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  • Age of Empires: Castle Siege angespielt - Ein richtiges Age of Empires trotz Knuddelgrafik?

    Age of Empires: Castle Siege angespielt - Ein richtiges Age of Empires trotz Knuddelgrafik?

    Age of Empires: Castle Siege sieht nach kunterbuntem Kindergeburtstag aus, doch steckt hier womöglich doch ein brauchbares Strategiespiel drin oder gar ein richtiges Age of Empires? PC Games Hardware hat Probe gespielt. Vom Benjamin Kratsch / Ryan Southardt

    Manchmal verwandelt sich ein hässliches Entlein in einen wunderschönen Schwan. Und manchmal verwandeln sich Titel, denen wir vorher nichts zugetraut haben, zu einer erstaunlich positiven Spielerfahrung. Zu Recht sind Strategiespieler auf der ganzen Welt nach dem Rohrkrepierer Age of Empires: Online zunächst skeptisch, wenn Microsoft ein neues Age of Empires mit Knuddel-Look enthüllt. Doch auch wenn Age of Empires: Castle Siege mit seinen rundlichen Dächern, den dick gezogenen Linien und kräftigen Farben mehr wie ein Die Siedler wirkt, stecken hier doch mehr AoE-Gene drin, als Sie es zunächst für möglich halten würden.

    Aufbau-Gene Marke Age of Empires?

    Castle Siege ist als Browserspiel im Aufbau-Part eher gemächlich und setzt so schon mal den ersten starken Kontrast zur Serie. In Age of Empires 2 von den legendären Ensemble Studios war es wichtig, im Dauertakt Dorfbewohner auszuspucken und so schnell wie möglich die vier Schafe rund um das Dorfzentrum zu finden sowie Wildschweine und Damwild anzulocken, um die Nahrungsproduktion anzuheizen. Mehr Nahrung bringt schneller mehr Arbeiter, die sogleich Stein- und Goldvorkommen beackern. Ein gut gefülltes Ressourcen-Konto in der Dunklen Zeit war im Multiplayer nicht selten Spiel-entscheidend.

    Castle Siege hingegen startet direkt in der Feudalzeit, Sie verfügen also von Anfang an über Mühlen und andere Produktionsbetriebe, können diese allerdings über verschiedene Stufen sowie den wirtschaftlichen Forschungsbaum weiter upgraden. Ansonsten bemühen sich die Macher der Microsoft Game Studios zumindest, einen Teil des Charmes der Klassiker einzufangen. So müssen Sie weiterhin Felder neu besäen, sobald diese abgeerntet sind. Interessante Idee: Steht der Feind schon vor den Burgmauern, können Sie per Klick Getreide oder auch Äpfel direkt abernten, um schnell ein paar Truppen ausheben zu können. Die Früchte wachsen dann aber langsamer wieder nach, Sie müssen sich also zwischen schneller und nachhaltiger Versorgung entscheiden.

    Belagerungen im Fokus: Türme gegen Sturmangriffe

    Der Titel verrät bereits, dass sich Castle Siege ein bisschen mehr wie Stronghold spielt und einen sehr starken Fokus auf Belagerungen setzt. So können Sie recht schnell ein gut gefülltes Steine-Konto anlegen und früh mit dem Mauerbau beginnen. Das ist zwar ein Bruch in der Serientradition, in der gerade Steine tendenziell eher rar waren und über den Marktplatz teuer eingetauscht werden mussten, führt aber schneller zu prächtigen Bollwerken. Wie im Free2Play-Geschäft üblich lassen sich die Wartezeiten zum Füllen des Ressourcen-Kontos auch mit Echtgeld verkürzen. Ob damit die Balance aus dem Ruder gerät, können wir aktuell noch nicht sagen. In der Demo starteten wir bereits mit einem ordentlich gefüllten Kontor und bauten recht schnell eine massive Verteidigung auf.

    Wie im Original dürfen die Dorfzentren nicht fallen, ergo bauen Sie einen Irrgarten aus Flammen- sowie Pfeil-Fallen und unterschiedlichen Türmen. Prinzipiell gibt es runde, eckige und langgezogene Turmtypen, auf denen Sie Ballisten, Bogenschützen oder Armbrustschützen in den unteren Levels platzieren können. Später lassen sich die Türme wie im Original einzeln aufwerten, um ihre Verteidigungswerte zu erhöhen oder effizientere Waffen wie das Griechische Feuer sowie Bombarden zu installieren. Sie können zudem Patrouillenrouten auf den Mauern einrichten, Ihre Bogenschützen bewachen dann einen größeren Radius.

    Die Festungen: je verwinkelter, desto besser

    Spaßig ist es in Age of Empires: Castle Siege vor allem, verwinkelte Festungen zu bauen. Operieren Sie mit zwei viereckigen Mauerringen, lassen sich diese recht leicht mit Belagerungsgerät zerstören. Besser ist es ergo, zwei, drei Mauerringe anzulegen, die Sie immer wieder mit Türmen verengen. Je weniger Platz Ihr Feind zum Navigieren hat, desto leichter können Sie seine Truppen zusammentreiben. Das Gameplay erinnert bei der Verteidigung generell recht stark an Shogun 2: Total War, wo es auch nicht zwingend immer darum geht, den Feind außerhalb der Mauern zu halten, sondern oft derjenige gewinnt, der seinen Gegner reinlockt, dann mit Angriffen der Infanterie in enge Gänge treibt und dort mit seinen Bogenschützen aufreibt. In Castle Siege gibt's jedoch einen entscheidenden Unterschied: Sie steuern nicht einzelne Einheiten, zusammengefasst als Armee, sondern setzen jeweils einzelne Kohorten per Mausklick.

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    Age of Empires: Castle Siege im Ankündigungstrailer

    Wie in Total War: Kohorten statt Einzeleinheiten

    Zum Start stehen die Byzantiner, Britannier, Franken, Sarazenen, Teutonen sowie Kiewer Rus (Russisches Großreich) als Fraktion zur Wahl, die wie in der Serie üblich jeweils eine exklusive Spezialeinheit haben. Bei den Teutonen ist es beispielsweise der Deutschritter, der durch seine schwere Rüstung langsam ist, aber sehr viel Schaden mit dem Breitschwert austeilt. Bei den Briten sind es Langbogenschützen, bei den Byzantinern gepanzerte Kavallerie. Anders als in Age of Empires 2 bilden Sie Ihre Truppen aber nicht in der Basis aus und ziehen mit Ihrer Armee über eine große Echtzeit-Karte, sondern trainieren Soldaten in der Festung und verschieben diese auf einer Landkarte wie in der Total War-Reihe Richtung Feind. Dort schaltet das Spiel wieder in den Echtzeitmodus, wo alle Einheitentypen am unteren Bildschirm gelistet werden. Sie klicken eine an und setzen sie beispielsweise an der nördlichen Mauer ab, um dort zu attackieren. Einmal gesetzte Einheiten lassen sich in Echtzeit steuern, es geht hier taktisch gesehen nur darum, sich in eine optimale Position zu bringen. Ähnlich wie bei Total War, nur dass Sie nicht alle Soldaten gleichzeitig platzieren müssen, sondern das während der Schlacht nach Belieben tun.

    Kann eine Touch-optimierte Steuerung auch Maus-Strategen Spaß machen?

    Die etwas ungewöhnliche Steuerung ist der Touch-Optimierung geschuldet, Microsoft bewirbt Castle Siege explizit für das Surface 3-Tablet, prinzipiell läuft das Spiel aber auf allen Systemen mit Windows 8.1 (und es gibt auch eine Version für Windows Phone). Was gewöhnungsbedürftig klingt, ermöglicht aber recht smarte Strategien. Beispielsweise können Sie einen Großangriff auf den nördlichen Mauerteil befehlen und die feindlichen Kräfte dort binden und gleichzeitig mit mehreren Katapulten im Süden angreifen, dort eine Bresche schlagen und mit kleineren Kommandoeinheiten diese Mauerabschnitte übernehmen. Generell müssen Sie also ganz schön umdenken, weil Sie ja nie sehen, welche Truppen der Feind noch in der Hinterhand hat. Theoretisch kann der Gegner jederzeit Hellebardiere hinter ihrer Kavallerie spawnen. Wer dann nicht sofort mit Rittern oder Bogenschützen in gewisser Distanz reagiert, verliert seine Reiterei.

    Fazit: Age of Empires: Castle Siege

    Microsoft hat keinen allzu guten Stand bei PC-Spielern, schließlich hat der Konzern quasi seit Entwicklung der ersten Xbox alle Ressourcen in Xbox-Exklusivtitel investiert und sogar legendäre PC-Strategie-Entwickler wie die Age of Empires-Macher der Ensemble Studios zur Xbox 360 gedrängt und nach dem erfolglosen Halo Wars abgeschossen. Doch Castle Siege wirkt wie eine sanfte Abkehr, so als wolle man sich nach Age of Empires Online langsam wieder aus dem seichten Casual-Bereich verabschieden und wieder mehr auf Qualität setzen.

    Natürlich ist das hier kein Ersatz für ein richtiges Age of Empires 4, dafür fehlen zu viele Mechaniken und die Optik ist zu verspielt. Doch das Gameplay orientiert sich zumindest an Age of Empires 2, das sicherlich zu den besten Strategiespielen bis heute gehört. Es gibt wieder mehr zu bauen, mehr zu forschen, mehr zu entscheiden. Die Steuerung ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, bietet aber eine interessante, taktische Dynamik. Außerdem bringt uns ein Statement des Produzenten der Microsoft Game Studios zum Träumen: "Wir glauben an die Marke Age of Empires und haben noch immer eine stabile Fan-Basis der Klassiker. Es ist also nicht unsere Absicht, mit Castle Siege die ursprüngliche Marke zu verdrängen, wir sehen es eher als Ergänzung."

    Ein richtiges Age of Empires 4 ohne Free2Play mit brandneuer Engine, das wäre sicherlich ein netter Wunsch an den Microsoft-Weihnachtsmann. Hat in Redmond denn noch niemand die 12 Millionen verkauften Einheiten von "Diablo 3" auf PC gesehen? Bleibt die Frage an Sie: Würden Sie für ein gutes Age of Empires 4 auch heute noch 50 Euro bezahlen oder sind Sie eher ein Freund des F2P-Modells? Nutzen Sie die Kommentarfunktion.

  • Age of Empires: Castle Siege
    Age of Empires: Castle Siege
    Publisher
    Microsoft Game Studios
    Release
    18.09.2014

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    Es gibt 12 Kommentare zum Artikel
    Von Nightslaver
    Naja, auch wenn man sich da an einigen Ecken vieleicht von AoE II hat inspirieren lassen, muss ich sagen das es trotz…
    Von Rolk
    So unwarscheinlich ist es nicht das 5 weitere Halo Teile erscheinen, bestehen also doch Chancen auf ein neues Age of…
    Von Two-Face
    Bevor Micro-fcking-soft das bewilligt, produzieren die lieber nochmal 5 Halo-Teile.
    Von Cleriker
    Von mir aus auch mehr als 50 Euro. Dann aber bitte auf Scheibe, mit LAN-Modi und ordentlicher Kampagne, ohne dlc.
    Von unre4l
    Ja...
      • Von Nightslaver Volt-Modder(in)
        Naja, auch wenn man sich da an einigen Ecken vieleicht von AoE II hat inspirieren lassen, muss ich sagen das es trotz allem recht wenig mit der Serie gemein hat.
        Im Endeffekt sieht es auch nur nach dem nästen 0815 Game fürs Handy mit "F2P Konzept" aus. Von der Sorte gibt es ja schon eine Ganze Menge.

        Ein richtiges AoE wäre natürlich schön und würde ich, sofern es gut wird, auch zum Vollpreis kaufen. Realistisch gesehen scheint da aber in den nästen Jahren nichts zu kommen, leider.
        Da bleibt einem halt leider wenig Möglichkeiten als AoE III und die Refresh-Version von AoE II zu spielen.
        Wobei ich sagen muss das auch nach über 6 Jahren noch nicht langweilig geworden ist meine Japaner in AoE III zu spielen.^^
      • Von Rolk Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Two-Face
        Bevor Micro-fcking-soft das bewilligt, produzieren die lieber nochmal 5 Halo-Teile.

        So unwarscheinlich ist es nicht das 5 weitere Halo Teile erscheinen, bestehen also doch Chancen auf ein neues Age of Empires?
      • Von Two-Face PCGH-Community-Veteran(in)
        Zitat von Cleriker
        Von mir aus auch mehr als 50 Euro. Dann aber bitte auf Scheibe, mit LAN-Modi und ordentlicher Kampagne, ohne dlc.
        Bevor Micro-fcking-soft das bewilligt, produzieren die lieber nochmal 5 Halo-Teile.
      • Von Cleriker PCGH-Community-Veteran(in)
        Von mir aus auch mehr als 50 Euro. Dann aber bitte auf Scheibe, mit LAN-Modi und ordentlicher Kampagne, ohne dlc.
      • Von unre4l Software-Overclocker(in)
        Zitat von Blutrache2oo9
        Was soll das denn bitte sein? Handy-Game?

        Ja...
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Age of Empires: Castle Siege
Age of Empires: Castle Siege angespielt - Ein richtiges Age of Empires trotz Knuddelgrafik?
Age of Empires: Castle Siege sieht nach kunterbuntem Kindergeburtstag aus, doch steckt hier womöglich doch ein brauchbares Strategiespiel drin oder gar ein richtiges Age of Empires? PC Games Hardware hat Probe gespielt. Vom Benjamin Kratsch / Ryan Southardt
http://www.pcgameshardware.de/Age-of-Empires-Castle-Siege-Spiel-54793/Specials/Angespielt-Vorschau-1135673/
14.09.2014
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2014/09/AgeofEmpires_02-pcgh_b2teaser_169.jpg
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