Wake zeigen, ob sich die fast zwei Jahre Wartezeit für PC-Spieler gelohnt haben.
http://www.pcgameshardware.de/Alan-Wake-Spiel-17704/Tests/Wo-Licht-ist-faellt-auch-Schatten-867456/
09.02.2012
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2012/02/Alan-Wake-PC-Review-01.jpg
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