Keine EAX-Unterstützung unter Windows Vista (Update 3)
Ältere "Soundblaster Live"-Karten werden wohl nicht in den Genuss eines OpenAL-Treibers kommen
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In Windows Vista hält mit dem neuen Treibermodell bekanntlich auch DirectX 10 Einzug. Die neue Version der Schnittstelle ist nicht abwärtskompatibel zu DirectX 9 - mit fatalen Folgen für den Raumklang-Standard EAX des Soundspezialisten Creative Labs: Aktuelle Spiele können nicht mehr über DirectSound3D direkt auf die Soundkarte zugreifen, um die Berechnung von dreidimensionalen Klängen zu beschleunigen. Dadurch sind aber keine EAX-Effekte mehr möglich; der Sound wird per Software berechnet.
Ohne EAX jedoch verlieren die Soundblaster-Hersteller ihr wichtigstes Verkaufsargument. Und so arbeitet Creative derzeit an einer Lösung über die offene Soundschnittstelle OpenAL, die wie DirectSound3D den direkten Zugriff auf die Soundkarte und damit auf EAX-Effekte ermöglicht. OpenAL soll alle DirectSound- und EAX-Befehle der Spielesoftware an den Treiber der Soundkarte weiterleiten. Vorerst kommen jedoch nur X-Fi-Karten in den Genuss dieser Technik; entsprechende Vista-Treiber für Audigy-Karten werden aber wahrscheinlich folgen.
Creative Labs versucht nun, Spieleentwickler davon zu überzeugen, in Zukunft neben DirectX auch OpenAL zu unterstützen.
Update 1:
Während Creative an einer offiziellen Stellungnahme zum EAX-Problem unter Windows Vista arbeitet, hat ein Mitarbeiter des Sound Blaster-Herstellers das Thema schon einmal kommentiert (siehe Links zum Thema). Dabei bestätigt er, dass ältere und auch aktuelle Spiele, die den Umweg über OpenAL noch nicht beherrschen, unter Windows Vista keine EAX-Effekte erzeugen können. Die Verantwortung dafür liege nicht bei Creative, sondern bei Microsoft - die neue DirectSound-Architektur erlaube eben keine direkten Zugriffe auf die Sound-Hardware, die für EAX aber notwendig seien. Creative Labs arbeite aber neben dem OpenAL-Treiber an einer Lösung für alle Spiele - nähere Details konnte der Mitarbeiter noch nicht nennen.
Unterdessen wirft ein weiterer Artikel etwas Licht auf die Gründe für die radikale Umstellung der Sound-Architektur unter Windows Vista. Larry Osterman aus Microsofts Vista-Team hat sich in seinem privaten Blog schon vor über einem Jahr dazu geäußert: Demnach sei die grundlegende Sound-API seit Windows 98 nicht mehr geändert worden, einige Bestandteile gingen sogar noch auf Windows 3.1 zurück. Unzulänglichkeiten dieser alten Architektur sorgten für Stabilitätsprobleme, professionelle Musik-Anwendungen würden nur über Umwege vernünftig laufen. Daher war es Zeit für einen Umbruch. Dass damit auch die EAX-Erweiterungen der DirectSound-API wegfallen, erwähnte Ostermann damals nicht. Den Blog-Beitrag finden Sie ebenfalls über die Links zum Thema.
Update 2:
Wir haben das EAX-Problem unter Windows Vista in der Redaktion nachgestellt. Und tatsächlich: Auf unserem Vista-Testsystem lassen sich bei "Call of Duty 2" die EAX-Effekte in den Optionen zwar auswählen. Dann jedoch hängt das System für eine Weile, bevor die Auswahl automatisch auf "Miles Fast 2" zurückgestellt wird. Erfolgreicher war der Test mit Quake 4, das standardmäßig OpenAL unterstützt: Das Spiel konnte über diesen Umweg auch unter Vista
EAX nutzen.
Nun muss Creative Labs also nur noch möglichst viele Spiele-Entwickler davon überzeugen, OpenAL bei der Entwicklung zu berücksichtigen oder OpenAL-Patches für alte Spiele bereitzustellen.
Update 3:
Die angekündigte Lösung, die EAX-Effekte unter Vista für alle Spiele ermöglichen soll, kommt offenbar tatsächlich: Creative hat den Kollegen von der Website Custom PC gegenüber einen Treiber angekündigt, der jeden Aufruf einer EAX-Funktion durch ein Spiel abfängt und direkt zur OpenAL-Schnittstelle weiterleitet. Diese wiederum hat direkten Zugriff auf den Soundchip, was die EAX-Effekte möglich macht. Das Vista-Soundsystem wird also komplett umgangen - ohne, dass das Spiel selbst OpenAL unterstützen muss.
Der Treiber erscheint voraussichtlich noch im Dezember - allerdings nur für X-Fi-Soundkarten: Besitzer einer Audigy oder gar Soundblaster Live! gehen demnach leer aus.
