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  • Indie-Geheimtipp Adr1ft mit Oculus Rift: Blockbuster Gravity als VR-Erfahrung

    Adr1ft ausprobiert mit Oculus Rift: Angst und Atemnot, verpackt in ein atmosphärisches Werk eines ehemaligen Microsoft-Mitarbeiters, der eigentlich nur den Shitstorm seines Lebens verarbeiten wollte, doch ein Gravity meets Gone Home schuf. Von Ryan Southardt und Benjamin Kratsch.

    Spiele sind wohl die beeindruckendsten Kunstprodukte unserer Zeit. Sandra Bullock kann Sie mitfiebern lassen, wenn sie in Gravity gegen Atemnot und die Zeit kämpft. Aber 3D-Brillen und 7.1 THX Surround-Sound können Ihnen nicht das Gefühl vermitteln, selbst durch den Weltraum zu schweben und live dabei zu sein. Virtual Reality kann und beweist das auf fast schon beängstigende Art in einem Indie-Titel für Oculus Rift und Project Morpheus namens ADR1FT. Es mag alles Technologie sein, mit 3D-Sound-Ortung und Sensoren zusammenhängen, aber Oculus Rift: Crescent Bay zu nutzen, fühlt sich jedes Mal wieder nach purer Magie an. Eigentlich spiele und mime ich eine Astronautin, die durch eine havarierte Raumstation namens Hardiman Aerospace Facility Number IV schwebt, doch das schwere Atmen ist es, was mich für den Moment als Einheit mit dem Spielcharakter fühlen lässt. Im Weltraum gibt es keine Geräusche, es herrscht Totenstille, wodurch sich das schwere Atmen noch eindringlicher in mein Ohr fräst. Es wird heftiger, klingt schmerzerfüllter und der kleine Sauerstoffbehälter nur 10 Meter vor mir könnte das Leiden beenden, könnte das Atmen wieder auf Normallevel bringen. Aber viel wichtiger: durch die harmonischen Bewegungen des Bildes habe ich wirklich das Gefühl zu schweben.

    "Aktiviere die Düsen nur, wenn es nicht mehr anders geht"

    Ich bin geneigt, das Knöpfchen auf dem Controller zu drücken, um die Düsen des Anzugs zu betätigen, doch ich denke an die Worte von Chefentwickler Michael Orth zurück: "Die Düsen nur benutzen, wenn es nicht anders geht. Der Sauerstoff dient nicht nur zum Atmen, er wird auch als Energie für die Düsen umgewandelt." So schlimm kann es schon nicht werden, denke ich. Ich drücke aufs Knöpfchen, das katapultiert mich durch die weißen, klinisch reinen Gänge der Raumstation und ich erschrecke heftig, als rote Warnleuchten das Display zu bestrahlen scheinen und dieses Beep, Beeep, Beeeep-Geräusch immer schneller wird. "Warnung: Sauerstofflevel unter 5 Prozent", sagt der Computer mit ruhiger Stimme. Ich selbst bin weniger ruhig, so immersiv fühlt sich das an. "Wo zur Hölle ist hier der nächste Sauerstofftank" schreie ich lauter als gewollt in den Raum, schaue mich hektisch mit Oculus auf dem Kopf um und erspähe letztlich noch eine schwebende Flasche. Ich ramme die Stahlflasche in die Vorrichtung des Anzugs und das Atmen normalisiert sich langsam. Puh, das war knapp.

    Ein Spiel, geboren aus einem Shitstorm

    Ich verstehe das Drama nicht, jedes Gerät ist doch heute always-online. Adr1ft ist auch deshalb ein spannendes Werk, weil das kreative Hirn dahinter damit seine düstersten Stunden verarbeitete. 2013 setzte er eigentlich nur einen Tweet auf Twitter ab: "Ich verstehe das Drama nicht, jedes Gerät ist doch heute always-online". Wie es so üblich ist, setzte er ans Ende einen Hashtag: #dealwithit. Doch der kehrte noch vor Gamergate die unsozialste Seite von Twitter nach außen. Orth wurde nicht nur beschimpft, sondern bekam Morddrohungen. Unbekannte warfen Steine auf sein Haus, eine Fensterscheibe ging zu Bruch. Er wandte sich an die Polizei, doch die schien machtlos. Weil einige US-Journalisten die Behauptung aufstellten, Kinect würde auf der Xbox One Videodaten seiner Nutzer aufzeichnen und direkt an die NSA weiterleiten, befand sich auch sein Arbeitgeber Microsoft in einem Mega-Shitstorm. Redmond, ohnehin schon wegen restriktiver DRM-Pläne in der Kritik, bangte um den Launch der Xbox, distanzierte sich von seinem Creative Director, der verließ den Konzern und zog mit seiner Familie nach Los Angeles. "Ich war arbeitslos, erhielt Morddrohungen, meine Familie hatte Angst. Damals wurde mir den Boden unter den Füßen weggerissen, das hat mich eigentlich erst zu Adr1ft inspiriert." Einen Fakt, den Orth doppelt unterstreicht, denn er lebte damals nach eigenen Aussagen in einer "Blase": "Ich hatte von Gravity nichts gehört, damals gab es nur meine Familie für mich, der Rest war ziemlich egal. Natürlich war ich schockiert, als ich davon erfuhr, doch dachte mir: Scheiß drauf, ich lasse mir nicht länger vorschreiben, was ich entwickeln darf und was nicht." Orth unterhält sich mit Freunden von Electronic Arts Los Angeles, die ebenfalls gerade ihren Job verloren hatten und gründet mit ihnen sein eigenes Studio Three One Zero. "Die Grundidee des Spiels ist es, mit einer Situation konfrontiert zu werden, die Sie selbst nicht kontrollieren können. Und wo würden Sie sich wohl hilfloser und ohmächtiger fühlen als im Weltraum?"

    Kirschblüten im Weltall: Reduktion und Unreal Engine 4

    Ursprünglich war das Erlebnis sehr auf diese Bedrohlichkeit des Alls ausgerichtet ... Das Spiel ist abgesehen von seiner Atem-Mechanik eigentlich recht unaufgeregt und hat ein schönes Pacing. "Reduktion kann manchmal sehr gut sein für ein Spiel", erklärt Orth. "Ursprünglich war das Erlebnis sehr auf diese Bedrohlichkeit des Alls ausgerichtet, doch dann habe ich die Fotos des deutschen Astronauten Alexander Gerst gesehen und die Schönheit des Weltraums darin erkannt." So änderte sein Studio das Konzept ein wenig, machte das Spiel unaufgeregter. Noch immer gibt es diese Mechanik der Atmung, doch das Erlebnis steht mehr im Vordergrund. "Weil die Unreal Engine 4 mittlerweile so günstig geworden ist und Epic lediglich bei Erfolg eines Spiels einen Teil vom Kuchen haben möchte, können auch wir als Indies Triple-A-Grafik anbieten, mit scharfer Texturierung, tollen Partikeleffekten und Physik arbeiten." Von seinem Design her mischt das Spiel sehr kühl und anonym wirkende Räume mit seinen Aufzuchtstationen für Pflanzen aller Art. So schweben Ihnen gar japanische Kirschblüten entgegen, während in gewisser Entfernung ein Klavier Mozart aufspielt. Wie kommt das denn auf eine Raumstation?

    Gone Home trifft auf Gravity: Die Geburt des FPX?

    Mit Adr1ft möchte Orth das neue Genre der FPX gründen, der First Person Experience. Während Alfonso Cuaróns Oskar-prämiertes Gravity zwar auch ruhige und sehr emotionale Momente habt, gibt's auch große CGI-Action. Auf die verzichtet Adr1ft, auch bleiben die Geschichte und Geschehnisse über einen weiten Zeitraum eher mysteriös. Ein bisschen so wie in Gone Home erschließen Sie sich die Geschichte und Charaktere durch Zuhören und Erkundung. Anstatt Ihnen gefühlvolle Momente aufzudrängen, ergeben die sich eher beiläufig. Auf der Raumstation schweben Ihnen immer wieder Tablets entgegen, die Sprachnachrichten von Ihrem Kollegen Andrew Mc Donagh enthalten. Der erzählt mit weinerlicher Stimme, dass er sich nie wieder für seine Karriere und gegen seine Familie entscheiden würde. Er sinniert über seine Tochter, die ihm immer mal wieder Aufnahmen ihres Klavierspiels schickte, doch irgendwann damit aufhörte. Es löst etwas in Ihnen aus, wenn das Klavier lauter wird, Sie sich freuen, endlich mal wieder auf einen Menschen zu treffen, doch Andrew nur noch leblos durch den Raum treibt – adrift eben.

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    02:13
    Adr1ft: Erster Trailer zum Weltraum-Survival mit Unreal Engine 4
      • Von sft211 PC-Selbstbauer(in)
        Ich freue mich drauf egal wann es kommt
      • Von Birdy84 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Aveonik
        Es ist schön von solchen Spielen zu lesen, aber es ist umso trauriger das es so wenige erleben können.

        Noch immer keine Meldungen über Verkaufsstart oder wenigstens neues Developer Kit. Das einzige was man zu lesen bekommt ist das immer mehr "vorgestellt" werden, aber auch zu denen keine Info wann sie denn erhältlich sein sollen.
        Besser so, als Terminvorgaben, die sowieso nicht eingehalten werden. Allerdings ist das anspielen unfertiger Software eine Modeerscheinung, die in der Öffentlichkeit kritischer betrachtet werden sollte. Anhand der Verkaufszahlen kann man ausmachen, wie groß das Interesse an "Early Access" oder Kickstarter ist. Ich schätze mal die Meisten machen das, weil sie einfach das Spiel früher spielen wollen, ohne zu begreifen, die eigene Spielerfahrung mit einem unvollständigen Spiel zu schmälern.
        Ein Erfahrungsbericht, wie dieser hier, ist aber eine schöne Vorschau auf das, was uns erwartet.
      • Von Aveonik Komplett-PC-Käufer(in)
        Es ist schön von solchen Spielen zu lesen, aber es ist umso trauriger das es so wenige erleben können.

        Noch immer keine Meldungen über Verkaufsstart oder wenigstens neues Developer Kit. Das einzige was man zu lesen bekommt ist das immer mehr "vorgestellt" werden, aber auch zu denen keine Info wann sie denn erhältlich sein sollen.
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Adr1ft
Indie-Geheimtipp Adr1ft mit Oculus Rift: Blockbuster Gravity als VR-Erfahrung
Adr1ft ausprobiert mit Oculus Rift: Angst und Atemnot, verpackt in ein atmosphärisches Werk eines ehemaligen Microsoft-Mitarbeiters, der eigentlich nur den Shitstorm seines Lebens verarbeiten wollte, doch ein Gravity meets Gone Home schuf. Von Ryan Southardt und Benjamin Kratsch.
http://www.pcgameshardware.de/Adr1ft-Spiel-54183/Specials/Test-mit-Oculus-Rift-1153809/
07.04.2015
http://www.pcgameshardware.de/screenshots/medium/2015/04/ADR1FT_Screenshots__4_-pcgh_b2teaser_169.jpg
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